Mona Linke
Mona Linke
8. September 2022

Songrechte: Rendite machen mit Justin Bieber

Große Musiklabels zahlen Millionen für Songrechte, um anschließend jahrzehntelang „Royalties“ zu kassieren. Inzwischen können auch Privatanleger auf dem Markt mitmischen.

Niemand kauft mehr CDs, Platten schon gar nicht. Jede erdenkliche Single ist bei YouTube abrufbar oder kann auf Streaming-Plattformen wie Spotify heruntergeladen werden, bezahlen müssen Hörer dafür nicht. Man könnte meinen, dass sich mit Musik kaum noch Geld verdienen lässt. Doch das Gegenteil ist der Fall: Jedes Jahr machen Künstlerinnen und Künstler auf einen Schlag Millionen, weil sie ihre Songs oder gleich ganze Alben an große Musiklabels wie Universal Music, Sony Music oder BMG verkaufen. So hat etwa Bob Dylan vor einigen Jahren seine Autorenrechte an mehreren Kompositionen für schätzungsweise 300 Mio. USD an Universal verkauft. Die Beatles waren noch früher dran: Sie traten die Rechte an mehr als 250 Songs schon in den 1980er-Jahren ab. Käufer war damals der King of Pop höchstpersönlich. Michael Jackson erwarb die Rechte für knapp 48 Mio. USD und soll sie später für den doppelten Preis weiterverkauft haben. Doch was haben Konzerne oder auch einzelne Personen davon, fremde Werke einzukaufen?

„Last Christmas“ brachte jedes Jahr 9,7 Mio. USD ein

Es sind die sogenannten Royalties, also jegliche Tantiemen, die die Besitzer von Musikrechten im Laufe der Jahre einnehmen. Wann immer der Song gespielt wird, sei es auf Spotify oder iTunes, in der Fernsehwerbung oder auf dem niederbayerischen Volksfest, verdienen die Besitzer der Musikrechte Geld. Und das kann eine ganze Menge sein: So soll etwa der britische Musiker George Michael mit seinem Weihnachts-Klassiker „Last Christmas“ (1984) bis zu seinem Tod vor sechs Jahren schlappe 9,7 Mio. Dollar pro Jahr an Tantiemen eingenommen haben. 

Bei derartigen Summen ist es wenig verwunderlich, dass in dem Geschäft mit den Musikrechten längst nicht mehr nur Branchenkenner mitmischen. Selbst als unmusikalischer Privatinvestor lässt sich inzwischen in Songrechte investieren. Etwa direkt über öffentliche Plattformen und Auktionen, über die Aktien großer Musikkonzerne oder aber über professionelle Investmentfonds und spezielle Musik-NFTs. Als Ausgleich im Portfolio eignen sich Songrechte allemal, denn als Asset korrelieren sie nicht mit der Entwicklung des Aktienmarkts. Doch sind sie deswegen schon ein gutes Investment?

Von Leonard Cohen bis Shakira und David Guetta: der Hipgnosis Songs Fund

Wer einmal in die Welt der Musikrechte-Investments eintaucht, stößt schnell auf den Hipgnosis Songs Fund. Der britische Investmentfonds wurde von einem Team aus ehemaligen Musikmanagern und Investmentbankern zusammengestellt und besteht aus stolzen 65.000 Songs, von denen es knapp 3.800 schon mal auf die Nummer 1 der Charts geschafft haben. 151 der Werke sollen außerdem einen Grammy abgestaubt haben, schreibt die Investmentgesellschaft Hipgnosis im Factsheet. Unwahrscheinlich ist das nicht, denn der Fonds hat in der Vergangenheit immer wieder Millionensummen in die Hand genommen, um das Portfolio aufzustocken. So soll Hipgnosis beispielsweise 23 Mio. Dollar für ganze mehr als 300 Lieder des Songwriters Terius Nash gezahlt haben. Von ihm stammen Hits wie „Baby“ von Justin Bieber oder „Touch my body“ von Mariah Carey. Vergangenes Jahr hat Shakira ihren gesamten bisherigen Songkatalog an Hipgnosis verkauft, der kanadische Singer-Songwriter Neil Young immerhin die Hälfte seiner Hits. Seit 2018 ist der Hipgnosis Fonds an der London Stock Exchange gelistet, seit 2020 gehört er zum britischen Aktienindex FTSE 250. Um die 1,3 Mrd. GBP stecken nach Angaben von Hipgnosis inzwischen in dem Fonds.

Illiquide und teuer, aber renditestark?

Der Fonds kann zwar an der Börse gehandelt werden, ist aber trotzdem ein geschlossenes Produkt, genauer: ein sogenannter Closed End Fund, kurz CEF. Das hat Nachteile für die Investoren: Wer seine Anteile vor dem Ablauf von fünf Jahren wieder loswerden möchte, kann diese nicht einfach zurückgeben, sondern muss auf dem Zweitmarkt nach einem Abnehmer suchen. Wobei unklar ist, ob sich am Ende auch ein Käufer finden wird, der bereit ist, den gewünschten Preis für die Shares zu bezahlen. „Der Preis, zu dem die Aktien gehandelt werden, basiert auf den Handelspreisen an der Londoner Börse an einem normalen Geschäftstag“, heißt es dazu von Hipgnosis.

Der Musikrechte-Fonds ist verglichen mit einem offenen Investmentfonds oder einem ETF also sehr unflexibel, noch dazu verursacht er vergleichsweise hohe Kosten. Im jüngsten Factsheet von Juni 2021 schreibt Hipgnosis laufende Gebühren von 1,59% pro Jahr aus. Wer also beispielsweise 10.000€ in den Fonds investiert, drückt jährlich 159€ an Gebühren an die Investmentgesellschaft ab. Die Kosten eines gewöhnlichen ETFs auf einen globalen Index würden in den meisten Fällen weniger als 20€ pro Jahr betragen. Dazu erhebt der Hipgnosis Fonds eine Performance Gebühr von 10%, sobald die eigens gesetzte High Water Mark übertroffen wird.

Entscheidend sind die Dividenden

Bei einem ersten Blick auf die Performance sieht es nicht danach aus, als würden sich die hohen Gebühren lohnen. Seit seiner Auflage 2018 ist der Preis pro Anteil insgesamt um gerade einmal 8,5% gestiegen. Der MSCI World Index hat im selben Zeitraum um knapp 25% an Wert gewonnen.

Hipgnosissongs Performance
Quelle: Hipgnosissongs.com

Jedoch genügt es nicht, allein auf den Preis pro Anteil zu schauen. Der Investmentfonds schüttet nämlich auch Dividenden aus. Die Dividendenrendite, also der prozentuale Anteil der Dividende am Aktienkurs, lag in der Vergangenheit stets bei um die 4% pro Jahr. Bei einem Kurs von aktuell 113 GBP entspricht das etwa 4,50 GBP pro Anteil und damit 5,26€. Wer also 10.000€ in den Hipgnosis Fonds gesteckt hat, konnte damit pro Jahr rund 456€ allein an Dividenden einnehmen. Geht man davon aus, dass diese Dividenden jedes Jahr reinvestiert wurden, beläuft sich die Gesamtrendite (Total Return) seit Auflage auf etwa 8,7% pro Jahr und ist damit doch ganz beachtlich.

Hipgnosissongs Rendite
Quelle: Hipgnosissongs.com

Musik-NFTs: die spekulative Alternative

Weltstars wie Beyoncé, David Bowie, Mariah Carey oder Bob Dylan sind nicht unbedingt auf finanzielle Unterstützung von Privatanlegern angewiesen. Viele kleinere Künstler dagegen schon. Diesen unter die Arme zu greifen, hat sich das Wiener Start-up Global Rockstar vor auf die Fahnen geschrieben. Gestartet sind die Gründer vor acht Jahren als Crowdinvesting-Plattform für Musik, inzwischen können Anleger über den Marktplatz Musik-NFTs kaufen und sich damit an Songs oder ganzen Alben von jungen Newcomern beteiligen.

Die Anteile gibt es schon für wenig Geld: Wer sich mit 0,1% an einem Song beteiligen will, bezahlt dafür manchmal nur ein paar Euro, bei einem 5%-Share ist es meist eine dreistellige Summe und ab 30% auch mal eine vierstellige. Maximal können Investoren 2.500€ pro Kauf investieren. Als Beweis für ihren Erwerb erhalten sie ein NFT, also ein Non Fungible Token, das ihnen die Besitzrechte an dem Song auf der Blockchain verbrieft. Die Plattform eröffnet den Anlegern dazu eine eigene „Music-NFT-Wallet“ und übernimmt den gesamten Transaktionsprozess. Das Ganze soll also nicht nur etwas für Krypto-Erfahrene sein.

1 Mio. Euro Gewinn mit einem Ed Sheeran-Song

Gewinne sollen nach dem gleichen Prinzip erwirtschaftet werden: Je häufiger der erworbene Song gespielt wird, desto mehr verdienen die NFT-Besitzer daran. Global Rockstar versteht es, das Angebot zu verkaufen: „Stell’ dir vor, du hättest in einer frühen Phase in Ed Sheerans Song „Shape of you“ investiert und dir 10% seiner Einnahmen aus allen Streamingdiensten gesichert“, schreibt das Wiener Start-up auf seiner Website. „Du hättest bis heute mehr als 1 Mio. Euro verdient.“ Die Rechnung ist nicht verkehrt, aber doch ziemlich optimistisch. Denn wer nicht gerade den nächsten Mega-Hit herauspickt, kann leicht einen Totalverlust hinlegen, sollte der Song kurz danach in der Versenkung verschwinden. 

Doch selbst mit einem glücklichen Händchen bei der Songauswahl kann das Ganze zu einem Minusgeschäft werden: Denn Investoren erwerben hier nicht wirklich die Rechte an den Werken, sondern lediglich Genussrechte. Was sie kaufen, sind Ansprüche gegenüber dem Emittenten (Global Rockstar) auf Auszahlung einer Beteiligung an den Nettoerlösen – sofern ebensolche gemacht werden. Das macht die Musik-NFTs zu unflexiblen und dabei sehr riskanten Produkten.

„Zahlungsunfähigkeit führt regelmäßig zum Totalverlust“

Zum einen, weil sich die Anteile weder zurückgeben noch handeln lassen. „Es besteht ausdrücklich kein Anspruch des Anlegers gegenüber dem Emittenten auf Rückzahlung des investierten Kapitals (…)“, heißt es im Informationsblatt der Musik-NFTs. Auch ein „Rückkauf oder eine sonstige Rücknahme der Genussrechte“ durch den Emittenten sei nicht vorgesehen. Und weiter: „Die Genussrechtsvereinbarung bzw. das ‚Genussrechtszertifikat‘ (…) können insbesondere weder