Nachhaltiges Investieren in der Praxis – so erstellst du dein nachhaltiges Depot

Auch Investieren geht “grün” und mit reinem Gewissen. Was genau hinter dem Trend des Nachhaltigen Investierens steckt und welche Vor- und Nachteile das Ganze hat, haben wir schon in Teil 1 dieses Blogartikels geklärt. 

Bleibt die Frage: Wie investiert man denn nun konkret nachhaltig? 

Genau dafür haben wir einmal eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für dich zusammengestellt.

Inhalte

Risikoanpassung

Ganz egal, ob du schon mal investiert hast oder nicht: Bevor du dein nachhaltiges Portfolio aufbaust, solltest du dir überlegen, wie viel Risiko du eingehen möchtest. Schließlich hängt davon nicht nur die Rendite ab, sondern auch der mögliche (Buch-)Verlust, den du einfährst, sollte der Kurs fallen. Um das Risiko zu steuern, kannst du dein Portfolio in einen risikofreien und einen risikobehafteten Teil gliedern: 

  • Der risikofreie Teil umfasst den Teil deiner Vermögensanlage, mit dem du keinen Gewinn erzielen willst – und den du dementsprechend auf einem Tagesgeld- oder Festgeldkonto lagerst, wofür es nur geringe Zinsen gibt.
  • Der risikobehaftete Teil ist das Geld, das du gerne in Aktien oder Fonds (mehr dazu später) investieren würdest.

Wenn du dein Geld breit streuen und so möglichst diversifiziert anlegen möchtest, ist ein Investment in einen ETF, also einen Fonds, der einen ganzen Markt wie den DAX oder den MSCI World die beste Wahl. 

Genau wie beim konventionellen Portfolio-Aufbau solltest du dir zu Anfang überlegen, welchen Index dein Fonds oder deine Fonds abbilden sollen. 

Den passenden Index finden

Nach einem passenden Index kannst du am besten auf den Seiten der Index-Anbieter suchen, also zum Beispiel auf der Homepage des MSCI World oder FTSE. Hier hast du die Auswahl zwischen verschiedenen Indexfamilien, also zum Beispiel der Kategorie “Impact Global Environment”. Hierbei handelt es sich um einen Index, der nur solche Unternehmen abbildet, die klimaneutral arbeiten. Der “Ex Tobacco” dagegen ist ein Index, der alle Unternehmen aus der Tabakbranche ausschließt. 

Quelle: MSCI

  • Genaue Angaben, wie sich ein Index zusammensetzt, welche Branchen enthalten sind und welche nicht, erhältst du mit einem Klick auf den jeweiligen Index. 
  • Hier kannst du außerdem nachlesen, wie der nachhaltige Index in den letzten Jahren abgeschnitten hat – und ob er sich zum Beispiel besser oder schlechter entwickelt hat als sein Mutter-Index, in diesem Fall der MSCI World. 

Die dazu passenden ETFs heraussuchen

Welche ETFs nun für dein nachhaltiges Portfolio in Frage kommen, kannst du leicht auf der Website der einzelnen ETF-Anbieter herausfinden, also zum Beispiel bei Lyxor oder iShares.

Auf der Informationsplattform justETF zum Beispiel kannst du mit der Filterfunktion verschiedene Kriterien festlegen und dir zum Beispiel nur Aktien-ETFs anzeigen lassen, die einen ganzen Weltmarkt abbilden und zudem Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.

  • Detaillierte Infos über einen ETF (z.B. Fondsvolumen, thesaurierend oder ausschüttend, Gebühren und sparplanfähigkeit) findest du immer im Produktprospekt des jeweiligen ETFs. 

Quelle: JustETF.com

Ähnlich wie normale ETFs tragen auch die nachhaltigen Fonds so kryptische Namen wie “iShares Dow Jones Global Sustainability Screened UCITS ETF”, “MSCI AW SRI 5% Issuer Capped” oder “iShares MSCI World ESG Enhanced Focus”. 

Aber wofür stehen diese ganzen Abkürzungen eigentlich? 

SRI oder ESG? 

In Verbindung mit nachhaltigen Investments tauchen immer wieder die Bezeichnungen ESG und SRI auf. 

ESG steht für Environment-Social-Governance (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung)

Es werden vor allem Geschäftsfelder wie Waffen, Tabak und Kohle ausgeschlossen. 

SRI ist das Kürzel für Socially Responsible Investment (sozial-verantwortliches Investment) 

Neben Waffen, Kohle und Tabak werden zum Beispiel auch Glücksspiel und Pornografie ausgeschlossen. 

 “Screened” oder “Enhanced”? 

Die Beinamen “Screened” und “Enhanced” kommen einem in Verbindung mit nachhaltigen Investments immer wieder unter. 

ESG-Screened bedeutet, dass ganze 90% des Mutter-Index abgebildet werden, sprich: der nachhaltige Index kommt dem “normalen” Index ziemlich nahe. Die Ausschlüsse sind also verhältnismäßig gering. 

In einem ETF, der das Kürzel ESG-Enhanced im Namen trägt, ist der Ausschluss etwas strenger.  

Die genaue Definition und Methodik lässt sich in der “Methodology”-Darstellung von MSCI nachlesen.

x % Issuer Capped

Wenn du in einem ETF-Namen zum Beispiel “5% Issuer Capped” liest, dann bedeutet das einfach, dass ein Wert in dem gesamten Fonds nicht mehr als 5% des Gesamtvolumens ausmacht, sprich: das Ganze ist eine Absicherung dafür, dass der Fonds breit diversifiziert ist und nicht ein einzelnes Unternehmen einen zu starkes Gewicht im Index / ETF einnimmt. 

Accumulated (Acc) oder Distributed (Dis)? 

An diesen Kürzeln erkennst du, ob der ETF die erhaltenen Dividenden regelmäßig ausschüttet oder den Gewinn direkt wieder anlegt. 

  • Acc. steht für Accumulated, also thesaurierend. 
  • Distr. ist die Abkürzung für Distributed, also ausschüttend. 

Das Portfolio zusammenstellen

Bei einem nachhaltigen Portfolio kannst du die gleiche Anlagestrategie fahren wie bei einem  konventionellen Portfolio. Du kannst dein Depot also zum Beispiel zu 70% mit einem ETF auf eine nachhaltigen Version  des MSCI World (in dem etwa 1600 Unternehmen aus den größten Industriestaaten stecken) und zu 30% mit einem ETF auf einen nachhaltigen Tochterindex des MSCI World Emerging Markets (ein Index, der Unternehmen aus 26 Schwellenländern abbildet, darunter China, Taiwan, Brasilien und Saudi-Arabien). 

-> Der Vorteil von einer solchen Verteilung ist, dass dein Geld tatsächlich sehr breit gestreut wird und du sowohl von den mächtigsten Unternehmen der Industriestaaten (Google, Facebook, Amazon), aber auch von rasant wachsenden Firmen aus Schwellenländern profitierst. 

Sparplan abschließen (am Beispiel Trade Republic)

Wie du jetzt deinen neuen, nachhaltigen Fondssparplan abschließt, haben wir einmal am Beispiel des Smartphone Brokers Trade Republic durchgespielt:  

  1. Hast du dich für einen oder mehrere ETFs entschieden, kannst du diesen ganz einfach in der App deines Online-Brokers suchen. 

Quelle: Trade Republic 

  1. Lege anschließend deinen Sparplan fest und gib an, wie häufig du den ETF besparen möchtest (zum Beispiel einmal im Monat) und wann das Geld von deinem Verrechnungskonto abgebucht wird (z.B. Mitte des Monats). 
  1. im nächsten Schritt bestimmst du den Betrag, der jeden Monat von deinem Verrechnungskonto abgebucht und auf dein Depot übertragen werden soll (z.B. 140€) 
  1. Et voila! Fertig ist dein erstes “grünes” Portfolio 🙂 
  • Möchtest du in einen weiteren ETFs investieren, kannst du das ganze Prozedere einfach wiederholen. Möchtest du zum Beispiel 70% in einen ETF auf den MSCI World ESG und 30% in einen ETF auf den MSCI EM IMI (Emerging Market) investieren, schließt du ganz einfach einen zweiten Sparplan ab, den du regelmäßig mit 60€ besparst. 

Am Ende könnte deine ETF-Sparplan Übersicht dann zum Beispiel so aussehen: 

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