Mona Linke
Mona Linke
19. Mai 2022

Ferien vom Schreibtisch: Wie funktioniert ein Sabbatical?

Immer mehr Beschäftigte wünschen sich eine Auszeit vom Job. Möglich machen kann das ein Sabbatical – doch das Ganze will finanziell gut geplant sein.

„Und sechs Jahre besäe dein Feld und sammle seinen Ertrag ein”, heißt es an einer Stelle in der Tora. „Aber im siebten lass es ruhen und brachliegen”. Viele jüdische Bauern halten sich bis heute an das religiöse Gebot, das vor Jahrhunderten Eingang ins Buch Exodus gefunden hat. Alle sieben Jahre legen sie die landwirtschaftliche Arbeit für zwölf Monate nieder und verzichten aufs Aussäen, Bewässern, Unkraut und Ernten – nicht einmal Unkraut darf in diesem Jahr gezupft werden. “Shabbatjahr” nennt sich die Auszeit, mit der dem Boden eine Verschnaufpause gegönnt werden soll. Und längst ist das Konzept nicht mehr nur israelischen Bauern ein Begriff. Große Firmen wie Siemens, BMW und Volkswagen bieten ihren Mitarbeitern seit Jahren die Möglichkeit, ein Sabbatical einzulegen und die Arbeit für ein paar Monate, teilweise sogar über Jahre liegen zu lassen und sich anderem zu widmen: der Familie, einer großen Reise oder der eigenen Selbstfindung. Doch wie genau funktioniert so ein Sabbatical, worüber sollten sich Arbeitgeber und -nehmer unbedingt verständigen und kann sich jeder ein Sabbatical leisten?

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Was ist ein Sabbatical?

Sabbatical oder Sabbatjahr ist der Oberbegriff für verschiedene Modelle, die auf eine vorübergehende Pause vom regulären Job abzielen. Dabei kann es sich um ein volles Jahr handeln, aber auch nur um ein paar Monate. Anders als bei einem unbezahlten Sonderurlaub, wird in der Regel weiterhin ein Lohn sowie Krankenkassen- Pflege- und Sozialversicherungsbeiträge vom Arbeitgeber abgeführt. Normalerweise finanzieren sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das Sabbatical selbst, indem sie mit zusätzlicher Arbeitszeit oder Gehaltseinbußen in Vorleistung gehen.

Junge Leute wünschen sich am ehesten eine Pause

Die Geschichte des Sabbaticals, wie wir es heute kennen, reicht nicht allzu lange zurück. In den 1990ern etablierte sich das Konzept zunächst unter US-amerikanischen Wissenschaftlern, die ihre Arbeit zu Forschungszwecken für eine Weile niederlegen durften. Zwar nutzen auch heute noch viele Beschäftigte die Pause zu Weiterbildungszwecken oder um ein Nebenprojekt zu starten. Weit häufiger stehen aber “geistige und körperliche Erholung” oder “Reisen” im Fokus bei den Kurzzeit-Aussteigern, wie eine Xing-Befragung aus dem Jahr 2017 ergeben hat.

Knapp 10% der befragten Deutschen hatten sich zum Zeitpunkt der Studie bereits eine Auszeit genommen, weitere 21% gaben an, es gerne tun zu wollen. Am größten war der Wunsch bei den 18 bis 24-Jährigen, von denen sich knapp ein Drittel für eine temporäre Auszeit vom Job begeistern konnte.

Wer hat Anspruch auf ein Sabbatical?

Anders als beispielsweise bei der Elternzeit, sind Arbeitgeber aus der freien Wirtschaft nicht verpflichtet, ihren Mitarbeitern die mehrmonatige Pause zu gewähren. Stattdessen müssen Beschäftigte individuell aushandeln, ob ein Sabbatical im Betrieb möglich ist oder nicht – wenn auch einige Unternehmen einheitliche Regeln definiert haben, die für alle Beschäftigten gelten. Lehrerinnen und Lehrer, Verwaltungsmitarbeiter und andere Beamte im öffentlichen Dienst haben da bessere Startvoraussetzungen: Für sie schreibt das Gesetz ein Recht auf ein Sabbatical zu. Wie die Auszeit genau gestaltet und vorbereitet wird, ist Länder- und Kommunen-Sache. Je nach Bundesland können also unterschiedliche Regelungen gelten.

Im Ausland greift der Staat finanziell unter die Arme

Doch gibt es auch immer wieder Überlegungen, eine Art Sabbatjahr auch für Mitarbeiter aus der freien Wirtschaft in den Gesetzestexten zu verankern. 2018 beispielsweise brachte der der damalige SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil die Forderung nach einem Grundeinkommensjahr auf den Tisch. Mit finanzieller staatlicher Unterstützung solle jedem Mitarbeiter gleich welcher Gehaltsstufe alle zwölf Jahre eine einjährige Auszeit gewährt werden. So zumindest die Idee, aus der bis heute nichts geworden ist.

Staatliche Zuschüsse zum Sabbatical können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bereits in Österreich beantragen. Voraussetzung ist jedoch, dass während der Auszeit von sechs bis zwölf Monaten die freie Stelle von jemandem übernommen wird, der bis dato Arbeitslosengeld bezogen hat. So soll die temporäre Freistellung zur Wiedereingliederung Langzeitarbeitsloser genutzt werden. In den Niederlanden, Finnland und Dänemark existieren ähnliche Projekte.

Die unterschiedlichen Sabbatical-Modelle

In einigen Fällen gibt auch der Arbeitgeber etwas zum Sabbatical dazu, doch das ist die Seltenheit. Für gewöhnlich finanzieren sich Beschäftigte die Auszeit selbst, indem sie in Vorleistung gehen. Das Sabbatical gliedert sich also meist in eine Ansparphase und eine Auszahlungszeit.

Modell 1: Arbeiten für weniger Lohn

Am üblichsten ist der Verzicht auf einen Teil des Gehalts über einen festgelegten Zeitraum, den der Arbeitgeber einbehält und auf einem Langzeitkonto parkt. In einigen Modellen werden zusätzlich zum Gehalt auch Überstunden, nicht genommene Urlaubstage, Boni oder Weihnachtsgeld auf das Langzeitkonto angerechnet. Während der arbeitsfreien Zeit wird der eingesparte Lohn dann ausgezahlt.

Ein Beispiel:

Luisa arbeitet in Vollzeit als Unternehmensberaterin und würde gern für ein halbes Jahr ins Ausland gehen. Aktuell verdient sie 4.000€ brutto, also rund 2.500€ netto. Während ihres Sabbaticals möchte sie in Spanien wohnen, wo die Lebenshaltungskosten etwas günstiger sind – daher würden ihr auch schon 2.000 Euro netto jeden Monat genügen, was etwa 3.000€ brutto entspricht. Für die gesamten sechs Monate muss Luisa also im Voraus 18.000€ brutto ansparen (3.000€ x 6 Monate). Das gelingt ihr, indem sie sich über anderthalb Jahre nur 75% ihres Lohns auszahlen lässt – also 3.000€ brutto statt 4.000€ brutto. Die übrigen 1.000€ Bruttogehalt fließen auf ein Langzeitkonto, das ihr Chef für sie eingerichtet hat. Nach 18 Monaten hat sie so 18.000€ zusammen, die sie sich nun über ein halbes Jahr in Tranchen auszahlen lässt.

Sabbatical lohnt sich steuerlich

Weil in der Ansparphase Bruttogehalt angesammelt wurde, muss Luisa die Einnahmen auch erst in der Auszahlphase versteuern lassen. Das ist für Luisa ein Vorteil, da so ihre prozentuale steuerliche Belastung niedriger ausfällt, als wenn sie in der Ansparphase ein volles Gehalt bezogen hätte. Zum Beispiel liegt die effektive Steuerbelastung bei einem zu versteuernden Einkommen von 30.000€ bei etwa 17% – bei 40.000€ Jahreseinkommen dagegen bei etwas mehr als 20%.

Option 2: Vollzeit arbeiten, Teilzeit bezahlt werden

Ganz ähnlich funktioniert das Teilzeitmodell: Der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin arbeitet weiter wie bisher, dafür wird vertraglich für einen bestimmten Zeitraum eine reduzierte Arbeitszeit vereinbart. So werden automatisch mehr Arbeitsstunden geleistet als vertraglich vorgesehen sind, die dann auf ein Arbeitszeitkonto wandern und anschließend während des Sabbaticals ausgezahlt werden.

Auch wenn bereits in Teilzeit gearbeitet wird, lässt sich das Modell anwenden. Nur fällt die Auszeit für Teilzeitbeschäftigte naturgemäß etwas kürzer oder die Ansparphase länger aus, weil sich normalerweise weniger gut auf Lohn verzichten lässt. Schauen wir uns auch hierzu ein Beispiel an:

Stefan arbeitet pro Woche 20 Stunden und verdient dabei 2.500€ brutto. Um für sein Sabbatical zu sparen, vereinbart er mit seinem Arbeitgeber für ein Jahr eine reduzierte Arbeitszeit und erhält pro Monat nur das Gehalt für 15 Wochenstunden (also 1.875€ brutto / 1.360€ netto). Trotzdem arbeitet er in gleichem Umfang weiter. Nach zwölf Monaten hat er so 7.500€ brutto angesammelt (625€ x 12 Monate). Das genügt ihm, um anschließend vier Monate lang ein Auszeit zu nehmen und seinen vorherigen Lebensstandard mit 1.875€ brutto weiterzuführen (7.500€ / 4 = 1.875€).

Logischerweise dauert die Ansparphase länger, je ausgedehnter die anschließende Auszeit sein soll. Einige Firmen erlauben es ihren Mitarbeitern, bis zu fünf Jahre nicht mehr im Büro aufzutauchen – entsprechend viel Vorbereitung ist nötig, um sich in dieser Zeit den Lebensunterhalt leisten zu können. Ein Kurzzeit-Sabbatical von zwei oder drei Monaten lässt sich da schon deutlich spontaner realisieren.

Angestellte bleiben kranken- und sozialversichert

Was allen Sabbatical-Modellen gemein ist, ist die Fortsetzung von Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung, die der Arbeitgeber weiterhin jeden Monat anteilig übernimmt – ganz egal, ob die Auszeit drei Monate oder zwei Jahre dauert. Ausnahmen gelten bei Weltreisenden, die während ihres Sabbaticals in Länder außerdem der EU reisen. Europäische Krankenkassen übernehmen normalerweise ausschließlich die Kosten für Behandlungen oder Medikamente innerhalb der EU. Wer den Kontinent wechseln möchte, sollte sich also unbedingt vorher über eine Auslandsreisekrankenversicherung informieren und Zusatzkosten von möglicherweise mehreren Hundert Euro pro Monat einplanen.

Dass prinzipiell aber weiterhin Beiträge zur Krankenkasse abgeführt werden, ist für Arbeitnehmer ein entscheidender Vorteil im Vergleich zum Sonderurlaub, bei dem das Arbeitsverhältnis für eine Zeit aufgehoben wird.

Vier Wochen Sonderurlaub statt Sabbatical

Wenn ein Sabbatical von Arbeitgeber- oder Arbeitnehmerseite aus nicht möglich sein sollte, kann ein Sonderurlaub dennoch als Alternative zum Sabbatical dienen. Sonderurlaub zu nehmen bedeutet, für eine Zeit unbezahlt freigestellt zu werden. Das Arbeitsverhältnis wird in dieser Zeit pausiert, wodurch der Arbeitnehmer fortan selbst für seine Sozialversicherungs- und Krankenkassenbeiträge aufkommen muss. Wie nach einer Kündigung gilt das für pflichtversicherte Arbeitnehmer aber erst nach vier Wochen. Erst wenn der Urlaub länger als einen Monat dauert, gilt die Beschäftigung als beendet und der ehemals Angestellte muss sich freiwillig gesetzlich versichern. Damit können dem Beschäftigten in der arbeitsfreien Zeit Kosten von monatlich 600€ oder mehr entstehen. Der Monatsbeitrag bei den Kranken- und Pflegeversicherungen richtet sich in der Regel nach den Einkünften und beginnt bei den meisten Krankenkassen bei mindestens 150€ für den Grundtarif.

Das heißt: Wer sich eine kurze Auszeit wünscht, ohne jahrelang in Vorleistung gehen zu müssen, könnte sich alternativ auch nur für vier Wochen freistellen lassen und gegebenenfalls ein paar Wochen bezahlten Urlaub dranhängen. Wobei selbstverständlich auch diese Lösung voraussetzt, dass die Lebenshaltungskosten ohne Gehaltseingänge beglichen werden können.

Erst das Vergnügen, dann die Arbeit?

In wenigen Fällen ist überhaupt keine Vorbereitung nötig, um sich für ein paar Monate zur Ruhe zu setzen. Der Volkswagen-Konzern beispielsweise bietet seit 2021 eine Art Spontan-Sabbatical an, mit dem sich die Mitarbeiter ohne vorherige Ansparphase für mehrere Monate freistellen lassen können. In dieser Zeit verzichtet der Arbeitnehmer 

auf ein Viertel seines Gehalts, bekommt also nur 75% seines Lohns ausgezahlt. Um die restlichen Arbeitszeit-Einbußen abzustottern, bleibt die Gehaltsreduzierung auch nach dem Sabbatical erhalten – solange, bis der Arbeitnehmer seine “Restschuld” ausgeglichen hat.

Ist das Sabbatical ein Modell für Gutverdiener?

Lässt sich ein Sabbatical einfacher realisieren, wenn das Gehalt höher ist? Zahlen aus der oben genannten Xing-Studie legen das nahe: Der Befragung zufolge haben sich unter den Beschäftigten mit einem Bruttoeinkommen von mindestens 5.000€ bereits 14,4% eine Auszeit genommen – über alle Einkommensklassen hinweg waren es nur zehn Prozent..

Und generell stimmt es erst einmal: Je mehr Gehalt jeden Monat reinkommt, desto schneller ist ein bestimmter Bruttobetrag zusammen, der anschließend für die Auszeit genutzt werden kann. Doch gilt das oftmals nur in der Theorie. Was dabei nämlich gern vergessen wird, ist, dass der Lebensstandard dennoch für eine Zeit eingeschränkt werden muss. Und das kann zum Problem werden, wenn über die Jahre mit dem Gehalt auch die Fixkosten gestiegen sind, weil eine teurere Wohnung angemietet oder ein Auto angeschafft wurden. Solche Ausgaben für ein Jahr oder länger zu reduzieren, dürfte vielen Arbeitnehmern schwer fallen.

Nichtsdestotrotz muss man sich das Sabbatical zumindest in gewissem Maße leisten können. Ein alleinerziehender Vater, der nach Mindestlohn bezahlt wird (aktuell 12€ / Stunde) und wegen der Kinderbetreuung in Teilzeit arbeitet, kommt auf ein monatliches Bruttogehalt von 960€ brutto – die er mit großer Wahrscheinlichkeit vollständig für den Lebensunterhalt brauchen wird, sofern keine weiteren Ersparnisse auf der Seite liegen.

Vorbereitung ist alles

Sinn und Zweck eines Sabbaticals ist es, Sorgen, Stress und allgemein den Alltag für eine Zeit loslassen zu können. Es wäre also eher ungünstig, wenn sich die Auszeit in einen finanziellen Alptraum verwandelt, weil das Geld vorne und hinten nicht reicht. Angestellte sollten deswegen genauestens planen, wie viel sie für ihren Langzeit-Urlaub brauchen werden – und auf wie viel sie in der Ansparphase verzichten können.

Den Bedarf lieber zu hoch als zu niedrig ansetzen

Wie viel Geld während des Sabbaticals jeden Monat reinkommen sollte, hängt natürlich davon ab, wo und wie die Auszeit verbracht werden soll. Wer gegen Kost und Logis in Sizilien Oliven pflücken geht, die eigene Wohnung untervermietet und nur für sich selbst zu sorgen hat, wird vermutlich weniger benötigen als ein Elternpaar, das zwölf Monate lang um den Globus reisen möchte.

Neben den Fixkosten wie Mietzahlungen, Lebensmittelausgaben oder Versicherungen sollten auch variable Kosten eingeplant werden. Beispielsweise Ausgaben für Freizeitaktivitäten, für Weiterbildungen wie einen Sprachkurs oder eventuell anfallende Reisekosten. Für fremde Länder oder gar Rundreisen wird es etwas schwerer fallen, die Kosten genau zu prognostizieren. Eine Orientierung geben können Reiseblogs oder Erfahrungsberichte von anderen Kurzzeit-Aussteigern, die vielleicht bereits ein ähnliches Projekt hinter sich haben. In jedem Fall sollte der monatliche Bedarf lieber zu hoch als zu niedrig angesetzt werden – allein schon, um auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können, auf einen gestohlenen Mietwagen, einen verpassten Flug oder eine eventuell notwendige medizinische Behandlung.

Auf wie viel kannst du verzichten?

Wer bereits spart und investiert, hat meist schon einen guten Überblick darüber, wie viel im Monat zum Leben gebraucht wird und wieviel regelmäßig vom Gehalt zurückgelegt werden kann. Sollte noch kein Sparplan bestehen, ist das aber auch kein Problem. Die monatlichen Ausgaben lassen sich gut mithilfe eines Haushaltsbuchs über drei Monate oder länger tracken. Wer so viel Zeit nicht hat, kann die anfallenden Kosten auch anhand der Vergangenheit prognostizieren, indem die Kontoauszüge der letzten zwölf Monate hervorgeholt und die jeweiligen Monatsausgaben zusammengezählt werden.

Positiver Nebeneffekt: So eine Finanzübersicht hilft unweigerlich dabei, unnötige Ausgaben zu identifizieren, die sich eventuell über das Sabbatical hinaus einsparen lassen – beispielsweise nicht genutzte Abonnements, Verträge und Mitgliedschaften oder überteuerte Versicherungen.

Welche Klauseln sollen in den Vertrag mit dem Chef?

Mindestens genauso wichtig wie die persönliche Planung ist die Absprache mit dem Arbeitgeber. Beide Parteien sollten früh genug vertraglich festhalten, wie Ansparphase und Auszahlungsphase ablaufen sollen – und was passiert, wenn die Dinge anders laufen als geplant. Über folgende Fragen sollten sich Arbeitgeber und -nehmer abstimmen:

Was passiert, wenn der Mitarbeiter während des Sabbaticals krank wird?

Gesundheitliche Probleme kommen immer ungelegen, in der Auszeit vom Job aber meist besonders: Die Bezahlung erfolgt zwar weiterhin (wie im normalen Arbeitsalltag), doch ist es natürlich ärgerlich, wenn ein Teil des Sabbaticals mit Grippe im Bett verbracht wird. Häufig halten Arbeitgeber und Arbeitnehmer deswegen vertraglich fest, dass Krankheitstage gutgeschrieben und nachträglich eingelöst werden können. Sie orientieren sich damit am Bundesurlaubsgesetz, laut dessen Krankheitstage im Urlaub nicht dem Jahresurlaub zugerechnet werden.

Darf man während der Auszeit kündigen?

Gerade wenn das Sabbatical zur Sinnsuche oder Neuorientierung genutzt wird, können sich die beruflichen Pläne durch die Auszeit verändern – und gegebenenfalls den Wunsch nach einer Kündigung aufkommen lassen. So ein Schritt ist auch während des Sabbaticals möglich, sofern nichts anderes im Vertrag festgehalten wurde.

Kann der Arbeitnehmer während des Sabbaticals gekündigt werden?

Auch eine Kündigung vonseiten des Chefs ist nach wie vor möglich, solange kein Kündigungsschutz für die Auszeit vereinbart wurde. Wie schon im gewöhnlichen Arbeitsalltag muss der Schritt aber ausreichend begründet werden können.

Bleibt der Job derselbe?

Für ein Jahr oder länger den Arbeitsplatz zu verlassen, erfordert Umstrukturierungen im Unternehmen. Die Stelle muss neu besetzt werden und könnte es auch nach Rückkehr aus dem Langzeit-Urlaub bleiben. Prinzipiell haben Arbeitnehmer nämlich keinen rechtlichen Anspruch darauf, genau die Stelle fortzuführen, die sie vor dem Sabbatical innehatten. Gesetzlich vorgeschrieben ist nur, dass dem Mitarbeiter in einem solchen Fall eine Position zugewiesen wird, die den den individuellen Qualifikationen entspricht. Das heißt, ein Projektmanager dürfte beispielsweise einem anderen Team zugewiesen werden, aber nicht in die Produktion versetzt werden. Wer sich hier mehr Sicherheit wünscht, kann aber auch eine Rückkehr in die alte Stelle vertraglich vereinbaren.

Und wenn die Firma pleite geht?

Eine der wichtigsten Klauseln, die in jeden Sabbatical-Vertrag hineingehört, ist die für den Schutz des angesparten Gehalts im Falle einer Insolvenz. Schließlich sparen Arbeitnehmer über Langzeitkonten teilweise kleine Vermögen an, die sie dem Arbeitgeber gewissermaßen als Kredit überlassen. Für den Fall, dass die Firma nun vor oder während des Sabbaticals finanzielle Probleme bekommt, sollte unbedingt ausgeschlossen werden, dass die Sabbatical-Konten für die Auszahlung von Gläubigern geplündert werden dürfen. Im schlimmsten Fall droht dem Arbeitnehmer ansonsten der Totalausfall. Mehrere Hunderttausend Euro Zeitguthaben haben beispielsweise frühere Mitarbeiter des Maschinen- und Anlagenbauers Babcock Borsig verloren, als der Konzern Anfang der 2000er in die Pleite rutschte. Vor dem Zugriff schützen lässt sich ein Langzeitkonto beispielsweise, indem ein Kredit- oder Versicherungsunternehmen gegen Bezahlung als Bürge eingesetzt wird oder über eine Kautionsversicherung, die im Notfall einspringen kann.



Kommentare (4)

S

Stef

sagt am 20. Mai 2022

Hey, Ich plane nächstes Jahr mit Frau und den beiden Kids 12 Monate zu Reisen. Wir nehmen einfach Elternzeit. Dann gibt's auch noch bisschen Elterngeld oben drauf. Das ist mit das einfachste und mit dem Chef muss man auch und er Regel keinen großen Kampf führen.

A

Anonym

sagt am 21. Mai 2022

Hi Stef, aber es bekommt doch nur ein Elternteil maximal 12 Monate Elterngeld und der andere 2 Monate. Und Gehalt gar keins. Dann muss man doch viel mehr aus den Ersparnissen stemmen oder nicht? Im Vergleich zum Sabbatical ist das Einkommen viel geringer oder habe ich einen Denkfehler?

M

Martin

sagt am 20. Mai 2022

Hallo, ich arbeite in einem großen Konzern der was mit Zügen macht. Dort haben wir auch ein Modell wie beschrieben. Ich kann Gehalt, Urlaub und Überstunden einzahlen und der Arbeitnehmer gibt sogar noch einen kleinen Teil dazu. Dazu wird das ganze dann noch mit 2-3 Prozent jährlich verzinst. Ich nutze das auf jeden Fall, auch wenn ich bisher keine konkreten Pläne habe.

D

Dennis

sagt am 20. Mai 2022

Liebes Finanzfluss Team, vielen Dank für den Artikel. Ich finde es toll, dass ihr immer mal wieder Einblicke in andere Unternehmen gibt und wie es woanders ausschaut 😊. Tolles Thema, gerne auch einen Erfahrungsbericht dazu!


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