Markus Schmidt-Ott
Markus Schmidt-Ott
12. November 2021

Von Schlafanzügen und Schokoladenkoffern: Der Reiz der Sachdividende

Es gibt Firmen, die ihre Aktionäre nicht nur mit gewöhnlichen Dividendenausschüttungen, sondern zudem mit Sachdividenden bei Laune halten möchten. Was haben Unternehmen davon und welche Sachdividenden gibt es überhaupt? In unserem Artikel erfährst du nicht nur welche die Lindt-Sachdividende ist, sondern wir haben auch eine Liste verschiedener Sachdividenden für dich.

Sachdividenden faszinieren viele Anleger. Ein Produkt von der Firma geschenkt zu bekommen, an der man Anteile hält, empfinden viele als ein besonderes Privileg. Besonders für Neulinge an der Börse, für die der erste Besitz von Unternehmensanteilen ohnehin ein gutes Gefühl sein kann, hat eine Sachdividende oft eine besondere Wertigkeit.

Was ist eine Sachdividende?

Als Sachdividenden kann man allgemein Annehmlichkeiten bezeichnen, die Aktiengesellschaften ihren Teilhabern ermöglichen. Das kann in Form von Geschenken passieren oder indem man seinen Aktionären einen Rabatt am eigenen Produkt einräumt. Sachdividenden sind also neben der üblichen Dividende eine weitere Auszahlung in Form von Geschenken oder Naturalien.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, in welcher Form Sachdividenden ausgeschüttet werden können. Das hängt auch meistens ganz von der Art der Firma ab. Wie jede Dividende, werden auch Sachdividenden von den Firmen vollkommen freiwillig verteilt. Es gibt also keine Garantie, dass Sachdividenden tatsächlich ausgegeben werden.

Meistens werden Sachdividenden zusätzlich zur klassischen Dividende ausgeschüttet.

Geschenke oder Ausschüttungen für den Bauch

Die bekanntesten Sachdividenden sind der Schokoladenkoffer von Lindt & Sprüngli oder die Pyjamas der Firma Calida, die beide Firmen Jahr für Jahr an ihre Aktionärinnen und Aktionäre verschicken. Wer möchte, kann diese als Teil der Dividende begreifen und diesen Sachwert mit zur Dividendenrendite dazu zählen. Dazu später mehr.

Aktionärsrabatte

Weniger aufwendig und günstiger als der Versand von Koffern oder Pyjamas sind Aktionärsrabatte. Der Autovermieter Sixt beispielsweise gewährt seinen Aktionären einen Rabatt auf Mietwagenbuchungen. Aber auch Hotelketten oder Anbieter von Kreuzfahrten räumen ihren Aktionären teilweise einen besonderen Kundenstatus oder Reiseguthaben ein. Wie du den Aktionärsrabatt bei Sixt erhalten kannst, erklären wir später im Text.

Aktionärsclubs

Einige Firmen unterhalten einen sogenannten Aktionärsclub und bieten ihren Anteilseignern eine exklusive Mitgliedschaft darin an. Die Annehmlichkeiten solcher Clubs sind höchst unterschiedlich. So kann es sich um eine rein symbolhafte Mitgliedschaft auf dem Papier handeln, während manche Aktionärsclubs ihren Mitgliedern tatsächlich einen Mehrwert wie Vorträge oder kostenlose Werksführungen bieten. Der monetäre Wert solcher Privilegien ist kaum messbar, man kann sie daher nicht per se als Rendite-Boost bezeichnen.

Essen auf Hauptversammlungen

Geht es um Buffet und andere Arten der kostenlosen Verpflegung auf Hauptversammlungen, sehen das einige Aktionärinnen und Aktionäre anders. Die Dividende einer Aktie könne nur durch den Besuch einer Hauptversammlung maximiert werden, heißt es gern.

Fakt ist: In der Regel wird bei einer Hauptversammlung auch für Verpflegung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesorgt. Dass diese aber so berauschend ausfällt, dass sich womöglich sogar längere Anreisen allein des Essens wegen lohnen, ist zu bezweifeln. Trotzdem ist es ein beliebter Sport einiger Kleinaktionäre, die Verpflegung auf unterschiedlichen Hauptversammlungen zu vergleichen und zu bewerten. Unter manchen von ihnen hat sich dabei eine Faustregel manifestiert: Je kleiner das Unternehmen, desto besser die Verpflegung – jedenfalls sind das die Meinungen von fleißigen Testern in diversen Internetforen.

Mal vom Essen abgesehen, kann sich der Besuch einer Hauptversammlung mancher Unternehmen auch anderweitig lohnen. So gibt es bei manchen Firmen kleine Geschenke, wie zum Beispiel die beliebten Sixpacks Bier bei der Hauptversammlung der Einbecker Brauhaus AG. Auch kann der Besuch der Hauptversammlung Voraussetzung dafür sein, um ein Aktionärsgeschenk überhaupt zugeschickt zu bekommen – so zum Beispiel bei Lindt.

Einige beliebte Sachdividende

Schokoladenkoffer: Die Sachdividende von Lindt & Sprüngli

Quasi der heilige Gral unter den Sachdividenden ist der Schokoladenkoffer von Lindt & Sprüngli. Wer mindestens eine Aktie dieser Firma besitzt, erhält jedes Jahr einen Koffer gefüllt mit mehreren Kilogramm Schokolade. Nicht nur der hohe Wert lässt hier das Aktionärsherz höher schlagen, sondern allein die Magie eines ganzen Koffers voller Schokolade dürfte auch für einen noch so erwachsenen Aktionär wie ein Mitbringsel aus dem Schlaraffenland erscheinen.

Was so verführerisch klingt, hat natürlich auch einen Haken. Wer den Koffer erhalten möchte, muss mindestens eine Namensaktie der Firma Lindt & Sprüngli besitzen. Diese kostet im November 2021 knapp über 100.000€. Voraussetzung ist auch, dass der Aktionär im schweizerischen Aktienregister eingetragen ist und an der Hauptversammlung teilnimmt.

Über den Wert des Koffers lässt sich durchaus spekulieren. Denn neben dem reinen Sachwert, der auf um die 300€ geschätzt wird, besitzt dieser auch einen Sammlerwert im niedrigen vierstelligen Bereich. Die Dividendenrendite des Koffers dürfte sich im einstelligen Prozentbereich oder darunter bewegen.

Sachdividende von Lindt
Diese Lindor-Kugeln dürften ebenfalls im Schokoladenkoffer der Firma Lindt enthalten sein.

Der Calida Schlafanzug als Sachdividende

Nicht weniger bekannt als die der Koffer von Lindt ist der Pyjama von Calida. Mit seinem Sortiment aus Schlafanzügen und Unterwäsche wirbt das schweizerische Unternehmen für ein “gutes Gefühl, nicht nur auf der Haut”. Das wissen manch Aktionärinnen und Aktionäre sicherlich zu schätzen und dürften auch in schlechten Börsenjahren dank geschenkter Pyjamas mit einem guten Gefühl ausgestattet werden.

Um diese Pyjamas zu erhalten, müsstest du wie bei Lindt im schweizerischen Aktienregister eingetragen sein und natürlich Besitzer von Calida-Aktien sein. 20 Aktien müsstest du mindestens besitzen, um einen der begehrten Pyjamas zu erhalten. Bei einem Aktienkurs von etwa 45€ im November 2021 wäre also aktuell ein Investment von mindestens 900€ nötig. Je nach Wert des bestellten Pyjamas kommt man dadurch auf eine jährliche Dividendenrendite Rendite von knapp 10%.

Shareholder-Tarif bei Sixt

Wer Aktionär beim Autovermieter Sixt ist, kann zwischen 15% und 20% Rabatt auf Mietwagenbuchungen erhalten. Dazu genügt gerade einmal eine Aktie – egal ob Stammaktie oder Vorzugsaktie. Die etwas günstigere Vorzugsaktie kostet im November 2021 knapp unter 100€. Besonders wer regelmäßig bei Sixt Autos mietet, dürfte sich hier über eine nette Zusatzrendite freuen.

Um den Rabatt zu erhalten, muss man lediglich eine E-Mail an den Kundenservice schicken und bitten, den Aktionärstarif freizuschalten. Mittels einer Wertpapierabrechnung kann der Besitz einer Aktie nachgewiesen werden. Um den Aktionärstarif der richtigen Person zuzuordnen, benötigt Sixt von dir ein Kundenkonto mit einer Kundennummer.

Daraufhin wird bei einer Mietwagenbuchung immer der “Diamond-Discount” ausgewiesen. Dieser Diamond-Discount ist aber nicht zu verwechseln mit dem Diamant-Status, der noch eine Reihe weiterer Privilegien mit sich bringt.

Sixt Aktionärsrabatt als Sachdividende
Screenshot aus der Sixt App mit Aktionärsrabatt

Shareholder-Club von LVMH

Der Konzern LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton beheimatet unter seinem Dach Luxusmarken wie verschiedene Champagner- oder Modelabels. Zwar erhalten Aktionäre keine Geschenke oder anders geartete Rabatte, dafür aber Zugang zum sogenannten Shareholder Club. Über den Shareholder-Club hat man Zugriff auf verschiedene Angebote wie beispielsweise die Besichtigung der Champagnerkeller von Moët & Chandon oder einen VIP-Pass der Louis Vuitton Stiftung. Das Angebot kann von Zeit zu Zeit variieren und war während der Corona-Pandemie stark eingeschränkt.Schon der Besitz einer einzigen Aktie von LVMH (aktuell muss man dafür etwas über 700€ investieren) ermöglicht es, sich über ein Onlineportal zu registrieren. Anschließend erhält man eine Mitgliedschaft für zwei Jahre, die über das gleiche Portal nach Ablauf erneuert werden kann.

Moet Champagner von LVMH
Champagner aus dem Hause LVMH

Bonusdividenden von L’Oreal

Ein besonders exotisches Angebot unterbreitet der französische Kosmetikhersteller seinen Aktionären: Wer Aktien dieses Konzerns für mehr als zwei Jahre hält, kann eine Bonusdividende in Höhe von 10% erhalten. Voraussetzung dafür ist, dass die Aktie durch eine nicht börsengehandelte Namensaktie eingetauscht wird. Diese kann dann nicht mehr verkauft werden, außer man tauscht sie wieder zurück. Wer also ohnehin plant, die Aktie in absehbarer Zeit nicht zu verkaufen, kann auf diese Art die Dividendenrendite dieser Aktie maximieren. Die Tausch-Transaktion kann je nach Depotbank aber eventuell eine Gebühr kosten.

Warum geben Unternehmen Sachdividenden aus?

Die Beweggründe, Sachdividenden auszuschütten oder Aktionären andere Privilegien einzuräumen, sind vielfältig. In erster Linie dürfte es darum gehen, Aktionärinnen und Aktionären das Gefühl zu geben, mit ihrer Aktie nicht nur eine Teilhabe am Unternehmen, sondern auch ein Privileg erworben zu haben. Das wirkt identitätsstiftend und macht jeden Aktionär zu einem Botschafter des eigenen Unternehmens. Ob Sachdividenden angeboten werden, hängt stark von der Unternehmenstradition ab.

Zudem dürfte es für einige kleinere Unternehmen auch einen wichtigen Unterschied in der Bilanz machen, ob man Aktionären Geld ausschüttet und somit die Barreserven belastet oder ihnen stattdessen Rabatte einräumt. So gibt es insbesondere in der Schweiz einige Bergbahnen, die ihren Aktionären kostenlose Tickets ermöglichen. Solche Rabatte, aber auch Geschenke und die vielbeschworenen kostenlosen Essen auf der Hauptversammlung sprechen vor allem Aktionäre an, die sich geografisch in der Nähe des Unternehmens befinden. Das stärkt die regionale Verankerung und kann ein wichtiger Standortfaktor sein.

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Lohnen sich Sachdividende?

Ob sich Sachdividenden lohnen, hängt ganz vom eigenen (Konsum)-Verhalten und eventuell auch von der Größe des eigenen Portfolios ab. Eine Aktie von Lindt & Sprüngli im Wert von 100.000€ allein wegen des Schokoladenkoffers zu erwerben und sich damit ein immenses Klumpenrisiko ins Portfolio zu holen, ist in den wenigsten Fällen eine gute Idee.

Eine Sachdividende sollte nur als ein zusätzliches identitätsstiftendes Geschenk angesehen werden, jedoch nicht als ein Rendite-Boost. Wer hingegen seine Rendite tatsächlich mit Sachdividenden aufbessern möchte, sollte diese dann auch ganz konsequent wie eine Rendite behandeln: Also zum Beispiel den eingesparten Wert der Sachdividende wieder reinvestieren.

In nur wenigen Fällen wird eine Sachdividende die tatsächlichen Bedürfnisse ihrer Aktionäre decken: Wer sich zum Beispiel ohnehin jedes Jahr einen neuen und hochwertigen Pyjama kaufen möchte, kann zwar durch die Sachdividende von Calida Geld sparen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass dieser eigentlich gar nicht zwingend benötigt wird und man in diesem Falle weder Geld spart noch eine tatsächlich höhere Rendite hat. Ob der Schokoladenkoffer von Lindt & Sprüngli hingegen ein Grundbedürfnis deckt, daran dürften sich die Geister scheiden.

Ob Rabatte wie der Shareholder-Tarif von Sixt oder Bordguthaben bei Carnival als eine Art Rendite-Plus angesehen werden können, dürfte von Empfänger zu Empfänger unterschiedlich sein. Wer zum Beispiel ohnehin regelmäßig bei Sixt Autos mietet, wird dadurch einen echten finanziellen Mehrwert generieren können. Regt der Rabatt hingegen dazu an, öfters mal ein Auto zu mieten, also praktisch zusätzlich zu konsumieren, bedeutet das für den Aktionär ein Minusgeschäft – und ist eher ein Zeichen für geschicktes Marketing seitens der Aktiengesellschaft.

Liste von Sachdividenden in Deutschland

AktieVoraussetzungenSachdividende
Sixt SE1 Aktie im Portfolio (Stammaktie oder Vorzugsaktie)Shareholder-Tarif: Bis zu 20% Rabatt auf Mietwagen
Accor SA50 Aktien im Portfolio
Eintrag ins Aktienregister
ALL – Accor Live Limitless Gold Status gültig bis zum 31. Dezember des Folgejahres, also maximal zwei Jahre
Calida Holding AG20 Aktien im Portfolio
Eintrag ins Aktienregister
Jedes Jahr ein Pyjama
Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG1 Aktie im Portfolio
Teilnahme an der Hauptversammlung
Eintrag ins Aktienregister
Der berühmte Schokoladenkoffer
Swatch AGEine (Namens-)Aktie im Depot
Eintrag im Aktienregister,
Schweizerische Adresse, an die das Geschenk geschickt werden soll (muss nicht der eigene Wohnsitz sein)
Jährlich ein Sondermodell für Aktionäre einer Swatch-Uhr
Carnival Cruise Line Inc.,Norwegian Cruise Line Holdings Ltd.,und Royal Caribbean Group Ltd.,jeweils gleiche Konditionen100 Aktien im Portfolio, mindestens drei Wochen vor der KreuzfahrtBordguthaben auf Kreuzfahrten, je nach Dauer der Reise. Bei Carnival umfasst dies unter anderem Kreuzfahrten der Aida.
Zoologischer Garten Berlin AG1 Aktie im Depot
Gebühr von einmalig 675€
Lebenslang freier Eintritt im Berliner Zoo für dich und bis zu zwei Angehörige
Einbecker Brauhaus AG1 Aktie im Depot- Teilnahme an der HauptversammlungBei der Hauptversammlung gibt es ein Sixpack Bier
LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton SE1 Aktie im Depot
Registrierung im Shareholder-Club
Mitglied im Shareholder-Club. Ermöglicht unter anderem Besuche von Champagnerkellern und anderen Veranstaltungen
Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AGMindestens 10 Aktien im Depot
Eintrag ins schweizer Aktienregister
Freifahrten oder Rabatt auf Fahrten mit der Bergbahn in Engelberg (Schweiz). Hängt von der Anzahl der Aktien ab.
L’Oréal S.AAktien mindestens zwei Jahre im Besitz
Aktien werden durch nicht börsennotierte Namensaktien eingetauscht
10% Bonusdividende

Worauf du achten solltest

Besonders bei Aktiengesellschaften in der Schweiz sind Sachdividenden verbreitet. Um diese zu erhalten, muss man als Aktionär meist im schweizerischen Aktienregister eingetragen sein. Diesen Eintrag nimmt die Depotbank vor bei der die Aktie gehalten wird. Daher solltest du vor dem Erwerb der Aktie überprüfen, ob deine Depotbank einen solchen Eintrag vornimmt und wenn ja, wie viel dies Kostet.

Wir haben bei den beiden Neobrokern Scalable Capital und Trade Republic nachgefragt: Trade Republic bietet eine Eintragung in ausländische Aktienregister nicht an, arbeitet aber nach eigenen Angaben daran. Laut Auskunft von Scalable Capital können dort generell keine schweizer Aktien gehandelt werden. Beide Neobroker scheiden also für Sachdividenden, zum Beispiel von Calida oder Lindt & Sprüngli, aus.

Die ING erlaubt zwar den Handel schweizerischer Aktien, nimmt jedoch eine Eintragung in das Aktienregister laut Auskunft ebenfalls nicht vor. Bei der Consorsbank und der Comdirect hingegen sind solche Eintragungen möglich. Bei der Consorsbank gegen eine Gebühr von 24,95€ und bei der Comdirect etwas günstiger für 14,90€.



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