Mona Linke
Mona Linke
3. September 2021

Die Aktie unterm Weihnachtsbaum

Genau wie Immobilien oder Geldvermögen lassen sich auch einzelne Aktien oder Fonds verschenken und vererben – zum Teil komplett steuerfrei. Es gibt aber Dinge zu beachten.

Eine oder mehrere Aktien zu verschenken, kann pure Großzügigkeit zum Motiv haben – wird aber auch gern praktiziert, um Steuern zu sparen. Denn wer die Wertpapiere oder gleich das ganze Depot an direkte Verwandte überträgt, kann durch die hohen Freibeträge die Abgabenlast mindern. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt ist das legal. 

Welche Regelungen beim Verschenken von Aktien ansonsten gelten und wie es mit dem Vererben von Depots aussieht, erklärt dieser Artikel.

Aktien verschenken ist häufig kostenlos – zunächst

Das Sparbuch als Geschenk zur Geburt oder Einschulung hatte über Jahrzehnte in vielen Familien Tradition. In manch einem Haushalt wurde aber auch die gerahmte Volkswagen-Aktie verschenkt oder zum 18. Geburtstag ein Depot eröffnet. Zwar werden Aktien heute nicht mehr in Papierform ausgegeben, aber elektronisch verwahrte Aktien oder besser einen ganzen Fonds zu verschenken, kann auch heute noch sinnvoll sein, um die nächste Generation gleich früh in Berührung mit dem Kapitalmarkt zu bringen oder Geld für die spätere Ausbildung gewinnbringend anzulegen. ETFs eignen sich deshalb, weil sich die Einzelaktie nach kurzer Zeit als Niete erweisen und das gut gemeinte Geschenk zum Stressfaktor werden kann.

Voraussetzung für eine Schenkung ist, dass der Beschenkte ein eigenes Depot besitzt, auf das die Wertpapiere, Fonds oder Sparpläne übertragen werden können. Das Gleiche gilt für das Vererben von Aktien.

Neobroker wie Trade Republic veranschlagen weder bei einer Depotübertragung noch bei dem Verschenken einzelner Aktien Gebühren. Nichtsdestotrotz können die finanziellen Belastungen für den Beschenkten am Ende immens sein – zumindest, wenn man die Versteuerung nicht frühzeitig plant. Eine Übersicht über die geltenden Regelungen.

Abgeltungssteuer entfällt bei Schenkung

Überträgst du einzelne Aktien, Fonds oder gleich ein gesamtes Depot an eine andere Person, müssen die bisherigen Gewinne prinzipiell versteuert werden. Die Depotbank wird also automatisch 25% Abgeltungssteuer plus 5,5% Soli sowie eventuell Kirchensteuer von den Erträgen einbehalten, die die Papiere bisher erzielt haben –  denn sie wertet die Übertragung als Verkauf. Genauso würden übrigens auch Verluste geltend gemacht werden, mit denen sich die Abgabenlast wiederum senken ließe. 

Möchtest du deine Wertpapiere verschenken, also an jemand anderes übergeben, ohne dafür eine entgeltliche Gegenleistung zu erhalten, musst du deiner Bank das mitteilen. Teilweise genügt es bereits, im Verwendungszweck “Schenkung” anzugeben. Bisher erzielte Gewinne werden dann nicht automatisch realisiert. Wird das Wertpapier nach der Schenkung verkauft, muss der neue Besitzer die Gewinne selbstredend versteuern.

Eine Besonderheit gilt für Aktien, die vor dem Jahre 2009, also vor Einführung der Abgeltungssteuer gekauft wurden. Bis 2018 galt, dass sich Besitzer solcher Altbestände komplett steuerfrei Gewinne ausschütten lassen können. Mit Reform des Investmentsteuergesetzes gilt dieses Privileg nur noch eingeschränkt: Solange die Kursgewinne die Grenze von 100.000€ nicht überschreiten, sind diese nach wie vor abgabenfrei – und das gilt auch für Aktien oder Fonds, die verschenkt wurden. Erträge über dieser Grenze müssen von den Beschenkten mit 25% plus Soli plus gegebenenfalls Kirchensteuer versteuert werden. Verschenkst du also beispielsweise einen 2007 gekauften Aktienfonds, mit dem du bis heute 150.000€ Gewinn durch Kurssteigerungen und Dividenden gemacht hast, müsste der Empfänger nur knapp 14.000€ Steuern bezahlen, würde er sich die Erträge ausschütten lassen (28% von 50.000€). Das ist weit weniger als normalerweise fällig würden, denn jeder Privatanleger verfügt eigentlich nur über einen Freibetrag von 801€, den Sparerpauschbetrag. Hättest du den Fonds nach 2009 gekauft und würde der Beschenkte sich die Erträge auf einen Schlag ausbezahlen lassen, müsste er 41.000€ Steuern zahlen – denn in dem Fall wären 149.200€ zu versteuern.

Wird ein vererbtes oder verschenktes Depot später aufgelöst beziehungsweise einzelne Titel verkauft, zählt übrigens der Aktienwert, zu dem der Schenkende das Papier einst erworben hat. Sprich: Wurde eine Aktie 2010 gekauft, 2015 verschenkt und wird 2020 verkauft, müssen alle Erträge versteuert werden, die seit 2010 mit der Aktie erzielt wurden – auch wenn sie damals noch jemand anderem gehörte.

Sehr hohe Freibeträge für nächste Verwandte

Geschenkt wird zu Lebzeiten, vererbt nach dem Tod. Steuerlich gelten für Beschenkte aber in etwa die gleichen Regelungen wie für Erben. Je nach Verwandtschaftsgrad gibt es Freibeträge, die erst einmal überschritten werden müssen, damit die Schenkungssteuer überhaupt anfällt.

Relevant ist beim Verschenken von Aktien der Depotwert beziehungsweise der Kurswert, falls es sich um einzelne Aktien oder Fonds handelt. Als Übertragungswert gilt der niedrigste am Schenkungstag ermittelte Kurs. Verschenkst du am 12. Juli deine Netflix-Aktie, und notiert diese morgens bei 198€ und abends bei 160€, dann gilt der Kurswert von 160€. Das ist bei ein paar Hundert Euro Kurswert nicht weiter relevant, weil der Freibetrag ohnehin nicht ausgeschöpft wird. Bei einem ganzen Aktienpaket aus mehreren Hundert oder Tausend Papieren oder einem gesamten Depot aber schon.

Freibeträge im Überblick