Mona Linke
Mona Linke
11. Mai 2022

Sparen, bis der Arzt kommt: Wie gut funktioniert Frugalismus?

Die Rente mit 40 ist das Ziel vieler Frugalisten, die dafür auf einiges verzichten. Doch kann wirklich jeder frugal leben? Oder ist das Konzept am Ende nur etwas für Gutverdiener?

Status und Gehalt galten lange Zeit als die Hauptmotivationstreiber junger Menschen, jeden Morgen ins Büro zu fahren. Inzwischen hat sich das gewandelt: Die wenigsten Angestellten unter 30 möchten 40 Stunden in der Woche arbeiten, flexible Arbeitszeiten und Home-Office sind inzwischen für viele zur Normalität geworden. Lebensqualität statt Boni, könnte man den Wandel betiteln. Der Frugalismus als alternatives Lebensmodell passt dazu. Dabei liegen seine Ursprünge eigentlich weit in der Vergangenheit.

Was ist Frugalismus?

Übersetzt aus dem Lateinischen bedeutet “frugal” so viel wie “bescheiden” oder “sparsam” und beschreibt einen Lebensstil, der auf finanzielle Unabhängigkeit abzielt. Ziel der meisten Frugalisten ist es, früher als gewöhnlich in den Ruhestand zu gehen und anschließend nur noch vom eigenen Ersparten beziehungsweise den Erträgen einer Kapitalanlage zu leben. Funktionieren soll das, indem davor ein ziemlich spartanisches Leben ohne Konsumkäufe und mit Fokus auf das Nötigste geführt wird. Dabei setzen einige Frugalisten Sparquoten von 70, 80 oder sogar 90% des Nettogehalts an – je nachdem, wie groß der Wunsch nach finanzieller Freiheit ist und wie viel Startkapital bereits besteht. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Sparquote eines Deutschen lag im Jahr 2020 bei 16,2%.

Die frugale Lebensweise soll sich nach Informationen von Forschungsinstituten vor allem während der Finanzkrise etabliert haben, in deren Zuge viele Menschen stärker haushalten mussten. Bestrebungen hin zu Minimalismus, Verzicht und finanzielle Freiheit existierten aber schon früher. Anfang der 1990er Jahre breitete sich in den USA die sogenannte FIRE-Bewegung aus, was als Abkürzung für „Financial Independence, Retire Early” steht (zu deutsch: Finanzielle Freiheit, vorzeitiger Ruhestand). Als Begründer der Bewegung gelten beispielsweise die Autorin Vicki Robin und der Finanzanalyst Joe Dominguez, die in ihrem Buch “Your Money Your Life” die Idee skizziert haben. Weltweite Berühmtheit erlangte auch der Kanadier Peter Adeney, besser bekannt als “Mr. Money-Mustache”. Seit 2011 erklärt der ehemalige Softwareentwickler auf seinem Blog, wie ihm der Ruhestand mit 30 gelungen ist.

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Finanzielle Freiheit: Wie weit noch?
Du hast auch die finanzielle Freiheit als Ziel? Um herauszufinden, wie lange du noch sparen musst, kannst du unseren Rechner nutzen.

Extrem-Sparer und Teilzeit-Genießer: die verschiedenen Formen von Frugalismus

Die finanzielle Freiheit ist also das gemeinsame Ziel der Frugalisten. Und doch lässt sich der Begriff “finanziell frei” unterschiedlich auslegen, was wiederum Einfluss auf den Grad der Sparsamkeit hat.

Während viele das 40. Lebensjahr als Start der Rente anvisieren, genügt anderen der Ausstieg mit Mitte 50 aus dem Berufsleben. Wieder andere möchten überhaupt nicht komplett aufhören zu arbeiten, sondern streben stattdessen eine Teilzeitstelle oder die Selbstständigkeit an. Oder sie möchten ganz einfach das gute Gefühl haben, arbeiten zu können, aber nicht zu müssen. 

Nicht nur für Leute, die ihren Job hassen

Einer von diesen Menschen ist Sebastian Voss, der auf seinem Blog “Frugal zum Glück” Einblicke in sein sparsames Leben gibt. Der 26-Jährige weiß, dass er irgendwann finanziell frei sein möchte. Nur das “Wann” kann er noch nicht beantworten, denn er liebt seinen Job als Lehrer und möchte nicht so schnell mit dem Arbeiten aufhören. Sebastian gönnt sich sehr wohl ab und zu Dinge, trotzdem legt er jeden Monat 900 bis 1.100€ von seinem Gehalt zurück und investiert es. Um das zu schaffen, habe er gar nicht so wahnsinnig viel umstellen müssen, hat uns Sebastian im Podcast verraten. In seinem Fall seien es vor allem unnötige Konsumkäufe gewesen, die ihn bis dato vom Sparen abgehalten hätten und auf die er gelernt habe zu verzichten.

Oliver Noelting, 32 Jahre und seit kurzem Familienvater, schnallt den Gürtel da schon etwas enger. Auch er hält sein Leben als Frugalist en detail auf einem Blog fest und berichtet darüber, mit welchen Tricks er im Monat weniger als 100€ für Essen ausgibt, wie er und seine Freundin jahrelang auf 46 Quadratmetern gelebt haben oder wie man seine Seife selbst herstellt.

Doch es geht noch extremer: Einige Frugalisten verzichten für eine Zeit komplett aufs Essen oder betreiben Intervall-Fasten, um die monatlichen Kosten zu drücken, trennen sich von ihrem Smartphone und stellen sich nur noch Möbel in die Wohnung, die sie geschenkt bekommen oder auf der Straße aufgelesen haben. Hand in Hand mit einer frugalen und damit automatisch sehr minimalistischen Lebensweise gehen meist auch Umweltaspekte: Ziel vieler Frugalisten ist es nicht nur, sich selbst ein freieres Leben zu ermöglichen, sondern auch den eigenen ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten.

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