Geld anlegen mit Promi-Faktor – Die Fonds von Thelen, Maschmeyer und Diekmann

Mona Linke
Stand:

Fondsprodukte von bekannten Persönlichkeiten ziehen die Aufmerksamkeit auf sich – aber sind sie deswegen eine gute Wahl? Drei Promi-Fonds unter der Lupe.

Als Person des öffentlichen Lebens hat man ja so manche Möglichkeit, den eigenen Bekanntheitsgrad zu monetarisieren. Ein Buch schreiben zum Beispiel oder eine eigene Reality Show lancieren. Oder man legt einfach einen eigenen Investmentfonds auf. 

Letzteres scheint immer mehr in Mode zu kommen: Neben Ex-Bild-Chef Kai Diekmann und Unternehmer Carsten Maschmeyer, der einst den Finanzvertrieb AWD aufbaute, hat nun auch der ehemalige Höhle-der-Löwen-Juror Frank Thelen einen eigenen Fonds für Privatanleger herausgebracht, den er medienwirksam bewirbt. 

Ein bekannter Name zieht Investoren an – was noch lange nicht bedeutet, dass die Finanzprodukte halten, was sie versprechen. Das beweisen die deutschen Crash-Propheten und Buch-Autoren Max Otte, Dirk Müller und das Duo Friedrich und Weik bereits seit Jahren. Ihre selbst aufgelegten Fonds haben Anlegern in der Vergangenheit höchstens ernüchternde Wertsteigerungen, nicht selten auch Verluste, in jedem Fall aber hohe Kosten eingebracht. Die wenigsten aktiv gemanagten Promi-Fonds sind breit diversifiziert, häufig wird nur in eine zweistellige Zahl von Aktientiteln investiert. Für Anleger bedeutet das ein hohes Klumpenrisiko. Und die Produkte von Thelen, Maschmeyer und Diekmann bilden da keine Ausnahme. Wir haben uns die Fonds im Detail angesehen. 

Blockchain, KI und Software: Frank Thelens 10xDNA

10xDNA Disruptive Technologies nennt sich das neue Anlagevehikel von Seriengründer und Investor Frank Thelen. Anfang September wurde der Fonds der TV-Persönlichkeit offiziell aufgelegt, dessen Name an Thelens kürzlich erschienenes Buch angelehnt ist: In “10xDNA: Das Mindset der Zukunft” bekundet der Seriengründer seine Begeisterung gegenüber Technologien wie der Künstlichen Intelligenz, dem 3D-Druck, der Blockchain, Flugtaxis oder selbst fahrenden Autos. In einige dieser Sektoren will jetzt sein öffentlich zugänglicher Fonds in Form von Aktien investieren.

Thelens Ziel ist durchaus ambitioniert: 300% Wertentwicklung über die nächsten vier bis acht Jahre stellt sich der Unternehmer laut eines Berichts des Handelsblatts vor. Zumindest er selbst scheint davon überzeugt: “Einen Großteil” seines liquiden Vermögens habe er in den 10xDNA Fonds investiert, wie er wiederum in einem OMR-Podcast verkündete. Dort fiel auch der Satz: “Du kannst einen Index nur schlagen, wenn du etwas verstehst, was andere nicht verstehen.” Thelen, der sich selbst vergangenes Jahr mit Wirecard-Aktien verzockt hatte, berät den Fonds zwar – in welche Papiere das Geld der Anleger fließt, soll aber vor allem ein Team aus Physikern, Biologen, Krypto-Experten und Kapitalmarktanalysten herausfinden.

Was steckt drin?

Auf der Website des Fonds werden noch keine konkreten Angaben zu Positionen gemacht, das Portfolio befinde sich noch im Aufbau, heißt es dort. Es ist lediglich die Rede von “disruptiven Tech-Startups”, “neuen Märkten” und “vergleichsweise wenig Titeln”. Laut Medienberichten soll der Fonds knapp 30 Werte enthalten, darunter Technologie-Aktien wie Tesla, Palantir und Tencent. Keine Titel also, die nicht auch schon in globalen Welt-ETFs wie auf den MSCI World Index oder den Nasdaq zu finden wären. Auch auf die Kryptowährungen Bitcoin und Ether will der Fonds setzen. Nicht ausgeschlossen ist, dass auch mal in ein nicht-börsengelistetes Unternehmen investiert werden wird, das den IPO erst noch hinter sich bringen muss. Bis zu 10% des Fondsvolumens könnten auch in illiquide Werte wie beispielsweise Firmen in pre-IPO Situationen fließen, heißt es dazu auf der Website. 

Was kostet der Fonds?

1,8% laufende Verwaltungskosten zahlen Privatanleger pro Jahr und damit viermal so viel wie für einen ETF. Für institutionelle Investoren sind es 1,5%. Je nachdem, wie viel Kapital auf einen Schlag investiert wird, reduzieren sich die Gebühren: Ab 100.000€ werden für die Verwaltung nur noch 1,6% pro Jahr abgezogen, ab einer Million Euro sind es 1,39%. Die laufenden Gebühren können Großinvestoren noch weiter drücken, im Gegenzug wird dann aber eine Performance Fee fällig. Im Klartext bedeutet das: Legt der Fonds in einem Jahr eine Rendite hin, die mindestens 7% höher ist als in einem der vergangenen fünf Jahre, behält sich der Fonds auf die darüber erzielten Gewinne noch einmal 15% Extra-Vergütung ein. Wie sich die Kosten von aktiv gemanagten Fonds auf dein Endvermögen auswirken, kannst du übrigens mit unserem Rechner herausfinden.

Wie läuft der Fonds bisher?

Seit seiner Auflage am 1. September hat der 10xDNA Fonds an Wert verloren. Fairerweise muss man dazu sagen: Nach drei Wochen lässt sich noch keine seriöse Performance-Bewertung vornehmen.

Eine Benchmark, mit dem sich die späteren Wertentwicklungen vergleichen ließen, ist im Verkaufsprospekt des Fonds nicht angegeben. “Ziel ist allein das langfristige Wachstum”, heißt es dort. Zu Vergleichszwecken orientiere man sich aber “an den etablierten Technologieindizes”. Welche damit gemeint sind, verrät das Informationsblatt nicht.

Disruption hin oder her: Auch wenn es für einige Tech-Titel, die Thelens Fonds aufnehmen will, in letzter Zeit gut gelaufen ist, muss das nicht so weitergehen. Es gilt, was schon für alle anderen Einzelaktien gilt: Es kann jederzeit bergab gehen. Und bei lediglich 30 Titeln oder weniger, die der Fonds enthalten wird, holen sich Anleger ein hohes Klumpenrisiko ins Depot. Verstärkt wird es davon, dass Thelen unter anderem auch auf solche Unternehmen setzen will, die durch SPACs an die Börse gegangen sind, also praktisch durch die Hintertür. SPACs sind kurz gesagt leere Übernahmefirmen, die an die Börse gehen, um anschließend mit einem anderen Unternehmen zu fusionieren, das dadurch an die Börse gehievt wird und sich die Bürokratie eines konventionellen IPOs spart. Das Ganze ist sehr umstritten, hat doch schon so mancher SPAC-Deal für Anleger hohe Verluste bedeutet.

Der Paladin One aus dem Hause Maschmeyer

“Mehr Wissen. Mehr Sicherheit”. Unter diesem Leitspruch stehen die Paladin One Fonds aus dem Hause Maschmeyer. Aufgelegt wurde die Variante für Privatanleger im März 2018 von der gleichnamigen Fondsgesellschaft Paladin One Asset Management, die aus dem Family Office der Maschmeyers hervorgegangen ist. Für institutionelle Anleger gibt es den Fonds in deckungsgleicher Zusammensetzung bereits seit 2013. Gelenkt wird der Paladin One unter anderem von Carsten Maschmeyers Sohn Marcel. Das selbsterklärte Ziel ist ein in der Fondsbranche bereits oft gehörter Anspruch: Unterbewertete Aktien aufspüren und dadurch eine langfristige Rendite von durchschnittlich 10% pro Jahr einfahren. Gelingen soll das ebenfalls mithilfe von Spezialisten und Analysten, die nach eigenen Angaben mehrere Wochen mit dem Durchleuchten von Geschäftsmodell, Bilanzen, Unternehmenshistorie und Gewinnprognosen verbringen. Kurzum: Mit einem aktiven Management aus Fondsmanager und Expertenteam, wie es jeder andere aktive Fonds auch besitzt.

Was steckt drin?

Zu etwa 15% besteht der Paladin One aus Barreserven (Liquidität). 85% bilden Aktien, und zwar lediglich 15 bis maximal 25 Positionen. Genauer wird das Factsheet nicht. Was die Aktientitel angeht, legt der Fonds den Fokus auf europäische Unternehmen. 75% der enthaltenen Aktien gehören zu deutschen Firmen, US-amerikanische Unternehmen sind überhaupt nicht enthalten. Unter den Top 10 Positionen finden sich Unternehmen wie der Windpark- und Solaranlagen-Hersteller Blue Elephant Energy, das Pharmaunternehmen Medios oder Aareal BK – unter anderem Anbieter von Banking- und Digital-Lösungen, smarten Finanzierungslösungen und Software. Etwa 5% Gewicht besitzt die Social Chain AG, ein Social Media-Unternehmen, das auf die Vermarktung von Produkten mithilfe von Influencern setzt und bei dem schon Maschmeyers ehemaliger Höhle-der-Löwen-Kollege Georg Kofler Großinvestor ist. 

Was kostet der Fonds?

Die Verwaltungsgebühren sind dieselben wie schon bei Frank Thelens 10xDNA Fonds: Privatanleger zahlen 1,8% Gebühren pro Jahr, institutionelle Investoren 1,5%. Auch der Paladin One Fonds erhebt eine Performance Gebühr von 12,5%. Und es dürfte wenige Jahre geben, in denen sie nicht fällig wird. Jedes Jahr, in dem sich der Fonds positiv in seinem Wert entwickelt und gleichzeitig einen neuen Höchststand erreicht (und damit die sogenannte High-Water-Mark übertrifft), muss die Performance-Gebühr gezahlt werden – ganz egal, wie stark die Wertsteigerung ausfällt. Die 12,5% werden dann von dem tatsächlich überschreitenden Mehrwert abgezogen, also von den Gewinnen, mit denen der Fonds den letzten Höchststand übertroffen hat.

Wie ist der Fonds bisher gelaufen?

Der Paladin One Fonds für Privatinvestoren ist mit Auflage im Jahr 2018 noch nicht sehr lange auf dem Markt. Zumindest etwas seriöser ist da der Blick auf die Variante für Großinvestoren, die bereits seit 2013 existiert: 132% Rendite konnte der Fonds in den vergangenen acht Jahren nach Kosten erzielen, was durchschnittlich 16,5% Jahresrendite entspricht. Damit ist der Maschmeyer-Fonds tatsächlich etwas besser gelaufen als der globale MSCI ACWI Index, der 14,1% pro Jahr in demselben Zeitraum erzielte. Was auch in diesem Fall kein Zeichen für eine verheißungsvolle Zukunft ist. Im Gegenteil: Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass der Fonds seine gute Performance langfristig nicht halten wird. 

Mit Kai Diekmann für die Zukunft vorsorgen?

“Die wilden Kerle sind zurück”, titelte das Manager Magazin 2017 und kündigte dabei die Fondspläne von Ex-Bild-Chefredakteur Kai Diekmann und seinem ehemaligen Schulkameraden Leonhard Fischer an, seines Zeichens ehemaliges Dresdner Bank-Vorstandsmitglied. “Zukunftsfonds” nennt sich der Mischfonds der beiden, in den Privatanleger seit vier Jahren investieren können. Allzu viele Anleger konnten sich noch nicht für das Produkt des ehemaligen Boulevard-Journalisten begeistern: Bislang stecken weniger als 27 Mio. Euro Fondsvolumen in dem Zukunftsfonds. Zum Vergleich: Manch ein ETF auf den MSCI World besitzt ein Fondsvolumen von 36 Milliarden Euro oder mehr.

Was steckt drin?

Die Deutschen vom Sparbuch weglocken und langsam mit dem Kapitalmarkt vertraut machen – so lautete das selbsterklärte Ziel von Diekmann und Fischer. Und in der Tat investiert der Zukunftsfonds sehr behutsam: Mehr als die Hälfte des Kapitals fließt in Barmittel (56%), ist also keinerlei Schwankungen ausgesetzt. Die übrigen 64% fließen in ein recht buntes Potpourrie aus Aktien, einen Clean-Energy-ETF, Schwellenländer- und Unternehmensanleihen, Gold-ETCs, Index-Zertifikate auf den Bitcoin und “alternative Investments” wie Holz. Gerade einmal 25 einzelne Aktien fanden sich im Frühjahr 2021 in dem Fonds, darunter Firmen wie Bayer, EON, BASF, Panasonic, Nel Asa und das Goldbergbauunternehmen Barrick Gold.

Was kostet der Fonds?

Mit 0,96% Gesamtkostenquote (TER) ist der Zukunftsfonds etwas günstiger als die meisten aktiv gemanagten Fonds.

Rendite

Seit Auflage im November 2017 hat der Zukunftsfonds rund 10% Rendite erzielt, aufs Jahr gerechnet also durchschnittlich 2,5% Wertzuwachs. Das ist weit weniger als Anleger mit einem passiven Indexfonds erzielen konnten: Ein ETF auf den MSCI World beispielsweise hat zwischen 2017 und 2021 rund 12,5% Rendite eingefahren. Zumindest: Sein selbst gestecktes Ziel von “2-4% Jahresrendite” hat Diekmanns Fonds damit erreicht. Mit 5% Volatilität im Jahr dürften die Wertschwankungen für die Anleger erträglich gewesen sein. Zum Vergleich: Der MSCI World Index weist eine Volatilität von etwa 12% auf. Die niedrigen Wertschwankungen sind nicht überraschend, fließen doch mehr als 50% des Kapitals in Cash. Auch diese Aufteilung von Sicherheit und risikobehafteten Anlagen ist nichts, was du als Privatanleger nicht auch selbst herstellen könntest. Genauso gut könntest du die Hälfte deines Geldes in risikofreie Anlagen investieren, also beispielsweise auf ein Tages- oder Festgeldkonto legen und so die Schwankungen in deinem Portfolio verringern. Einen aktiv gemanagten Fonds, der immer noch weit mehr kostet als die meisten passiven ETFs, brauchst du dafür nicht.

Ob bekannt oder unbekannt: Aktive Fonds lohnen sich selten

Dass die Medienwelt hinschaut, wenn Investmentexperten, ehemalige Bankvorstände, Medien-Mogule oder einfach Unternehmer Investment-Tipps geben oder direkt einen eigenen Fonds auflegen, ist nichts Neues. Man denke nur an Star-Investorin Cathie Woods, die inzwischen sechs Fonds aufgelegt hat und deren Börsenhandel auf Schritt und Tritt von der Öffentlichkeit verfolgt, teilweise kopiert wird. Oder an Star-Investor Michael Burry, der spätestens seit dem Film “The Big Short” zig Privatanlegern als Leitfigur dient. Tesla-Chef Elon Musk muss inzwischen nur noch ein Foto von seinem Hund posten, um ein Kursfeuerwerk am Kryptomarkt loszutreten.

Wie sich die Produkte von Startup-Investoren wie Frank Thelen, Carsten Maschmeyer und Kai Diekmann langfristig entwickeln werden, bleibt abzuwarten. Generell gilt jedoch, was auch schon für aktiv gemanagte Investmentfonds von unbekannten Fondsmanagern gilt: Auf lange Sicht gelingt es den allerwenigsten Spezialisten und Experten, mehr Rendite einzufahren als globale Indizes. Die Ratingagentur Standard and Poors (S&P) stellt das immer wieder in ihren Analysen fest, in denen sie die Rendite aktiver Fonds mit deren entsprechenden Benchmarks vergleicht. Das Ergebnis ist in jedem Jahr dasselbe: Nur einem Bruchteil der aktiven Fonds gelingt es auf Dauer, mehr Rendite einzufahren als ein bestehender Index. In zehn aufeinanderfolgenden Jahren waren es laut der jüngsten Auswertung sogar nur 5%, denen die Outperformance gelungen ist. Und bei dieser Minderheit handelt es sich selten um bekannte Persönlichkeiten. Hauptgrund für eine so bemerkenswert schlechte Bilanz sind in aller Regel die Kosten. Neben laufenden Verwaltungskosten von 1,5% im Jahr oder mehr fallen häufig noch leistungsabhängige Performance-Gebühren an. Solche Kosten belasten die Wertentwicklung. Hinzu kommen teilweise noch Ausgabeaufschläge. Zum Vergleich: Die laufenden Gebühren von ETFs liegen zwischen 0,1% und 0,5% pro Jahr.

Selbstredend: Auch dem ein oder anderen Promi-Fonds wird es zuweilen gelingen, nach Kosten besser als der breite Markt zu sein. Nur hat das weniger mit den Analyse-Fertigkeiten und Erfahrungswerten der engagierten Spezialisten zu tun und ist vor allem auf den bloßen Zufall zurückzuführen. Um über Jahrzehnte erfolgreich am Aktienmarkt zu sein, braucht es aber keinen Zufall, auch kein Markettiming oder Stockpicking. Es braucht nichts weiter als eine passive Anlagestrategie mit ETFs, die das eigene Kapital breit über viele verschiedene Titel streuen, statt es in lediglich ein paar Dutzend Aktien zu investieren. Das mag sich weniger glamourös anfühlen, bringt langfristig aber die bessere Rendite.