Ratgeber
Rechner
Vergleiche

Ponzi Schema und Schneeballsystem einfach erklärt!

Einige der spektakulärsten Betrugsskandale in der Finanzwelt basieren auf Ponzi Schemata oder Schneeballsystemen. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesen Begriffen?

Um Licht ins Dunkel zu bringen, lohnt sich ein Blick auf die Funktionsweise der Methoden. In diesem Artikel beleuchten wir den Unterschied zu legalen Geschäftsmodellen und analysieren ein besonders berühmtes Beispiel eines Ponzi Schemas.

Das Pyramiden- oder Schneeballsystem

Es ist eine Masche mit vielen Namen. Dahinter verbirgt sich im Wesentlichen aber immer die gleiche Art von Finanzbetrug.

In der Regel wirbt zunächst ein einzelner Akteur (dabei kann es sich auch um eine kleine Gruppe handeln) einige wenige Mitglieder an, die für ihre Mitgliedschaft einen bestimmten Betrag oder eine regelmäßige Gebühr bezahlen müssen.

Damit die neuen Mitglieder ihre Ausgaben decken können, werben diese wiederum weitere Mitglieder an, die Beiträge an sie zu zahlen haben. Wer selbst Gebühren kassiert, muss also immer einen Teil seiner Einnahmen an die Person über sich in der Pyramide abgeben.

Das Modell wiederholt sich und mit jeder Etage des Betrugssystems muss die Zahl der Mitglieder rapide wachsen, damit alle ihre Beiträge mit Einnahmen decken können. Diese Dynamik von einer zunehmend breiten Basis zu einer kleinen Spitze brachte dem System seinen sehr treffenden Namen ein: Pyramidensystem.

Auch der andere geläufige Begriff „Schneeballsystem“ beschreibt die Abläufe treffend. Wie ein ins Tal rollender Schneeball schnell größer wird, wächst auch das Schneeballsystem exponentiell und endet im Tal mit einem (finanziellen) Knall:

Da exponentielles Wachstum in der realen Welt zwangsläufig an Grenzen stößt, finden die neuen Mitglieder des Systems irgendwann niemanden mehr, der beitreten möchte. Der Strom des Geldes reißt ab und die neuesten Mitglieder bleiben auf ihren Verlusten (ihren Beiträgen) sitzen.

Meist gibt es in solchen Systemen außer der Mitgliedschaft keine Gegenleistung für die Beiträge. Falls es bei dem Modell um den Vertrieb von Produkten geht, müssen diese in einer bestimmten Stückzahl vorab gekauft werden, um Mitglied im System zu sein.

Multi-Level- oder Netzwerk-Marketing

Bei MLM oder Strukturvertrieb handelt es sich um legale Geschäftsmodelle mit einem Aufbau, der Schneeballsystemen stark ähnelt.

Schließt ein Neukunde einen Kauf ab, verdient nicht nur der Vertriebspartner, sondern auch alle in der Unternehmenshierarchie über ihm. Bekannte Beispiele sind z.B. LR, die DVAG, AWD (jetzt Swiss Life Select) und ehemals Tupperware.

Beispiel LR Health & Beauty Systems

LR ist ein Multi-Level-Marketing-Vertrieb im Bereich der Gesundheits- und Schönheitsprodukte. Die Produkte können von Mitgliedern erworben werden, die sie dann wiederum an Freunde und Bekannte weiterverkaufen.

Dabei können Kunden zu selbstständigen Vertriebspartnern werden, müssen aber nicht. Darin liegt, zusammen mit der Existenz tatsächlicher Produkte, der Hauptunterschied zum Schneeballsystem.

Ein Kunde, der zum Vertriebspartner geworden ist, muss von seinen Einnahmen einen Teil als Provision an einen lokalen Manager abgeben. Von diesem Teil gibt der Manager wiederum etwas an die nächste Verwaltungsebene weiter.

Beispiel Deutsche Vermögensberatung

Die DVAG ist ein als Strukturvertrieb organisierter Finanzdienstleister. Hier werden nicht nur Vertriebsmitglieder angeworben, sondern in der Deutschen Akademie für Vermögensberatung (DAV) auch zum Vermögensberater ausgebildet. Verkauft ein Berater einem Kunden etwas, zum Beispiel eine Versicherung, so wird eine Provision fällig, welche sich wieder über die gesamte Struktur verteilt.

Trotz eines Umsatzes von mehr als 2,5 Milliarden Euro pro Finanzjahr kommt die DVAG mit nur einigen 100 festen Mitarbeitern aus. Die rund 18.000 „Finanzcoaches“ arbeiten auf Provisionsbasis für das Unternehmen. Berühmte Mitglieder des Beirats sind und waren z.B. die Politiker Theodor Waigel, Helmut Kohl und Wolfgang Schüssel. Die Vertriebsmitglieder sind nicht verpflichtet, die Finanzprodukte der DVAG selbst zu kaufen.

Das Ponzi Scheme

Das Ponzi Scheme oder auch Ponzi Schema ist ein Betrugssystem, das auf Intransparenz zur Verschleierung seiner mangelnden Tragfähigkeit setzt.

Anders als bei einem Schneeballsystem ist hier oft nicht ersichtlich, wie Gewinne erzielt werden. Das nach dem italienischen Betrüger Charles Ponzi benannte System besteht üblicherweise aus einer Institution, wie z.B. einem Hedgefonds, in die Anleger investieren können.

Der Anbieter lockt Investoren mit besonders hohen Renditen, die er auch jedes Jahr auf dem Papier bestätigt. Tatsächlich lagert er das Geld der Investoren aber einfach auf Konten und führt damit ein luxuriöses Leben.

Da die Anleger mit der hohen Rendite zufrieden sind, werden sie selten Geld aus dem System abziehen. Sollte es doch dazu kommen, dass ein Anleger sein Geld ausbezahlt haben möchte, wird ihm der Betreiber seine Anlage inklusive der Gewinne ausbezahlen. Das dafür benötigte Kapital stammt teils aus den Einzahlungen anderer Anleger. Solange die Geldzuflüsse größer sind als die Abflüsse, funktioniert das System.

Natürlich kann es passieren, dass die Börsenaufsicht angesichts der intransparenten Geschäfte Verdacht schöpft und das System durch Ermittlungen auffliegt. Häufig bleiben die Machenschaften aber unentdeckt, bis eine große Zahl Investoren ihre Rendite einstreichen möchte und sich herausstellt, dass das für die Auszahlung nötige Geld nicht vorhanden ist.

Der große Betrug des Bernard Madoff

Als Aufsichtsratschef der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq berühmt geworden, nutzte Bernie Madoff den guten Ruf seiner legitimen Investmentfirma als Deckmantel. Jahrzehntelang hielt er Investoren und Behörden mit gefälschten Handelsunterlagen und erfundenen Renditen im Dunkeln.

Wegen seines Standings und seiner vielen Kontakte schöpfte zunächst niemand Verdacht. Es gelang Madoff tatsächlich, über mehrere Jahrzehnte neue Investoren zu finden und sein Schema am Laufen zu halten. Über ein riesiges Geflecht an Transaktionen und Konten verschob er dabei Geld so, dass für die Behörden kaum eine Chance bestand, die Geschäfte zu durchschauen.

Da sein sensationell rentabler Fonds mehr Investoren anlockte, als er tatsächlich annahm, konnte er lange problemlos Einlagen samt Gewinnen ausbezahlen, falls Anleger dies forderten. Die durch künstliche Knappheit geschaffene Exklusivität des Fonds hielt das Interesse vieler Investoren langfristig hoch und brachte sie dazu, immer mehr Geld in die Anlage zu stecken. Auch namhafte Banken wie HSBC, BNP Paribas oder Santander sowie diverse Fonds gehörten zu den Betroffenen.

Die Finanzkrise 2007/2008 stellte Madoffs Schema allerdings vor unlösbare Probleme: Eine wachsende Zahl von Anlegern kam in finanzielle Not und wollte sich Einlagen auszahlen lassen. Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem die noch nicht veruntreuten Einlagen aufgebraucht waren und das System zusammenbrach.

Mit einem Schadensvolumen von etwa 4,6 Milliarden US-Dollar zählt der Fall Madoff zu den größten Betrugsfällen der Geschichte. Insgesamt wurden rund 40.000 Menschen in ca. 130 Ländern geschädigt. Anwaltskanzleien aus 21 Staaten schlossen sich zur juristischen Aufarbeitung zusammen. Bernie Madoff wurde zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt und starb 2021 während seiner Haft im Alter von 82 Jahren. Rund 94% der Verluste wurden inzwischen über Kompensationen an die Geschädigten zurückgezahlt.