Unternehmensanleihen: Suche Kapital, biete Kuponzins

Mona Linke
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Große Firmen finanzieren ihre Übernahmen nicht selten durch Unternehmensanleihen. Auch Anlegerinnen und Anleger können mitmachen – sollten aber die Risiken kennen.

Sie waren als “Öko-Latschen” verschrien und fanden allenfalls noch in sterilen Krankenhaus-Gängen Anwendung: Birkenstocks. Es hat ein paar Hundert Jahre gedauert, aber seit den 2000ern ist den Kork-Sandalen mit der großen Schnalle der Aufstieg zum ikonischen Lifestyle-Produkt gelungen, von dem der Großstädter gern gleich mehrere Paare im Schrank stehen hat. Und doch überraschte die Bekanntgabe vor wenigen Wochen, dass die Traditionsmarke vom Rhein künftig unter das Dach eines französischen Luxus-Imperiums schlüpfen wird – zumindest zum größten Teil. Wie im Februar bekannt wurde, hat der Milliardär Bernard Arnault, Gründer und Mehrheitseigentümer des Luxusgüterkonzerns LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton SE, zusammen mit der französisch-amerikanischen Beteiligungsgesellschaft L. Catterton, die so etwas wie der Investment-Arm von LVMH ist, die Firma Birkenstock zum größten Teil übernommen. Birkenstock wolle so sein Geschäft in Asien und dem Mittleren Osten ausbauen, hieß es aus der Führungsetage. Die Sandalen stehen damit nun in einer Reihe mit Firmen wie der Champagner-Marke Moët, dem Luxus-Koffer-Marke Rimowa, dem Juwelier Tiffany und einem Dutzend weiterer hochpreisiger Marken, die ebenfalls zu LVMH gehören.

Knapp 4 Milliarden Dollar kostet die Übernahme von Birkenstock. Eine Summe, die sich das Luxus-Imperium durchaus leisten kann. Muss es aber gar nicht komplett: Birkenstock hat im Zuge der Teilübernahme nämlich Anleihen im Wert von rund 400 Mio. Euro ausgegeben. Das dadurch eingesammelte Kapital fließt zurück an LVMH, das auf diesem Wege einen Teil seiner Kosten ausgleicht – oder anders gesagt: sich ein bisschen Liquidität zurückholt.

Es ist eines von vielen Beispielen, das zeigt, wie Unternehmensanleihen für Firmen als Finanzierungsmittel eingesetzt werden können. Aber sind solche Anleihen auch interessant für Privatanleger?

Wie hoch am Ende die Rendite ausfallen wird, ist ungewiss

Seit wenigen Tagen ist die Birkenstock-Anleihe (BK LC Lux Finco 1 S.à r.l. EO-Notes 2021) handelbar. Für die meisten Privatinvestoren dürfte das Papier allerdings wenig interessant sein, liegt das Mindestanlagevolumen doch bei 100.000€. Vielversprechend klingen die Kuponzinsen in Höhe von 5,25% pro Jahr aber dennoch, die es für die achtjährige Anleihe gibt. Nur sollte man nicht vergessen, dass höhere Zinsen bei Anleihen auch ein höheres Risiko bedeuten. Von Standard & Poor’s, einer der drei großen Ratingagenturen, wurde Birkenstock mit der eher mittelmäßigen Note CCC+ ausgezeichnet, sprich: es wurde dem Traditionshaus eine Bonität mit erhöhter Ausfallwahrscheinlichkeit bescheinigt. Kurz gesagt ist die Birkenstock-Anleihe damit ein echter “High-Yield Bonds”.

Unternehmensanleihen werden wie Staatsanleihen an der Börse gehandelt, im Falle der Birkenstock-Anleihe unter anderem an der Stuttgarter, Frankfurter und Berliner Börse. Auf verschiedenen Finanzportalen wird aktuell von einer Rendite von durchschnittlich 4,92% oder 5,0% pro Jahr für die Birkenstock-Anleihe ausgegangen. Die Rendite ist allerdings nicht zu verwechseln mit dem Kuponzins, der vorher festgelegt wird. Der Kuponzins entspricht dem Zins, den die Anleihenhalterin für jedes Jahr Haltedauer erhält. Der Kuponzins ist fix und wird sich im Laufe der Zeit auch nicht mehr verändern. Als Rendite dagegen bezeichnet man den Zinssatz, den Anleihenhalter tatsächlich mit ihrem Investment erzielen. Die Rendite setzt sich zusammen aus dem Kuponzins und dem aktuellen Kurs, bei dem die Anleihe gerade steht. Steigt die Anleihe im Kurs, sinkt gleichzeitig die Rendite. Die Nachfrage nach der Anleihe ist also größer als das Angebot, und Käufer sind bereit, einen höheren Kurs zu bezahlen, um die Anleihe tatsächlich zu erwerben. Der Kurs von Unternehmensanleihen wird als Prozentsatz vom Nennwert angegeben, also jenem Grundbetrag, zu dem der Emittent einen “Corporate Bond” herausgegeben hat und den er den Gläubigern nach Ablauf der Laufzeit schuldet.

Ein Kurswert von 100% würde beispielsweise bedeuten, dass die Anleihe genau ihrem Nennwert entspricht, bei einem Kaufkurs von 95% notiert sie 5% darunter, bei 110% 10% darüber usw. Wie hoch die letztendlich erzielte Rendite bei Verkauf oder Ablauf der Anleihe betragen wird, hängt davon ab, ob und wann der Halter aussteigt, wie sich der Kurs bis dahin entwickelt hat und ob die Anleihe vollständig getilgt oder der Schuldner ganz oder teilweise ausgefallen ist.

Die wichtigsten Kennzahlen und alles Wissenswerte rund um Anleihen haben wir übrigens in unserem Anleihen-Ratgeber schon einmal für dich aufgeschrieben.

Anleihe kann auch vor Ende der Laufzeit abgestoßen werden

Die schwankenden Kurse von Anleihen können für die Halter, also für die Investoren, am Ende also Fluch oder Segen sein. Je nachdem, ob sich die Schwankungen zu ihren Gunsten entwickeln und wann sie das Papier wieder abstoßen.

Zumindest teilweise können Investorinnen so auf die Rendite Einfluss nehmen. Denn sie sind nicht immer verpflichtet, bis zum Ende der Laufzeit eine Anleihe zu halten. Sofern sich denn ein Abnehmer findet, können sie also vorzeitig aussteigen beziehungsweise, sprich: ihre Anleihe verkaufen. Das Risiko wird dann fortan von jenem Gläubiger getragen, der das Papier erwirbt. So ein vorzeitiger Ausstieg lohnt sich natürlich dann, wenn der Kurs gerade höher steht als der Nennwert der Anleihe. Es kommt vor, dass auch der Emittent selbst den Anleihenvertrag vorzeitig aufkündigt. Die Firma Douglas hat eine entsprechende Sonderklausel beispielsweise in ihren Kaufverträgen für die Schuldverschreibungen vermerkt. Doch dazu gleich mehr.

Wird eine Anleihe direkt bei Emission gekauft und über die gesamte Laufzeit gehalten, entsprechen Rendite und Kupon ein und derselben Zahl. Oder anders gesagt: Der fixe Kuponzins wird durch eventuelle Schwankungen an der Börse weder steigen noch fallen.

Was beeinflusst die Rendite sonst noch?

Dass der Kurs einer Anleihe steigt oder fällt, kann unterschiedliche Ursachen haben. Eine davon ist, dass sich die Bonität, also die Kreditwürdigkeit des Emittenten verändert. Rating-Agenturen wie Moodys, Standard & Poor’s und Fitch prüfen die Firmen regelmäßig auf ihre Kreditwürdigkeit und geben eine Note zwischen AAA (höchste Bonität) bis CCC (Zahlungsausfall sehr wahrscheinlich). Teilweise ist auch die Rede von der Note D, die als Abkürzung für “Default” steht (zu deutsch: Ausfall, Insolvenz). Salopp gesagt ist das Kind zu diesem Zeitpunkt bereits in den Brunnen gefallen – es ist also viel mehr eine Feststellung als ein echtes Rating. 

Jedenfalls: Für ein mangelhaftes Rating kann es unterschiedliche Auslöser geben, sie reichen von geplatzten Fusionen über rote Zahlen bis hin zur Zahlungsunfähigkeit. Und entsprechend haben die Bewertungen auch Einfluss auf den Kurs, weil sie Investorinnen in der Regel abschrecken. Genauso wie eine erfolgreiche Übernahme oder erfreuliche Geschäftszahlen einen Kurs befeuern können.

Das Währungsrisiko

Bei internationalen Anleihen sollten Anleger das Währungsrisiko beachten. Wird eine Währung abgewertet oder verliert ganz einfach durch Ereignisse wie eine Wirtschaftskrise an Wert, dann ist das für die ausländischen Investorinnen eine schlechte Nachricht. Es bedeutet, dass die heimische Währung im Vergleich stärker geworden ist, die Rendite wird durch den Währungsverlust geschmälert. Allgemein kann man sich also merken: Steigt die Heimatwährung, bedeutet das Verluste – steigt die Fremdwährung, in der die Anleihe notiert ist, steigt auch die Rendite. Zusätzlich zum Kuponzins und die Kursschwankungen lässt sich theoretisch also auch durch Währungsgewinne die Rendite steigern.

Steigende oder fallende Marktzinsen

Auch die allgemeinen Zinsen am Markt können einen mehr oder weniger großen Einfluss auf die Rendite einer Unternehmensanleihe haben. Bestimmt wird der Marktzins vor allem vom Leitzins, den wiederum Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB) festlegen. 

Die Sache mit dem Marktzins

Tendenziell ist es so: Steigt der Marktzins, dann geht es mit dem Kurs der Anleihen herunter. Die Begründung ist simpel: Mit steigenden Zinsen werden andere, risikoärmere Papiere wie Staatsanleihen wieder attraktiver, die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass Anleihen-Halterinnen vermehrt aussteigen.

Dieses Marktzinsrisiko muss für den Investor nicht zwangsläufig den Ruin bedeuten, schließlich kann sich die Situation vor Ende der Laufzeit noch verändern. Und am Ende der Laufzeit wird die Anleihe sowieso “zum pari” zurückgezahlt, will heißen: zum Nominalwert beziehungsweise ursprünglichen Emissionsbetrag – zuzüglich dem Kuponzins.

Ein hohes Risiko ist keine Garantie für hohe Zinsen

Einen hohen Kuponzins erhalten auch Halterinnen der seit März emittierten Anleihe der Firma Douglas. 6% zahlt der Emittent jedes Jahr aus, die Laufzeit der Anleihe beträgt fünf Jahre. Nach Jahren der Überschuldung gaben die Rating-Agenturen der Parfümerie-Kette jüngst die Note B-, was so viel bedeutet wie: Die Bonität ist nur geringfügig besser als bei Birkenstock.

Auch dass Douglas vor knapp fünf Jahren unter die Anleihen-Ausgeber gegangen ist, hatte eine Finanzierung zum Grund. Erworben wurde die Kette nämlich von dem Private-Equity-Unternehmen CVC, das sich so die Übernahme finanziert hat. Das von Douglas eingesammelte Kapital floss zurück an den Käufer, also an die CVC, das inzwischen Beteiligungen an mehr als 300 Unternehmen hält, darunter der Wettanbieter Tipico und die Uhrenmarke Breitling.

Douglas behält sich das Recht vor, die Anleihe vor Ende der Laufzeit selbst zu tilgen. Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal – denn schon vor einigen Wochen wurden sowohl eine Douglas Anleihe als auch eine Kirk Beauty One-Anleihe, jener Holdinggesellschaft von CVC, unter deren Dach Douglas seit 2016 fungiert, vorzeitig aufgekündigt. Die beiden Papiere sollten 2022 beziehungsweise 2023 auslaufen, das Emissionsvolumen betrug insgeamt  635 Mio.€. Halterinnen der Papiere bekamen den eingesetzten Nennbetrag zu 100% zurückgezahlt, hinzu kamen noch fällige Kuponzinsen. Bei Douglas waren es knapp 6%, Investoren von Kirk Beauty One konnten sich pro Jahr über 8,75% freuen – musste dafür aber auch Nervenstärke beweisen, denn der Kursverlauf der Anleihen ähnelte zeitweise einer Achterbahnfahrt. Als Grund für die vorzeitige Tilgung nannten die Emittenten eine “umfassende Refinanzierung”.

Die aktuelle Douglas-Anleihe mit Laufzeit bis 2026 wird ebenfalls mit einer Stückelung von mindestens 100.000€ herausgegeben. Wer so viel Kleingeld auf der Seite liegen hat, könnte das Papier theoretisch kaufen. Zum Problem werden könnte nur, dass bei einem so hohen Mindestbetrag ein Klumpenrisiko entsteht. Passive Investorinnen sollten ihr Risiko breit streuen – um also beispielsweise nur 5% des gesamten Kapitals in Unternehmensanleihen zu stecken, muss das Depotvolumen schon mal gut und gerne 2 Mio.€ betragen.

Nicht immer folgt aus einem erhöhten Risiko immer auch ein hoher Kuponzins. Der Firma Lufthansa beispielsweise bescheinigte man im November 2020 eine Bonität von BB-. Und doch erhalten Käufer einer vierjährigen Anleihe, die 2019 aufgelegt wurde und in knapp drei Jahren ausläuft, gerade einmal 0,25% Zinsen pro Jahr. Die Rendite liegt aktuell allerdings bei (immerhin) 1,35%. Das kommt daher, dass die Anleihe zurzeit bei einem Kaufkurs von 97 notiert.

Eine Unternehmensanleihe mal eben so zu kaufen, ist in der Regel keine gute Idee. Die vertraglichen Bedingungen, die der Emittent stellt, sollten bestenfalls genau studiert werden, um böse Überraschungen von vornherein zu vermeiden. Im Falle der Lufthansa-Anleihe beispielsweise ist in den “Endgültigen Bedingungen”, die öffentlich zugänglich sind, allerlei festgelegt. Wie die Agenturen das Papier bewertet haben beispielsweise, an welchem Tag im Jahr das erste Mal die Zinsen ausbezahlt werden, wann die Rückzahlung des Nennwerts erfolgt und an welchem Tag in der Zukunft Anleger die Möglichkeit haben, vorzeitig auszusteigen – um nur einige wenige Eckpunkte zu nennen.

Warum Unternehmen Anleihen herausgeben

Nicht immer steckt eine Übernahme dahinter, wenn eine Firma Anleihen ausgibt. Normalerweise geht es aber stets darum, frisches Kapital einzusammeln, was sich sowohl für große Firmen (Industrieanleihen) als auch für kleinere Unternehmen (Mittelstandsanleihen) eher lohnen kann als die Ausgabe von Aktien. Schließlich handelt es sich bei Anleihen um Schuldverschreibungen, es werden keine tatsächlichen Unternehmensanteile herausgegeben. Im Umkehrschluss zahlen die Emittenten den Kuponzins. Auch hat die Ausgabe von Corporate Bonds gewisse Vorteile gegenüber der herkömmlichen Kreditfinanzierung. Um auf normalem Wege über eine Bank an einen Kredit zu kommen, gilt es erst einmal, den Kreditgeber (also zum Beispiel die Bank) durch umfangreiche Sicherheitsüberprüfungen von der eigenen Kreditwürdigkeit zu überzeugen. Auch für junge Unternehmen sind Anleihen daher eine gute Möglichkeit, Kapital einzusammeln.

Wie Privatanleger Anleihen handeln können

Keine Sorge: Zwischen den vielen hoch spekulativen High Yield Bonds aus unserem Beispiel werden auch jede Menge als kreditwürdig eingestufte Unternehmensanleihen herausgegeben, die noch dazu zu einem vergleichsweise geringen Einstiegspreis gehandelt werden können. Ein illustratives Beispiel für so eine “Durchschnitts-Anleihe” ist die Daimler-Anleihe. Aufgelegt wurde sie Mitte März. In zwölf Jahren muss der Emittent seinen Gläubigern seine Schulden zurückzahlen. Das jüngste Rating der Agentur Moody’s hat den Autobauer langfristig mit der Note A3 ausgezeichnet, die Anleihe gilt aus ihrer Sicht demnach als “Investmentwürdig” – sofern keine schwerwiegenden wirtschaftlichen Entwicklungen die Branche negativ beeinflussen. Ähnlich gut bewertet sind die Anleihen großer Firmen wie BMW, der Deutschen Bahn, Pfizer, Shell und vielen anderen.

Der Kuponzins einer Daimler-Anleihe mit Laufzeit mit 2033 (DE000A3H3JM4) liegt bei 0,75% pro Jahr, was im Vergleich zu einer Birkenstock- oder Douglas-Anleihe ziemlich ernüchternd klingt. Dafür ist das Ausfallrisiko um ein Vielfaches geringer. Die Stückelung beginnt bei 1.000€, und damit ist das Papier nicht nur etwas für Investorinnen mit Millionen-Portfolio. Doch wie gesagt: Nur weil ein Papier zu diesem Zeitpunkt mit einem “A”-Rating bewertet wurde, bedeutet das nicht, dass sich das im Laufe der Jahre nicht ändern kann. Und entscheidend für die letztendliche Rendite sind – wie erwähnt – eben auch die Kursentwicklung und der Zeitpunkt des Ausstiegs.

Die meisten Anleihen lassen sich genau wie Aktien an der Börse und dadurch über viele gängige Broker handeln. Es kommt aber auch vor, dass Unternehmen ihre Anleihen privat platzieren und damit nur einem ausgewählten Kreis von meist institutionellen Investorinnen und Investoren anbieten.

Einige Broker, allen voran mobile Broker wie Scalable Capital und Trade Republic, bieten überhaupt keine Anleihen an, während wieder andere Anbieter wie die DKB, die Sparkasse oder die Consorsbank pro Kauf Ordergebühren zwischen 5-10€ erheben.

Gestreut in Corporate Bonds investieren

Um nicht das volle Risiko einzugehen und über Jahre auf den Erfolg einer einzelnen Anleihe zu setzen, bieten sich Fonds beziehungsweise ETFs auf Unternehmensanleihen an. In solchen Fonds stecken mehrere Anleihen mit ähnlicher Laufzeit, in die investiert wird. 

Beispielsweise investiert der SPDR Barclays 0-5 Year US High Yield Bond UCITS ETF in insgesamt knapp 500 verschiedene Corporate Bonds. Wie der Name bereits verrät, handelt es sich dabei um High-Yield-Bonds (zu deutsch: Hochzinsanleihen), also um kurzfristige Anleihen (maximal 5 Jahre Laufzeit) mit hoher Verzinsung – und einem entsprechend erhöhten Ausfallrisiko. Seit seiner Auflage im Jahr 2013 haben Anlegerinnen im Schnitt 4.19% Rendite pro Jahr gemacht. Nicht einmal 5% der Werte haben ein besseres Rating als BBB erhalten, der größte Teil (54%) wurde von den Agenturen mit der Note BB bewertet und damit als “mäßig” zins- und tilgungsfähig.

Neben solchen Hochzins-ETFs gibt es auch eine Reihe an Indexfonds, die ausschließlich in Anleihen solcher Firmen investieren, die mit dem Gütesiegel “Investment Grade” ausgezeichnet wurden und damit als ausreichend oder sogar ausgezeichnet kreditwürdig gelten. Solche Indexfonds sind zum Beispiel der mehr als 1.000 Werte umfassende iShares Euro Corporate Bond Financials UCITS oder der SPDR Barclays 0-5 Year Sterling Corporate Bond UCITS ETF. Wer seit 2014 in den ETF von SPDR und damit in knapp 340 kurz laufende Anleihen investiert hat, hat im Schnitt 2,5% Rendite (Kuponzins + Kursgewinne) erhalten. Der Kuponzins des iShares ETF liegt bei 1,46% pro Jahr.

Der Vanguard USD Corporate Bond UCITS ETF investiert sowohl in kurzfristige als auch längerfristige Unternehmensanleihen, deren Bewertungen von AAA bis BBB reichen und damit in mehr als 5.000 Papiere. Der durchschnittliche Kuponzins pro Jahr beträgt 3,8%.

Was die Kosten betrifft, sind sich die ETFs ähnlich: Die TER liegen zwischen 0,1% und 0,3%.

Überblick: Corporate Bonds als Assetklasse

  • Schwankende Kurse gibt es auch bei Aktien

Corporate Bonds können vor Ablauf der Laufzeit verkauft werden. Je nachdem, wie der Kurs zum Verkaufszeitpunkt stehen wird, kann sich das lohnen – oder einen Verlust beziehungsweise eine geschmälerte Rendite bedeuten. Aktien haben sie damit nichts voraus, denn auch hier entscheidet quasi der Verkaufszeitpunkt über die letztliche Gesamtrendite.

  • Anleihen-Halter haben kein Stimmrecht

Anleihen sind Schuldverschreibungen und keine Unternehmensbeteiligungen. Folglich haben Anleihen-Käuferinnen auch kein Stimmrecht, wie es die meisten Aktionäre besitzen.

  • Aktien sind tendenziell renditestärker als Anleihen

Um mit einer Unternehmensanleihe 6-8% Rendite im Jahr einzufahren, müssen Anleihen-Käufer in der Regel ein recht hohes Risiko eingehen. Denn solche fixen Kuponzinsen gibt es meist nur für eher mittelmäßig bewertete Unternehmen. Bei einem Investment in Aktien-Fonds bzw. -ETFs dagegen sind Renditen zwischen 5% und 8% pro Jahr eher der Standard (zumindest im Schnitt).

  • Die Gewinne von Anleihen sind nach oben hin begrenzt

Langfristige Anlegerinnen und Anleger investieren in Aktien-Fonds oder ETFs gewöhnlich deswegen, weil sie nicht vorhaben, die Anteile nach fünf Jahren wieder zu verkaufen. Schließlich sind Aktien vor allem dann eine lohnenswerte Anlage, wenn sie mindestens 15 Jahre gehalten werden. Käuferinnen einer Unternehmensanleihe haben diese Möglichkeit meist nicht, denn die Laufzeiten sind begrenzt. Wer ein Papier bis zum Ende der Laufzeit hält, wird allein den Kuponzins realisieren. Mit einem vorzeitigen Ausstieg und positiven Kursentwicklungen sind hier zwar auch Gewinne möglich – bei Aktien, die über viele Jahre gehalten werden, sind sie aber weitaus wahrscheinlicher.

  • Ratings sind keine 100-prozentige Garantie

Die Ratings der Agenturen geben grundsätzlich einen guten Überblick über die Bonität von Firmen, also deren Zahlungsfähigkeit beziehungsweise Kreditwürdigkeit. Die Ratings geben zwar eine gute Orientierung. Dass die Bewertungen der Agenturen jedoch nicht immer der Wahrheit entsprechen müssen, haben die Erfahrungen während der Finanzkrise 2008 gezeigt, als Tausende Bonds zu Unrecht mit Top-Ratings ausgestattet wurden. Bei Aktien gibt es keine Ratings, die Unternehmen hinter den Wertpapieren werden aber schon bewertet.

  • Höhere Zinsen als Staatsanleihen

Die Kuponzinsen für Unternehmensanleihen sind im Schnitt höher als die von Staatsanleihen im selben Land. Das liegt ganz einfach daran, dass einzelne Unternehmen gefährdeter sind, in die Zahlungsunfähigkeit zu rutschen als Staaten.

  • Anleihen-Halter werden früher bedient

Sollte es tatsächlich zum Insolvenzfall bzw. zur Zahlungsunfähigkeit kommen, sind Anleihen-Halterinnen als Gläubiger in der Reihenfolge, in der Verbindlichkeiten bedient werden, besser gestellt als Aktionäre, was von Börsenanalysten immer wieder als Pluspunkt benannt wird. Das ist ein Grund, warum die Rendite einer Unternehmensanleihe in der Regel niedriger ausfällt als die einer Aktie selbigen Unternehmens.

Keine Rendite ohne Risiko

Anleihen gelten gemeinhin als die beste Methode, um sein Erspartes über Jahre in einem “sicheren Hafen” zu parken. Sowohl im Bereich der Staats- als auch unter den Unternehmensanleihen gibt es allerdings zahlreiche Papiere und ETFs, die das Geld der Gläubiger in – sagen wir – mittelmäßig bewertete Unternehmen stecken. Zinsen von 5%,10% oder sogar mehr als 20% sind hier möglich – entsprechend hoch ist allerdings auch das Risiko, dass der Emittent in Zahlungsschwierigkeiten gerät und Anlegerinnen und Anleger Verluste in Kauf nehmen müssen.

Nicht zuletzt sind Unternehmensanleihen für diejenigen interessant, die sie herausgeben – oder ganze Übernahmen durch sie finanzieren, wie das Beispiel des französischen Börsenstars LVMH zeigt. Auch für Großinvestoren kann sich so ein Anleihenkauf durchaus lohnen – sofern denn das Luxusimperium oder einer ihrer Beteiligungen nicht in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät.

Für die meisten Privatanleger dürfte eine Anleihe nichts sein, für die man mindestens 100.000€ auf den Tisch legen muss. Die gute Nachricht aber ist: Um 5%, 6% oder mehr Rendite zu machen, ist eine Spekulation am Hochzins-Anleihen-Markt gar nicht notwendig. Häufig genügt es bereits, sein Geld breit gestreut am Aktienmarkt zu investieren.