Was kostet ein Kind bis zum 18. Lebensjahr?

Mona Linke
Stand:

Trotz schlafloser Nächte, spitzer Legosteine in den Füßen und Restaurant-Besuchen, die einem den Schweiß auf die Stirn treiben, würde wohl jedes Elternpaar dieser einen Aussage zustimmen: Kinder sind wunderbar und ein glückliches Familienleben unbezahlbar. Wirft man einen unemotionalen Blick auf das Ganze, ist letztere These für viele junge Leute tatsächlich bittere Realität. Denn Kinder kosten eine ganze Stange Geld. Wie viel der Nachwuchs bis zur Volljährigkeit tatsächlich kostet, klären wir hier.

Von Babybrei bis Bachelor-Studium: So viel kostet ein Kind

Wahrhaftig wird sich ein strahlendes Kindergesicht nicht mit Geld aufwiegen lassen. Und dennoch: Steht die Familienplanung an, lohnt sich ein Blick auf die eigenen Finanzen, nein, er ist sogar unbedingt notwendig. 

Denn mit ein paar Windeln, Spielzeug und Babybrei ist es schließlich nicht getan, will man den Nachwuchs bis zur Volljährigkeit versorgen. Knapp 148.000 Euro würden pro Kind bis zu dessen 18. Geburtstag anfallen, schätzt das Statistische Bundesamt, das im Zeitraum von 2008 bis 2013 einmal die Konsumausgaben von Familien für Kinder berechnet hat. 

Und die setzen sich wie folgt zusammen: 

  • 42.000€ bis zum ersten Schultag

Schon bevor das Kind auf der Welt ist, werden meist Bettchen und Kleidung angeschafft, das Kinderzimmer gestrichen und teilweise sogar schon der Name auf die Kita-Warteliste gesetzt. In den ersten sechs Lebensjahren sind die Kosten für Kinder dennoch vergleichsweise gering. Laut Statistik gaben Paare im Jahr 2013 knapp 587€ pro Monat für ein Einzelkind aus, das waren 19,9% des gesamten Haushaltsnettoeinkommens. Als Orientierung wurde in der Studie das durchschnittliche Nettoeinkommen eines Paares einbezogen. In den ersten sechs Jahren nach der Geburt liegt das im Schnitt bei 2600€ pro Monat. 

Wie hoch die monatlichen Ausgaben in Wirklichkeit sind, hängt für viele Familien vor allem von einem ab: Dem Angebot an Kitas oder Kindergärten in ihrer Stadt. So können die Betreuungskosten von Familie zu Familie schon mal mehrere Hundert Euro auseinander liegen, wie eine Auswertung von Zeit Online aus dem Jahr 2018 ergeben hat: Teilweise würden einige Eltern oder Alleinerziehende mehr als 600€ pro Monat für einen Kita-Platz bezahlen, so das Ergebnis. Die vom Statistischen Bundesamt veranschlagten 37€ pro Monat spiegeln also nur bedingt die Realität wider, da es sich hier um einen Durchschnittswert handelt. 

  • 49.300 von 6 bis 12 Jahren

Noch etwas tiefer in die Tasche gegriffen haben im Jahr 2013 Eltern von Kindern im Alter zwischen 6 und 12 Jahren. 686€ pro Monat gab ein deutsches Pärchen etwa für ein Kind aus, darunter zum Beispiel 163€ für Wohnungen und Einrichtung, 113€ für Nahrungsmittel und 112€ für Bücher, Schreibwaren, Spielzeug und Urlaube. 

  • 56.100€ von 12 bis 18 Jahren

Ist der Nachwuchs erst einmal aus dem Gröbsten heraus und zwischen 12 und 18 Jahre alt, verdienen laut Statistik auch die Eltern im Schnitt etwa 300€ mehr im Monat. Die sind aber auch notwendig, kostet der Nachwuchs dann durchschnittlich 784€. Den größten Posten stellt auch hier das Wohnen mit durchschnittlich 210€ im Monat, es folgen knapp 100€ für Freizeit und Unterhaltung. 

Günstiger wird es laut Zahlen des Statistischen Bundesamts mit dem zweiten Kind: Weil Kleidung, Kinderwagen und Co. problemlos noch einmal benutzt werden können, erübrigen sich zumindest die großen Anschaffungen. Im Alter von 0-6 Jahren könnte das eine Ersparnis von etwa 100€ weniger im Monat bedeuten. 

Auf den Einzelfall kommt es an 

Wie viel das eigene Kind am Ende kostet, kann selbstverständlich stark von den offiziellen Zahlen abweichen, bei denen es sich – wie gesagt – um Durchschnittswerte handelt. 

“Glaubt keiner Statistik”, schreibt zum Beispiel der Betreiber des Blogs Finanzglück, gleichzeitig Vater und Ehemann. Zusammen mit seiner Frau hat er einmal durchgerechnet, wie viel das erste Kind tatsächlich gekostet hat. Das Ergebnis klingt verblüffend: Gerade mal 160€ pro Monat haben die beiden im ersten Jahr für ihren Nachwuchs ausgegeben. Möglich gemacht hätten es gebrauchte Kinderwagen, Kleidung von Ebay und Kindersitze von Bekannten, wie der Familienvater schreibt. 

Überraschend aber wahr: Der kleine Familienzuwachs habe sogar jeden Monat 20€ zusätzlich in die Kasse gespült. “Er hat schon von klein auf angefangen, seinen Teil zum Finanzglück-Haushalt beizutragen”, freut sich der Blogger. 

Wie das möglich ist? Nun ja, ein Kind kostet schließlich nicht nur Geld, sondern bringt auch erhebliche finanzielle Vorteile mit sich. Oder anders gesagt: Eine Menge der Kosten übernimmt hierzulande der Staat. 

50.000€ “Verdienst” 

Keine Sorge. Als Investment-Strategie wollen wir das Kinderkriegen an dieser Stelle nicht verkaufen. Und dennoch lohnt sich ein Blick auf die Entlastungen und Zuschüsse, von denen Eltern hierzulande profitieren: 

  1. Kinderfreibetrag oder Kindergeld

Ob Eltern Kindergeld ausgezahlt bekommen oder bei der jährlichen Steuererklärung einen Kinderfreibetrag absetzen können, ist vom Einkommen abhängig. Welche Leistung sich für die Eltern oder den Elternteil mehr lohnt, prüft praktischerweise das Finanzamt. 

Im Jahre 2020 kann so zum Beispiel ein Ehepaar (das gemeinsam besteuert wird und zusammen mehr als 63.500€ im Jahr verdient) den Kinderfreibetrag von 7.800€ geltend machen. Aufs Jahr gerechnet würde das Ehepaar so etwa 2500€ Steuerrückzahlungen erhalten. 

Alleinstehende müssen entsprechend nur die Hälfte an Brutto-Einkommen vorlegen und können entsprechend auch nur die Hälfte der Kinderfreibeträge absetzen. 

Wer zusammen weniger als 50.000€ im Jahr verdient, weil beispielsweise ein Elternteil in Teilzeit gegangen ist oder in der Elternzeit das Einkommen gekürzt wird, bekommt monatlich ein Kindergeld ausgezahlt. Im Jahre 2020 beläuft sich das bei den ersten beiden Kindern pro Kind auf 204€ im Monat, also ebenfalls knapp 2500€ im Jahr. 

  1. Kinderzuschlag: 

Für Geringverdiener gibt es neben dem Kindergeld noch einen Kinderzuschlag in Höhe von 195€ dazu. 

  1. Elterngeld 

Wer nach der Geburt des Kindes nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr arbeitet, hat außerdem Anspruch auf Elterngeld. Hier werden je nach Einkommen mindestens 300€ pro Monat ausgezahlt. 

  1. Mutterschaftsgeld: 

Bis zu acht Wochen nach der Geburt haben junge Mütter außerdem Anspruch auf Mutterschutzgeld, das zusammen von Krankenkasse und Arbeitgeber gestellt wird. 

  1. Weitere Entlastungen: 

Alleinerziehende haben derweil zum Beispiel Anspruch auf bestimmte Entlastungsbeträge, außerdem können später Ausbildungsfreibeträge geltend gemacht werden. 

Auch können Schulgeld, Kita-Gebühren oder Unterhaltszahlungen teilweise oder ganz von der Steuer abgesetzt werden. 

Indirekte Kosten nicht vergessen 

Zurück zur Statistik: 148.000 Euro Gesamtkosten pro Kind setzt das Statistische Bundesamt für eine Zeitspanne von 18 Jahren durchschnittlich an. Werden im selben Zeitraum jeden Monat 204€ Kindergeld ausgezahlt, kommt so eine nicht zu verachtende Summe von knapp 45.000 Euro zusammen. Weil das Kindergeld von Jahr zu Jahr steigt (2021 zum Beispiel auf 219€), in etwa 50.000€. 

Was die offizielle Statistik auslässt: Die sogenannten Opportunitätskosten, oder auch: indirekte Kosten des Kinderkriegens. Schließlich geht die Familiengründung nicht selten damit einher, dass mindestens ein Elternteil seine Arbeitszeit über mehrere Jahre reduziert oder gar ganz aufgibt. In dieser Zeit entfallen nicht nur Gehaltszahlungen, sondern vielfach auch Karrierechancen, die einen Mehrverdienst bedeutet hätten. 

Ausgenommen ist auch die Zeit nach der Volljährigkeit, in denen viele Eltern noch einmal deutlich tiefer in die Tasche greifen. Schließlich ziehen die wenigsten jungen Erwachsenen an ihrem 18. Geburtstag mit einem gefüllten Gehaltskonto in ihre eigenen vier Wände. 

Geht das Kind studieren, vielleicht sogar im Ausland, kann es gerade jetzt schmerzhaft teuer werden, wenn gleichzeitig Wohnung, Unterhalt und Studienkosten beglichen werden wollen. Noch mal gut 100.000€ könne das die Eltern bis zum Ende des Studiums kosten, glaubt man zum Beispiel den Schätzungen der Verbraucherzentrale Bayern. In wieder anderen Fällen arbeiten die Kinder nebenher und wohnen noch einige Jahre mietfrei im Elternhaus. 

Am Ende entscheiden die Eltern selbst 

Vor allem in den ersten Jahren kann es also durchaus sein, dass die staatlichen Zuschüsse die Kosten für den Nachwuchs vollständig auffangen – oder gar übertreffen. Doch hier entscheidet letztendlich jedes Elternpaar selbst, ob alle zwei Monate neue Nike-Schuhe und Marken-Buggys angeschafft oder Second-Hand-Läden nach Stramplern und Schneeanzügen durchforstet werden. 

Am Ende aber kommt es doch vor allem auf eines an: Zeit und Zuneigung. Das mag kitschig klingen, aber: Weder das Designer-Kinderzimmer noch die neueste Playstation werden eine schöne Kindheit zu einer noch schöneren Kindheit machen. 

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