Ist ein ETF auf den DAX ein gutes Investment?

Finanzfluss Team
Finanzfluss Team
Stand: 5. Juli 2021
Der Deutsche Aktienindex (DAX) ist als wichtigster Börsenindex Deutschlands für viele deutsche Anleger von hohem Interesse. Welche Möglichkeiten gibt es, in den DAX zu investieren? Und worin bestehen Unterschiede zu vergleichbaren Indizes? In diesem Ratgeber beschäftigen wir uns damit, ob eine Geldanlage in den DAX eine gute Idee ist.

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Was du wissen solltest
  • Bis zur DAX-Reform im September 2021 besteht der DAX aus den 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen, danach aus 40.
  • Unternehmen können zum DAX auf- oder aus ihm absteigen, gelistet wird bis zur Reform anhand der Kriterien Marktkapitalisierung und Börsenwert, ab September nur noch anhand der Marktkapitalisierung.
  • Die starke Übergewichtung einzelner Branchen und der alleinige Fokus auf den deutschen Markt machen ein Investment in den DAX wenig empfehlenswert. Ein Weltportfolio, das breit gestreut in Aktienindizes global investiert, kann bei guter Renditeerwartung das Risiko weitestgehend minimieren.

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So gehst du vor
  • Du kannst entweder direkt in Aktien des DAX, in Derivate oder mithilfe von ETFs in den DAX investieren. ETFs sind hierbei der empfehlenswerteste Weg eines Investments.
  • Wenn du dennoch in den DAX investieren möchtest, beispielsweise, um deinem Weltportfolio ein etwas stärkeres Gewicht auf deutsche Aktienmärkte hinzuzufügen, solltest du bei der Auswahl des ETFs darauf achten, dass dieser ein ausreichendes Fondsvolumen (min. 100 Mio. €), ein nicht zu junges Auflagealter und Handelbarkeit über deutsche Börsen aufweist.

Wie setzt sich der DAX zusammen?

Derzeit setzt sich der DAX fest aus den 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands zusammen. Er bildet hierbei über 70% des börsennotierten Aktienkapitals ab. Die Auswahlkriterien für die Aufnahme in den DAX sind im Moment der Börsenumsatz und die Marktkapitalisierung der jeweiligen Unternehmen. Hierbei wird sich auf das frei verfügbare Aktienpotential (genannt Streubesitz) bezogen, also alle Aktien, die nicht fix in den Händen von Großinvestoren sind. Zusätzlich wird eine Reihe an anderen Faktoren zur Bestimmung der Aufnahme in den DAX herangezogen (beispielsweise die Auflistung im Prime Standard oder ein Streubesitz von mindestens 10%).

Wenn Unternehmen die Kriterien des DAX nicht mehr erfüllen, können sie in den MDAX abrutschen, der die 60 nächst kleineren Unternehmen abbildet. Der Name steht für Middle-Cap-DAX, bezieht sich also auf die mittelgroßen Unternehmen nach Marktkapitalisierung. Der dritte Index aus der DAX-Familie ist der SDAX (Small-Cap-DAX), in dem die 70 auf den MDAX folgenden Unternehmen vertreten sind. Bei einem Abstieg aus dem DAX wird die Position von einem vormaligen MDAX-Unternehmen besetzt, das die Kriterien erfüllt.

Im DAX vertretene Unternehmen

Derzeit sind die folgenden 30 Unternehmen im DAX zu finden:

UnternehmenGewichtung im DAXBranche
SAP10,2%Technologie
Linde10,1%Chemie
Siemens8,2%Mischkonzern
Allianz7,6%Versicherung
Daimler5,4%Automobil
BASF5,1%Chemie
Deutsche Telekom4,8%Telekommunikation
Deutsche Post4,6%Logistik und Post
Bayer4,4%Chemie und Pharma
Adidas4,3%Sportartikel
Infineon 3,4%Halbleiter
Volkswagen3,3%Automobil
Münchnener Rück2,8%Versicherung
BMW2,4%Automobil
Vonovia2,4%Immobilien
Deutsche Börse2,2%Börsen
Deutsche Bank1,8%Banken
Delivery Hero1,8%Logistik
E.ON1,8%Energie
RWE1,7%Energie
Merck1,6%Chemie und Pharma
Fresenius1,5%Medizintechnik
Deutsche Wohnen1,4%Immobilien
Henkel1,3%Konsumprodukte
Fresenius Medical Care1,2%Chemie und Pharma
Continental1,1%Automobilzulieferer
Siemens Energy0,98%Energie
MTU Aero Engines0,96%Maschinenbauer
HeidelbergCement0,88%Baustoffe
Covestro0,8%Werkstoffe
Quelle: stoxx.com, 07/21

Die Unternehmen des DAX konzentrieren sich, wie man in der Tabelle ablesen kann, großteils auf relativ wenige Branchen. Neben der regionalen Beschränkung ist der DAX hier nicht sehr breit aufgestellt. Insbesondere durch das notwendige Auslassen von großen, nicht-börsennotierten Unternehmen (beispielsweise der größte Handelskonzern Deutschlands, die Schwarz-Gruppe) und der Relevanz des deutschen Mittelstands für die Gesamtwirtschaft kann der DAX nur sehr begrenzt als Marker für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft verstanden werden.

DAX ETF Beitragsbild 1
Der DAX hat einen starken Fokus auf die Chemie- und Pharmabranche. | Bild: unsplash.com

DAX-Reform September 2021

Ab September 2021 ändern sich die Spielregeln des DAX grundlegend. Laut der Deutschen Börse zielt die Reform darauf ab, den DAX an internationale Standards anzupassen. Eine der größten Änderungen ist die Erhöhung der inkludierten Unternehmen von 30 auf 40. Der MDAX wiederum wird von 60 auf 50 verkleinert.

Dies sorgt für eine starke Gewichtungsverschiebung zwischen den drei Hauptindizes der Deutschen Börse zugunsten des DAX. Er wird nach der Reform Berechnungen zufolge seinen Anteil an der abgebildeten Marktkapitalisierung bis zu 10% erhöhen. Noch unbekannt ist aber, welche Unternehmen schlussendlich in den DAX aufsteigen werden.

Dass die Position in der Rangliste von September an nur noch nach der Marktkapitalisierung bestimmt wird, nicht mehr auch nach dem Börsenwert, ist eine andere wichtige Neuerung der Reform. Auch werden die inkludierten Unternehmen dann zweimal jährlich überprüft, nicht mehr nur einmal.

So funktionieren die Punkte im DAX

Die Wertentwicklung des DAX wird landläufig in Punkten berechnet. Diese beziehen sich relativ auf die 1.000 Punkte Indexbasis, mit der der DAX bei seiner Einführung Ende 1987 gestartet ist. Die Punkte zeigen also an, wie sich der Wert des Index im Verhältnis zu seinem Startpunkt entwickelt hat. An derzeit (Stand: Juli 2021) über 15.000 Punkten kann man ablesen, wie stark der DAX sich seit seiner Gründung positiv entwickelt hat, würde er bei unter 1.000 Punkten liegen, hieße es, dass er sich negativ entwickelt hat.

Unterschiede zwischen dem DAX und anderen Indizes

Der DAX ist mit Abstand Deutschlands wichtigster Aktienindex und wird oftmals als Benchmark herangezogen, um die Entwicklung der deutschen Wirtschaft nachvollziehen zu können. Aber in welchem Verhältnis steht er zu anderen Indizes?

Ein Problem beim Vergleich des DAX mit anderen Indizes besteht darin, dass es sich bei ihm (oder der landläufig gemeinten Variante des DAX) um einen Performanceindex handelt. Das bedeutet, dass Ausschüttungen mit in die Berechnung einbezogen werden. Dies steht im Gegensatz zu Kursindizes (auch Preisindizes genannt), die ausschließlich die Kursbewegungen ausdrücken. Bekannte Indizes wie der weltweite MSCI World werden standardmäßig als Kursindizes veröffentlicht.

DAX vs. STOXX Europe 600

Der größte Unterschied der beiden Indizes ist ihr regionaler Fokus. Während der DAX sich ganz auf Deutschland konzentriert, bildet der STOXX Europe 600 den gesamten europäischen Aktienmarkt ab (EU- und Nicht-EU-Länder). 

Andere Unterschiede tun sich bei der Zusammensetzung der Indizes auf. Der STOXX Europe 600 vertritt genau 600 Werte von großen, mittleren und kleineren Unternehmen, der DAX hingegen die von 30 Unternehmen, die als groß (bzw. Large Caps) definiert werden.

IndexUnternehmenGröße der Unternehmen
STOXX Europe 600600Large, Mid und Small Caps
DAX30 (ab September 2021: 40)Large Caps
Quelle: stoxx.com, 07/21

DAX vs. MSCI World

Auch der Vergleich zwischen dem DAX und dem MSCI World zeigt die offensichtlichsten Unterschiede bei der regionalen Ausrichtung. Beim MSCI World handelt es sich nämlich um einen Weltindex, der Werte aus der gesamten Welt abdeckt. Hierin beschränkt er sich auf Unternehmen aus Industrieländern. Positionen aus dem DAX als deutschem Leitindex sind somit im MSCI World inkludiert.

Eine andere augenfällige Differenz besteht wieder in der Zusammensetzung der Indizes. Als Weltindex vertritt der MSCI World mit mehr als 1.500 Aktien deutlich mehr Werte als der DAX mit seinen 30. Außerdem sind im MSCI World nur Unternehmen zu finden, die als Large oder Mid Cap eingeordnet werden. Damit sollen ungefähr 85% der frei verfügbaren Aktien der Industrieländer abgebildet sein.

IndexUnternehmenGröße der UnternehmenLänder
MSCI World>1.500Large und Mid Caps23
DAX30 (ab September 2021: 40)Large Caps1
Quelle: stoxx.com, msci.com, 07/21

Wie kann man in den DAX investieren?

Der DAX als wichtigster deutscher Aktienindex übt eine große Anziehungskraft auf Anleger aus – insbesondere aus Deutschland. Aber auf welche Arten kann man überhaupt in den DAX investieren?

Aktien

Eine Möglichkeit ist es, direkt die Aktien der abgebildeten Unternehmen zu erstehen. Ein Vorteil dieser Strategie sind die niedrigen Kosten, da man die Aktien direkt erwerben kann und damit Vermittler (wie etwa Fondsmanager) umgeht. Probleme entstehen aber, wenn es um Themen wie Gewichtung oder Verschiebungen der DAX-Teilnehmer geht. Diese muss man mit einer solchen Strategie nämlich selber nachbilden, was mit einem hohen Zeit- und Geldaufwand verbunden ist. Insgesamt ist eine solche Anlagestrategie für Privatanleger deswegen nicht empfehlenswert.

Ein alternativer Weg besteht darin, in ausgewählte Unternehmen des DAX durch Erwerb von Aktien zu investieren und dadurch an der Wertentwicklung des deutschen Aktienmarktes insgesamt zu partizipieren. Durch die fehlende Streuung der Geldanlage und der Konzentration auf einzelne Werte besteht hier ein großes Unternehmensrisiko: Ein Kursrutsch bei einem einzelnen Unternehmen wirkt sich hierbei negativ auf das Investment aus, während der Gesamtmarkt sich positiv entwickelt.

ETFs

Exchange Traded Funds (ETFs) sind Indexfonds, die passiv Indizes abbilden, entweder, indem sie die Aktien der betreffenden Unternehmen nachkaufen (physisch replizieren) oder synthetisch durch Tauschgeschäfte nachbilden (Sampling/synthetische Replikation). Vorteile von ETFs sind die niedrigen Kosten für Anleger (siehe Tabelle unten), die daher rühren, dass keine Fondsmanager bezahlt werden müssen oder die hohe Transparenz aufgrund der regelbasierten Nachbildungsmethodiken.

Ein weiterer Pluspunkt ist das minimierte Unternehmensrisiko (im Kontrast zu der Investition in Einzelaktien des DAX) durch die Streuung des Risikos auf den ganzen Index. Im Gegensatz zu Indexzertifikaten werden die ETFs rechtlich als Sondervermögen angesehen, was das Emittentenrisiko eliminiert. 

Im Folgenden einige Beispiel-ETFs, die den DAX abbilden:

ETF-NameISINGesamtkostenquote (TER) p. a.ReplikationsmethodeAusschüttungsart
Lyxor Core DAX (DR) UCITS ETFLU03784387320,08%Physisch (vollständige Replikation)Ausschüttend
Deka DAX UCITS ETFDE000ETFL0110,15%Physisch (vollständige Replikation)Thesaurierend
iShares Core DAX UCITS ETF (DE)DE00059339310,16%Physisch (vollständige Replikation)Thesaurierend
Quelle: justetf.com, 07/21

Derivate

Derivative Anlageprodukte können dazu verwendet werden, ganze Indizes in einem einzigen Wertpapier zusammenzufassen und abzubilden. Das vereinfacht die Investition und ermöglicht auch längerfristiges Sparen. Insbesondere Indexzertifikate eignen sich potentiell für die Anlage in den DAX. Da es sich bei Indexzertifikaten aber um Schuldverschreibungen handelt, trägt man als Anleger das Emittentenrisiko, also das Risiko, dass der Herausgeber des Zertifikats zahlungsunfähig wird. Viele Derivate sind aber vor allem darauf ausgelegt, mit sogenannten Hebeln mögliche Gewinne zu vervielfachen, dazu zählen beispielsweise Optionsscheine. Allerdings kann dies natürlich auch zu sehr hohen Verlusten führen. Insgesamt sind derivative Geldanlagen daher hochspekulative Finanzprodukte und damit nur bedingt oder gar nicht zum langfristigen Vermögensaufbau geeignet.

Deswegen ist der DAX keine gute Investition

Trotz dieser vielfältigen Optionen, in den DAX zu investieren, ist es fraglich, ob es aus Anlegersicht überhaupt eine gute Idee ist, es zu tun. Ein wichtiges Schlagwort aus einer kritischen Perspektive heißt “Home Bias”. Es beschreibt das positive Voreingommensein gegenüber der eigenen Wirtschaft. Dies führt dazu, dass man vom eigenen Land und seiner ökonomischen Situation gleich doppelt abhängig ist: einerseits dadurch, dass man im Land wohnt, arbeitet und Steuern zahlt und andererseits dadurch, dass man auch seine Geldanlage komplett auf das Heimatland fokussiert. Wenn es zu einer nationalen Krise kommt, hat man aufgrund dieser Abhängigkeit gleich doppelt schlechte Karten.

Auch das starke Ungleichgewicht, das der DAX in bezug auf Branchen bzw. Sektoren durch seine Auswahl und Gewichtung aufweist, offenbart ähnliche Probleme. Beispielsweise die Automobilindustrie ist sehr stark vertreten, während Handelsunternehmen nicht gelistet sind. Ein Crash in einer der stark vertretenen Sektoren führt also zu einem unproportional starken Wertverlust im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft, investiert man durch den DAX verstärkt in diese.

Anstelle eines Investments in den DAX empfiehlt sich eher ein Investment in einen weltweit gestreuten ETF. Durch die breitere Diversifizierung über mehr Branchen und mehr Regionen hinweg lässt sich das Rendite-Risiko-Verhältnis dadurch optimieren.  Für ein solches eignen sich insbesondere ETFs auf Weltindizes hervorragend, da sie transparent, günstig und einfach zu besparen sind. In unserem ETF-Handbuch gehen wir ausführlich auf das Thema ein.

Fazit: Besser global investieren

Der DAX wird als größter und wichtigster deutscher Aktienindex auch weiterhin von großem Interesse für deutsche Investoren sein. Im Gegensatz zum Erwerb eines Einzeltitels oder einiger weniger einzelnen Aktien bietet ein Investment in die 30 (bzw. ab September 2021 40) Unternehmen des DAX (am einfachsten mit ETFs) eine gewisse Streuung und demnach Risikominimierung. Gerade ein langfristiges Investment kann demnach für passive Anleger attraktiv sein Allerdings sprechen die regionale Beschränkung und das starke Sektorungleichgewicht gegen eine reine Geldanlage in den DAX. 

Alles in allem ist ein weltweit gestreutes Wertpapierportfolio, beispielsweise in den MSCI ACWI, eine deutlich bessere Variante. Da aber viele Weltportfolios durch ihre Ausrichtung auf Marktkapitalisierung einen starken Fokus auf Werte aus den USA legen, kann es interessant sein, einem Weltportfolio einen Touch DAX hinzuzufügen und damit dem deutschen Aktienmarkt ein leichtes Übergewicht zu verleihen. Alternativ kann man auch etwas breiter den europäischen Aktienmarkt stärker gewichten (siehe unseren Ratgeber zum Investieren in Europa).

Wer sich aus diesem oder einem anderen Beweggrund dafür entscheidet, in den DAX zu investieren, ist gut damit beraten, einen ETF zu wählen, der diesen kostengünstig und transparent abdeckt.

Häufig gestellte Fragen

Welcher DAX-ETF ist der beste?

Welcher ETF bildet den DAX ab?

Sollte man in den DAX investieren?

Wo liegt der Unterschied zwischen dem DAX, MDAX und SDAX?