Investieren in Staatsanleihen

Jule Zentek
Jule Zentek
Stand: 11. Mai 2022
Für manche sind Staatsanleihen bloß eine Alternative zu Aktien, andere nutzen sie bewusst als risikoarmen Teil in ihrem Portfolio. Wir erklären dir, worauf du beim Investieren in Staatsanleihen achten solltest und wie viel Sicherheit tatsächlich in ihnen steckt.

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Was du wissen solltest
  • Staatsanleihen werden wie Aktien an der Börse gehandelt. Es gibt sie in Form von einzelnen Anleihen als Fonds und auch als ETFs.
  • Sie funktionieren wie ein Kredit: Der Staat erhält das Geld und muss es nach einer festgelegten Laufzeit und mit einem bestimmten (Kupon-)Zinssatz zurückzahlen.
  • Die Höhe des Zinssatzes hängt dabei von der Laufzeit und der Bonität ab: Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität haben eher einen geringen Zinssatz, Staaten mit schlechter Bonität müssen höhere Zinsen zahlen.
  • Die Rendite von Staatsanleihen entspricht nicht dem Zins, sondern ist von mehreren Faktoren abhängig. Neben dem Zinssatz und der Laufzeit sind auch Schwankungen im Börsen-Kurs oder beim Währungswechsel entscheidend.

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So gehst du vor
  • Staatsanleihen können an der Börse gekauft und verkauft werden. Du benötigst also ein Wertpapierdepot, um in Staatsanleihen investieren zu können.
  • Staatsanleihen in fremder Währung stellen ein Währungsrisiko dar. Möchtest du das umgehen, solltest du nur in Euro-Staatsanleihen investieren.
  • Informiere dich über die Bonität des Staates, von dem du eine Anleihe kaufen möchtest. Das Rating „AAA“ gilt dabei als Bestnote. Wo du die Infos findest, erklären wir dir weiter unten.
  • Kauf einer neuen Staatsanleihe: Überlege, ob Zinssatz und Laufzeit sich wirklich lohnen. Denke dabei auch an mögliche Kursschwankungen, falls du beabsichtigst, sie nicht bis zum Ende der Laufzeit zu halten.
  • Kauf einer Anleihe mit Restlaufzeit: Checke, zu welchem Nennwert und zu welchen Konditionen die Anleihe zuvor gekauft wurde und wie sich Kursschwankungen auf deine Rendite auswirken könnten.

Was sind Staatsanleihen?

Wer eine Staatsanleihe kauft, leiht dem herausgebenden Staat über einen bestimmten Zeitraum und zu festen Konditionen Geld. Es handelt sich daher um festverzinste Wertpapiere, die an der Börse gehandelt werden.

Das Prinzip ist ähnlich wie bei einem Bankkredit: Das Geld muss nach der festgelegten Laufzeit plus Zinsen vom Staat zurückgezahlt werden. Anleger werden also Gläubiger eines Staates: Sie erhalten (regelmäßig) Zinsen und am Ende, wenn die Anleihe zurückgeben wird, bekommen sie das “verliehene” Geld, den Nennwert, zurück.

Egal ob man dabei eine lange oder kurze Laufzeit wählt: Als gewinnbringendes Investment eignen sich Staatsanleihen in der Regel eher nicht. Denn die Zinsen auf Anleihen von Ländern mit guter Bonität sind eher gering oder können sogar negativ sein.

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Wichtig

Außerdem: Anders als bei Aktien, wo Anlegerinnen durch ihren Kauf direkte Anteile an einem Unternehmen bekommen, erhält man durch den Kauf von Staatsanleihen keinen Anteil am Staat.

Die wichtigsten Eigenschaften von Staatsanleihen

  • Nennwert: Damit wird der Betrag bezeichnet, den der Staat dem Käufer einer Anleihe schuldet. Liegt der Nennwert einer Staatsanleihe bei 100€, bekommt man diese 100€ nach Ablauf der Laufzeit zurück. Auch die Zinsen werden auf den Nennwert gezahlt und nicht auf den aktuellen Kurswert.
  • Kuponzins: Der Kuponzins beschreibt die feste Verzinsung der Anleihe, ausgehend vom Nennwert. Liegt der Kuponzins bei 4% p.a. und der Nennwert bei 100€, erhält man 4€ Zinsen pro Jahr. Ob man die Zinsen regelmäßig jährlich, halbjährlich oder erst am Ende der Laufzeit erhält, hängt dabei vom Herausgeber der Anleihe ab. In Europa ist die Auszahlung am Ende des Jahres üblich.
  • Laufzeit: Auch bei den Laufzeiten gibt es Unterschiede von wenigen Monaten bis hin zu mehreren Jahrzehnten. Dabei gilt: Je kürzer die Laufzeit, desto niedriger ist in der Regel der Kuponzins und andersherum.
  • Bonität: Die Bonität bewertet die Zahlungsfähigkeit eines Staates. Länder mit guter Bonität können Staatsanleihen zu geringen Zinsen oder sogar Negativzinsen ausgeben, heißt: Anlegerinnen verlieren sogar Geld. Länder mit schlechter Bonität müssen im Gegenzug hohe Zinsen zahlen, dafür ist bei ihnen auch das Risiko eines Zahlungsausfalls größer.
  • Kurswert: Der Kurswert von Staatsanleihen wird in Prozent angegeben – nicht in Euro. Der Nennwert entspricht dabei 100%. Liegt der Kurswert bei 95%, ist der Wert der Anleihe um fünf Prozentpunkte unter den Nennwert gefallen.  
  • Rendite: Neben Zinssatz und Laufzeit beeinflussen auch der aktuelle Kurs und ein möglicher Währungswechsel die Rendite. Außerdem spielt die Bonität des Emittenten-Staates eine Rolle: Wenn der Staat am Ende der Laufzeit pleite ist, wird er nichts zurückzahlen.

Aktien vs. Anleihen: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Aktien und Anleihen haben einiges gemeinsam: Beides wird an der Börse gehandelt und ist mit einer ISIN-Nummer oder WKN-Nummer gekennzeichnet. Darüber lassen sie sich finden und können einfach über einen Broker gekauft und natürlich auch wieder verkauft werden. Im Portfolio können beide Wertpapiere für eine Rendite sorgen – doch hier liegt gleichzeitig ein entscheidender Unterschied.

Bei Staatsanleihen haben Anleger das Recht auf die festgelegten Zinsen, bei Aktien ist das nicht der Fall. Das hängt mit dem Prinzip von Staatsanleihen zusammen: Da es sich um Schuldverschreibungen, also praktisch Kredite handelt, sind Staaten dazu verpflichtet, ihre Schulden zu begleichen. Im Falle von Aktien hingegen entscheidet ein Unternehmen freiwillig, ob es Dividenden ausschüttet.

Da Anleger bei Anleihen davon ausgehen können, den Nennwert plus Zinsen zu erhalten, ist das Verlustrisiko eher gering, zumindest wenn es sich um Staatsanleihen mit guter Bonität handelt. Die Rendite fällt deswegen aber oft auch geringer aus als bei Aktien. Denn Staaten mit guter Bonität müssen in der Regel geringe Zinssätze zahlen.

Bei Staaten mit schlechter Bonität ist die Wahrscheinlichkeit für einen Zahlungsausfall höher und damit auch das Verlustrisiko. Zwar können auch Unternehmen insolvent gehen, aber Aktionäre erhalten dann auch erst nach den Gläubigern Geld – sofern denn überhaupt was übrig bleibt. Staaten müssen jedoch zunächst ihre Gläubiger bedienen, und zwar mit dem, was sie noch haben. Das können notfalls auch einfach nur neue Schuldverschreibungen zu einem geringeren Wert als des vorherigen Nennwerts sein. So erging es zum Beispiel den Halterinnen griechischer Staatsanleihen 2012.

Einen weiteren Unterschied gibt es beim Kurswert, der auch die Rendite von Staatsanleihen beeinflusst. Anders als bei Aktien wird der Kurswert von Anleihen immer in Prozent und nicht in Euro oder einer anderen Währung angegeben. Wie auch bei Aktien macht der schwankende Kurswert Anleihen interessant für das Handeln an der Börse: Je nachdem, wie der Kurs liegt, können Käufe und Verkäufe für mehr oder weniger Rendite sorgen.

Rendite von Staatsanleihen

Bei Staatsanleihen wirken mehrere Faktoren auf die Rendite ein. Neben der Bonität und dem Risiko eines Zahlungsausfalls durch eine Staatspleite spielen auch der Kuponzins, die Laufzeit und der Kurswert eine wichtige Rolle. Das zeigt: Um die Aussicht auf eine Rendite einschätzen zu können, müssen Anlegerinnen gut durchrechnen, wie viel Gewinn sie durch den Verkauf bzw. Kauf realisieren könnten oder ob sich das Halten aufgrund der Zinszahlungen nicht sogar mehr lohnt.

Zinsen und Laufzeit

Laufzeit und Kuponzins entscheiden zunächst darüber, wie hoch die (regelmäßigen) Zinszahlungen sein werden und über welchen Zeitraum sie ausgezahlt werden.

In der Regel gilt: Je länger die Laufzeit, desto höher die Zinsen und andersherum. Bei Staaten wie Deutschland, deren Zahlungsfähigkeit mit “AAA“ als “sehr gut“ eingestuft wird, gibt es teilweise sogar Negativzinsen. Bedeutet: Anleger verlieren sogar Geld.

Laufzeit und Rendite von US-Staatsanleihen
Der Zusammenhang von Laufzeit und Rendite am Beispiel von US-Staatsanleihen am 01.07.2020, Quelle: treasury.gov

Der Kurswert 

Schwankungen durch Angebot und Nachfrage gibt es auch beim Kurs von Staatsanleihen. Ein Grund dafür können Zinsänderungen des Kapitalmarktzinses sein: Steigt er, werden Anleihen mit niedrigen Zinsen eher weniger nachgefragt, da es dann neue Anleihen mit höheren und damit attraktiveren Zinsen gibt. Steigen die Zinsen und gibt es nun Staatsanleihen mit 4% Kuponzins, wird die Anleihe mit dem 3%-Zins unattraktiv – ihr Kurs fällt. Andersherum steigen die Kurse der Anleihe, wenn die Marktzinsen fallen.

Ein weiterer Grund kann der Kursanstieg von Aktienindizes sein. Geht es im DAX zum Beispiel steil nach oben, werden deutsche Aktien für Investorinnen attraktiver als Anleihen. Außerdem wirken sich politische oder wirtschaftliche Krisen, wie wir sie aktuell in Europa erleben, auf die Attraktivität von Anleihen aus.

Kursschwankungen beeinflussen die Rendite bei Kauf und Verkauf. Hier zwei Beispiele aus Käuferinnen-Sicht:

Der Kurs einer 10.000€-Anleihe notiert aktuell bei 110%. Man kauft sie also für 11.000€. Bei einer Restlaufzeit von fünf Jahren erhält die Käuferin noch 1.500€ Zinsen. Am Ende der Laufzeit bekommt sie die 10.000€ Nennwert und hat insgesamt aber nur 500€ Gewinn gemacht. Das entspricht einer Rendite von 0,9% jährlich während der Laufzeit. Die restlichen 1.000€ Zinsen gleichen die Differenz zwischen Nennwert und Kaufpreis aus.

Andersherum verhält es sich, wenn man eine Anleihe zu einem Kurs unter dem Nennwert kauft. Bei einem Kurs von 95% erwirbt man die 10.000€-Anleihe mit dem Kuponzins von 3% für 9.500€. Nach fünf Jahren Restlaufzeit bekommt man neben dem Nennwert von 10.000€ auch noch 1.500€ Zinsen ausgezahlt. Insgesamt hat man dann 2.000€ Gewinn gemacht, was einer jährlichen Rendite von 4,9% entspricht.  

Agio-Anleihen

Eine weitere Besonderheit, die sich auch auf die Rendite auswirkt, sind Staatsanleihen, die von den Ländern unter Wert ausgegeben werden. Das heißt, die 10.000€-Anleihe wird nicht zu 10.000€ ausgegeben, sondern nur zu 9.000€. Am Ende der Laufzeit erhält der Anleger trotzdem 10.000€ zurück. Diese Differenz nennt sich Agio. Vor allem Entwicklungsländer nutzen dieses Prinzip, um an Geld zu kommen. Der Kuponzins ist gleichzeitig aber entsprechend niedriger, manchmal gibt es auch gar keinen. Bei Anleihen mit 0%-Verzinsung spricht man von “Zero Bonds“ oder eben Nullkuponanleihen.  

Welche Bonitäten gibt es? 

Wie hoch die Zinsen für Staatsanleihen ausfallen, bestimmt die Bonität, also die Zahlungsfähigkeit eines Landes. Bei einer guten Bonität ist das Risiko für einen Zahlungsausfall eher gering, bei einer schlechten ist das Risiko eher hoch. Das wirkt sich auf den Kuponzins aus: Bei guter Bonität ist der eher niedrig, bei schlechter Bonität aufgrund des Risikos eher hoch. Und: Die Bonität kann während der Laufzeit heruntergestuft werden.  

Staatsanleihen von Ländern mit sehr guter Bonität haben mittlerweile aber oft nicht nur geringe Kuponzinsen, sondern können sogar Negativzinsen aufweisen. In den letzten Jahren war das sogar bei der 10-jährigen, deutschen Bundesanleihe der Fall. Gründe waren die grundsätzlich niedrigen Zinsen und der stabile Finanzhaushalt von Deutschland. Staatsanleihen von Ländern mit schlechter Bonität gelten im Gegenzug als risikoreiche, spekulative Investments. Sie werden deshalb auch als „Junk Bonds“ (zu deutsch: Ramschanleihen) bezeichnet, locken aber oft mit einem attraktiven Kuponzinssatz.

Die Bonität von Ländern wird von Ratingagenturen bewertet, zu den wichtigsten zählen Standard & Poor’s, Moody’s, Fitch und DBRS. Sie schauen sich dafür unter anderem die Gesamtschulden eines Staates und dessen Wirtschaftskraft an.

Die Ratingklassen von Standards & Poor’s sehen so aus:

RatingBedeutung für ein Investment
AAA /Triple-AÄußerst starke Zahlungsfähigkeit
AASehr gute Zahlungsfähigkeit
AStarke Zahlungsfähigkeit, aber etwas anfällig für wirtschaftliche Bedingungen und Veränderungen
BBBAngemessene Zahlungsfähigkeit, aber anfälliger für ungünstige wirtschaftliche Bedingungen
BBSpekulativ: Zahlungsfähigkeit kurzfristig weniger anfällig, aber langfristig mit großen Unsicherheiten
BSpekulativ: Derzeit zahlungsfähig, aber anfälliger für ungünstige Bedingungen
CCCSpekulativ: Zahlungsfähigkeit derzeit anfällig und abhängig von Bedingungen und Umständen
CCSpekulativ und hochgradig gefährdet: Zahlungsausfall ist noch nicht eingetreten, wird aber ziemlich sicher erwartet
CSpekulativ und hochgradig gefährdet: Derzeit sehr anfällig für Zahlungsausfälle und die Rückzahlung wird wohl geringer ausfallen
DSpekulativ und hochgradig gefährdet: es besteht bereits Zahlungsverzug oder der Bruch einer finanziellen Verpflichtung, möglicherweise wurde ein Konkursantrag gestellt
Anleihen-Ratings im Überblick, Quelle: Standards & Poor’s Rating Skala

Inflationsindexierte Staatsanleihen

Die Inflation macht auch vor Staatsanleihen nicht Halt. Aus diesem Grund gibt es inflationsindexierte Staatsanleihen, auch “Inflation-Linked Bonds“ genannt. Sie sollen die Geldentwertung bei einer Inflation ausgleichen. Dafür werden die Anleihen an einen Verbraucherpreisindex gekoppelt und der Nennwert an die Inflationsentwicklungen angepasst. Der Kuponzins bleibt dabei in der Regel stabil, wird aber auf den jeweils neuen Nennwert angewandt.  

Für Krisenzeiten klingt das gut, schließlich verliert das investierte Geld durch Inflation dann nicht an Wert. Kommt es während der Laufzeit aber zu einer Deflation, wirkt das Prinzip auch andersherum und man bekommt am Ende weniger ausgezahlt. Um das zu verhindern, gibt es sogenannte „Deflation-Floors“. Sie liegen meist bei 100% und sorgen dafür, dass Anleger bei einer Deflation mindestens den ursprünglichen Nennwert zurückgezahlt bekommen.

Mit Staatsanleihen das Risiko im Portfolio senken

Manche investieren in Staatsanleihen, um das Risiko im Portfolio zu senken. Und es stimmt: Staatsanleihen schwanken vergleichsweise eher weniger als Aktien. Das gilt aber vor allem für Anleihen von Ländern mit sehr guter Bonität und damit geringem Risiko, dass der Staat zahlungsunfähig werden könnte. Auf der anderen Seite bedeutet eine risikoarme Staatsanleihe aber auch kaum oder gar keine Zinsen und damit auch nahezu keine Rendite.

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Übrigens

Einige Portfolio-Konzepte nutzen das geringe Schwankungsrisiko und investieren teilweise in Anleihen. Der Indexfonds ARERO Weltfonds hat beispielsweise einen Anleihen-Anteil von 25% und bildet den “Solactive EuroZONE Government Bond Index TR“ ab. Dieser enthält Staatsanleihen mit verschiedenen Laufzeiten und Kuponzinsen.

Fallende Kurse gibt es aber auch bei Staatsanleihen und können durch verschiedene Faktoren entstehen, beispielsweise wie zuletzt durch die Inflation und die Zinserhöhung in den USA: Europäische Staatsanleihen mit ihren niedrigen Zinsen wurden dadurch unattraktiver. Das zeigte sich auch schnell im Kurs von europäischen Staatsanleihen-ETFs:

Kurs MSCI World vs. Euro-Staatsanleihen
Kurs des MSCI World (Aktien) vs. Kurs des Markit iBoxx Euro Sovereigns Eurozone Index, 05/22

Warum die Währung wichtig ist

Staatsanleihen werden aufgrund der eher geringen Kursschwankungen gerne dazu genutzt, um das Risiko im Portfolio zu senken oder um Geld über einen Zeitraum zu parken. Wer Staatsanleihen in einer fremden Währung kauft, kauft sich aber auch ein Währungsrisiko. Denn die Wechselkurse von Währungen können aufgrund einer Vielzahl an Gründen erheblichen Schwankungen ausgesetzt sein. 

Gibt es in einem Land zum Beispiel eine politische oder wirtschaftliche Krise, kann der Wert der Landeswährung schnell in den Keller rauschen. Für Anleger bedeutet das, sie könnten am Ende der Laufzeit umgerechnet weniger als den Nennwert der Anleihe zurückerhalten. Und das nur, weil die Fremdwährung zum Zeitpunkt der Auszahlung und im Gegensatz zum Euro weniger wert ist. Das Risiko bietet natürlich auch die Chance auf Gewinne, und zwar dann, wenn die fremde Währung im Gegensatz zum Euro mehr wert ist. Ähnlich kann es bei direkten Investitionen in eine Fremdwährung laufen.

Wer das Risiko beim Wechselkurs umgehen möchte, sollte am besten nur in Staatsanleihen mit der eigenen Währung investiert, also in Euro-Staatsanleihen oder CHF, wenn man in der Schweiz lebt.

Staatsanleihen kaufen

Staatsanleihen kannst du einfach über einen Broker kaufen. Es gibt sie als direkte Anleihe, als Fonds oder auch als ETF.

Vor dem Kauf einer direkten Anleihe sollte dir der Nennwert, der Kuponzins, die Laufzeit und die Bonität des herausgebenden Landes bekannt sein. Auch über die Mindestanlagesumme und Sonderbedingungen wie ein Kündigungsrecht durch den Emittenten-Staat solltest du dich informieren. Das geht oft auf den Websites der Regierungen, möglicherweise aber nur auf Englisch. Infos zu den verschiedenen deutschen Staatsanleihen, auch Bundeswertpapiere oder Bundesanleihen genannt, gibt es auf der Website der Deutschen Finanzagentur.

Außerdem muss man sich entscheiden, ob man in Staatsanleihen mit fremder Währung investieren will oder das Währungsrisiko lieber umgehen möchte. Dann am besten nur Staatsanleihen in der eigenen Währung kaufen.  

ETFs auf Staatsanleihen

ETFs auf Staatsanleihen bieten die Möglichkeit, breit gestreut in verschiedene Staatsanleihen zu investieren. Meistens enthalten solche ETFs Anleihen mit kurzen, als auch langen Laufzeiten und von Staaten mit verschiedenen Bonitäten. Die Mischung soll einerseits für Sicherheit bei Schwankungen oder möglichen Verlusten sorgen und andererseits trotzdem eine, wenn auch eher geringe Rendite ermöglichen. Außerdem sind Anleihen-ETFs günstiger als die aktiv gemanagten Anleihen-Fonds mit ihren eher hohen Gebühren.

Ein Beispiel für einen Staatsanleihen-ETF ist der ETF auf den „Bloomberg Barclays Euro Government Inflation Linked Bond Index“ mit inflationsgeschützten Staatsanleihen von nur vier europäischen Ländern: Frankreich, Italien, Deutschland und Spanien. Den größten Anteil bilden dabei die französischen Staatsanleihen. Rund zwei Drittel der Anleihen haben eine Laufzeit von einem bis 10 Jahren.  

Ein weiterer ist der ETF auf den Markit iBoxx Euro Sovereigns Eurozone Index. Er enthält ausschließlich Staatsanleihen mit verschiedenen Laufzeiten von europäischen Ländern, deren Bonität mit “Investment“ bewertet wird. Mehr als zwei Drittel der Anleihen habe eine Laufzeit von bis zu zehn Jahren.

Der ETF auf den MTS Mid Price Highest Rated Macro-Weighted Index besteht nur aus Staatsanleihen von Mitgliedstaaten der Eurozone, deren Bonität mit AAA bewertet wird. Knapp 50% der Anleihen stecken in deutschen Bundeswertpapieren. Die Laufzeiten der Anleihen sind kurz: 95% haben eine Laufzeit von ein bis drei Jahren.

Häufig gestellte Fragen

Was sind Staatsanleihen?

Wie funktionieren Staatsanleihen?

Wie kaufe ich Staatsanleihen?

Sind Staatsanleihen sicher?