Vanguard FTSE All World: Der ETF im Portrait

Mona Linke
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Beim Thema Weltportfolio denken die meisten Anleger:innen vor allem an die Indizes von MSCI. Dabei gibt noch einen weiteren Index, der breit diversifiziert und branchenübergreifend investiert: den FTSE All World vom Indexanbieter Financial Stock Exchange (FTSE). In diesem Ratgeber stellen wir dir den ETF von Vanguard auf den FTSE All World genauer vor. Du erfährst, in welche Werte, Länder und Sektoren der Indexfonds investiert, wie hoch die Kosten sind und ob sich der FTSE All World vielleicht sogar besser für dein Portfolio eignet als der MSCI World oder der MSCI ACWI.

Inhalte

Der ETF-Anbieter Vanguard

Die irische Vanguard Group ist nach dem ETF-Anbieter iShares der zweitgrößte Fondsmanager beziehungsweise ETF-Anbieter der Welt. Den ersten Indexfonds legte sein Gründer im Jahre 1975 auf. Inzwischen verwaltet die Vanguard Group 6,2 Billionen US-Dollar Anlagevolumen. 

Wie ist der FTSE All World zusammengesetzt?

Das Flaggschiff unter den Vanguard ETFs ist der Vanguard FTSE All World. Der zugrunde liegende Weltindex FTSE All World ist so etwas wie das Pendant zum MSCI ACWI: Tatsächlich bilden beide Indizes beinah die gesamte Weltwirtschaft ab und investieren sowohl in Industrie- als auch in Schwellenländer.

Welche Unternehmen bildet der FTSE All World ab? 

Die Auswahl der Unternehmen erfolgt nach Marktkapitalisierung, also dem Börsenwert, der sich aus der Anzahl und dem Wert der Anteile ergibt. Kleine Unternehmen (Small- und Micro-Caps) werden nicht in den Index aufgenommen. Stattdessen investiert der Index ausschließlich in mittlere und große Firmen (Large & MidCap). Auf diese Weise bildet der FTSE All World 90-95% der weltweiten Marktkapitalisierung ab.

Etwa 15% des Index machen allein die zehn größten Unternehmen aus, darunter Apple (3,2%), Microsoft (3,2%), Amazon (2,2), Alphabet (2,0%) und Facebook (1,0%).

Unternehmen Vanguard FTSE All World
Unternehmen im Vanguard FTSE All World | Quelle: FTSE

Wie bildet der ETF die Werte ab? 

Der ETF Vanguard FTSE All World bildet den Weltindex nicht zu 100% ab, denn es handelt sich hierbei um eine physische Replikation – die Anteile werden also tatsächlich gekauft und nicht mit Swaps (Tauschgeschäften) abgebildet, wie es bei einer synthetischen Replikation der Fall wäre.

Allerdings werden nicht alle Papiere gekauft: Von den 3.951 Werten im FTSE All World kauft der Vanguard ETF 3.527 Einzelaktien (Stand: Februar 2021) – diese Methode nennt sich optimiertes Sampling und wird auch von anderen  ETF-Anbietern betrieben, die einen großen Weltindex mit mehreren Hunderten oder Tausenden Werten abbilden. Streng genommen handelt es sich also um eine teilweise physischen Replikation – denn es werden nur die wichtigsten, also am höchsten gewichteten Papiere tatsächlich gekauft.

 Welche Länder bildet der Vanguard FTSE All World ab?

Der Vanguard FTSE All World investiert zum größten Teil (90%) in Industrieländer. Mehr als die Hälfte der enthaltenen Unternehmen stammen aus den USA. Daneben sind zum Beispiel Japan mit knapp 7% und Großbritannien mit fast 5% vertreten. Das restliche Investitionsvolumen verteilt sich auf 48 weitere Länder. Zu 10% bildet der FTSE All World auch Schwellenländer ab, darunter beispielsweise Israel, Mexiko, Indonesien und Chile.

Länder FTSE All World
Länder im Vanguard FTSE All World | Quelle: Vanguard

In welche Branchen investiert der ETF?

Zu fast einem Viertel investiert der ETF in Technologie-Aktien, 16% entfallen auf sogenannte Nicht-Basiskonsumgüter, auch genannt: Luxusgüter. 14,3% des Investitionsvolumens fließen in Anteile von Finanzunternehmen. Insgesamt investiert der Fonds in 11 verschiedene Sektoren, darunter auch Telekommunikation, Immobilien und Energieunternehmen.

Branchen im Vanguard FTSE All World | Quelle: Vanguard

Ausschüttend oder thesaurierend?

Den Vanguard FTSE All World gibt es sowohl ausschüttend (DIS) als auch thesaurierend (ACC). Hier ist es am Anleger, für welche Version er sich entscheidet. Generell eignen sich ausschüttende ETFs eher, um ein passives Einkommen aufzubauen, da die Gewinne regelmäßig an den Anleger ausgeschüttet werden – einmal im Monat, einmal im Quartal oder auch nur einmal im Jahr. Thesaurierende ETFs dagegen reinvestieren die Gewinne in den Fonds. So profitiert der Anleger vom Zinseszinseffekt und spart sich gleichzeitig eventuelle Transaktionskosten.

Die Größe

Der ETF wurde im Mai 2012 aufgelegt und ist damit nicht mehr der jüngste. Entsprechend groß ist das Anlagevolumen mit 7,8 Mrd. US-Dollar. Das Fondsvolumen ist ein gutes Indiz dafür, wie wirtschaftlich der Indexfonds ist. Auch kann es passieren, dass ein ETF-Anbieter einen Fonds wieder vom Markt nimmt, sollte dieser nicht gut performen. Eine etablierte Faustregel lautet: Mindestens 50 Mio. US-Dollar sollte der ETF bereits eingesammelt haben, um genügend Sicherheit zu bieten und gleichzeitig nicht zu hohe Verwaltungskosten zu haben. Wir empfehlen generell eine Mindestgröße von 100 Mio. US-Dollar. 

Die Kosten

0,22% beträgt die Gesamtkostenquote (TER) des Vanguard FTSE All World. Der ETF ist damit etwa genauso teuer wie ein gleiches Produkt auf den MSCI World oder den MSCI ACWI. Legst du also beispielsweise 5.000€ in den Indexfonds an, zahlst du pro Jahr 0,22% also knapp 10€ Verwaltungsgebühren.

Die Tracking-Difference

Dass ein ETF einen Index nicht zu 100% abbildet, ist ganz normal. Denn eine genaue Abbildung ist gar nicht möglich, auch wenn genau das das Ziel der ETF-Anbieter ist. Die Differenz zwischen der Wertentwicklung des ETFs und der des Vergleichsindex nennt sich Tracking Difference. Im Falle des Vanguard FTSE All World ist diese sogar negativ, sie beträgt -0,4% (Stand: Februar 2021). Das bedeutet, dass der ETF den eigentlichen Index sogar geschlagen hat, sprich: er hat sich in einem Betrachtungszeitraum besser entwickelt.

Weitere Varianten des FTSE All World

Genauso wie der MSCI World Index gibt es auch den FTSE All World in abgewandelter Form und ebenfalls vom ETF-Anbieter Vanguard. Als da wären:

Der Vanguard FTSE All World als High Dividend

Dieser ETF bildet ausschließlich solche Unternehmen ab, die regelmäßig hohe Dividenden ausschütten. Verglichen mit dem herkömmlichen FTSE All World investiert dieser ETF in etwas weniger Werte, nämlich “nur” in 1.507 Aktien (Stand: Februar 2021). Basisindex ist der FTSE All-World High Dividend Yield Index.

Der Vanguard FTSE Emerging Markets

Mit einem ETF auf den FTSE Emerging Markets investieren Anleger ausschließlich in Schwellenländer. Der Vanguard FTSE EM UCITS ETF bildet etwas mehr als 1.800 Werte ab, von denen knapp 800 ihren Sitz in China haben. 16% der Unternehmen stammen aus Taiwan, 11% aus Indien und 5% aus Brasilien. Insgesamt investiert der Indexfonds in zehn verschiedene Schwellenländer. Mehr als 20% des gesamten Investitionsvolumens fließt dabei in die drei Konzerne Taiwan Semiconductor Manufacturing, Tencent (China) und die Alibaba Group (China).

USA-Anteil zu hoch?

Wie auch die Weltindizes von MSCI investiert auch der FTSE All World zu einem sehr großen Teil in US-amerikanische Unternehmen. Wem diese Gewichtung zu extrem ist, der könnte darüber nachdenken, zusätzlich einen Europa-ETF auf beispielsweise den MSCI Europe zu besparen. Auch liegt der Fokus des Index auf Industriestaaten (90%). Um den Anteil an Schwellenländern zu erhöhen, könnte man gleichzeitig in den Vanguard FTSE EM investieren. Doch in beiden Fällen gilt: die eigentliche Stärke des ETF würde damit verloren gehen. In welche Regionen der ETF investiert, richtet sich – wie gesagt – nach der Marktkapitalisierung. Es werden also solche Papiere am höchsten gewichtet, die auch die höchste Bewertung haben. Die Gewichtung hat also einen Grund. Abgesehen davon reicht es für den Anfang vollkommen aus, einen einzigen ETF zu besparen.

MSCI ACWI oder FTSE All World?

Beide Indizes bilden so gut wie die gesamte Weltwirtschaft ab – der FTSE All World sogar noch etwas mehr als der MSCI ACWI – er investiert in noch einmal mehr Werte. Was die Rendite betrifft, haben sich beide Indizes in den vergangenen fünf Jahren etwa gleich gut entwickelt. Während der Vanguard FTSE All World seit 2016 um 75,45% zulegte, stieg der Kurs des Lyxor MSCI ACWI um 72,49%.

Die Vorteile des Vanguard FTSE All World im Überblick

Mit einem Investment in den Vanguard ETF auf den FTSE All World können langfristige Anleger nichts falsch machen. Durch seine extrem breite Diversifikation mit mehr als 3.500 Einzelwerten, die sich auf 51 verschiedene Länder verteilen, wird das Risiko breit gestreut. Der ETF kann direkt gekauft oder bespart werden, es ist kein Rebalancing notwendig und die Kosten sind mit 0,2% TER sehr gering. Darüber hinaus weist der ETF eine negative Tracking-Difference auf und lief damit in der Vergangenheit sogar besser als sein Vergleichsindex.

Häufig gestellte Fragen