Was sind ETFs? Exchange Traded Funds erklärt!

ETFs werden immer beliebter. Anfang 2020 hatten die Deutschen über 1,6 Mio. ETF-Sparpläne. Du willst auch in ETFs investieren? Vorher solltest du wissen, wie sie funktionieren und was du beim Kauf beachten solltest. Das erklären wir dir in diesem Ratgeber.

Was du wissen solltest
  • Ein ETF ist ein Wertpapier, das einen Index wie den DAX oder den MSCI World abbildet.
  • Mithilfe von ETFs kannst du schon mit kleinen Beträgen in tausende Aktienunternehmen investieren und somit dein Vermögen stark diversifizieren.
  • ETF sind deutlich günstiger als aktive gemanagte Investmentfonds, die jährlichen Kosten liegen in etwa zwischen 0,08% und 0,7% der Anlagesumme.
  • ETFs eignen sich hervorragend zum langfristigen Investieren in Aktienmärkte.
  • ETFs unterscheiden sich bei den Kosten (TER), dem Fondsalter und Fondsvolumen, der Ausschüttungsart (thesaurierend/ausschüttend) und der Replikationsmethode (physische oder synthetische/Swap-Replikation).
Inhaltsverzeichnis

Was ist ein ETF?

ETFs, kurz für Exchange Traded Funds, sind börsengehandelte Indexfonds. ETFs bilden die Wertentwicklung von Börsenindizes ab, fassen also die Wertentwicklung mehrerer Unternehmen zusammen – im Gegensatz zu Einzelaktien, die einen spezifischen Wert abbilden. Ein ETF hat das Ziel, dieselbe Rendite einzufahren wie der Index, den er abbildet. Wer einen ETF bespart, setzt damit also in der Regel auf einen etablierten „Markt“, statt als Einzelinvestor individuelle Aktien von Unternehmen anzukaufen. Wenn der DAX beispielsweise um 1% zulegt, geht der Wert eines DAX-ETF auch um rund 1% nach oben. Bei Wertverlust genauso, nur umgekehrt. 

Studien zeigen, dass ein langfristiger Vermögensaufbau mit einer passiven Strategie, also zum Beispiel Buy and Hold mit ETFs, im Vergleich zu aktiven Ansätzen in der Regel wesentlich erfolgreicher ist. ETFs sind im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds meist günstiger. Bei aktiv gemanagten Fonds sitzen Fondsmanager am Hebel und setzen den Fonds zusammen – die Verwaltungsgebühr ist deshalb in der Regel höher. Wie genau ETFs funktionieren und was du bei der Auswahl eines ETF beachten musst, erklären wir im folgenden Video:

Wer gibt ETFs aus?

ETFs werden von Fondsgesellschaften angeboten. Es gibt weltweit Tausende verschiedene ETFs. Allein an der Börse in Frankfurt sind mehr als 1.000 ETFs gelistet. Der Grund dafür ist, dass es unzählige verschiedene Indizes gibt, die teils Nischenbranchen oder Strategien abbilden, und darüber hinaus sind auch viele ETF-Emittenten am Markt aktiv. 

Die ETF-Fondsgesellschaft kauft von dem Geld der Anleger diejenigen Wertpapiere, die im Index enthalten sind, und gibt anschließend selbst ein Wertpapier (einen ETF) aus, der die Wertentwicklung dieser Wertpapiere abbildet.

Wie bildet ein ETF einen Index nach?

Ein DAX 30 ETF ist ein gutes, einfaches Beispiel: Der deutsche Leitindex listet 30 Unternehmen, die mit ähnlicher Gewichtung im ETF enthalten sind. So können Anleger mithilfe eines ETF auf den DAX setzen. Denn: In Indizes kann man nicht direkt investieren, dafür indirekt – unter anderem durch ETFs und Indexfonds.

Der ETF kauft alle im Index enthaltenen Werte zu den gleichen Teilen wie im Index ein. Sobald neue Werte zum Index dazukommen, kauft der ETF diese auch. Genauso verkauft er Werte, die aus dem Index fallen. Und zwar – anders als bei aktiv gemanagten Fonds – vollautomatisiert und ohne die Analyse von Fondsmanagern.

ETFs sind Fonds und damit Sondervermögen. Du musst dir also keine Sorgen um dein Geld machen: Geht der ETF-Anbieter pleite, ist es gesichert. Denn dein Geld wird gesondert vom Fondsvermögen aufbewahrt.

ETF Replikationsmethoden

Die Art und Weise, wie ein ETF Wertverläufe abbildet, nennt man die Replikationsmethode. Die Replikationsmethode beeinflusst die Kosten, die Performance und die Sicherheit eines ETFs.

Es gibt drei verschiedene Methoden:

  • die physische (Voll-)Replikation: (Fast) alle Werte im Index werden einzeln gekauft  – meist die genaueste Methode. Aber: Bei ETFs mit Hunderten bis Tausenden Werten entstehen oftmals höhere Gebühren als bei anderen Replikationsmethoden.
  • das (optimierte) Sampling: Der ETF-Anbieter trifft eine Vorauswahl und kauft nur liquide Werte, die ins Gewicht fallen, physisch ein. Eignet sich besonders für breite ETFs mit vielen großen Werten.
  • die synthetische Replikation (Swap-ETFs): Der ETF-Anbieter bildet den Index durch ein Tauschgeschäft (Swap) mit einem Kreditinstitut (Swap-Partner) ab. Dieses garantiert dem ETF-Anbieter die Rendite des Index und erhält im Gegenzug die Rendite des Trägerportfolios. Besonders geeignet für Nischenmärkte und Rohstoffe.

Unterschiede ETFs und Indexfonds

ETFs sind Indexfonds – mit der Besonderheit, dass sie börsengehandelt sind. Das heißt: ETF kannst du zu den Börsen-Handlungszeiten laufend kaufen und verkaufen. Klassische Indexfonds werden nicht an der Börse gehandelt, sondern über den Fondsanbieter abgewickelt. Sprich du kannst einen Indexfonds nur einmal täglich über den Fondsanbieter bzw. deine Hausbank verkaufen oder kaufen. Passive Indexfonds und ETFs haben dasselbe Ziel: einen Index möglichst genau und zu geringen Kosten abzubilden.

Sowohl bei passiven Indexfonds als auch bei ETFs fallen nur geringe Gebühren an. Denn: Bei beiden fallen aktive Fondsmanager weg. Was für dich die bessere Option ist, kommt auf deine Anlagestrategie an. Mit ETFs bist zwar flexibler, weil du sie jederzeit statt nur einmal täglich handeln kannst. Das ist aber nicht unbedingt gut so: Der Erfinder des ersten Indexfonds, John Bogle, warnte, dass es für Privatanleger verführerisch sein kann, mitten am Tag ETFs zu handeln, obwohl eine “Buy and Hold”-Strategie meist besser geeignet ist.

Die Vielfalt ist bei ETFs größer – hier stehen dir mehr Märkte, Strategien und Anlageklassen zur Wahl als bei Indexfonds. 

Unterschiede ETFs und aktive Fonds

ETFs bilden den Indexwert stur und automatisiert mit Computern ab. Bei aktiv gemanagten Fonds entscheiden Fondsmanager, wie das Geld der Kunden angelegt wird. Die Manager beobachten den Markt und versuchen auf Werte zu setzen, die in Zukunft gut performen werden. Schlechte Werte werden meistens abgestoßen.

Das hört sich zunächst gut an, jedoch schaffen die Mehrzahl der aktiven Fonds es nicht, auf langer Sicht (>10 Jahre) ihren Vergleichsindex (= ihre “Benchmark”) zu schlagen, also besser zu performen als der Gesamtmarkt.

Hinzu kommt auch noch, dass aktive Fonds deutlich kostspieliger sind als ETF. Nicht selten wird ein Ausgabeaufschlag von 2-4% berechnet, die jährlichen Gebühren schwanken meistens zwischen 1-2% und dann gibt es auch noch aktive Fonds, die eine “Performance Fee” von einigen Prozentpunkten verlangen, falls die Wertentwicklung mal überdurchschnittlich ist. Diese höheren Kosten sind nachvollziehbar, da ein Management-Team teurer ist als ein Algorithmus.

Die Kosten bei ETF beschränken sich auf die Gesamtkostenquote, auch bekannt unter dem Kürzel TER (Total Expense Ratio). Dieser variiert bei ETFs, liegt jedoch meist zwischen 0,1% und 0,6% Prozent.

Anders als bei ETFs kann ein Fondsmanager in seinem Fonds einzelne Positionen umschichten, wenn z.B. ein Unternehmen droht pleite zu gehen. Das kann beruhigen, aber auch Fehlentscheidungen sind natürlich möglich.

Häufig gestellte Fragen

  • Was ist ein ETF?

    Exchange Traded Funds (ETFs) sind börsengehandelte Indexfonds. ETFs bilden die Wertentwicklung von Börsenindizes ab, fassen also die Wertentwicklung mehrerer Unternehmen zusammen – im Gegensatz zu Einzelaktien, die einen spezifischen Unternehmenswert abbilden. ETFs sind dank ihrer Risikostreuung und der geringen Kosten eine beliebte Anlageform.

  • Was ist der Unterschied zwischen ETFs und Indexfonds?

    Ein ETF ist ein Indexfonds, aber nicht jeder Indexfonds ist ein ETF. Passive Indexfonds und ETFs haben dasselbe Ziel: einen Index möglichst genau und mit geringen Kosten abzubilden. Indexfonds kannst du nur einmal täglich über den Fondsanbieter handeln, ETFs flexibel während der Börsenzeiten.

  • Was ist der Unterschied zwischen ETFs und aktiven Fonds?

    Während ETFs automatisch die Werte eines bestimmten Index abbilden, versuchen aktive Fonds, durch gezielte Investments den Markt zu outperformen (zu überbieten). Dies schaffen in der Realität nur wenige aktiv gemanagte Fonds. Außerdem unterscheiden sich ETFs und aktive Fonds in Sachen Kosten: ETFs sind deutlich kostengünstiger zu haben, da eben kein ganzes Management-Team mitfinanziert wird, das sich um die Beteiligungen kümmert.

  • Wo kann ich ETFs kaufen?

    ETFs kannst du bei Brokern handeln. Auch deine Hausbank bietet die Möglichkeit, sie über ein Online-Depot zu kaufen. Du kannst eine Einmalanlage tätigen oder einen Sparplan aufzusetzen, in den du monatlich einzahlst. Auch eine Kombination ist möglich.