Investieren in Value- und Growth-Aktien

Beschäftigst du dich mit dem Thema Investition in Aktien, wirst du in der Finanzpresse auch von „Value“ und „Growth“ lesen. Beide Begriffe beschreiben unterschiedliche Anlagephilosophien, nach denen Unternehmen für ein Investment ausgewählt werden.

In diesem Artikel lernst du die grundlegenden Unterschiede zwischen Value und Growth Aktien kennen und welche Vor- und Nachteile beide Klassen mit sich bringen. Zudem erfährst du, wie sich diese beide Strategien zum passiven Investieren verhalten.

Was sind Growth- und Value-Aktien?

Alle an der Börse gehandelten Unternehmen lassen sich grob in die Kategorien Growth (Wachstumsaktien) und Value (Substanzwerte) Aktien einordnen, wobei eine Zuordnung nicht immer eindeutig getroffen werden kann. Die meisten bekannten Unternehmen aus Indices wie dem DAX oder dem Dow Jones gelten in der Regel als Growth Aktien.

Unternehmen der Kategorie „Growth“ lassen sich gut mit folgendem Satz umschreiben:

Ich kaufe einen Dollar für den Preis von einem Dollar und hoffe, dass dieser in naher Zukunft zwei Dollar wert sein wird.

Die allgemeine Finanzpresse schenkt solchen Aktien eine hohe Aufmerksamkeit, wodurch die Beliebtheit bei Investoren verstärkt wird („Glamour-Faktor“). Viele Wachstumswerte stammen aus der Technologiebranche, wie zum Beispiel Apple, Google, Amazon, Facebook oder SAP.

Aber auch Unternehmen anderer Branchen können der Growth-Kategorie zugeordnet werden, z. B. Nestlé, Roche oder Walt Disney.

Ein guter Merksatz für Value-Aktien lautet dagegen:

Ich kaufe einen Dollar für einen Preis von 50 Cent und hoffe, dass der Preis in naher Zukunft wieder auf einen Dollar steigt.

Sie haben im Vergleich zum Gesamtmarkt ein geringeres Wachstum und sind bei Investoren nicht besonders beliebt (weniger Glamour Faktor).

Das liegt daran, dass Substanzwerte meist den klassischen Branchen wie Automobil, Finanzen oder Stahl zugeordnet werden können. Die größten Value-Unternehmen aus dem MSCI-World sind Verizon, General Electric, Exxon Mobile, Microsoft oder JP Morgan.

Eigenschaften von Growth- und Value-Aktien

Growth-Aktien:

  • Hohes Wachstum
  • Hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis
  • Niedrige Gewinne / Cashflows
  • Hohe Investitionen
  • Niedrige (Dividenden-) Rendite

Die dominanteste Eigenschaft von Growth-Unternehmen ist ihr überdurchschnittliches Wachstum, das oberhalb des Marktdurchschnitts liegt.

Aufgrund regelmäßiger Berichterstattung in den Medien besitzen sie ein starkes Prestige. Da Growth-Aktien bei Investoren sehr beliebt sind, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in der Regel hoch.

Dies liegt zum einen an einem tendenziell höheren Aktienkurs, zum anderen an den aktuell noch niedrigen Gewinnen. Growth-Unternehmen investieren sehr viel Kapital in ihr Wachstum, wodurch die Gewinne eher gering ausfallen.

Aus demselben Grund ist die Dividendenrendite bei Wachstums-Aktien null beziehungsweise niedrig. Die Unternehmen nutzen erwirtschaftete Gewinne für Investitionen in die Geschäftstätigkeit, weshalb diese nicht an die Investoren ausgeschüttet werden können.

Google hat zum Beispiel noch nie eine Dividende gezahlt. Das Unternehmen begründet diesen Schritt damit, dass innerhalb des Konzerns viel lukrativere Geschäftsmöglichkeiten existieren als außerhalb. Das Geld der Investoren ist daher besser angelegt, wenn es im Unternehmen bleibt, anstatt es als Dividende auszuschütten.

Value-Aktien:

  • Geringes Wachstum
  • Niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis
  • Hohe Gewinne / Cashflows
  • Niedrige Investitionen
  • Hohe (Dividenden-) Rendite

Die Umsätze von Substanzwerten wachsen nicht mehr so stark wie der Marktdurchschnitt. Investoren sehen bei Value-Unternehmen zukünftig keine großen Umsatzsprünge, weshalb sie nicht so beliebt sind wie Growth-Werte.

Als Folge davon weisen Value-Unternehmen oft ein geringes Kurs-Gewinn-Verhältnis  (KGV) auf. Dies liegt zum einen am niedrigen Kursniveau, zum anderen an den höheren Gewinnen bzw. Cashflows.

Das Geschäftsmodell ist meist grundsolide, weshalb die Gewinne recht konstant und nur geringen Schwankungen unterworfen sind.

Für die Aufrechterhaltung der Geschäftstätigkeit sind zudem keine hohen Investitionen in das Anlagevermögen nötig.

Das alles sind Gründe, warum die Dividendenrendite bei Value-Unternehmen meist höher liegt als bei Wachstumsunternehmen (Growth Aktien). Es wird nicht so viel Kapital in der nahen Zukunft benötigt, weshalb Gewinne in Form von Dividenden eher ausgeschüttet anstatt in das Geschäft reinvestiert werden.

Welche Aktienkategorie ist zum Investieren besser geeignet?

Direktinvestments in Growth- und Value-Aktien

Die meisten Investoren sind in Growth-Aktien investiert. Sie halten diese aufgrund der Popularität wie z. B. von Apple oder Google für sicherer als Value-Aktien.

In der Wissenschaft gibt es keine einheitliche Meinung darüber, welche Aktienkategorie besser ist. Es gibt sowohl Studien, die besagen, dass Growth-Unternehmen besser abschneiden, als auch Studien, die nachweisen, dass Value-Unternehmen mehr Rendite bringen.

In der Mehrheit der Studien konnte allerdings nachgewisen werden dass Investitionen in Value Aktien langfristig höhere Renditen erzielen, dies hängen aber stark vom Betrachtungszeitraum ab. So haben zum Beispiel in den letzten zehn Jahren Growth Aktien eine höhere Rendite erzielt als Value-Aktien.

Keine der beiden Anlageklassen kann dich vor Verlusten schützen. Ein klassisches Beispiel für einen Substanzwert ist die VW-Aktie: Seit dem Abgasskandal und dem damit verbundenen hohen Kursverlust wird Volkswagen als riskant eingestuft.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Wachstumswerten um die Jahrtausendwende: Viele Investoren haben während der „Internet-Blase“ Totalverluste erlitten.

Über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten haben Value-Aktien besser performt als Growth-Aktien. Der Grund dafür ist, dass die Renditeerwartungen der Investoren bei Substanzwerten gering, bei Wachstumsunternehmen jedoch hoch sind.

Diesen Umstand kannst du anhand des Kurs-Gewinn-Verhältnisses ablesen. Fallen Gewinne bei Substanzwerten höher und bei Wachstumswerten geringer aus, ist auch die erzielte Rendite auf den Aktienkurs höher bzw. geringer.

Ein umgekehrter Sachverhalt gilt für das Risiko: Investoren halten Value-Unternehmen für riskanter als Wachstumsaktien und verlangen dafür eine höhere Rendite.

Was ist besser geeignet ?

Als Investor kommt es ganz auf deine Zielsetzung an, für welche Aktien du dich entscheiden solltest. Möchtest du regelmäßige Ausschüttungen in Form von Dividenden erhalten, ist ein Substanzwert eine gute Wahl für dein Portfolio. Möchtest du sehr langfristig investieren und Steuerzahlungen bis zum Verkauf deiner Aktien aufschieben, ist eine Wachstumsaktie die bessere Entscheidung.

Die meisten Anleger begehen den Fehler und investieren 90 % ihres Kapitals in Wachstumsunternehmen. Am besten orientierst du dich an den Grundsätzen der Diversifikation und nimmst sowohl Value- als auch Growth-Aktien in dein Portfolio auf.

Da du nicht wissen kannst, welche Klasse in der nächsten Zeit mehr Rendite bringt, erreichst du mit dieser Strategie eine ausgeglichene Performance. Zudem ist dein Portfolio weniger anfällig für Kursschwankungen. Substanzwerte haben in der Vergangenheit zwar besser performt, in Krisenzeiten aber auch deutlich mehr verloren als der Gesamtmarkt.

Passives Investieren in Growth und Value Aktien

Durch das passive Investieren in Indices erhält ein Anleger automatisch ein Mischportfolio aus Value- und Growth-Unternehmen.

Darüber hinaus kann es Sinn machen den Anteil an Value Aktien zu übergewichten, ihm also mehr Bedeutung in deinem Portfolio zukommen zu lassen. Somit kannst du langfristig von höheren Renditen profitieren (allerdings auch von mehr Risiko inform höherer Schwankungen).

Eine Möglichkeit in Value Aktien zu investieren sind speziell hierzu aufgelegte ETFs oder Indexfonds wie zum Beispiel dem MSCI World Value Index.

Die Wahl einer Growth- oder Value-Strategie ist also nicht nur eine Entscheidung die aktive Anlager treffen müssen sondern auch für passive Anleger interessant ist.

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