Was kostet ein Kind bis zum 18. Lebensjahr?

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Um die Geburtenrate in Deutschland ist es nicht zum Besten bestellt. Traumwerte wie 2,54 Kinder pro Frau aus dem Jahr 1964 gehören längst der Vergangenheit an.

Stattdessen müssen wir in der Bundesrepublik froh sein, den Tiefpunkt von 1,24 Kindern pro Frau (1994) hinter uns gelassen zu haben. Mittlerweile steigt die zusammengefasste Geburtenziffer wieder und liegt seit einigen Jahren zwischen 1,50 und 1,57 Kindern pro Frau.

Zur Selbsterhaltung der Deutschen wäre allerdings eine Geburtenziffer von 2,2 Kindern pro Frau nötig. Jene erreichen wir schon lang nicht mehr.

Die Kosten werden immer wieder von (noch) kinderlosen Paaren als Faktoren genannt.

Häufig fällt in diesem Zusammenhang der Vergleich zwischen einem Kind und einer Eigentumswohnung. Doch was kostet ein Kind bis zum 18. Lebensjahr eigentlich? Dieser Frage wollen wir einmal nachgehen, jedoch auch die andere Seite – die finanziellen Vorteile – nicht außer Acht lassen.

Ausgaben durch Kinder: Je älter, desto kostspieliger

Um herauszufinden, was ein Kind bis zum 18. Lebensjahr kostet, bedarf es langjähriger Untersuchungen. Eine Studie zu diesem Thema hat das Statistische Bundesamt am 29. Januar 2018 veröffentlicht. Sie trägt den Titel „Konsumausgaben von Familien für Kinder“ und nimmt sich „Berechnungen auf der Grundlage der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2013“ zur Grundlage.

In dieser Studie analysiert das Statistische Bundesamt das Konsumverhalten von Familien und teilt die Ausgaben für Kinder von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr in 3 unterschiedliche Altersperioden ein. Jede Periode dauert 6 Jahre.

Die Erhebung stellt fest, dass die durchschnittlichen Monatskosten für ein Kind von Altersperiode zu Altersperiode steigen:

  • 0 bis 6 Jahre: 587 €
  • 6 bis 12 Jahre: 686 €
  • 12 bis 18 Jahre: 784 €

Innerhalb der ersten 6 Lebensjahre fallen beispielsweise Kosten für die Erstausstattung (Kleider, Möbel, Kinderwagen) und Gebühren für die Betreuung im Kindergarten an.

Im Alter zwischen 6 und 12 Jahren steht dann die Schule im Mittelpunkt, im Rahmen jener Lernmaterial, Klassenfahrten oder auch Tickets für Bus und Bahn bezahlt werden müssen.

Und auch in der letzten Periode steigen die Ausgaben für ein Kind durchschnittlich noch mal um etwa 100 €. Hochgerechnet auf die kompletten Altersperioden bedeutet dies:

  • 0 bis 6 Jahre: 42.300 €
  • 6 bis 12 Jahre: 49.300 €
  • 12 bis 18 Jahre: 56.000 €

Was ein Kind bis zum 18. Lebensjahr kostet, lässt sich anhand dieser Daten ungefähr sagen.

Es sind zirka 148.000 €, mit denen Paare beziehungsweise werdende Eltern rechnen können. Kinderkosten erreichen demnach sehr wohl das Niveau einer Eigentumswohnung.

Dies in einem noch höheren Maße, wenn der Nachwuchs studiert. Die Verbraucherzentrale Bayern hat berechnet, dass während des Studiums noch mal um die 80.000 € anfallen können. So steigen die Kosten auf zirka 230.000 €.

Bei diesen Zahlen ist es wenig überraschend, wenn bei vielen Paaren blanke Panik ausbricht und jene sich fragen, wo sie eigentlich das ganze Geld hernehmen sollen. Gehörst Du dazu, können wir Dich etwas beruhigen. Schließlich darfst Du die finanziellen Vorteile nicht vergessen, die mit Kindern so verbunden sind.

Einkommen: Kinder bringen finanzielle Vorteile mit sich

Kinder kosten nicht nur. Der Staat weiß nämlich, dass Nachwuchs immer auch eine finanzielle Belastung für die Eltern bedeutet.

Um diese etwas abzufedern, profitieren Eltern von steuerlichen Erleichterungen und Transferleistungen. Die folgenden finanziellen Vorteile sind für Eltern beziehungsweise Erziehungsberechtigte in Deutschland unter anderem möglich:

  • Elterngeld
  • Mutterschaftsgeld
  • Entlastungsbetrag für Alleinerziehende
  • Ausbildungsfreibetrag
  • Riester-Rentenzulage
  • Kinderfreibetrag / Kindergeld

Wir möchten an dieser Stelle das Kindergeld hervorheben, das sich Eltern mit eher geringerem Einkommen monatlich aufs Konto gutschreiben lassen können.

Seit dem 1. Juli 2019 erhalten Eltern für das erste Kind 204 € im Monat, ab 1. Juli 2021 dann 219 €. Rechnen wir mit diesen Beträgen bis zum 18. Lebensjahr, kommen fast 50.000 € Kindergeld zusammen.

Ziehen wir diesen Wert von den laut Studie des Statistischen Bundesamtes insgesamt 148.000 € Kinderkosten ab, bleiben knapp unter 100.000 € übrig.

Dieser Betrag lässt sich durch zusätzliche Maßnahmen weiter reduzieren. So sollen die steuerlichen Vorzüge nicht außen vor bleiben, die mit Kindern verbunden sind. Du kannst gewisse Ausgaben im Rahmen Deiner jährlichen Einkommenssteuererklärung steuerlich absetzen, beispielsweise

  • Betreuungskosten/Kita-Gebühren
  • Schulgeld
  • Unterhaltszahlungen für ältere Kinder

Vor der Geburt kannst Du zudem noch Deine Steuerklasse wechseln, was Dir ebenfalls finanzielle Vorzüge bringen kann. Der Staat versucht also, mit allerlei Mitteln die finanziellen Belastungen zu minimieren, die für Eltern mit der Geburt eines Kindes – vor allem des allerersten – einhergehen.

Kinderkosten: Das ist sonst noch wichtig

Die Studie des Statistischen Bundesamtes liefert als Ergebnisse natürlich Durchschnittswerte.

Dies liegt beispielsweise an den unterschiedlichen Kategorien des Haushaltseinkommens. Kurz und knapp lässt sich festhalten: Wer mehr verdient, gibt auch mehr für seine Kinder aus. Die unteren 10 % haben im Mittel monatliche Kinderkosten (von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr) in Höhe von 364 €.

Besserverdiener hingegen geben monatlich 1100 € für ihr Kind aus. Diese enorme Bandbreite fließt in die Untersuchung anhand der Durchschnittswerte ein, weshalb Familien mit geringem Einkommen die oben vorgestellten Kinderkosten sicherlich als viel zu hoch wahrnehmen werden.

Außerdem fließen in die Studie auch keine Opportunitätskosten ein. Dabei handelt es sich um keine tatsächlichen Ausgaben, sondern vielmehr um entgangene Einnahmen.

Wer aufgrund der Geburt seines Kindes nur in Teilzeit oder auch gar nicht arbeitet, der verdient faktisch weniger als ohne Kind.

Und: Mit jedem weiteren Kind sinken die Ausgaben, da für mehr Personen gekocht sowie Kleidung, Spielsachen und Co. wiederverwendet werden können. Hinzu kommt mehr Kindergeld ab dem dritten Kind.

Fazit

Einer Studie des Statistischen Bundesamtes zufolge kostet ein Kind bis zu seinem 18. Lebensjahr durchschnittlich um die 148.000 €.

Laut bayrischer Verbraucherzentrale erhöht sich dieser Wert durch die Aufnahme eines Studiums in den folgenden Jahren auf etwa 230.000 €.

Auf der Gegenseite stehen allerdings einige finanzielle Entlastungen von staatlicher Seite, allen voran steuerliche Vergünstigen und Transferleistungen.

Hier ist insbesondere das Kindergeld zu nennen, wovon nach aktueller Höhe ungefähr 50.000 € bis zum 18. Geburtstag zusammenkommen. Ein Drittel der durchschnittlichen Kinderkosten wären demnach allein durch das Kindergeld gedeckt.

Wir möchten an dieser Stelle ausdrücklich erwähnen, dass wir in diesem Blogartikel nicht bewerten wollten, ob Kinder kriegen lohnenswert ist oder nicht. Da spielen selbstverständlich weitere Faktoren eine Rolle, vor allem Emotionen.

Wir haben das Thema allein aus finanzieller Perspektive beleuchtet und Dir hoffentlich einige Fragen beantworten können wie jene, was ein Kind bis zum 18. Lebensjahr kostet.

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