Die Berufsunfähigkeitsversicherung: So sicherst du dich richtig ab

Rund 20 % der Arbeitnehmer in Deutschland können ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zur Rente ausüben. Jeder fünfte Berufstätige wird im Alter von 36 bis 45 Jahren berufsunfähig. In der Gruppe der 51- bis 55-Jährigen schaffen es über 25 % aus gesundheitlichen Gründen nicht, bis zum Renteneintritt durchzuhalten.

Diese Zahlen machen Angst – denn wer bezahlt deine Miete, deine Kredite, dein Auto und deine Lebenshaltungskosten, wenn du gesundheitlich so angeschlagen bist, dass du nicht mehr arbeiten kannst? Mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) sicherst du dich gegen dieses Risiko ab. Was also musst du zu dieser wichtigen Versicherung wissen, und worauf musst du beim Abschluss des Versicherungsvertrags achten?

Berufsunfähigkeitsversicherung - arbeiten bis zur Rente

Über 25% der 51- bis 55-Jährigen schaffen es aus gesundheitlichen Gründen nicht, bis zum Renteneintritt zu arbeiten. (Bild: Pixabay)

Das Wichtigste in Kürze

Wenn du wegen einer Krankheit nicht mehr arbeiten kannst, genügt die gesetzliche Erwerbsminderungsrente meist nicht, um deinen gewohnten Lebensstandard zu halten.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist sinnvoll, wenn du von einem regelmäßigen Einkommen abhängig bist.
Die BU-Versicherung gilt als teure Versicherung. Für Berufe mit einem geringen Unfall- oder Krankheitsrisiko ist sie günstiger.

Dein Gesundheitszustand ist ausschlaggebend dafür, ob du eine Versicherung bekommst und was sie kostet.
Deshalb ist es sinnvoll, eine BU-Versicherung frühzeitig abzuschließen.
Entscheide dich für einen Versicherer mit hoher Finanzkraft.
Im Zweifel gilt: Bezahle lieber einen höheren Beitrag und wähle einen Tarif mit guten Leistungen aus.

In drei Schritten zu einer guten BU-Versicherung

Für den Abschluss deiner Berufsunfähigkeitsversicherung solltest du dir genügend Zeit nehmen. Lass dich nicht zu einem überstürzten Vertragsabschluss drängen! Gehe bei der Auswahl deines Versicherers und des Tarifs ebenso sorgfältig vor wie beim Ausfüllen des Antragsformulars. Im Grunde genügen folgende drei Schritte, um den passenden Versicherungsschutz zu finden:

  • Lege fest, wie hoch deine BU-Rente sein muss.
  • Lass dich vor dem Abschluss des Vertrags beraten und vergleiche mehrere Angebote.
  • Beantworte alle Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß und vollständig. Frage notfalls deinen Arzt nach früheren Behandlungen.

Wenn der Versicherer deinen Antrag nach der Prüfung deiner Unterlagen ablehnt, informiere dich, welche BU-Alternativen für dich in Frage kommen.

Berufsunfähigkeit – das unterschätzte Risiko

Du bist jung, gesund und topfit – kurz gesagt, dein Leben macht dir richtig Spaß. Nach der Schule hast du eine Ausbildung oder ein Studium begonnen. Du hast eine Lehrstelle in deinem Traumjob ergattert. Nach dem Abschluss deines Studiums winkt dir eine steile Karriere in einem internationalen Unternehmen. Der Gedanke an eine Krankheit oder einen Unfall ist für dich weit weg. Genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt, an eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu denken!

Berufsunfähigkeitsversicherung mit 20

Wenn du jung bist ist der richtige Zeitpunkt, um an eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu denken. (Bild: Pixabay)

Stelle dir nur für einige Minuten folgende Situation vor:

Du bist etwa 15 bis 20 Jahre älter. Du hast eine Familie gegründet und ein Haus im Grünen gekauft. Du hast zwei reizende Kinder im jugendlichen Alter. Doch plötzlich stellst du fest: Dein Rücken macht dir immer häufiger Probleme. Dein Arzt kommt zu der niederschmetternden Diagnose, dass du bereits mehrere Bandscheibenvorfälle hattest. Jede Bewegung tut dir unglaublich weh, an körperliche Arbeiten ist überhaupt nicht mehr zu denken. Längeres Sitzen verursacht dir heftige Schmerzen. Ganz gleich, ob du deinen Traumjob als Elektriker oder als Abteilungsleiter gefunden hast: Mit dieser gesundheitlichen Diagnose droht dir das Ende deiner Berufstätigkeit.

Berufsunfähigkeitsversicherung mit 50 Jahren

Mit steigendem Alter steigt das Risiko der Berufsunfähigkeit. (Bild: Pixabay)

Leider ist das Szenario sehr realistisch. Das beweist ein Blick auf die neuesten Statistiken der Deutschen Rentenversicherung:

Jeder fünfte Deutsche bekommt zum Rentenbeginn eine Erwerbsminderungsrente, weil er aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zur Rente arbeiten kann.
Noch höher ist der Anteil derjenigen, die irgendwann während ihres Berufslebens vorübergehend berufsunfähig werden und wegen einer Krankheit oder einem Unfall für mehrere Monate nicht arbeiten können.

Allein in der Gruppe der 20- bis 36-Jährigen liegt der Anteil der Berufsunfähigen bei sechs Prozent!
Knapp ein Drittel der Berufsunfähigen gibt psychische Erkrankungen wie einen Burnout oder Depressionen als Ursache an.
Bei über 20 Prozent sind Beschwerden des Muskel-Skelett-Apparats wie ein Bandscheibenvorfall oder Rückenschmerzen der Grund für den Verlust der Arbeitskraft.

In den letzten zwei Jahren haben Burnout und Depressionen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Apparats als Auslöser für den Verlust der Arbeitskraft überholt.
Das bedeutet, dass nicht nur Menschen mit einem hohen Anteil von körperlichen Tätigkeiten berufsunfähig werden.

Depressionen

Burnout und Depressionen sind häufige Ursachen für eine Berufsunfähigkeit. (Bild: Pixabay)

Wenn du berufsunfähig wird und kein Einkommen mehr erhältst, droht dir der finanzielle Ruin. Du glaubst, dass die staatliche Erwerbsminderungsrente ausreicht, um deinen Lebensstandard abzudecken? Dann solltest du dir die Voraussetzungen und die Höhe dieser gesetzlichen Leistung genauer ansehen.

Warum du dich nicht auf die Erwerbsminderungsrente verlassen solltest

Die Erwerbsminderungsrente ist eine Leistung aus dem deutschen Sozialversicherungssystem. Du bekommst eine Erwerbsminderungsrente, wenn du aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kannst und wenn dein Einkommen entfällt. Um überhaupt einen Anspruch auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente zu haben, musst du bestimmte Voraussetzungen erfüllen:

  • Du kannst täglich höchstens sechs Stunden arbeiten.
  • Du hast mindestens fünf Jahre lang Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt.
  • In den fünf Jahren vor dem Beginn der Erwerbsminderung hast du mindestens drei Jahre lang Beiträge gezahlt. Dieser Zeitraum muss nicht zusammenhängend sein.

Als Berufsanfänger hast du also in den ersten fünf Jahren nur einen sehr geringen Versicherungsschutz! Du bekommst nur dann eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente, wenn du einen Arbeitsunfall hattest oder wenn eine Berufskrankheit festgestellt wurde.

Berufsunfähigkeit durch Arbeitsunfall

Als Berufanfänger bekommst nur dann eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente, wenn du einen Arbeitsunfall hattest oder eine Berufskrankheit festgestellt wurde. (Bild: Pixabay)

Auf die Wartezeit von fünf Jahren werden Phasen angerechnet, in denen du Krankengeld, Arbeitslosengeld I oder II oder Übergangsgeld bekommen hast. Angerechnet werden dir außerdem die Zeiten, in denen du Kinder erzogen hast, in denen du durch einen häuslichen Pflegefall nicht arbeiten konntest oder in denen du freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt hast.

Damit du eine volle Erwerbsminderungsrente bekommst, darfst du nicht mehr als drei Stunden täglich arbeiten. Dabei ist es ganz egal, in welchem Beruf du arbeitest! Solange du irgendeine berufliche Tätigkeit ausüben kannst, verweigert die gesetzliche Rentenversicherung die Zahlung der Erwerbsminderungsrente. Wenn du also ein Ingenieurstudium abgeschlossen hast, darf dich der Rentenversicherer auf eine Arbeit als Pförtner verweisen – selbst wenn du dann viel weniger Geld verdienst.

Wirst du direkt nach deiner Ausbildung oder nach deinem Studium berufsunfähig, gilt eine weitere Regel. Die Wartezeit gilt als erfüllt, wenn du innerhalb von sechs Jahren voll erwerbsgemindert bist und in den zwei Jahren vor der Diagnose mindestens ein Jahr lang Beiträge in die gesetzliche Rente eingezahlt hast. Zusammengefasst sind die Anforderungen an die gesetzliche Erwerbsminderungsrente also sehr hoch.

So gering sind die Leistungen aus der Erwerbsminderungsrente

Die Höhe deiner vollen Erwerbsminderungsrente errechnet sich aus der Zahl deiner Versicherungsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung und aus den persönlichen Entgeltpunkten, die du bereits erreicht hast. Schau dir am besten den letzten Bescheid deiner Rentenversicherung an! Dort ist aufgeführt, wie hoch deine Erwerbsminderungsrente ist. Stelle diese Rente einmal deinen monatlichen Lebenshaltungskosten gegenüber! Vermutlich wirst du feststellen, dass die volle Erwerbsminderungsrente um mehrere 100 Euro unter deinen Ausgaben für Miete, Kredite, Auto, Handy und Lebenshaltung liegen.

Erwerbsminderungsrente - Lebenshaltungskosten

Stelle die gesetzliche Rente einmal deinen monatlichen Lebenshaltungskosten gegenüber! (Bild: Pixabay)

Wissen musst du außerdem, dass du die volle Erwerbsminderungsrente nur bekommst, wenn du pro Tag weniger als drei Stunden arbeiten kannst. Sofern es dir noch zuzumuten ist, dass du zwischen drei und sechs Stunden täglich einer bezahlten Tätigkeit nachgehst, bekommst du lediglich eine halbe Erwerbsminderungsrente. Die staatliche Leistung ist also an so hohe Voraussetzungen gekoppelt und so knapp bemessen, dass du dich unbedingt privat gegen den Verlust der Arbeitskraft absichern solltest. Die private Berufsunfähigkeitsversicherung ist deshalb neben der privaten Haftpflicht die wichtigste Versicherung für dich.

So funktioniert die private BU-Versicherung

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt dir eine monatliche Rente, wenn du deinem zuletzt ausgeübten Beruf vermutlich dauerhaft nicht mehr nachkommen kannst. Ausschlaggebend ist dabei die Art des Berufs, wie er ohne deine gesundheitlichen Probleme ausgeführt wurde. Das heißt: Du bekommst eine BU-Rente, auch wenn du noch einem anderen Beruf nachgehen könntest.

Der Grund für deine Berufsunfähigkeit spielt für die Zahlung keine Rolle. Du darfst diesen Grund nur nicht mit Absicht verursacht haben. Die meisten Versicherer zahlen die BU-Rente, wenn du mindestens zu 50 Prozent berufsunfähig bist. Das bedeutet, dass du mindestens die Hälfte deiner Leistungsfähigkeit verloren hast und wesentliche Tätigkeiten deines Berufs nicht mehr ausüben kannst. Um diese Beeinträchtigungen nachzuweisen, musst du natürlich eine Reihe von Unterlagen bei deiner Versicherung einreichen. Dazu gehören Arztberichte und Beschreibungen deiner Arbeit. Erkennt der Versicherer deine Berufsunfähigkeit an, zahlt er dir die vereinbarte monatliche BU-Rente.

Warum dein Beruf den Beitrag beeinflusst

Im Vergleich zu anderen Alternativen gibt dir die Berufsunfähigkeitsversicherung eine recht umfassende Absicherung. Anders als eine Unfallversicherung oder eine Dread-Disease-Versicherung greift die BU-Versicherung nämlich unabhängig von der Ursache der Berufsunfähigkeit. Trotzdem sind die Beitragsunterschiede bei den verschiedensten Versicherern ganz enorm. Sie hängen von dem versicherten Beruf, von deinem Alter, deinem Gesundheitszustand und von der Höhe der vereinbarten Rente ab.

Gerade dein Beruf hat einen erheblichen Einfluss auf die Höhe des Beitrags! Als Handwerker beträgt dein Beitrag ungefähr das Vierfache wie bei einem Ingenieur oder einem Wirtschaftswissenschaftler. Das liegt daran, dass Handwerker einen höheren Anteil an körperlichen Tätigkeiten haben. Dieser Anteil ist ganz maßgeblich für die Höhe der Versicherungsprämie. Der Versicherer geht nämlich aufgrund von statistischen Wahrscheinlichkeiten davon aus, dass das Risiko einer Berufsunfähigkeit mit dem Anteil der körperlichen Tätigkeiten steigt. Mit dem hohen Beitrag beteiligt er dich im Prinzip an seinem Risiko, dass der Versicherungsfall eintritt.

Berufsunfähigkeitsversicherung - abhängig vom Beruf

Dein Beruf hat einen erheblichen Einfluss auf die Höhe des Beitrags – abhängig vom Anteil der körperlichen Aktivität. (Bild: Pixabay)

Im schlimmsten Fall führt dieses Vorgehen der Versicherer dazu, dass Berufstätige, die den Schutz gegen Berufsunfähigkeit so dringend brauchen, keine bezahlbare Versicherung finden. Vor allem Künstler, Piloten und Flugbegleiter, Tauchlehrer oder Kurierfahrer sind deshalb kaum mit einer normalen BU-Versicherung zu versichern.

Vorsicht bei gefährlichen Hobbys

Wenn dir dein bewegtes Berufsleben Zeit lässt, spielst du gerne Eishockey. Du gehst zum Reiten oder zum Klettern, oder du frönst einer anderen spannenden sportlichen Tätigkeit mit einem hohen körperlichen Einsatz. Deinen BU-Versicherer freut dein Engagement sicher weniger! Oft musst du für dein risikoreiches Hobby mit einem Zuschlag auf die Versicherungsprämie rechnen. Auch hier geht der Versicherer davon aus, dass du durch deine sportliche Betätigung ein höheres Risiko hast, krankheitsbedingt auf Dauer nicht mehr arbeiten zu können. Allerdings beurteilen die Versicherer dieses Risiko sehr unterschiedlich.

Wenn du also einer außergewöhnlichen sportlichen Beschäftigung nachgehst, solltest du bei der Suche nach einem Versicherer nicht sofort aufgeben. Vergleiche die Angebote sehr sorgfältig und wähle dann die Gesellschaft aus, die dich trotz deines Hobbys mit einem bezahlbaren Versicherungsbeitrag versichert.

Berufsunfähigkeitsversicherung - Beitrag abhängig vom Risiko

Bei risikoreichen Hobbies musst du oft mit einem Zuschlag auf die Versicherungsprämie rechnen. (Bild: Pixabay)

So wirken sich Krankheiten auf den Beitrag aus

Noch wichtiger als dein Beruf oder dein Hobby ist dein Gesundheitszustand bei der Beantragung der BU-Rente. Es gibt einige Erkrankungen wie eine Diabetes Typ 1, ein Bandscheibenvorfall oder eine Depression, die den Abschluss eines Versicherungsvertrags fast unmöglich machen. Aber auch eher harmlose Beschwerden wie eine Allergie können die Ursache für erhöhte Beiträge sein. Einige Versicherer verlangen bei Vorerkrankungen einen Risikozuschlag auf den Versicherungsbeitrag. Er treibt die Kosten für deine BU-Versicherung in die Höhe.

Andere Gesellschaften fordern einen Ausschluss vom Versicherungsschutz, wenn deine Berufsunfähigkeit aus einer Vorerkrankung entsteht. Leider ist es keine Lösung, Vorerkrankungen im Versicherungsantrag zu verschweigen. Im Leistungsfall untersucht der Versicherer nämlich sehr genau, ob du alle Angaben im Antrag vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet hast. Stellt er hier eine Nachlässigkeit von deiner Seite fest, weigert er sich im schlimmsten Fall, die BU-Rente zu zahlen, oder er löst den Vertrag im Nachhinein auf.

Daran solltest du vor dem Vertragsabschluss denken

Bevor du den Vertrag mit deinem BU-Versicherer abschließt, solltest du ein paar wichtige Details beachten. Sie helfen dir, eine vernünftige Absicherung zu bezahlbaren Beiträgen zu finden.

Schließe deinen Vertrag so früh wie möglich ab

Du hast gelernt, dass sich dein Gesundheitszustand auf die Höhe deines Beitrags auswirkt. Deshalb solltest du deine BU-Versicherung möglichst frühzeitig abschließen. Je älter du bist, desto höher ist tendenziell dein Beitrag. Hinzu kommt die Gefahr von Erkrankungen, die zu einem Risikozuschlag führen können. Am besten beschäftigst du dich mit dem Abschluss einer BU-Versicherung, sobald du dein erstes regelmäßiges Einkommen erhältst.

Wenn du den Vertragsabschluss zum Jahresende einplanst, solltest du dich damit beeilen. Einige Gesellschaften erhöhen den Beitrag nach Neujahr, weil der Versicherungsnehmer in diesem Jahr älter wird. Das kannst du umgehen, indem du deinen Vertrag noch im alten Jahr abschließt oder zurückdatieren lässt.

Berufsunfähigkeitsversicherung unterschreiben

Schließe deinen Vertrag so früh wie möglich ab. (Bild: Pixabay)

Kombiprodukte lohnen sich nicht

Grundsätzlich kannst du eine Berufsunfähigkeitsversicherung als selbständige Versicherung oder in Kombination mit einer Lebens- oder Rentenversicherung abschließen. Solche Kombiprodukte bezeichnet man als „Berufsunfähigkeitszusatzversicherung“ oder kurz BUZ. Bei einer BUZ wird der Beitrag auf die Hauptversicherung und auf die BU-Versicherung aufgeteilt. Im Vergleich zur selbständigen BU-Versicherung ist dein Beitrag also etwas höher, oder die BU-Rente ist geringer. Deshalb ist es meist günstiger, eine selbständige Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen.

Vermeide eine zu geringe BU-Rente

Achte beim Abschluss deines Versicherungsvertrags darauf, dass die Höhe deiner BU-Rente vernünftig kalkuliert ist. Immerhin soll sie im Notfall ausreichen, damit du deine laufenden Kosten für deine Kredite, Miete und Lebenshaltung für dich und unter Umständen für deine Familie zahlen kannst.

Wenn du berechnen willst, wie hoch du deine BU-Rente ansetzen sollst, gehst du am besten nach einer Faustformel vor. Versichere rund 80 Prozent deines Nettoeinkommens.

Wenn du genauer rechnen willst, notierst du deine gesamten jährlichen Ausgaben. Überlege dann, welche Posten unvermeidbar sind, wenn du nicht mehr arbeiten gehen kannst. Diese Kosten teilst du durch 12 Monate. So berechnen auch Selbständige ihre BU-Rente fundiert, selbst wenn sie kein regelmäßiges Einkommen beziehen. Falls du Einnahmen aus einer Vermietung oder aus Kapitalanlagen bekommst, verringern sie unter Umständen deinen finanziellen Bedarf.

Unbedingt vermeiden solltest du eine Rentenhöhe von weniger als 1.000 Euro monatlich. Solche Minirenten sind in der Regel nicht sinnvoll, weil sie nicht ausreichen, um deine monatlichen Kosten zu decken. Nur wenn du einen Vertrag mit Nachversicherungsgarantie abschließt und eine erhebliche Gehaltssteigerung erwartest, kann es sinnvoll sein, zuerst mit einer niedrigen BU-Rente einzusteigen.

geringe Rentenhöhe für BU-Versicherung

Unbedingt vermeiden solltest du eine Rentenhöhe von weniger als 1.000 Euro monatlich. (Bild: Pixabay)

Wähle einen finanzstarken Versicherer

Wenn du berufsunfähig wirst, willst du sicher sein, dass dein Versicherer die Rente zahlen kann. Dazu musst du ein finanziell solides Unternehmen wählen, das auch in 15 oder 20 Jahren noch besteht. Um die Finanzkraft eines Versicherers zu beurteilen, gibt es sogenannte Ratings. Bekannt sind die drei Ratingagenturen Standard & Poor´s, Moody´s oder Fitch. Orientiere dich an einem Rating von A-, A3 oder höher, sie stehen für eine solide Finanzstärke des Versicherers.

Achte auf die Spanne zwischen Brutto- und Nettoprämie

Wenn die die Preise der BU-Versicherungen vergleichst, stößt du auf Netto- und Bruttoprämien. Die Nettoprämie ergibt sich aus der Bruttoprämie abzüglich der Überschussbeteiligungen, die der Versicherer erwirtschaftet. Der Nettobeitrag wird auch als Zahlbeitrag bezeichnet.

Viele Versicherer werben mit einem geringen Zahlbeitrag, um dadurch preisbewusste Kunden anzulocken. Allerdings sind diese Zahlbeiträge aufgrund der abgezogenen Überschussbeteiligungen nicht garantiert. Im Idealfall weichen Brutto- und Nettobeiträge kaum voneinander ab. Ansonsten orientiere dich bei der Wahl deines Versicherers an der Bruttoprämie. Sie gibt den Betrag an, den der Versicherer verlangt, wenn er die angesetzten Überschüsse nicht erwirtschaftet.

So gehst Du bei Vorerkrankungen vor

Wie du schon weißt, solltest du Vorerkrankungen im Versicherungsantrag angeben. Achte dabei auf den Fünf-Jahres-Zeitraum! Meist setzen die Versicherer im Antragsformular einen Zeitraum von fünf Jahren an. Hast du innerhalb dieser fünf Jahre eine ärztliche Behandlung in Anspruch genommen, musst du diese im Antrag angeben. Es kann sich lohnen, den Zeitpunkt abzuwarten, bis du solche Behandlungen nicht mehr angeben musst. Wenn also seit einer Behandlung vier Jahre vergangen sind, ist es unter Umständen sinnvoll, noch einige Monate mit der Beantragung des Versicherungsschutzes zu warten, bist der Betrachtungszeitraum abgelaufen ist.

Auf diese Vertragsdetails solltest Du Wert legen

Du hast jetzt gelernt, worauf es beim Abschluss deiner BU-Versicherung ankommt. Damit du im Fall des Falles umfassend geschützt bist, gibt es einige Vertragsbestandteile, die besonders wichtig sind. Sie sind in den Versicherungsbedingungen festgeschrieben. Achte darauf, dass dein Tarif diese Bedingungen erfüllt. So vermeidest du Einschränkungen im Versicherungsschutz, die zu deinem Nachteil sind. Bei der Wahl eines leistungsstarken Tarifs hilft dir übrigens ein Versicherungsmakler. Er sollte auf die Berufsunfähigkeitsversicherung spezialisiert sein, um dich kompetent beraten zu können.

Trenne Rentendynamik und Nachversicherungsgarantie

Deine BU-Rente soll auch in 20 oder 25 Jahren noch reichen, um deinen Lebensstandard zu sichern. Deshalb ist es sinnvoll, eine Rentendynamik zu vereinbaren. Damit stellst du sicher, dass die BU-Rente jedes Jahr um den vereinbarten Satz steigt. Üblich ist eine Dynamik von drei bis fünf Prozent. So gleichst du auch eine leichte Inflation problemlos aus. Eine dynamisch vereinbarte BU-Rente führt in der Regel zu einer leichten Erhöhung des Beitrags.

Von der Rentendynamik zu unterscheiden ist die Nachversicherungsgarantie. Durch diese Garantie hast du die Möglichkeit, deine BU-Rente deutlich zu erhöhen. Einige Nachversicherungsgarantien sind an bestimmte Auslöser wie zum Beispiel eine Hochzeit oder eine Gehaltserhöhung gekoppelt.

Andere Garantien darfst du ohne einen festen Auslöser in Anspruch nehmen. Achte bei der Wahl deines Tarifs darauf, welche Nachversicherungsgarantien der Versicherer anbietet. Eine Erhöhung deiner BU-Rente musst du beim Eintritt des Ereignisses übrigens selbständig beim Versicherer beantragen. Dazu hast du bist zu drei Monte lang Zeit. Achte darauf, dass die Rente oft nur bis zu einer gewissen Summe und bis zu einem bestimmten Alter angehoben werden darf.

Wähle eine Versicherungsdauer bis zum 67. Lebensjahr

Die Höhe der Versicherungsprämie steigt mit dem versicherten Endalter. Das heißt, eine Versicherung mit einem Endalter von 67 Jahren ist deutlich teurer als bei einem Endalter von 60 Jahren. Trotzdem solltest du hier nicht am Versicherungsschutz sparen. Bedenke, dass dein Risiko, berufsunfähig zu werden, mit zunehmendem Alter steigt.

BU Versicherung bis zum 67. Lebensjahr

Wähle eine Versicherungsdauer bis zum 67. Lebensjahr. (Bild: Pixabay)

Eine abstrakte Verweisung ist inakzeptabel

Dein Versicherungsschutz sollte auf keinen Fall ein Recht des Versicherers auf eine abstrakte Verweisung beinhalten. Damit räumst du der Versicherung nämlich das Recht ein, dich zur Ausübung eines anderen Berufs zu zwingen, bevor sie eine BU-Rente zahlt. Dabei spielt es keine Rolle, um du dann eine Arbeit findest, die deinem gewohnten Einkommen und deiner Ausbildung entspricht. In guten Tarifen wirst du deshalb kein Recht auf eine abstrakte Verweisung finden.

So wichtig ist ein kurzer Prognosezeitraum

Unter dem Prognosezeitraum versteht man die Dauer, für die du nach der Einschätzung deiner Ärzte berufsunfähig bist. Dein Tarif sollte einen Prognosezeitraum von nur sechs Monaten beinhalten. Je länger nämlich der Prognosezeitraum ist, desto schwerer ist es, eine zuverlässige Einschätzung zu geben, ob du wirklich so lange berufsunfähig bist.

Kein Vertrag mit befristeter Anerkenntnis

Versuche, einen Tarif zu finden, in dem es kein Recht des Versicherers auf eine befristete Anerkennung der Berufsunfähigkeit gibt. Nach dem Ablauf dieser Frist müsstest du deine Berufsunfähigkeit nämlich nochmals nachweisen. Das kannst du dir ersparen, wenn du einen Tarif wählst, der dieses befristete Anerkenntnis nicht enthält.

Keine Pflicht zur Anzeige des Berufswechsels

Als Berufseinsteiger kann es dir passieren, dass du nach einigen Jahren einen anderen Beruf ausübst. Prüfe die Versicherungsbedingungen dahingehend, dass sie keine Pflicht für dich enthalten, einen Berufswechsel anzuzeigen. Auch eine Pflicht, ein neues gefährliches Hobby aufzunehmen, sollte nicht gefordert sein. So verhinderst du, dass du solche Änderungen im Nachhinein beim Versicherer anmelden musst.

Diese BU-Alternativen sind sinnvoll

Du weißt jetzt, worauf es bei der Wahl deiner BU-Versicherung ankommt. Wenn sich herausstellt, dass eine gute Absicherung aufgrund deines Berufs oder durch Vorerkrankungen zu teuer ist, gibt es einige Alternativen. Zwar bieten sie keinen ähnlich umfassenden Schutz wie die BU-Versicherung, aber im Zweifel sind sie besser, als vollständig auf eine Absicherung gegen den Verlust der Arbeitskraft zu verzichten. In Frage kommen die

  • Erwerbsunfähigkeitsversicherung
  • Dread-Disease-Versicherung
  • Multi-Risk-Versicherung
  • Grundfähigkeitsversicherung

Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist meist günstiger als die Berufsunfähigkeitsversicherung. Eine Rente wird nur gezahlt, wenn du gar nicht mehr arbeiten gehen kannst. Bei der Dread-Disease-Versicherung erhältst du einen Einmalbetrag statt einer monatlichen Rente. Der Rentenanspruch besteht, wenn eine der vereinbarten Krankheiten bei dir diagnostiziert wird. Psychische Krankheiten sind dabei nicht versichert.

Eine Multi-Risk-Versicherung ist ebenfalls häufig preiswerter als die Berufsunfähigkeitsversicherung. Hier sind der Verlust von grundlegenden Fähigkeiten oder der Eintritt des Pflegefalls versichert. Auch bei Dauerinvalidität wird eine Rente gezahlt. Psychische Erkrankungen sind nicht versicherbar. Bei der Grundfähigkeitsversicherung besteht ein Rentenanspruch, wenn du grundlegende Fähigkeiten wie das Gehen oder Sehen verlierst. Die Beiträge liegen meistens unterhalb der BU-Versicherungsbeiträge.

BU-Versicherung pschische Erkrankungen

Psychische Erkrankungen werden bei Alternativen von BU-Versicherungen oft nicht versichert. (Bild: Pixabay)

Fazit: Eine BU-Versicherung ist für Berufseinsteiger unverzichtbar

Du weißt jetzt, wie wichtig eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist und worauf du beim Abschluss des Vertrags achten musst. Lass dich im besten Fall umfassend beraten und wähle dann den Tarif, der dich gut und bezahlbar für den Verlust der Arbeitskraft absichert.

Kommentar hinzufügen

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei