8 Gründe, nicht in ETFs zu investieren

Mona Linke
Stand:

Börsengehandelte Indexfonds werden bei passiven Anlegern immer beliebter. Das ist nicht verwunderlich – schließlich sind die Exchanged Traded Funds eine gute Möglichkeit, sein Geld nicht nur günstig, sondern auch risikoarm und trotzdem rentabel anzulegen. Und doch gibt es manchmal Situationen, in denen du von einem ETF-Investment lieber die Finger lassen solltest. Wir haben sie für dich gesammelt.

#1: Du verstehst es nicht

Ein uralter Börsenspruch besagt: “Investiere nur in etwas, das du verstehst”. Auch wenn du kein Genie sein musst, um dein Erspartes anzulegen, ist es doch hilfreich, das System hinter den börsengehandelten Indexfonds zu begreifen: Was ist ein ETF, wie entsteht der Kurs, wie hoch ist das Risiko? Befasse dich mit den Grundlagen des Investierens, welche Anlageformen es gibt und wie du dein Risiko selbst steuern kannst, bevor du blind dein Erspartes in einen Fonds steckst. 

#2: Du hast Schulden

Es erscheint erst mal logisch: Mit ETFs lässt sich langfristig Rendite machen. Warum also nicht gleich investieren und mit dem gewonnenen Geld die Schulden zurückzahlen? Nun ja, ganz so einfach ist es leider nicht. Zwar wirst du auf lange Sicht (ab einer Zeitspanne von mindestens 10-15 Jahren) mit deinem ETF-Portfolio etwa 5-7 % Rendite machen. Trotzdem kann es passieren, dass ein Fonds über Monate oder gar Jahre überhaupt nicht gut läuft. Brauchst du dann das eingezahlte Geld, um einen Kredit zurückzuzahlen oder Zinsen zu begleichen, musst du dein Portfolio schlimmstenfalls in Crash-Zeiten auflösen – und wirst Geld verlieren. 

#3: Du hast keinen Notgroschen

Unvorhersehbare Ausgaben kommen – naja – unvorhergesehen. Geht mal die Waschmaschine kaputt oder musst du eine hohe Kaution bezahlen, solltest du in solchen Fällen auf einen Notgroschen zurückgreifen können, sprich: auf Geld, das du zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto geparkt hast. Hier wirst du keine nennenswerten Zinsen erwirtschaften – aber das ist gar nicht schlimm. Denn zum Investieren ist der Notgroschen ohnehin nicht gedacht. Vielmehr dient er als Absicherung, dass du in Notsituationen nicht dein Depot plündern und deine Aktienanteile gegebenenfalls zu schlechten Preisen verscherbeln musst. Vor dem Investieren solltest du also einen Puffer von 3-4 Monatsgehältern auf der hohen Kante haben. 

#4: Du hast Angst

Bist du von Natur aus eher risikoscheu, solltest du das in Sachen Anlage unbedingt ablegen. Schließlich trifft das menschliche Gehirn nur selten rationale Entscheidungen, wenn es mit Stress und Panik zu kämpfen hat. Im Börsenhandel könnte dich das allerdings teuer zu stehen kommen: In einer Krise beziehungsweise einem Kursrutsch nach unten zu verkaufen, ist so ziemlich das Unklügste, was Anleger tun können. Stattdessen gilt es in solchen Zeiten, einen kühlen Kopf zu bewahren und die Krise einfach auszusitzen. 

Willst du dich beim Investieren sicher fühlen, solltest du im Vorfeld festlegen, wie viel Risiko du eigentlich eingehen kannst – und willst. Das funktioniert, indem du dein Erspartes in einen risikofreien und risikobehafteten Teil gliederst. Letzterer ist das Geld, das du tatsächlich investierst. 

#5: Du willst schnell zu Geld kommen

Um beim passiven Investieren eine positive Rendite zu erzielen, ist vor allem eines entscheidend: der Anlagezeitraum. Investierst du nur 2, 3, 4 oder 5 Jahre in einen ETF, läufst du immer noch Gefahr, Verluste einzufahren. Denn in einem so kurzen Zeitraum ist es durchaus möglich, dass sich ganze Märkte negativ entwickeln. Erst wenn du dein Geld für mindestens 10 oder besser 15 Jahre für dich arbeiten lässt, wirst du etwaige Verluste mit großer Wahrscheinlichkeit wieder kompensieren können und langfristig attraktive Renditen erzielen. 

#6: Du planst ein Eigenheim

Ob Hausbau oder der Kauf einer 1-Zimmer-Wohnung: Um in Immobilien zu investieren, brauchst du Eigenkapital. Denn selbst mit einem Kredit wirst du deine Immobilie nur zu maximal 80% eigenfinanzieren können. Hinzu kommen die Kaufnebenkosten. Da ist es fast logisch, dass du eben dieses Eigenkapital besser auf dem risikofreien Tages- oder Festgeldkonto parkst. Bist du dagegen liquide genug, sowohl die Kreditraten und Zinsen für die Immobilie zu bezahlen als auch monatlich in einen Sparplan zu investieren, gilt diese Regel natürlich nicht. 

#7: Du willst zocken

Das passive Investieren ist nichts für dich und du würdest lieber täglich die Kurse checken und auf steigende Kurse wetten? Dann gehörst du eher in die Kategorie der aktiven Trader. Natürlich kannst du dein Erspartes auch in Einzelaktien investieren. Allerdings solltest du hier immer bedenken: Noch ist es keinem aktiven Anleger gelungen, den Markt auf lange Sicht zu schlagen, sprich: In einem Zeitraum von 10 Jahren oder länger mehr Rendite zu erwirtschaften als jemand mit einem Weltportfolio. 

#8: Man will dir eigentlich eine Versicherung andrehen

Dass ETFs beziehungsweise Fonds beliebter werden, merken auch die Anbieter klassischer Anlageformen – und nutzen ETFs als Lockmittel. Natürlich kann es sinnvoll sein, wenn dein Versicherer für dich dein Erspartes gleichzeitig in Aktien investiert – das Ganze nennt sich dann zum Beispiel “fondsgebundene Lebensversicherung”. Bist du allerdings gar nicht auf der Suche nach einer Lebensversicherung, solltest du von solchen Angeboten absehen. Schließlich fallen bei solchen Mischformen deutlich höhere Kosten an, als wenn du ganz einfach selbst ein Depot eröffnest und einen ETF besparst. 

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MrAktie
2 Monate

Hallo Thomas,
bin kein Fan von ETF.
Zur Diversifikation nur soviel … jeder, der sich selbständig macht, kauft nur eine Aktie (nämlich sein Unternehmen).
Du beispielsweise investierst sehr viel in ein Projekt: In Dich und deinen Blog!
Du würdest doch auch keine 800 Blogs betreiben.
Es gibt sehr viele Menschen, die nur mit einem Unternehmen (eine Aktie) sehr reich geworden sind: Zuckerberg, Bezos, Gates usw.
Warum 800 Unternehmen per ETF im Depot?
Ich besitze genau 7 Unternehmen (Aktien) .. reicht mir und bin zufrieden.
Aber: Jeder muss seinen ganz eigenen Anlagestil entwickeln.
Schöne Grüße
Uwe

Berni
2 Tage

Ich finde ETFs für ein breites Investment gut, sehe es aber persönlich eher wie MrAktie unten. Was nützt es, wenn man z.b. eine super performende Aktien mit 1% Gewichtung im Portfolio hat, wenn die anderen Titel sich solala entwickeln. Diversifikation kann einem auch die Gesamtperformance eines Portfolios ziemlich beschränken. Daher versuche ich persönlich etwas weniger breit zu streuen und dafür aber ein ständiges Auge auf die verschiedenen Titel zu haben und schnell umzuschichten, sollte sich etwas nicht wie gewünscht entwickeln. Ist aber natürlich jedem selber überlassen und hängt auch von der zur Verfügung stehenden Zeit und der Risiko-Bereitschaft ab.