Ethische Banken: Wie sinnvoll ist das grüne Girokonto?

Mona Linke
Stand:

Immer mehr Menschen wollen, dass das Geld auf ihrem Konto sinnvoll genutzt wird und nicht in Fracking-Firmen oder deutschen Kampfpanzern verschwindet. Ethische und kirchliche Banken versprechen genau das. Aber wie sinnvoll ist so ein Gutes-Gewissen-Girokonto?

Bunte Zeichentrick-Kröten, die durchs Bild springen, sich an überdimensionierten Banknoten entlang hangeln, Maschinengewehre ausspucken und Fässer mit Atommüll vor sich herrollen. So beginnt der Spot, mit dem die globalisierungskritische Organisation Attac vor neun Jahren die Banken an den Pranger stellte. “Wenn du bei der falschen Bank bist, werden deine Kröten in Waffen oder Atomkraft investiert”, tönt es im Hintergrund, dazu dramatische Musik. Attac ruft die Menschen in ihrem Spot zum Bankwechsel auf. Zur “Krötenwanderung”, wie sie es nennen. 

Nun ist es nicht so, dass nur linke Globalisierungskritiker gegen die Großbanken schießen. Immer wieder stehen Deutsche Bank, Commerzbank & Co. am Pranger. Weil sie Kredite an fragwürdige Unternehmen vergeben, die der Umwelt schaden oder Menschenrechte missachten. Weil sie auf steigende Rohstoffpreise wetten und so die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe treiben. Oder weil sie Milliarden in Rüstungsunternehmen stecken, die Saudi-Arabien mit Streubomben versorgen. 

Längst ist der Protest auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Immer mehr Privatleute wollen ihr Erspartes nicht länger bei einer Bank parken, ohne zu wissen, was eigentlich damit geschieht – und wechseln zu einer “ethischen Bank”. Doch wie sinnvoll ist so eine Krötenwanderung überhaupt? Was können die ethischen Öko-Banken und was kostet das Gute-Gewissen-Girokonto am Ende? 

Fair, sozial-verträglich und umweltbewusst Geld anlegen – diesen Anspruch haben sich inzwischen viele Geldhäuser auf die Fahnen geschrieben. Sie heißen “Ethikbank”, “Tomorrow-Bank” oder “Triodos” und werben mit dem Guten-Gewissen-Girokonto. Aber was genau bedeutet das eigentlich? 

Nun ja. Erst einmal nicht viel. Denn ähnlich wie beim nachhaltigen Investieren gibt es auch beim nachhaltigen Banking keine einheitlichen Standards oder gar eine Regulierungsstelle, die festlegt, was als ethisch gilt und was nicht. Begriffe wie “nachhaltig”, “umweltfreundlich” oder “sozial” sind nicht geschützt, Bankhäuser können also damit um sich werfen, so viel sie wollen. Wofür die einzelnen Bankeinlagen der Kunden verwendet werden, damit müssen die Geldhäuser allerdings nicht rausrücken. 

14 deutsche Öko-Banken

Die Initiative Fair Finance Guide will Licht ins Dunkel der Geschäftspraktiken bringen und hat jüngst ein Dutzend deutscher Banken genauer unter die Lupe genommen. Mit Hilfe eines Forschungsinstituts hat die Initiative eine eigene Bewertungsmethodik entwickelt und offen gelegt, worin die großen Banken ihr Geld stecken. Die Bilanz: Sowohl die Commerzbank als auch die Deutsche Bank, die HypoVereinsbank und die Sparkasse pflegen Beziehungen zu teils fragwürdigen Unternehmen. Angefangen bei Waffenherstellern wie Boeing und ThyssenKrupp über Klimasünder wie den Rohstoffhändler Glencore und den Bergbaukonzern Rio Tinto bis hin zu Unternehmen, die sich wegen Menschenrechtsverletzungen vor Gericht verantworten müssen. 

Neben den schwarzen Schafen der Branche führt der Finance Guide auch fünf nachhaltige Banken auf: die Ethikbank, die Triodos-Bank, die ProCredit-Bank, die Umweltbank und die GLS. Sie alle werben nicht nur damit, auf kontroverse Branchen und Unternehmen zu verzichten, sondern versprechen sogar, ökologische und soziale Projekte gezielt zu fördern. Und tatsächlich: Während die Umweltbank Windparks, sozialen Wohnungsbau und den kleinen Bio-Laden nebenan fördert, hilft die ProCredit-Bank kleinen Öko-Unternehmen aus Osteuropa mit Krediten aus. Die GLS finanziert Wärmepumpen in Queienfeld oder Solarparks in Bad Rodach, während das Geld der Ethikbank-Kunden in afghanische Schulen fließt. 

Nicht alles ist ethisch, wo ethisch draufsteht 

Tatsächlich investiert nicht jede Bank, die das Wort “nachhaltig” oder “ethisch” im Namen trägt, ausschließlich in lupenreine Geschäfte. Die Verbraucherzentrale NRW hat die 14 bekanntesten Ethikbanken einmal auf den Prüfstand gestellt. Das Ergebnis: Vor allem bei den kirchlichen Banken ist noch jede Menge Luft nach oben, was Klima- und Umweltschutz angeht. Während die “Bank für Orden und Mission” zwar mit internationalen Hilfsprogrammen wirbt, gehören Atomkraft und fossile Brennstoffe nicht zu den Ausschlusskriterien der Bank. Die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Evenord Bank wiederum finanziert mit dem Geld ihrer Kunden ebenfalls Glücksspielunternehmen und die industrielle Tierhaltung. Welche Nachhaltigkeitskriterien die einzelnen Banken für sich definiert haben, ist in der Regel leicht nachlesbar auf den Websites der Geldhäuser. 

Gutes Gewissen, schlechte Konditionen?    

Ethisch hin oder her. So viel Tugendhaftigkeit wird doch sicher ihren Preis haben. Oder etwa nicht? 

Tatsächlich unterscheiden sich die ethischen Banken teils stark voneinander, was Produktangebot und Kosten angeht. Während einige Geldhäuser das klassische Produktportfolio von Sparbuch bis Tagesgeld führen (z.B. GLS Bank und Triodos Bank) und Kunden zum Teil sogar aktiv in nachhaltige Fonds investieren können, lässt sich bei anderen Banken nicht einmal das klassische Girokonto eröffnen (z.B. Umweltbank). 

Starke Unterschiede gibt es auch auf der Kostenseite. Während zum Beispiel ein Konto bei der Bank im Bistum Essen vollkommen gratis ist, zahlen Kunden der Ethikbank für ihr Girokonto knapp 120€ im Jahr für Grundgebühr und Bankkarte. Im Mittelfeld bewegen sich Anbieter wie die Pax Bank (42€ pro Jahr) oder die Triodos Bank (70€ pro Jahr). Auch die GLS Bank ist mit 120€ Kontoführungsgebühren vergleichsweise teuer. Allein die Hälfte des Beitrags fließt dabei in das “gesellschaftliches Wirken” der Bank. Hingegen können Kunden dafür an allen Volksbanken und Raiffeisenbanken und kostenlos im Ausland abheben. Die niederländische Triodos Bank liegt im Mittelfeld: Dort kostet das Girokonto 4,50€ im Monat und die EC-Karte pro Jahr 15€. 

Ein Girokonto, das Bäume pflanzt 

Ein echtes Schnäppchen ist das Girokonto bei der Tomorrow Bank, der wohl jüngsten Revolution im nachhaltigen Bankensektor. Anfang 2019 von drei jungen Hamburgern gegründet, die vorher nicht mal ansatzweise etwas mit Banking zu tun hatten, hat sich Tomorrow den Platz als “erste nachhaltige Smartphone-Bank” gesichert und wird seitdem als der “grüne Bruder” der Digitalbank N26 gehandelt. Tatsächlich handelt es sich bei der Tomorrow Bank gar nicht um eine wirkliche Bank. Noch nutzen die drei Fintech-Gründer die Lizenz der Solaris Bank, um ihre Produkte anzubieten. 

Was das Klimaschutz und Nachhaltigkeitsversprechen von Tomorrow angeht, geht das junge Digitalstartup allerdings in die Vollen: Wie auch die etablierten Öko-Banken verzichtet das Geldhaus auf Investitionen in zweifelhafte Branchen und Unternehmen, deren Profit auf Umweltsünden, Menschen- oder Arbeitsrechtverletzungen basieren. Jeder Kunde, der im Laden nebenan mit seiner Tomorrow-EC-Karte bezahlt, spendet obendrein automatisch in ein Aufforstungsprojekt – ohne dabei selbst einen Cent zu investieren. Denn Tomorrow benutzt dafür ganz einfach die Gebühr, die der Laden sowieso bei jeder Kartenzahlung an die Bank abdrückt, die die Karte ausgestellt hat. 

Überhaupt ist Tomorrow so etwas wie die Greta Thunberg unter den Ethik-Banken. Denn neben dem kostenlosen Basis-Konto gibt es auch noch “Tomorrow Zero”. Ein Premium-Konto für alle, die ohne Klima-Laster durch die Welt gehen und ihren CO2-Fußbabdruck quasi wegwischen wollen. Für 15€ im Monat investiert das FinTech in weltweite Klimaschutzprojekte, in sauberes Trinkwasser für Uganda oder eine Biogasanlage in Vietnam. Im Jahr sollen also so viel CO2 vermieden werden, wie der Deutsche im Durchschnitt in Umlauf bringt: 11,3 Tonnen pro Jahr. 

Finanzfluss

Die Tomorrow-Bank ist die „erste nachhaltige Smartphone-Bank” und wurde in Hamburg gegründet.

  • Kostenloses Girokonto

  • Kostenfreie Visa-Debitcard

  • Weltweit kostenlos bezahlen

  • Push-Benachrichtigungen bei jeder Transaktion

  • Bei jedem Einsatz der Tomorrow-Karte spendet die Bank einen Betrag an weltweite Klimaschutz-Projekte

Neben dem kostenlosen Konto gibt es das Premium-Konto „Tomorrow Zero“, mit dem du deinen CO2-Fußabdruck kompensierst.

Zur Kontoeröffnung

10 km bis zum nächsten Geldautomaten? 

Wer ein Premium-Konto bei der Tomorrow-Bank besitzt, kann außerdem jederzeit kostenlos abheben. Mit dem Standard-Konto geht das nur maximal dreimal im Monat – dann fallen pro Abbuchung 2€ Gebühr an. Weil das FinTech keine eigenen Bankgebäude besitzt, ist die Abhebung an jedem Bargeld-Automaten mit einem Visa-Logo möglich. 

GLS-Kunden können, wie gesagt, an jeder Volks- und Raiffeisenbank abheben, das sind etwa 18.000 Automaten deutschlandweit. GLS-Filialen gibt es allerdings nur in den großen deutschen Städten. Auch wer bei der Ethikbank ist, hat ein Netz von 19.000 Automaten zur Verfügung, bei der kirchlichen Steyler Ethik Bank sind es dagegen nur 3.000. Kunden der Triodos Bank, die es im Nachhaltigkeits-Ranking von Fair Finance Platz auf Platz 3 geschafft hat, müssen in Sachen Bargeld abheben dagegen Abstriche machen. Mit einer normalen EC-Karte können sie nirgendwo gebührenfrei Geld ziehen – dafür im Einzelhandel, bei Rewe, dm oder Edeka. Zur Einordnung: Auch das Filialnetz der Bankenriesen ist inzwischen stark ausgedünnt. Commerzbank-Kunden haben nur noch 9.000 Geldautomaten zur Auswahl, bei der Sparkasse sind es knapp 23.000. 

Fazit: genau hinsehen 

Geld mit reinem Gewissen anlegen – das geht inzwischen bei vielen alternativen Banken, die ihren Kunden transparent aufschlüsseln, wofür sie deren Spareinlagen verwenden. Man möchte meinen, dass das grüne Banking entweder Unsummen kostet oder zulasten der Bequemlichkeit geht. Doch keins von beidem muss sein. Viele ethische Banken verzichten nicht nur grundsätzlich auf ein Investment in umstrittene Branchen wie den Öl- und Gassektor oder die Rüstungsindustrie, sondern fördern gezielt soziale oder umweltfreundliche Projekte. 

Nicht jede Bank ist ethisch oder nachhaltig, nur weil sie dies auf ihrer Website formuliert oder in den Namen schreibt. Wer sein Geld umweltverträglich anlegen will, sollte sich also im Vorfeld gut informieren, was die einzelne Bank am Ende unter “nachhaltig” oder “sozial” versteht. Schließlich gibt es hier noch kein einheitliches Regelwerk, das Orientierung bieten würde. 

Wieder andere Banken werben damit, ausschließlich in Umweltprojekte, Windparks oder Bio-Landwirte zu investieren. Ja, das ist löblich und mit Sicherheit besser als eine Bank, die für hohe Dividenden über Leichen geht. Dennoch solltest du immer bedenken, dass es auch andere Unternehmensbereiche gibt (Technologieunternehmen, Medizinhersteller, Einzelhandel oder Immobilien), die für das Wirtschaftswachstum essentiell sind – und von denen viele weder skrupellose Klimasünder noch mustergültige Öko-Startups sind, sondern irgendwo im Mittelfeld liegen. 

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Philipp H.
4 Monate

Eure Recherchen waren aber nicht ganz genau: Bei der Triodos kann man durchaus kostenlos an allen Bankautomaten Bargeld abheben – nämlich mit der MasterCard, die man zum Girokonto dazu bekommt.