Lohnt sich ein Studium?

Mona Linke
Stand:

Bis zu eine Million mehr auf dem Konto: Studieren zahlt sich aus. Die deutsche Jugend zieht es nach der Schule vor allem in den Hörsaal – warten danach doch angeblich die größten Karrierechancen und die höchsten Gehälter. Aber geht die Rechnung wirklich auf? Oder kommt nicht besser über die Runden, wer eine Ausbildung macht und so früh wie möglich in den Job startet? Wir klären auf.

Wie schön die Jahre des Lernens sein können, muss man den wenigsten Absolventen erklären. Neben Studentenpartys, viel Zeit mit Freunden und langen Ferien bedeutet die Uni-Zeit für die meisten Studenten allerdings auch ein leeres Portemonnaie. Während viele Azubis schon kurz nach dem Schulabschluss ihre ersten Gehaltsschecks nach Hause bringen, fristen nicht wenige angehende Akademiker bis in die Dreißiger ein Dasein mit Dosenravioli in der Gemeinschaftsküche. Ja, mit einem Studium kann man als junger Mensch schnell in die Miesen rutschen. 

Doch auch wenn es weh tut: Aus finanzieller Sicht lohnt sich das Ganze – zumindest meistens. Das wird allein an den deutlich höheren Einstiegsgehältern sichtbar, die die meisten Uni-Absolventen bereits in ihrem ersten Job kassieren – und die das ifo Institut einmal mit den Lebenseinkommen von Lehrlingen verglichen hat. Und das liegt nicht nur an den deutlich höheren Einstiegsgehältern, die viele Uni-Absolventen einstreichen. 

Mehr Jobchancen 

Nach der Uni steht zunächst die Jobsuche an. Und schon hier genießen junge Erwachsene mit einem abgeschlossenen Studium viele Vorteile: Denn in zahlreichen Fällen ist der abgeschlossene Bachelor, häufig auch der Master, eine Voraussetzung. Das betrifft nicht nur den Arzt- oder Anwaltsberuf, sondern auch viele Bürojobs. Akademiker gelten in vielen Branchen als qualifizierter – was selbstverständlich nicht immer auch so sein muss. 

Selbstverständlich gibt es auch arbeitslose Akademiker, die nach dem Studium erst einmal hunderte Bewerbungen verschicken müssen, um in der Traumbranche auch eine Stelle zu finden. Ein ausgebildeter Metzger mag es da schon mal einfacher haben – nichtsdestotrotz bleiben ihm dafür viele andere Jobs verwehrt, bei denen ein Studienabschluss gefordert wird. 

Deutlich mehr Gehalt 

“Bildung hat Zukunft”, heißt eine vor drei Jahren veröffentlichte Studie des ifo Instituts für Bildungsökonomik, die verschiedene Bildungsabschlüsse aus rein monetärer Sicht verglichen hat. Anhand einer Stichprobe aus mehr als 1 Mio. Personen haben die Forscher Einkünfte und Kosten unterschiedlicher Bildungswege gegenübergestellt. Und der Studientitel verspricht nicht zu viel: Knapp 400.000€ Netto mehr verdient ein Akademiker in seinem Leben im Vergleich zu jemandem, der eine Lehre abgeschlossen hat: 

Quelle Daten: ifo-Studie 2017: “Bildung hat Zukunft” zusammen mit Union Investment 

Je nach Berufsfeld kann die Differenz sogar noch heftiger ausfallen: 

Im Bereich der Zahnmedizin beispielsweise ist die Differenz besonders groß: Dort verdienen studierte Zahnmediziner in ihrem gesamten Leben fast eine 800.000€ mehr als die ausgebildeten Kollegen. Unterteilt nach Geschlechtern fällt der Unterschied (zumindest auf männlicher Seite) noch heftiger aus: Der studierte Zahnmediziner kommt hier auf ein Plus von knapp 1 Mio.€ Lebenseinkommen, die studierte Zahnmedizinerin auf durchschnittlich 610.000€. Die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern dürfte mit mehreren Faktoren zusammenhängen, erklären die Herausgeber der Studie: Mit weniger Frauen in Führungspositionen (und damit weniger Gehalt), aber auch mit längeren Teilzeit-Beschäftigungen unter den weiblichen Kollegen. 

Nicht immer lohnt sich ein Studium

Manchmal aber ist der Uni-Abschluss tatsächlich gar nicht notwendig, um nachher besser zu verdienen. In den sozialen Berufen zum Beispiel ist der Lohnunterschied zwischen studierten und ausgebildeten Mitarbeitern verschwindend gering: Das Lebenseinkommen der Akademiker liegt im Schnitt “nur” 40.000€ über dem der ausgebildeten Fachkräfte. Auf 40 Berufsjahre gerechnet sind das gerade mal 83€ brutto mehr im Monat. 

Quelle Daten: ifo-Studie 2017: “Bildung hat Zukunft” zusammen mit Union Investment 

Zur Orientierung: Bei den Daten handelt es sich um Mittelwerte – und nicht immer ist das Bachelor-Studium auch ein Garant dafür, dass man am Ende mehr als der ausgebildete Sachbearbeiter verdient. Selbst ohne Berufsausbildung können die Gehälter in manch einer Branche überraschend hoch sein: So kommt der ungelernte Montagehelfer schon mal auf ein Jahresgehalt von 40.000€, ein Call-Center-Agent sogar auf 45.000€ – plus Provision. 

Und dennoch: Im Durchschnitt hat der Akademiker mit seinem üppigen Mehrgehalt schon nach wenigen Jahren im Beruf die “Verluste” aus der Studienzeit wieder wett gemacht. Selbst dann, wenn zuvor staatliche Kredite oder gar private Darlehen aufgenommen wurden. So kommt es übrigens, dass Personen mit einer (bezahlten) Berufsausbildung im Schnitt bis zum 35. Lebensjahr besser oder zumindest genauso gut verdienen wie Hochschulabsolventen – bis sich das Blatt wendet. 

Weniger Arbeitslose unter den Akademikern 

Wie gesagt: Nicht jeder Student wird nach der Uni direkt einen Job finden bzw. zwangsläufig bessere Jobchancen haben als jemand ohne Hochschulabschluss. Vor allem im Bereich der handwerklichen Berufe sucht die Industrie seit einigen Jahren händeringend Nachwuchs. 

Und dennoch: Wer sich für den akademischen Bildungsweg entscheidet, findet anschließend auch eine Anstellung, wie das Forscherteam der ifo herausgefunden hat. So beträgt die Arbeitslosenquote unter den Hochschulabsolventen gerade einmal 2,5% – es herrscht also beinah Vollbeschäftigung. Zum Vergleich: 2019 waren knapp 5% der deutschen Bevölkerung arbeitslos oder auf Jobsuche. Deutlich häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen sind dagegen Menschen mit einer Berufsausbildung (7%). Bei den Personen ohne berufsbildenden Abschluss sind im Schnitt sogar mehr als 19% arbeitslos.

Fast so begehrt wie die Hochschulabsolventen sind dagegen Auszubildende, die nach ihrer Lehre noch einen Meister- oder Technikerabschluss gemacht haben. Die Arbeitslosenquote liegt hier ebenfalls bei etwa 3%. 

Im Osten ist der Bedarf noch mal höher 

Noch mal niedriger ist die Arbeitslosigkeit in solchen Bundesländern, in denen ohnehin Fachkräftemangel herrscht. In den neuen Bundesländern zum Beispiel ist die Beschäftigungsquote noch mal deutlich höher, während vor allem in Süddeutschland, in Baden-Württemberg und Bayern, die Jobsuche etwas schwerer fällt. 

Fazit: Studieren lohnt sich – und Geld ist nicht alles

Ein bekanntes Zitat von Muhammad Ali geht so: “Leide jetzt und lebe den Rest deines Lebens wie ein Champion”. Auch wenn der ehemalige Box-Weltmeister dabei vermutlich nicht das deutsche Bildungssystem im Hinterkopf hatte, passen seine Worte hier doch ganz gut: Wer für ein paar Jahre den eigenen Lebensstandard zurückschraubt, auf teure Urlaube und Restaurantabende verzichtet und stattdessen Pasta mit den Mitbewohnern kocht, um sich das Studium leisten zu können, hat langfristig bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Im Schnitt kann man als studierte Person mit einem höheren Einstiegsgehalt rechnen und ist deutlich seltener von Arbeitslosigkeit getroffen.  

Diese Rechnung muss nicht immer aufgehen. Denn genauso wie es Studenten gibt, die um des Studieren willens studieren obwohl ihre Talente eigentlich ganz woanders liegen, gibt es auch zahllose Privat-Unis, deren überteuerte Semestergebühren man sich getrost sparen könnte. Und dann gibt es natürlich auch Menschen, die gute Ideen oder sehr viel Glück und Ehrgeiz oder alles zusammen haben – und sich ohne zertifizierte Ausbildung zum Selfmade-Unternehmer hocharbeiten. 

Ein grober Plan ist sinnvoll 

Erfolg im Job ist immer auch davon abhängig, wie viel Leidenschaft mit im Spiel ist. Wer nach der Schule merkt, dass er viel lieber Häuser bauen oder sein eigenes Restaurant eröffnen möchte, sollte genau das tun. 

Wichtig ist es, sich zumindest einen groben Plan zu machen: Was möchte ich später einmal machen? Wo liegen meine Stärken? Wie nachgefragt ist das und welche Aufstiegschancen habe ich? Essentiell ist aber auch diese Frage: Ist mir ein hohes Gehalt wichtiger als die Inhalte meiner Arbeit? Oder kann ich vielleicht auch beides haben: Finanzielle Sicherheit und Freude im Job? 

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Chris
1 Monat

Die anfängliche Beschreibung eines Studenten, ist leider missraten. Gerade bei den später gut bezahlten Jobs (Maschbau, Chemie, Medizin) hat man oft eine 40-60 Stunden Woche und von 30 Tagen Frei im Jahr kann man nur entfernt Träumen

Admin
Georg Seebode
1 Monat
Reply to  Chris

Ist ja auch nur eine leicht zugespitzte Beschreibung 😉 Das gilt natürlich nicht für alle Studenten, aber ein Körnchen Wahrheit ist schon dabei

Last edited 1 Monat by Georg Seebode
Noka
1 Monat
Reply to  Chris

Alle studierten aus meinem Freundeskreis arbeiten im Schnitt nicht mehr als 40 Stunden und über 90% haben 30 Tage Urlaub, selten sind es dann 26 oder 28. Wenn ich Überstunden mache werden die ausbezahlt oder man nimmt sich mal paar Tage frei. Bis auf die Architekten verdienen die meisten auch 55k – 75k Brutto….

Michael
30 Tage

Also mein Architekturstudium hat sich finanziell überhaupt nicht gelohnt. Im Gegenteil, nach 5 Jahren im Berufsleben zeigen sich immer noch die Nachwehen des Studiums und sind eine wahre Belastung für mich. Sehr niedrige Einstiegsgehälter und auch nach Jahren ein bescheidenes Gehalt machen das Leben in einer Großstadt zum Alptraum. Daneben muss das Studium noch zurückbezahlt werden. Eine Zukunft aufbauen kann man so getrost vergessen. Wer finanziell gesichert leben möchte dem rate ich dringend von einem Studium im Bereich Architektur ab.

Last edited 30 Tage by Michael
Mario
27 Tage

Ich denke in der Informatik ist das auch nicht unbedingt zutreffend, oft reicht hier auch eine Ausbildung um diese Löhne zu erreichen, außer bei Firmen, die auf einen akademischen Abschluss bestehen.