P2P: Grupeer-Crash – was jetzt zu tun ist

P2P-Plattform Grupeer – alles nur Betrug? Investoren bangen um ihr Geld  

Über die P2P-Plattform Grupeer geistern im Internet gerade allerlei Gerüchte – angefangen bei gefaketen Kreditgebern bis hin zu CEOs, die es gar nicht geben soll. Fakt ist: Die Plattform steckt in der Krise und Investoren bekommen ihr Geld derzeit nicht mehr ausgezahlt. Wie es so weit kommen konnte und was P2P- Investoren jetzt tun können. 

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Investoren von P2P-Krediten müssen dieser Tage so einiges verdauen. Nachdem erst kürzlich die beiden Plattformen Envestio und Kuetztal  pleite gegangen sind, scheint jetzt auch der Marktplatz Grupeer an der Finanzkrise zu zerbrechen. Seit Wochen warten Investoren auf ihre Auszahlungen, haben bisher aber noch keinen Cent wiedergesehen. Gleichzeitig kursieren allerlei bizarre Gerüchte um den Kreditvermittler: Drei Kreditgeber, die auf der Plattform Geld von Investoren eingesammelt haben, sollen von Betrügern frei erfunden worden sein. Woanders heißt es, sie besäßen ganz einfach keine Lizenzen, um Kredite zu vergeben. Grupeer soll derweil mit den Kriminellen unter einer Decke stecken: Auf verschiedenen Blogs geistern Gerüchte über den Führungsstab des lettischen Unternehmens, der sich angeblich aus dem Staub gemacht haben soll. Auf einer anderen Website heißt es, CEO Andrej Kisiks existiere zwar, sei aber längst auf der Flucht vor den Gläubigern. 

Derweil sieht sich Grupeer selbst von Hass-Mails und Gewaltandrohungen gegenüber Mitarbeitern und deren Familienangehörigen bedroht: “Grupeer hat Drohungen von Investoren und Bloggern erhalten, darin Beleidigungen und Androhungen körperlicher Gewalt, die die Plattform dazu gezwungen haben, die Polizei zu informieren”, heißt es auf dem Unternehmensblog.  

Wie konnte es überhaupt so weit kommen? 

Dass P2P-Investments nichts für schwache Nerven und schon gar nichts für den sicherheitsliebenden Kleinsparer sind, war schon vor Corona den meisten Menschen klar. Auch wenn P2P-Kredite in Foren oder auf Blogs immer wieder als “sichere Anlage” angepriesen werden, sind sie in Wahrheit hochriskant. Um in das internationale Kreditgeschäft einzusteigen, brauchen Anleger vor allem zwei Dinge: Starke Nerven. Und Mut zum Risiko. 

Durch die aktuelle Krise erreicht das Ganze allerdings noch mal ein neues Level. Denn während Schuldner noch tiefer in die Pleite rutschen, Kreditgeber zahlungsunfähig werden und Plattformen nichts mehr verdienen, ziehen reihenweise P2P-Investoren ihr Geld ab. Es herrscht Panik-Stimmung am P2P-Markt. 

Um zu verstehen, wie es überhaupt so weit kommen konnte, muss man sich einmal etwas näher mit dem Geschäftsmodell des P2P-Investings beschäftigen. 

Geld leihen und verleihen ohne Bank 

P2P ist die Abkürzung für “Peer to Peer” und bedeutet so viel wie “Von Kollege zu Kollege”. Im Klartext bedeutet das: Privatpersonen können sich von anderen Privatpersonen Geld leihen – und zwar ohne institutionellen Kreditgeber dazwischen, sprich: ohne eine Bank.

Wer gerade nicht flüssig ist und auch keinen Anspruch auf einen Bankkredit hat (und nicht den gesamten Familien- und Freundeskreis anpumpen will), kann sich das benötigte Geld von fremden Personen leihen. Eine Möglichkeit sind sogenannte Finanzierungsplattformen wie Bondora oder das deutsche Portal auxmoney. 

Wer zum Beispiel 500€ für die Auto-Reparatur braucht, kann seinen Kreditwunsch so lange auf einer Plattform veröffentlichen, bis er den Betrag zusammen hat (das Prinzip ähnelt dem Crowdinvesting). Anleger, die ihr Geld verleihen, kassieren also anstelle der Bank die Zinsen. Einen Teil davon behält allerdings die Finanzierunsplattform selbst ein, sodass zum Beispiel bei dem deutschen Anbieter auxmoney die Zinsen für Anleger im Schnitt bei nur 5% liegen. Das liegt auch daran, dass sogenannte Wucherzinsen (Kreditzinsen, die doppelt so hoch sind wie der Marktzins) hierzulande gegen das Gesetz verstoßen. 

In anderen Ländern sieht es ganz anders aus: Auf den Phillipinen, in Russland oder in den Balkanstaaten ist Kreditwucher Gang und Gebe. Entsprechend blüht dort das P2P-Geschäft: Investoren wittern das große Geld und investieren es auf sogenannten P2P-Vermittelplattformen wie Mintos, Bondora, Peerberry – oder Grupeer. 

Das Prinzip dahinter: Neben zwei Privatpersonen (Investor und Gläubiger) gibt es noch eine dritte Instanz: die Darlehensanbahner, die die Projekte der Gläubiger vorfinanzieren, um sie dann auf den Kreditmarktplätzen (z.B. Mintos) den Investoren zur Beteiligung anzubieten. Wer sich beteiligt, dem winken teilweise zweistellige Jahreszinsen auf sogenannte Payday-Loans (also Dispokredite, die für kurze Zeiträume wie maximal 30 Tage gelten).

Der ein oder andere mag sich jetzt bestürzt an den Kopf greifen und sich fragen, wieso er nicht schon längst in P2P-Kredite investiert ist. Doch wie lautet noch mal die Investmentregel Nummer 1? Ach, ja: Keine Rendite ohne Risiko. 

Beim P2P-Investing gibt es im Grunde gleich drei Risiken, mit denen Investoren rechnen müssen: 

  • Der Kreditnehmer kann das Geld nicht zurückzahlen 

Zwar gibt es für solche Fälle die sogenannte Rückkaufgarantie, mit der viele Vermittler-Plattformen werben (auch Grupeer): Im Falle eines Zahlungsausfalls über mehr als 60 Tage springt der Kreditgeber ein und erstattet den gesamten Investitionsbetrag, heißt es dort. Allerdings ist eine Garantie bekanntlich nur so verlässlich wie der Garantiegeber selbst. Womit wir bei Risiko Nr. 2 wären: 

  • Der Kreditgeber geht pleite

Verspekuliert sich zum Beispiel ein rumänischer Darlehensanbahner und meldet Insolvenz an, können Investoren häufig nur noch davon träumen, ihre Einlagen je wiederzusehen.

  • Die Vermittler-Plattform geht pleite

Für viele Anleger das Horror-Szenario schlechthin – allerdings gar nicht so unwahrscheinlich. Erst kürzlich haben gleich zwei P2P-Plattformen die Segel gestrichen: Kurz nacheinander gingen die Anbieter Kuetztal und Envestio pleite, letzterem wird sogar Betrug vorgeworfen. Zur Einordnung: Unter den mehr als 100 P2P-Plattformen gibt es durchaus auch seriöse Anbieter (z.B. Mintos und Bondora), die schon vergleichsweise lange am Markt sind und transparent arbeiten. 

Aber was ist jetzt im Falle von Grupeer passiert? 

So ganz klar lässt sich das noch nicht beantworten. Das Unternehmen selbst hat auf seinem Blog mehrere Stellungnahmen veröffentlicht, wie es zu den aktuellen Verwerfungen kommen konnte. Hauptgrund sei die Corona-Krise, heißt es dort: 

“Die globale Wirtschaftskrise, hervorgerufen durch Covid-19, hat das P2P-Geschäft besonders hart getroffen. Die finanziellen Schwierigkeiten der Kreditgeber, gepaart mit den staatlichen Maßnahmen haben dazu geführt, dass Kredite verspätet zurückgezahlt werden und die Gläubiger wiederum eingeschränkte Rechte haben, ihre Schulden einzutreiben”.

Schuld an den verspäteten Auszahlungen hätten aber auch die Kreditgeber selbst, so Grupeer. Immer mehr Kreditgeber würden die Pandemie vorschieben, um ihre Auszahlungen an Investoren absichtlich zu verzögern. “Manche machten das aus böser Absicht, so Grupeer. “Aber es ist unbestritten, dass etliche Schuldner hart von der Krise getroffen wurden. Die Finanzkrise hat Privatpersonen, Gründer und Unternehmen gleichermaßen geschädigt”. 

Wilde Anschuldigungen gegen die Plattform 

Einige Hobbyinvestoren und Finanzblogger meinen dagegen, längst die “wahren” Gründe für die ausbleibenden Zahlungen gefunden zu haben – und bezichtigen nicht nur einige Kreditgeber (darunter die Unternehmen Lion Lender, Epic Cash und Monetria), sondern auch Grupeer selbst des Betrugs. 

Fakt ist: Keines der Grüchte ist bestätigt. In diesem Moment wissen wir nur eines: Grupeer-Investoren warten nach wie vor auf ihr Geld. 

Was also sollten P2P-Anleger jetzt tun? 

Viele Anleger anderer P2P-Plattformen fragen sich bei solchen Schreckensmeldungen: Was sollen sie mit ihren Kredit-Portfolios machen?

Unsere Empfehlung lautet jetzt: Erst einmal die Füße still halten. Wenn du dich unwohl fühlst, kannst du in Erwägung ziehen, deine Einzahlungen bis auf Weiteres erst mal zu stoppen. Direkt das ganze Portfolio aufzulösen und die Kreditanteile zum Spottpreis auf den Sekundärmarkt zu werfen, würde nur bedeuten, dass Verluste realisiert werden. Und die können dieser Tage erheblich sein (bis zu -30%), ziehen doch jetzt massenhaft Investoren gleichzeitig die Reißleine. 

Wenn du sehr mutig (und sehr erfahren im P2P-Investment) bist, könnte sich sogar ein Blick auf den Sekundärmarkt lohnen, auf dem du viele Kredite jetzt vergünstigt und zu extrem hohen Zinsen finanzieren kannst. Doch bedenke immer: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. 

Rebalancing in Erwägung ziehen 

Stehen dir aktuell die Schweißperlen auf der Stirn, wenn du an deine P2P-Investments denkst, dann könnte es jetzt an der Zeit sein, dein Portfolio neu zu gewichten. 

In Börsensprache heißt das Ganze “Rebalancing”, also so viel wie “die Balance wieder herstellen”. 

Willst du dein Geld nicht länger in riskanten P2P-Krediten halten, solltest du in Erwägung ziehen, dein Investment von diesen Assets abzuziehen und stattdessen in Aktien oder Anleihen zu investieren. Das setzt allerdings voraus, dass du dir deine P2P-Investitionen auch auszahlen lassen kannst – beziehungsweise dir dein Vermittler die Beträge zurücküberweist. 

Fazit

Das P2P-Investment ist und war schon immer ein Hochrisiko-Geschäft. Auch wenn Kreditgeber dir eine 100-prozentige Rückerstattung deiner Einlagen zusichern, kann sich das im Falle einer Pleite schlagartig ändern. Willst du bei stabiler Rendite und geringem Risiko trotzdem dein Glück mit dem P2P-Investment versuchen, empfehlen wir dir eine Beimischung von maximal 5% zu deinem Portfolio. 

Achte dabei darauf, so breit wie möglich in viele Kredite über diverse Plattformen hinweg zu investieren. So verringerst du das Risiko, auf das falsche Pferd zu setzen. Zu den Plattformen, die sich bisher über mehrere Jahre hinweg haben beweisen können, zählen Mintos und Bondora

Sollte dich die aktuelle Krise der P2P-Plattformen in die Bredouille bringen, weil du einen erheblichen Teil deines Vermögens in P2P-Kredite gesteckt hast, könntest du aus dem Ganzen auch sehr gut eine Lehre ziehen: Triff deine Börsenentscheidungen nicht aus purer Gier. Dass P2P-Firmen pleite gehen, passiert andauernd. Und daran wird sich auch nach der Corona-Krise nichts ändern. 

Wie du als P2P-Investor am besten mit einer Krise umgehst, haben wir außerdem schon mal in diesem Video erklärt: 

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Michael
Michael
2 Monate

Hallo Finanzfluss, sorry, mit Verlaub, aber das ist einer der schlechtesten Artikel zum Thema P2P und zu Grupeer, die ich bislang gelesen habe. Grupeer ist wahrscheinlich ein Scam, schließlich sind Loan Originator und Kredite frei erfunden worden. Und Ihr ratet den Leuten ernsthaft, das Geld nicht vorschnell abzuziehen? Ein wirklich fahrlässiger Ratschlag. Und außerdem ist eine Auszahlung doch sowieso nicht möglich! Die Frage, ob man sich etwas auszahlen lässt, stellt sich doch gar nicht, denn die Auszahlmöglichkeit wurde schon vor 2 Monaten von Grupeer deaktiviert. Man kommt überhaupt nicht an sein Geld. Wieso schreibt Ihr so einen Unfug? Dann ratet… Lesen Sie mehr »

Markus
Markus
2 Monate
Reply to  Michael

Wollte grad genau das Gleiche schreiben 😀

Markus
2 Monate

Hallo, auxmoney wird zwar nur am Rande in dem Artikel erwähnt, aber hier kann ich berichten, dass die Rückzahlungen weiterhin pünktlich kommen und auch die Rückstände bisher nicht viel größer sind als vor der Covid19-Krise. Ich beobachte aber weiterhin genau und habe meine Einzahlungen aus Vorsichtsgründen erstmal gestoppt. Das Geld vorzeitig rausziehen, geht hier ohnehin nicht, weil kein Zweitmarkt vorhanden ist.
Zu Grupper kann ich nichts sagen, da bin ich zum Glück nicht investiert.
Viele Grüße und allen viel Erfolg bei Ihren P2P-Investments…