Mona Linke
Mona Linke
13. Mai 2020

P2P: Grupeer-Crash – was jetzt zu tun ist

Über die P2P-Plattform Grupeer geistern im Internet gerade allerlei Gerüchte – angefangen bei gefaketen Kreditgebern bis hin zu CEOs, die es gar nicht geben soll. Fakt ist: Die Plattform steckt in der Krise und Investoren bekommen ihr Geld derzeit nicht mehr ausgezahlt. Wie es so weit kommen konnte und was P2P- Investoren jetzt tun können.

P2P-Plattform Grupeer – alles nur Betrug? Investoren bangen um ihr Geld 

Investoren von P2P-Krediten müssen dieser Tage so einiges verdauen. Nachdem erst kürzlich die beiden Plattformen Envestio und Kuetztal  pleite gegangen sind, scheint jetzt auch der Marktplatz Grupeer an der Finanzkrise zu zerbrechen. Seit Wochen warten Investoren auf ihre Auszahlungen, haben bisher aber noch keinen Cent wiedergesehen. Gleichzeitig kursieren allerlei bizarre Gerüchte um den Kreditvermittler: Drei Kreditgeber, die auf der Plattform Geld von Investoren eingesammelt haben, sollen von Betrügern frei erfunden worden sein. Woanders heißt es, sie besäßen ganz einfach keine Lizenzen, um Kredite zu vergeben. Grupeer soll derweil mit den Kriminellen unter einer Decke stecken: Auf verschiedenen Blogs geistern Gerüchte über den Führungsstab des lettischen Unternehmens, der sich angeblich aus dem Staub gemacht haben soll. Auf einer anderen Website heißt es, CEO Andrej Kisiks existiere zwar, sei aber längst auf der Flucht vor den Gläubigern. 

Derweil sieht sich Grupeer selbst von Hass-Mails und Gewaltandrohungen gegenüber Mitarbeitern und deren Familienangehörigen bedroht: “Grupeer hat Drohungen von Investoren und Bloggern erhalten, darin Beleidigungen und Androhungen körperlicher Gewalt, die die Plattform dazu gezwungen haben, die Polizei zu informieren”, heißt es auf dem Unternehmensblog.  

Wie konnte es überhaupt so weit kommen? 

Dass P2P-Investments nichts für schwache Nerven und schon gar nichts für den sicherheitsliebenden Kleinsparer sind, war schon vor Corona den meisten Menschen klar. Auch wenn P2P-Kredite in Foren oder auf Blogs immer wieder als “sichere Anlage” angepriesen werden, sind sie in Wahrheit hochriskant. Um in das internationale Kreditgeschäft einzusteigen, brauchen Anleger vor allem zwei Dinge: Starke Nerven. Und Mut zum Risiko. 

Durch die aktuelle Krise erreicht das Ganze allerdings noch mal ein neues Level. Denn während Schuldner noch tiefer in die Pleite rutschen, Kreditgeber zahlungsunfähig werden und Plattformen nichts mehr verdienen, ziehen reihenweise P2P-Investoren ihr Geld ab. Es herrscht Panik-Stimmung am P2P-Markt. 

Um zu verstehen, wie es überhaupt so weit kommen konnte, muss man sich einmal etwas näher mit dem Geschäftsmodell des P2P-Investings beschäftigen. 

Geld leihen und verleihen ohne Bank 

P2P ist die Abkürzung für “Peer to Peer” und bedeutet so viel wie “Von Kollege zu Kollege”. Im Klartext bedeutet das: Privatpersonen können sich von anderen Privatpersonen Geld leihen – und zwar ohne institutionellen Kreditgeber dazwischen, sprich: ohne eine Bank.

Wer gerade nicht flüssig ist und auch keinen Anspruch auf einen Bankkredit hat (und nicht den gesamten Familien- und Freundeskreis anpumpen will), kann sich das benötigte Geld von fremden Personen leihen. Eine Möglichkeit sind sogenannte Finanzierungsplattformen wie Bondora oder das deutsche Portal auxmoney. 

Wer zum Beispiel 500€ für die Auto-Reparatur braucht, kann seinen Kreditwunsch so lange auf einer Plattform veröffentlichen, bis er den Betrag zusammen hat (das Prinzip ähnelt dem Crowdinvesting). Anleger, die ihr Geld verleihen, kassieren also anstelle der Bank die Zinsen. Einen Teil davon behält allerdings die Finanzierunsplattform selbst ein, sodass zum Beispiel bei dem deutschen Anbieter auxmoney die Zinsen für Anleger im Schnitt bei nur 5% liegen. Das liegt auch daran, dass sogenannte Wucherzinsen