Was ist die Aufgabe der Europäischen Zentralbank (EZB)?

Ändert die EZB den Leitzins, zieht das erfahrungsgemäß ein breites Medienecho nach sich. Doch welche Auswirkungen haben Entscheidungen der EZB auf deine persönlichen Geldanlagen und welche Rolle spielt die EZB in unserem Wirtschaftssystem?

Die Europäische Zentralbank (EZB)

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Hauptsitz in Frankfurt und ist die Zentralbank der Gemeinschaftswährung Euro. Im Euroraum ist sie somit die Bank der Banken, der alle anderen Banken untergeordnet sind.

Banken wie beispielsweise die Deutsche Bundesbank haben bei der EZB ein Konto. Sie können sich somit von der EZB Geld leihen, aber auch ihr Geld bei der EZB lagern. Die EZB ist dabei unabhängig und unterliegt keiner politischen Kontrolle. Ihr US-amerikanisches Pendant ist übrigens die Federal Reserve oder auch nur FED genannt.

Aufgaben der EZB

Die Hauptaufgabe der EZB ist die Sicherung der Preisstabilität im Euroraum. Zu diesem Zweck hat sie sich das Ziel gesetzt, die Inflationsrate auf einem gesunden Niveau von 2% zu halten.

Steigt die Inflationsrate überproportional an, spricht man von einer Hyperinflation. Solch eine Hyperinflation ist für das Wirtschaftswachstum genauso schädlich wie eine Deflation. Eine Deflation ist eine negative Inflation, bei der es am Markt mehr Angebot als Nachfrage gibt.

Zusätzlich hat die EZB in den letzten Jahren verschiedene andere Aufgaben übernommen. So ist die EZB die einzige Institution, die den nationalen Notenbanken die Genehmigung erteilen kann, neues Geld zu drucken. Darüber hinaus tätigt sie auch Währungsgeschäfte, wenn sich der Euro unerwünscht schlecht gegenüber anderen Währungen entwickelt.

Seit dem Jahr 1999 hält sie auch die Währungsreserven und seit der Finanzkrise im Jahr 2008 übernimmt sie zudem immer mehr Aufgaben im Bereich der Bankenaufsicht und Bankenregulierung.

 

Instrumente der EZB

Die EZB verfügt prinzipiell über drei Instrumente, mit denen sie für Preisstabilität und Wirtschaftswachstum im Euroraum sorgen kann.

Das erste und bekannteste Instrument ist dabei die Zinspolitik der EZB selbst. Zudem bestimmt sie die Mindestreserve, welche Banken bei ihr hinterlegen müssen und sie führt sogenannte Offenmarktgeschäfte durch.

Zinspolitik (Leitzins)

Mithilfe ihrer Zinspolitik kann die EZB die Geldmenge steuern. Diese Steuerung der Geldmenge ist eine kritische Aufgabe, da sie einen direkten Einfluss auf die Inflation hat.

Befindet sich viel Geld im Umlauf, ist das Geld verhältnismäßig wenig wert. In diesem Szenario kommt es zu einem Anstieg der Inflation. Im Gegensatz dazu kann die Inflation gebremst werden, wenn Geld vom Markt genommen wird und das Geld dadurch wieder an Wert gewinnt.

 

Zur Steuerung der Geldmenge bedient sich die EZB des sogenannten Leitzinses, von dem du sicher schon in den Medien gehört hast. Der Leitzins wird von der EZB selbst festgelegt und ist der Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB Geld leihen können.

Seit März 2016 liegt dieser Zinssatz bei 0,00 %. Das bedeutet, dass sich Banken bei der EZB Geld leihen können, ohne Zinsen bezahlen zu müssen. Wir sind dadurch aktuell in einer Niedrigzinsphase.

 

Die Banken geben diesen Kostenvorteil nun zum Teil an ihre Kunden weiter. Unternehmen und Privatpersonen können gegenwärtig günstig Kredite aufnehmen und Investitionen tätigen. Im besten Fall beflügeln diese Ausgaben die Wirtschaft und die Inflation steigt.

Um zu verhindern, dass die Inflation zu sehr anzieht, kann die EZB den Leitzins erhöhen, um die Wirtschaft wieder zu beruhigen. Die EZB muss somit in ihrer Zinspolitik immer ein Gleichgewicht zwischen Wirtschaftswachstum und Preisstabilität beziehungsweise Inflation finden.

 

Auch wenn es der deutschen Wirtschaft derzeit sehr gut geht, gehen Experten nicht davon aus, dass die EZB den Leitzins in nächster Zeit erhöhen wird, da die EZB bei Entscheidungen immer den gesamten Euroraum betrachtet. Eine Erhöhung des Leitzinses zum jetzigen Zeitpunkt könnte wirtschaftlich schwächere Länder wie Spanien, Portugal oder Italien womöglich in Schwierigkeiten bringen.

Mindestreserve

Die Mindestreserve ist das zweite Instrument, mit welchem die EZB die Preisstabilität in der Eurozone sichern kann.

Setzt die EZB beispielsweise einen Mindestreservesatz von 1% fest, so müssen die Banken bei einem eingelagerten Kapital von 100 Euro, einen Euro als Sicherheit bei der EZB hinterlegen.

Sie haben somit nur noch 99 Euro, die sie an ihre Kunden verleihen können. Steigt der Mindestreservesatz beispielsweise auf 5%, dann müssen Banken für den gleichen Betrag 5 Euro bei der EZB hinterlegen. Ergo sinkt die Geldmenge, die sich im Umlauf befindet. Die EZB kann durch diese Maßnahme somit aktiv Geld vom Markt nehmen.

Offenmarktgeschäfte

Das dritte Instrument, mit welchem die EZB die am Markt vorhandene Liquidität steuern kann, sind die sogenannten Offenmarktgeschäfte. Mithilfe von Offenmarktgeschäften kauft oder verkauft die EZB Wertpapiere wie beispielsweise Staats- oder Bankanleihen direkt über Banken oder die Börse am offenen Markt.

 

Gibt der spanische Staat beispielsweise neue Staatsanleihen aus, um sich zu finanzieren, so kann die EZB diese Anleihen über Geschäftsbanken kaufen. Sie pumpt damit neues Geld in den Kreislauf, was zu einer Erhöhung der Geldmenge führt. Sie kann somit schwächelnden Ländern unter die Arme greifen, falls diese Anleihen herausgeben, die von Investoren kritisch beäugt werden.

 

Diese Offenmarktgeschäfte haben der EZB einiges an Kritik eingebracht, da es ihr eigentlich nicht erlaubt ist, Staaten direkt zu finanzieren. Während der europäischen Schuldenkrise hat die EZB dieses Vorgehen jedoch als nötig angesehen, um die Stabilität im Euroraum zu erhalten.

 

Der Einfluss der EZB auf deine private Geldanlagen

Welchen Einfluss hat nun die EZB auf deine privaten Geldanlagen?

Senkt die EZB den Leitzins, so sinken die Zinsen auf deine Spareinlagen. Du siehst die Leitzinspolitik der EZB dadurch direkt auf deinem Konto.

Seit der Finanzkrise im Jahr 2009 sind die Zinsen stetig gesunken, da die EZB ihren Leitzins kontinuierlich reduziert hat. In der aktuellen Niedrigzinsphase bekommst du daher für deine Spareinlagen so gut wie keine Zinsen mehr.

Auswirkungen einer Niedrigzinsphase

Der Vorteil von einem niedrigen Leitzins ist die Tatsache, dass dadurch die Sollzinsen / Kreditzinsen sinken. Das ist eine gute Nachricht für Leute, die ein Haus finanzieren oder refinanzieren möchten.

Sie zahlen zum gegenwärtigen Zeitpunkt weniger Zinsen für ihren Kredit. Die niedrigen Sollzinsen bergen jedoch das Risiko, dass es zu einer Überschuldung und zum Bilden einer Schuldenblase kommt.

Auswirkungen einer Hochzinsphase

Wenn der Leitzins steigt, bekommst du mehr Zinsen auf deine Spareinlagen. Durch den höheren Leitzins steigt jedoch auch die Inflation und die reale Verzinsung sinkt.

Nehmen wir beispielsweise an, dass du für dein Geld am Tagesgeldkonto 4 % Zinsen bekommst und die Inflation durch den hohen Leitzins 3,5 % beträgt. Schlussendlich hast du somit eine reale Verzinsung von nur noch 0,5 %.

Wie du siehst, wirst du auch in einer Hochzinsphase mit einem Tagesgeldkonto nicht reich. Du solltest es ausschließlich dazu verwenden, dein Geld kurzfristig zu parken.

 

Fazit

Möchtest du mit deinem Geld vernünftige Renditen erzielen, kommst du nicht daran vorbei, dein Geld zu investieren. Eine Möglichkeit ist hierbei beispielsweise die Investition in ein breit diversifiziertes Weltportfolio oder in zum Beispiel P2P Kredite. Wie du in P2P Kredite investieren kannst, haben wir dir in unserer Blogreihe „Richtig investieren mit P2P Krediten“ zusammengestellt.