Robo-Advisor: Anlagehelfer gegen Aufpreis

Finanzfluss Team
Finanzfluss Team
Stand: 31. August 2022
Den Trend zum Vermögensaufbau an der Börse soll der Trend zu automatischen Anlagehelfern – genannt: Robo-Advisor – flankieren. Anstatt einer Beratung in einer Filialbank bieten diese Anlageberater algorithmenbasierte Strategien an und setzen diese zum Teil auch selbsttätig um. Was alles als Robo-Advisor verkauft wird, ob sich das ganze lohnt und worauf man besser verzichten sollte, erklären wir im Ratgeber.

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Was du wissen solltest
  • Ein Robo-Advisor kann für dich die Anlageberatung von der Anlagestrategien bis hin zur automatischen Umsetzung dieser durchführen.
  • Je nach Risikofreudigkeit kannst du mehr oder weniger risikobehaftete und Portfolios zusammenstellen lassen.
  • Sowohl aktive als auch passive Anlagestrategien lassen sich mit einem Robo-Advisor verfolgen. Wir empfehlen passive Strategien mit einem Fokus auf breit gestreute Aktien-ETFs.
  • Die Gesamtkostenquote eines Robo-Advisors reicht bis zu 2% p. a., sollte im besten Fall aber unter 1% p. a. liegen.

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So gehst du vor
  • Ein ETF-Portfolio ist nicht schwierig selbst aufzusetzen – bei einer passiven Anlagestrategie locken langfristig gute Renditen bei minimierten Risiken. Die Kosten hierfür liegen meist bei unter 0,3% p. a.
  • Wer allerdings durch den Prozess des Portfolio-Baus begleitet werden möchte und das jährliche Umschichten (“Rebalancing”) nicht selbst übernehmen möchte, für den kann sich die Hinzunahme eines Robo-Advisors lohnen.
  • Das Fintech Scalable Capital hat einen solchen Robo-Advisor in sein Depot mit einer niedrigen Mindestanlagesumme integriert.

Was ist ein Robo-Advisor?

Unter dem Begriff Robo-Advisor versammeln sich verschiedene algorithmenbasierte Online-Anwendungen, die Investmentstrategien anbieten und ausführen. Die Bezeichnung setzt sich aus den englischen Vokabeln “robot” für Roboter und “advisor” für Berater zusammen. Im professionellen Trading sind ähnliche Anwendungen bereits seit den frühen 2000ern in Benutzung, für private Kleinanleger aber erst seit vergleichsweise kurzer Zeit massenhaft zugänglich.

Durch einen Robo-Advisor kann man eine digitale Finanzberatung erhalten, die mithilfe eines Algorithmus berechnet wird und damit regelbasiert und automatisch arbeitet. Dabei setzen die Anlage-“Roboter” je nach Strategie auf einen Mix aus Fonds, Aktien, Anleihen oder auch exotischeren Anlageformen wie Devisen oder Rohstoffen.

Um die passende Anlagestrategie für einen Sparer zu entwickeln, werden die Interessenten empfehlenswerter digitaler Anlageberater mithilfe von Fragebögen nach ihren Erfahrungen mit unterschiedlichen Anlageklassen und ihrer Risikobereitschaft bei der Geldanlage gefragt. Basierend auf dem Ergebnis dieser Befragung wird dann eine individuell zugeschnittene Anlagestrategie oder ein Portfolio vorgeschlagen.

Dieser Service kostet eine Gebühr, die höher ausfällt als die Kosten für einen selbst aufgestellten Investmentplan. Die Kostenspanne bewegt sich zwischen 0,5 und deutlich über 1%. Ein empfehlenswerter Robo-Advisor sollte aber unter 1% Gesamtkostenquote pro Jahr liegen (zu den Kosten siehe Abschnitt weiter unten). Somit liegen die Kosten über der Gesamtkostenquote (TER) eines ETFs, aber unter der Gebühr, die aktive Fonds üblicherweise verlangen.

Die ganze Bandbreite: Unterschiede beim Robo-Advisor

Unter dem Begriff “Robo-Advisor” können sich ganz unterschiedliche Typen der automatisierten Anlageberatung verbergen. Die Bandbreite reicht hierbei von unverbindlichen Anlagetipps über die Ausführung von vorgefertigten Anlagestrategien bis zum Komplettpaket von der Beratung bis zur Durchführung der Investments. 

Einige bekannte Banken setzen schon einen Robo-Advisor in Deutschland ein. Dabei handelt es sich meist um eine Beratungssoftware, die nur Anlagetipps gibt. Du findest solch eine Software unter anderem bei Comdirect als Direktbank der Commerzbank, oder bei Maxblue, einer Online-Investmentplattform der Deutschen Bank. Auch die Targobank, die Consors Bank und 1822 direkt als Direktbank der Frankfurter Sparkasse geben digitale Anlageempfehlungen. 

Du erhältst online regelmäßig Vorschläge, welche Wertpapiere zu deinem Risikoprofil passen und von welchen Papieren du dich trennen solltest. Um keine Empfehlung zu verpassen, musst du dich regelmäßig, am besten täglich, um deine Geldanlage kümmern. 

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Bequemer als Beratungssoftware ...

… sind Komplettlösungen, die vorwiegend junge Anbieter wie Quirion, Growney oder Raisin Invest bereitstellen. Hier übernimmt der Robo-Advisor die komplette Investition selbstständig und du musst dich um nichts kümmern. Damit diese bequeme Art der Geldanlage erfolgreich ist, solltest du jedoch bei einem Robo-Advisor Vergleich auf eine passive Anlagestrategie achten.

Aktive oder passive Anlagestrategie?

Eine zentrale Unterscheidung kann bei der vom Robo-Advisor gewählten Anlagestrategie gemacht werden: Es werden sowohl aktive als auch passive Ansätze angeboten. Aktive Strategien zeichnen sich dadurch aus, dass durch häufige An- und Verkäufe von Wertpapieren versucht wird, eine Mehrrendite gegenüber dem Gesamtmarkt zu erzielen. Passive Ansätze hingegen versuchen, durch breite Streuung der Geldanlage Risiken zu minimieren und langfristig die Rendite des Gesamtmarktes zu erzielen (beim weltweiten Aktienmarkt über einen langen Zeitraum in der Vergangenheit realistisch 6-8% p. a.). 

Eine aktive Anlagestrategie ist bei der Wahl eines Anlageroboters nicht zu empfehlen. Hier schichtet der Robo-Advisor zwischen den einzelnen Anlagekategorien regelmäßig um. Das bedeutet, dass die Software nach einem finanzmathematischen Modell darüber entscheidet, bestimmte Papiere zu kaufen oder zu verkaufen. Diese Umschichtungen sind mit Gebühren verbunden, die von deinem Gewinn abgezogen werden. Es ist schwierig und kostet viel Zeit, die Umschichtungen zu verfolgen und zu verstehen. Bei menschlichen wie algorithmischen aktiven Fondsmanagern/Anlageberatern gilt gleichermaßen, dass es vom Zufall abhängt, ob sie über einen längeren Zeitraum hinweg höhere Renditen erzielen können als der Gesamtmarkt.

Bei einem digitalen Anlageberater mit einer passiven Strategie erkennst du hingegen von Anfang an, wie dein Geld investiert wird. Der Robo-Advisor gibt anhand deines Risikoprofils vor, auf welche Fonds und Anlageklassen das Anlagevermögen aufgeteilt wird (zum Beispiel 50% in Staatsanleihen und 50% in Aktienfonds). Diese Berechnungen werden regelmäßig überprüft und auf die ursprüngliche Aufteilung zurückgesetzt (“rebalancing”). Da dein Geld in Indexfonds (ETFs) investiert wird, ist transparent, nach welchen Regeln es angelegt wird. Die Kursentwicklung der den Fonds zugrunde liegenden Indizes lässt sich leicht nachvollziehen und damit überprüfen, wie diese Indizes in der Vergangenheit über längere Zeiträume hinweg performt haben. Weitere Vorteile eines passiven Robo-Advisors sind die niedrigen Kosten und niedrigen Mindestanlagesummen.

In welche Wertpapiere investieren Anlageroboter?

Theoretisch können Robo-Advisor in jegliche Art von Wertpapieren investieren. Allerdings sollte durch die Wahl der Anlagestrategie und dein Risikoprofil vorher feststehen, in welche Anlageklassen zu welchen Anteilen zurückgegriffen wird. Aktive Robo-Advisor können je nach Marktphase auch die Anlageklassen wechseln.

Mögliche Anlageklassen für Anlageroboter können beispielsweise sein:

Die empfehlenswerten, auf einer passiven Strategie basierenden Robo-Advisor investieren hauptsächlich in Aktien-ETFs für den renditebringenden, risikobehafteten Teil und Anleihen für den risikoarmen, renditeschwachen Teil. Bei ETFs handelt sich um Fonds, die an der Börse gehandelt werden und die Kursentwicklung eines Index, wie etwa DAX für die größten deutschen Börsenunternehmen, Euro Stoxx für Europa oder MSCI World für die Industrieländer, nachbilden. Die Kursentwicklung und die Zusammensetzung dieser Fonds lassen sich leicht nachvollziehen. 

Kosten eines Robo-Advisors

Wenn du Geld am Kapitalmarkt anlegen möchtest, hast du die Wahl zwischen einem selbst zusammengestellten Portfolio und der Beratung durch

  1. einen unabhängigen Vermögensberater oder
  2. den Anlageberater deiner Filialbank oder Sparkasse oder
  3. einem digitalen Anlageberater.

Jede der Anlageformen ist mit anderen Kosten verbunden. So verlangt ein unabhängiger Anlageberater durchschnittlich 150€ pro Beratungsstunde. Die Beratung durch einen Bankangestellten ist zwar kostenlos, dafür berechnet die Bank eigene Kosten für eine telefonische Ordererteilung oder die Platzierung einer Order an der Börse. Außerdem versuchen viele Bankberater, Papiere des eigenen Hauses zu verkaufen, die nicht unbedingt die beste Performance abwerfen.

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Wenn du aktiv an der Börse handelst ...

… musst du Börsengebühren, Maklercourtage, Bankgebühren und eventuell Depotkosten tragen. In diesem Fall ist ein Robo-Advisor günstiger, falls er nur passiv investiert und selten Fonds kauft und verkauft.

Gleichzeitig ist der Anlageroboter aber teurer als eine komplett selbst zusammengestellte Geldanlage, die aus einem Tagesgeld oder Festgeld und einem Depot mit ETFs besteht. Für das selbst verwaltete Portfolio fallen nur die Kosten für den Indexfonds an, die meistens unter 0,5% pro Jahr liegen. Ein passiver Robo-Advisor berechnet hingegen etwa 1% Gebühren jährlich. Die höheren Gebühren schmälern deine Rendite, dafür erhältst du jedoch Unterstützung bei deinen Investitionen und musst dich nicht um alles selber kümmern.

Sicherheit beim digitalen Anlageberater

Wenn du dein Geld einem Robo-Advisor anvertraust, erfolgt die Investition in den meisten Fällen in einen Fonds. Bei ETFs stellt das Fondsvermögen Sondervermögen dar, das auch bei der Insolvenz des den Robo-Advisor betreibenden Finanzunternehmens oder der Fondsgesellschaft nicht verloren geht. Du musst dir nur einen neuen digitalen Berater oder ein anderes Depot suchen, falls der von dir ausgesuchte Robo-Advisor aus Deutschland oder aus dem EU-Ausland seinen Betrieb einstellt. Du kannst jederzeit die Herausgabe der Wertpapiere verlangen und sie in ein Depot bei einer anderen Bank übertragen.

Rechtliches rund um den Robo-Advisor

Rechtlich lässt sich grundsätzlich zwischen solchen Robo-Advisors unterscheiden, die als Anlagevermittler und solchen, die als Vermögensverwalter tätig sind. Die ersteren sind häufig und können daran erkannt werden, dass sie nicht selbsttätig Vermögenswerte umschichten können, sondern nur auf Anordnung des Kunden sein Portfolio verändern dürfen. Digitale Anlageberater, die hingegen als Vermögensverwalter tätig sind, dürfen selbstständig Vermögenswerte im Auftrag des Kunden bewegen, unterliegen dafür aber auch eine deutlich strengeren Regulierung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin).

Wer haftet bei einer falschen Beratung?

Klassische Finanzberater sind verpflichtet, ein Beratungsprotokoll zu erstellen, wenn sich ein Kunde wegen seiner Investitionen beraten lässt. Das Protokoll ist ein Beweis dafür, welche Aussagen der Berater getroffen hat und ob es zu einer fehlerhaften Beratungsleistung gekommen ist. Wenn ein Anleger Verluste wegen der falschen Beratung erleidet, kann er den Berater bzw. seinen Arbeitgeber auf Schadensersatz verklagen.

Das ist auch bei einem digitalen Anlageberater möglich, sofern es sich um einen Vermögensberater nach §32 Kreditwesengesetz oder um einen Anlagevermittler nach §34f Gewerbeordnung handelt. Als solche sind viele Anlageroboter tätig, die eine Komplettlösung bei der Geldanlage anbieten.

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Du fühlst dich falsch beraten?

Falls es sich nur um eine Beratungssoftware mit Anlagetipps handelt, wird oft kein Beratungsprotokoll erstellt. Du kaufst und verkaufst die empfohlenen Papiere selbst und handelst damit auf eigenes Risiko, auch Verluste zu erleiden. Falls du dich von dem Robo-Advisor falsch beraten fühlst, musst du nachweisen, dass es sich um eine fehlerhafte Beratung gehandelt hat. Der Nachweis ist nicht einfach und wird in jedem Beschwerdefall einzeln entschieden, wie die BaFin erklärt.

In der Praxis: Wie funktioniert die Geldanlage mit einem Robo-Advisor?

Wenn du dich nach einem für einen Anbieter entschieden hast, ist die Geldanlage mit wenigen Mausklicks erledigt. Du musst zuerst den Fragebogen ausfüllen und zwischen zehn und etwa dreißig Fragen beantworten. Wenn du dir die Zeit genommen hast, ist der Robo-Advisor gut über dich und deine finanzielle Situation informiert und kann dein persönliches Risikoprofil anfertigen.

Der Anbieter schlägt dir anschließend eine Anlagestrategie und ein darauf aufbauendes Portfolio zusammen, also eine Art Warenkorb mit verschiedenen Finanzprodukten. Mit wenigen Klicks kannst du die vorgeschlagenen Wertpapiere kaufen. Um einen Robo-Advisor auszuprobieren, kannst du nach einem Anbieter suchen, der nur einen geringen Mindestbetrag zur Geldanlage verlangt. 

Für wen lohnt sich die Nutzung eines Robo-Advisors?

Zusammenfassend kann man einen vorteilhaften Robo-Advisor als eine leichte Vereinfachung der Durchführung einer passiven, weltweit diversifizierten Anlagestrategie ansehen, wenn man aktive Robo-Advisor nicht betrachtet.

Zwar ist es heutzutage sehr einfach, sich ein globales ETF-Portfolio zusammenzustellen und mit einem digitalen Depot zu führen, zu besparen und einmal im Jahr die Gewichtung wieder zu erneuern, aber dennoch wünschen sich einige Anleger Hilfe bei genau diesen Aufgaben.

Dafür kann ein passiver Robo-Advisor hilfreich sein: Er sucht je nach Risikoprofil die passenden Anlageprodukte heraus und überprüft und korrigiert regelmäßig die Gewichtung der verschiedenen Anlageklassen. Für genau diese Leistung bezahlt man jährlich bis zu 1% Verwaltungsgebühren, was deutlich teurer ist als die reinen ETF-Gesamtkosten von meist nicht mehr als 0,3% p.a.

Wer bereit ist, diese Kosten auf sich zu nehmen, um die Unterstützung eines Robo-Advisors in Anspruch zu nehmen, für den kann sich die Benutzung eines digitalen Anlageberaters als zusätzliche Leistung lohnen. 

Häufig gestellte Fragen

Was taugen Robo-Advisor?

Wie funktioniert ein Robo-Advisor?

Für wen eignen sich Robo-Advisor?

Sind Robo-Advisor zu teuer?