Wie funktioniert das Investieren in P2P Kredite – P2P Lending ?

Thomas Kehl

Unbemerkt von der öffentlichen Aufmerksamkeit ist seit 2005 eine neue Anlageklasse entstanden, die bisher nur Banken vorenthalten war. Dank innovativer Fintech Startups, ist diese Anlageklasse nun aber auch uns Privatanlegern zugänglich. Das Schlagwort lautet „Investieren in P2P Kredite“, oder auf Neudeutsch „P2P lending“. Seit ca. 2005 sind weltweit hunderte von P2P Marktplätzen entstanden, die im Jahr 2015 einen Gesamtumsatz von 3,2 Milliarden US-Dollar hatten und teilweise äußerst attraktive Zinsen bieten.

Aus diesem Grund widmen wir uns in dieser Blogserie einmal diesem Thema und schauen uns an, was P2P-Lending ist, wie es sich von dem herkömmlichen Bankgeschäft unterscheidet und welche Chancen und Risiken es bietet.

In den nächsten Artikeln steigen wir dann mit praktischen Tipps zum Investieren in P2P Kredite ein und werden uns dann auch einzelne, für Deutsche Anleger zugängliche, P2P Marktplätze anschauen.

Was ist P2P-Lending?

Um zu verstehen wie sich P2P-Lending vom klassischen Kreditgeschäft unterscheidet, schauen wir uns zunächst einmal dieses an.

Das klassische Bankgeschäft

Das Kerngeschäft von Privatbanken, Volksbanken und Sparkassen ist es, auf der einen Seite Einlagen von Kunden zu verwalten und auf der anderen Seite diese an andere Kunden in Form von Krediten zu verleihen.

Unter Einleger versteht man Kunden die eine Bankeinlage tätigen. Das kann das übliche Guthaben auf dem Girokonto, Tagesgeldkonto, Sparbuch oder eine Anlage als Festgeld sein. Mit diesem Geld und ihrem Eigenkapital „arbeitet“ die Bank.

Den Einlegern zahlt die Bank einen Zins, von den Kreditnehmern verlangt die Bank einen Zins. Die Differenz zwischen den beiden Zinssätzen ist der Zinsüberschuss der Bank, mit welchem sie ihr Geld verdient.

Die Kredite welche die Bank herausgibt, sind also mit den Einlagen der Kunden sowie dem Eigenkapital der Bank finanziert. Zwischen den Einlegern und den Kreditnehmern besteht keine direkte Verbindung da die Bank das gesamte (Ausfall-)Risiko der Kredite trägt. Dafür beteiligt sie die Einleger aber auch nicht am Kreditzins.

Die Entstehung von P2P Krediten

P2P – oder peer-to-peer – ist zunächst einmal kein kreditbezogener Ausdruck sondern wird immer dann verwendet wenn etwas von Person zu Person geschieht, also ein Geschäft zwischen zwei Privatpersonen. Das Gegenstück zu P2P ist B2B oder B2C, Business-to-Business (zwischen Unternehmen) oder Business-to-Customer (von Unternehmen zu Kunden / Privatperson).

Hiermit erklärt sich auch schon sehr gut was ein P2P Kredit ist, es ist ein Kredit von einer Privatperson zu einer anderen. P2P-Lending ist also im Grunde nichts neues. Auch in der Vergangenheit war es schon möglich, einer Privatperson einen privaten Kredit zu gewähren.

Mit der Gründung von Zopa, dem ersten P2P Marktplatz, der 2005 in Großbritannien entstanden ist, wurde dieser Prozess jedoch auf eine nächste Stufe gebracht und der Handel mit Krediten auch Privatpersonen zugänglich gemacht.

Auf P2P Marktplätzen können Kreditsuchende eine Kreditanfrage stellen, die privaten (und mittlerweile auch Institutionellen) Anlegern zugänglich sind, die dann in diese Kredite investieren können. Den Investoren fließen dann direkt die Zinszahlungen der Kredite zu. Die Marktplätze verdienen eine einmalige Gebühr (sowohl auf der Kreditseite, als auch auf der Investorenseite) und partizipieren deswegen nicht von den Zinszahlungen.

Kredite für die sich kein Investor interessiert kommen nicht zustande und werden somit abgelehnt.

Heutzutage bieten P2P Marktplätze ihren Investoren eine Einschätzung der Bonität der Kreditnehmer und somit eine Risikoeinschätzung für den Fall, dass der Kredit ganz oder teilweise ausfällt. Hierzu werden zum Beispiel Auskunfteien wie die SCHUFA, sowie Einkommensnachweise und Rückzahlungshistorien ausgewertet.

Die Vorteile von P2P

Dank P2P-Lending ist es nun auch für Privatpersonen möglich in eine große Anzahl von Kredite zu investieren. Investoren können sich attraktive Zinsen sichern und Kreditnehmer haben nun die Möglichkeit auch dann einen Kredit zu erhalten, wenn sie diesen bei Banken bisher nicht bekommen konnten.

Sowohl Kreditnehmer als auch Investoren profitieren von sehr schnellen und effizient funktionierenden P2P Marktplätzen.

Die Rolle der P2P Markplätze

Anders als bei Banken, ist es nicht die Aufgabe der P2P Plattform Kredite zu gewähren oder abzulehnen. Sie dienen ausschließlich als Marktplatz, um die Geldnachfrage der Kreditnehmer mit dem Geldangebot der Investoren zusammen zu bringen.

Ihre Hauptaufgabe ist die Einschätzung der Bonität, also der langfristigen Zahlungsfähigkeit der Kreditnehmer. Hierzu klassifizieren die meisten Plattformen die Kredite in Risikoklassen, zum Beispiel von A bis E. Der Zinssatz den der Kreditnehmer zahlt, richtet sich nach der Bonitätsklasse in welcher er sich befindet.

Bei einer guten Bonität zahlt er weniger Zinsen als bei einer schlechteren Bonität. Investoren wollen dafür entlohnt werden, dass sie ein höheres (Ausfall-)Risiko eingehen, indem sie in schlechtere Bonitätsklassen investieren.

Aufgrund ihrer eigenen statistischen Erfahrungswerte kann die P2P Plattform die Ausfallwahrscheinlichkeit je Bonitätsklasse, also die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kreditnehmer seinen Kredit nicht mehr oder nur teilweise zurückbezahlen kann, den Investoren zugänglich machen.

Eine weitere Aufgabe die der P2P Plattform zukommt ist das Führen der Mahn- und Inkassoprozesse. Kommt es zu Zahlungsausfällen der Kreditnehmer, bemühen sich die P2P Anbieter die ausfälligen Kreditnehmer zu mahnen und, falls notwendig, die Kredite an ein Inkassobüro weiter zu reichen. Dass es manchmal zu Ausfällen kommt, ist bei einer hohen Anzahl an Krediten völlig normal und vorhersehbar. Mit der gleichen Problematik sind auch Banken konfrontiert.

3 Hauptrisiken beim Investieren in P2P Kredite

There is no free lunch

Wer also in P2P Kredite investiert, muss die Risiken kennen, um sie reduzieren zu können.

Das Ausfallrisiko

Das Hauptrisiko beim P2P-Lending ist, wie bereits angesprochen, das Ausfallrisiko, also dass ein Kreditnehmer nicht mehr zahlen kann oder will. Dieses Risiko lässt sich, wie bei allen Investitionen, mit einer guten Diversifikation bzw. Risikostreuung, gut reduzieren.

Durch das Gesetz der großen Zahl nähert sich der Investor mit steigender Anzahl an Krediten der durchschnittlichen Ausfallrate. Das macht seine Investition berechenbar. Er weiß nun mit welcher Rendite und welchem Ausfall er rechnen kann.

Falsche Einschätzung der Bonität

Das zweite Risiko beim Investieren in P2P Kredite ist es, dass Bonitäten falsch eingeschätzt werden.

Da P2P Marktplätze noch besonders jung sind und noch nicht auf solch einen weiten Erfahrungsschatz in Sachen Kreditbewertung zurückgreifen können wie Banken, kann es durchaus sein, dass Bonitäten falsch eingeschätzt werden, oder dass Kreditnehmer einfacher lügen können.

In diesem Fall wird das Kreditrisiko zu gering eingeschätzt und der tatsächliche Ausfall an Krediten ist höher als der erwartete Ausfall der aus Erfahrungswerten abgeleitet wurde.

Um dieses Risiko zu minimieren lohnt es sich, besonders anfangs Kreditprojekte aufmerksam und kritisch zu lesen und zu hinterfragen. Darüber hinaus ergibt es Sinn, seine Investition auf mehrere P2P Plattformen aufzuteilen.

Insolvenz des P2P-Marktplatz

Das macht auch in Hinblick auf das dritte große Risiko beim Investieren in P2P Kredite Sinn. Dieses besteht im Risiko der Pleite einer P2P Plattform. Die meisten Plattformen verfügen hier über Sicherheitsmechanismen, die den Investoren absichern.

Auch in diesem Fall können Investoren weiter Zins und Tilgung aus ihren Investitionen beziehen. Wie genau dies abläuft, werden wir vermutlich dann erst sehen, wenn es tatsächlich mal zu Insolvenzen von P2P-Plattformen kommt.

Besonders bei Investitionen in nicht-Deutsche Plattformen ist es fraglich, inwiefern Investoren die Möglichkeit haben mit den Kreditnehmern zu kommunizieren bzw. wer sich um die Abwicklung der noch laufenden Kredite kümmern wird.

Einige Plattformen beauftragen Treuhänder, denen sie regelmäßig Datensätze übermitteln, in denen geregelt ist wer Anspruch auf welche Zahlung hat.

Somit können diese dann gewährleisten, dass die Kredite weiterhin ordnungsgemäß an die Investoren zurückgeführt werden. Das bleibt bisher aber Theorie und war (zum Glück?) in der Praxis noch nicht notwendig.

Auch hier ist es also sinnvoll sein Geld nicht auf nur einer Plattform anzulegen.

Fazit

P2P-Lending ist eine sehr interessante Investment-Alternative, welche die Fintech Branche zu Tage gebracht hat. Es eröffnet Privatanlegern eine ganz neue Anlageklasse und Kreditnehmern eine interessante und unbürokratischere Alternative zum klassischen Bankkredit.

Wie immer beim Investieren bergen hohe (Rendite-) Chancen auch Risiken, die man kennen muss und die es zu minimieren gilt.

Schauen wir uns daher doch im nächsten Artikel 5 Grundregeln an, die man als Investor in P2P Kredite absolut beachten muss, um ein erfolgreicher Investor zu werden und nicht zum Kreditspekulant zu verfallen.

Thomas Kehl

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