Wenn wir heute einkaufen, denken wir oft gar nicht mehr darüber nach, wie wir eigentlich bezahlen – wir halten kurz die Kreditkarte oder das Smartphone an das Kartenlesegerät und das war’s. 

So einfach war es noch nie in der Geschichte, zu bezahlen. Über lange Zeit war Geld eine ganz schön komplizierte Angelegenheit. Tauschhandel, Mittelsmänner, Kredite und Banken haben eine Jahrhunderte lange Entwicklung durchgemacht. Die wollen wir euch heute in Etappen nacherzählen und darüber diskutieren.

➡️ Zum Angebot von Blinkist (25% Rabatt auf das Jahresabo!) (Werbung)

Was ist Geld?

Bei Geld denken viele sicherlich an Scheine oder Münzen. Aber allgemein betrachtet ist Geld einfach das, was zum Bezahlen von Waren genutzt wird. Das waren in der Geschichte ganz unterschiedliche Dinge. Unter anderem Getreide, Kühe, Kleidung, aber auch Waffen oder Muscheln.

Wenn wir heute einkaufen, denken wir oft gar nicht mehr darüber nach, wie wir eigentlich bezahlen – wir halten kurz die Kreditkarte oder das Smartphone an den Kartenleser und das war’s. So einfach war es noch nie in der Geschichte, zu bezahlen. Über lange Zeit war Geld eine ganz schön komplizierte Angelegenheit. Tauschhandel, Mittelsmänner, Kredite und Banken haben eine Jahrhunderte lange Entwicklung durchgemacht.

Wie könnte man Geld heute definieren? Geld ist eigentlich eine Maßeinheit für Vertrauen. Daher ist Geld nur so viel wert, wie die Gesellschaft ihm beimisst → wir haben uns also auf einen Wert geeinigt. Nehmt als Beispiel einen 500-Euro-Schein. Das Papier, auf dem er gedruckt wird, ist gerade mal 16 Cent wert.

Von Naturalien zu Edelmetall

Wusstet ihr, dass das historisch am längsten genutzte und verbreitete Zahlungsmittel Schnecken waren? Die ersten Hinweise darauf geben Funde von 2000 v. Chr.! Sogenannte Kauri-Schnecken, oft auch Muscheln genannt. Sie wurden in Afrika, Ost- und Südasien und der Südsee als Naturalgeld verwendet und waren wegen ihrer Form ganz praktisch: handlich, stabil und fälschungssicher. 

Wir in Europa haben damals noch fleißig mit Getreide, Vieh oder mit Arbeitszeit gehandelt. Das ging damals noch ganz gut, weil wir viel Landwirtschaft hatten, wurde aber immer komplizierter. Nach und nach hat man auch Metall als Tauschmittel entdeckt. 

Trotzdem: Das war alles noch echt mühsam. Und man brauchte Zwischenhändler, um die Werte zu ermitteln.

Abhilfe schaffen konnten da: Münzen! Als Erster hat wohl König Krösus die Münze etabliert, ca. 560 v.Chr. Er war der König von Lydien in der heutigen Türkei. Sie war eine Gold-Silber-Mischung mit Symbolen. Die Symbole und die Größe der Münzen haben den Wert bestimmt. Also ein bisschen wie heute mit unseren Münzen und Banknoten. Der Vorteil: Man musste das Edelmetall nicht abwiegen, wusste direkt, was man dafür kriegt.

Parallel dazu haben die Griechen und die Römer erste Münzen geprägt. Hier ging es neben dem Praktischen vor allem um Macht: Caesar und Co. haben ihre Porträts auf die Münzen geprägt und so ihr Gesicht omnipräsent gemacht. Damals gab es noch keine Zeitungen oder andere Medien, Münzen haben sozusagen Werbung für die Herrscher gemacht.

600 v. Chr. wird im Stadtstaat Athen mit der Münzwährung namens Drachme gehandelt. Bis zur Einführung des Euros ist die Drachme die nationale Währung Griechenlands, natürlich mit Abwandlungen. Den Euro gibt es dort seit 2002. 445 v. Chr. entstehen in Griechenland ein Kreditsystem und die ersten privaten Banken.

Zurück zu den Anfängen: das Mittelalter

Klingt super, geht in die richtige Richtung, denkt ihr euch jetzt vielleicht. Aber: Die Menschheit hat wie so oft einen Rückschritt gemacht. Im Mittelalter gingen viele Völker zurück zu den Anfängen – und zum Tauschhandel. Die Naturalwirtschaft war zurück.

Zwar gibt es in Europa ein paar Experimente mit Münzen, aber die sind wenig erfolgreich. Auch, weil sie nie andauern und jeder Herrscher sein eigenes Süppchen kocht.

Doch es gibt schon Anzeichen dafür, wie wir in Zukunft bezahlen werden. 1045 wird das erste Mal die Mark als Gewichtseinheit in Deutschland erwähnt. Sie hat einen skandinavischen Ursprung und entspricht einem halben Pfund.

Gesellschaftliche Umbrüche

Es dauert ein paar hundert Jahre, bis sich daran was ändert. In Italien werden Städte gegründet, die Arbeitsteilung setzt ein: Auf dem Land wird angebaut und Vieh gezüchtet, in den Städten finden Industrie und Handel statt. Tauschen wird immer unpraktischer, die Wege werden größer. Es entwickeln sich Denar und Grosso. Der wird später übrigens zum Groschen.

Hier findet ein wichtiger Wandel statt, der die ganze Gesellschaft betrifft. Denn: Vorher waren die Gutsherren diejenigen, die bestimmt haben, was die Bauern anbauen und an sie abgeben. Jetzt entscheidet immer mehr der Markt – und macht die Bauern so weniger abhängig, aber erhöht gleichzeitig den Verkaufsdruck. Von einer Dorfgemeinschaft geht es jetzt mehr in Richtung Konkurrenz, das Individuum wird wichtiger. Alles bekommt einen Preis.

Auch im Nahen Osten tut sich was: 697 schaffen die Araber ihr eigenes Münzsystem. Die arabischen Münzen zeigen aus religiösen Gründen fast nie Bilder. Die Münzen sind der goldene DINAR, der silberne DIRHEM und der kupfere FULUS/ FELS.

Der Handel treibt die Geldpolitik an

In den nächsten hunderten Jahren wird Handel immer wichtiger und expandiert zwischen Europa und dem Nahen Osten. Geldmünzen mitzuschleppen wird immer unpraktischer und unsicherer, man könnte ja überfallen werden. Jetzt kommen Zwischenhändler zum Einsatz, quasi die Vorläufe des Außendiensts. Und: Geldwechsler. Die ziehen Falschgeld raus, vergeben Kredite und führen Buch über alle Käufe und Verkäufe. Das “Konto” ist geboren. Auf Italienisch heißt Konto so viel wie Rechnung. 

1407 wird in Genua die „Casa di San Giorgio“ gegründet, die als ein wichtiger Vorläufer moderner Banken angesehen wird. Sie gilt auch als eine der ersten Aktiengesellschaften in Europa. 1409 entsteht in Brügge die erste Börse Europas. „Börse“ leitet sich von der Brügger Kaufmannsfamilie „van der Burse“ ab.

Papiergeld ist aber immer noch nicht etabliert, obwohl es einige Versuche in verschiedenen Regionen der Welt gibt. In Deutschland vertrauen die Menschen ganz lange nicht dem Papier, denn im Gegensatz zu Gold hat es ja kaum Eigenwert und könnte irgendwann einfach wertlos sein. Deshalb zahlen die Deutschen bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts weiter am liebsten mit Goldmünzen. Und bis heute haben wir ja eine Affinität zu Gold…

Der Goldstandard

Die Engländer ändern das langsam, aber sicher  – und erklären Papiergeld 1833 zur offiziellen Währung, im sogenannten Bank of England Act. Der verspricht den Bürgern, dass ihre Anteilsscheine, später Geldscheine, überall gegen ihren Wert eingetauscht werden können.

Diese Garantie nennt man Goldstandard, das habt ihr bestimmt schon mal gehört. 1844 hat die Bank of England ihn als erste Notenbank eingeführt. Ab 1900 garantierten fast alle Notenbanken der Industrieländer einen solchen festen Wechselkurs.

Dieses System endete 1973. Am 15. August 1971 hob US-Präsident Richard Nixon die Bindung des Dollar an Gold auf (Nixon-Schock). 1973 wurden die Wechselkurse freigegeben.

Nach 1849 geht das Goldfieber los: In Kalifornien findet man große Mengen Gold, viele Menschen begeben sich auf die Suche; manche Fundorte werden zu Sperrgebieten erklärt. 

Die Kreditkarte

Münzen und Papiergeld haben wir jetzt…aber was ist mit Karten? 

1894 sind die ersten Kreditkarten im Umlauf. Natürlich in den USA. Zuerst werden sie nur an bestimmte Kunden ausgegeben. Universalkreditkarten entwickeln sich ab den 50er-Jahren. 

Kriege und andere Krisen

Nach dem ersten Weltkrieg stürzt Deutschland in eine starke Inflation. Um diese abzubremsen, wird am 1. November 1923 die Deutsche Rentenbank gegründet und die Rentenmark als Zwischenwährung eingeführt. Das Umtauschverhältnis klingt verrückt, war aber wirklich so: für eine Billion Papiermark gab es eine Rentenmark.

Ein Börsencrach, der Geschichte schreibt: der Black Friday am 29. Oktober 1929. Viele Unternehmen und Banken gehen Pleite, die Wirtschaftskrise weitet sich auf die ganze Welt aus. 

Bessere Zeiten: 1939 geht der erste funktionierende Geldautomat an den Start, und zwar bei der City Bank of New York, die heute noch als Citibank besteht. Unter den ersten Kunden waren Glückspieler und Prostituierte.

1944 wird das weltweite Geldwesen besser organisiert: Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird gegründet. Der IWF fördert die internationale Zusammenarbeit bei Währungsfragen, soll helfen, das System aufrechtzuerhalten und bei Ungleichgewichten bei Zahlungen einschreiten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Deutschland erneut ein großes Problem, was Geld angeht: 1945 gibt es keine funktionierende Währung mehr. Und wieder wird getauscht. Diesmal Produkte des täglichen Verbrauchs, wie Zigaretten, Schokolade, Kaffee und Strümpfe.

Von 1948 an ist die Deutsche Mark die offizielle Währung in Westdeutschland. 1990, zur Wiedervereinigung, wird die D-Mark die einheitliche Währung in ganz Deutschland. 

1992 findet ein wichtiger Schritt für die heutige EU statt: Die damaligen 12 EG-Staaten unterzeichnen ein Abkommen zur Schaffung eines gemeinsamen Binnenmarkts und die Einführung einer einheitlichen Währung bis 1999. Es dauert dann doch noch etwas. 2002 führen die 12 Staaten im Euroraum den Euro als Währung ein. Er ist ungefähr so viel wert wie 2 D-Mark.

Online-Banking vereinfacht Transaktionen

Ab 1995 wird Onlinebanking in Europa populär und unkomplizierter. 1996 wird in Ravensburg das erste Mal mit einer Geldkarte bezahlt. Ein System, das sich nicht wirklich durchgesetzt hat, aber auch heute noch an Automaten zu finden ist.

2008: die nächste große Wirtschaftskrise. Eingeleitet von der Lehman-Brothers-Pleite, gefolgt von einem weltweiten Anstieg der Arbeitslosigkeit, viele Menschen verlieren ihre Häuser, auch der Euro kriselt. 

Der Bitcoin: eine Krypto-Revolution mit unbekanntem Ursprung

Im selben Jahr geht im Stillen eine kleine Revolution los: Satoshi Nakamoto veröffentlicht ein Whitepaper über den Bitcoin. Ob dahinter eine echte Person steckt, eine Gruppe oder gar eine Konspiration, weiß bis heute keiner sicher. Der Titel:’Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System‘.

Seit den späten 90ern haben mehrere Kryptographen versucht, eine digitale Währung auf die Beine zu stellen – v.a. um den Datenschutz zu verbessern.

Am 12. Januar 2009 schickte Satoshi Nakamoto 10 Bitcoin an den Computerprogrammierer Hal Finney. Dies ist die erste echte Transaktion von Person zu Person.

Der 18. Juli 2010 wird für Bitcoin ein historischer Tag sein. Dann öffnet der allererste Austausch, Mt. Gox, seine Türen. Der Wert einer Bitcoin liegt damals bei etwa 6 Cent.

Heute haben sogar einzelne Staaten Kryptowährungen entwickelt, Facebooks Libra will den Markt aufmischen und sogar die Europäische Zentralbank will den Euro digital machen.

Der Bitcoin liegt mittlerweile übrigens bei über 19.000 Euro! Je nachdem, wann ihr diese Folge hört, könnte der Wert schon wieder veraltet sein…Kryptos sind nach wie vor sehr volatil.

Shownotes