Alle Jahre wieder eine Qual für viele: die Steuererklärung. Wir wollen zeigen, dass es keine Qual sein muss – heutzutage gibt es zahlreiche Apps und Software, die dir durch den bürokratischen Prozess helfen. Und: Es kann sich richtig lohnen, eine Steuererklärung einzureichen, selbst, wenn man kein Profi ist.

In dieser Folge Finanzfluss Exklusiv stellen wir die nützlichsten Pauschalen vor und erklären dir, was du beachten musst. Alle Angaben sind unverbindlich und sollen dir lediglich einen Überblick bieten. Bei Detailfragen und zur Beratung solltest du einen Steuerberater oder den Lohnsteuerhilfeverein aufsuchen.

Wer muss überhaupt eine Steuererklärung einreichen?

Die Pflichtveranlagung gilt nicht für alle. Wenn du z.B. einfach “nur” Arbeitnehmer bei einem Unternehmen bist, ohne Nebeneinkünfte, bist du meist gar nicht dazu verpflichtet.

Wenn einer dieser Faktoren auf dich zutrifft, musst du eine Steuererklärung einreichen:

  • Selbständige und Freiberufler
  • Nebenjob in Steuerklasse 6
  • einkommensteuerpflichtige Nebeneinnahmen über 410€ jährlich, wie Renten, Honorare, Mieten, Kapitalerträge auf ausländische Geldanlagen
  • Lohnersatzleistungen über 410€ jährlich, wie Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld, Elterngeld, Krankengeld, Mutterschaftsgeld
  • Wenn du Freibeträge beim Finanzamt beantragt hast, also im laufenden Jahr eine ermäßigte Lohnsteuer bezahlst
  • für Eheleute, die Ehegattensplitting betreiben; auch bei Einzelveranlagung eines Partners
  • bei außerordentlichen Einnahmen wie Abfindungen, wenn du sie nicht auf einmal, sondern über Jahre versteuern willst
  • bei einem Wohnsitz im Ausland, aber Steuerpflicht in Deutschland

Daneben gibt es einige Ausnahmen und Sonderfälle, die wir hier nicht im Detail besprechen können. Unsere Angaben sollen euch nur einen Überblick geben, wir sind keine Steuerprofis und können euch dahingehend nicht beraten.

Bis wann muss ich meine Steuererklärung einreichen?

Die Steuererklärung ist bis zum 31. Juli des Folgejahres fällig. Für das Steuerjahr 2020 gibt es eine Ausnahme: Du kannst dir bis zum 2. August 2021 Zeit lassen. Der Grund dafür: Viele Steuerberater sind mit Arbeit überladen, deshalb bekommen wir einen kleinen Puffer vom Staat. Wenn du schwer krank bist oder es einen anderen triftigen Grund gibt, kannst du eine Fristverlängerung beantragen.

Auch wenn du mit einem Steuerberater arbeitest, gilt für dich eine spätere Frist: nämlich der letzte Februartag des übernächsten Jahres. Für 2020 ist also der 28. Februar 2022 deine Frist, wenn du mit Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater zusammenarbeitest. 

Was passiert, wenn du zu spät dran bist? Dann kann ein Verspätungszuschlag anfallen. Also besser einen Reminder setzen. Wenn du freiwillig eine Steuererklärung abgibst, hast du vier Jahre Zeit, ohne Zuschlag. 

Warum soll ich meine Steuererklärung einreichen?

Laut Statistischem Bundesamt erhält jeder Bürger durch die Steuererklärung im Schnitt 1.027€ zurück. Erst mal gut zu wissen: Jeder von uns muss nur das Einkommen versteuern, das über dem Grundfreibetrag liegt (das wird mit dem “zu versteuernden Einkommen” gemeint). 

Das Tolle an Pauschalen: Du musst in der Regel keine Nachweise einreichen. Es sei denn, deine tatsächlichen Kosten für den Posten liegen höher als in der Pauschale veranschlagt. Um schon im laufenden Jahr von deinem Steuerfreibetrag zu profitieren, kannst du einen Ermäßigungsantrag einreichen – dann wird schon bei deinen monatlichen Gehaltszahlungen weniger Steuer einbehalten. 

Die wichtigsten Pauschalen im Überblick (mit den Beträgen für 2020):

  • Werbungskosten: pauschal 1.000€ für Arbeitnehmer/102€ für Rentner. Bei höheren Kosten müssen Belege eingereicht werden
  • Pendlerpauschale: Pro Entfernungskilometer 30 cent (es zählt jeweils eine Strecke), unabhängig vom Verkehrsmittel. Alternativ kannst du auch Bahntickets einreichen, wenn der tatsächliche Betrag höher liegt. Seit 2021 sind es ab dem 21. Kilometer sogar 35 Cent.
  • Arbeitsmittel: pro Jahr pauschale 110€ – selbst, wenn du nichts für Arbeitsmittel ausgegeben hast. In der Regel kein Nachweis notwendig. Wenn du höhere Kosten hattest, kannst du diese mit Belegen absetzen.
  • Kontoführungsgebühren: 16€ pro Jahr – allerdings nur, wenn du tatsächlich für dein Konto bezahlst. Höhere Kontoführungsgebühren können nur bei Geschäftskonten abgesetzt werden.
  • Verpflegungsmehraufwand: Decken kosten für Geschäftsreisen oder Geschäftstermine an anderen Orten. 110€ jährlich kann jeder absetzen, bei höheren Kosten gegen Nachweise auch mehr.

Pro 8 Stunden an einem Ort sind es 14€, pro 24 Stunden 28€ und für Reisetage 14€.

  • Bewerbungskosten: Pauschal kannst du pro Online-Bewerbung 2,50€ und pro Brief-Bewerbung 8,50€ für Papier, Druckkosten, Porto usw. absetzen. 
  • Reinigung der Arbeitskleidung: pro Waschgang bis zu 88 Cent pro Kilo Wäsche, pro Trockengang bis zu 55 Cent pro Kilo Wäsche, Bügeln pro Kleidungsstück 7 Cent pro Kilo Wäsche
  • Telefonkosten: 20% der tatsächlichen Kosten – maximal 20€ pro Monat. Voraussetzung ist, dass man das Handy auch beruflich nutzt.
  • Umzugskosten: Bei beruflich bedingten Umzügen (bei neuem Job/wenn man mehr als 30 Minuten pro Arbeitsweg einspart) kann man Umzugspauschalen absetzen bzw. Belege bei höheren Kosten einreichen. 

→ für Alleinstehende beträgt die Pauschale 820€, für Ehepaare 1.639€, pro Kind oder anderen Angehörigen zusätzlich 361€

  • Neu: Home-Office-Pauschale: 5€ pro Tag im Home Office, maximal 600€/Jahr. Gilt erstmal nur für 2020 und 2021. Anders als früher muss man kein separates Arbeitszimmer haben.
  • Entlastungsbetrag für Alleinerziehende: 4.008€ pro Jahr plus 240€ für jedes weitere Kind
  • außerdem, für wen es zutrifft: Behindertenpauschbetrag (je nach Grad der Behinderung) und Pflege-Pauschbetrag für pflegende Angehörige
  • Sonderausgaben: 36€ pro Jahr für Alleinstehende/72€ für Paare. Wird automatisch abgezogen, höhere Beträge mit Belegen möglich. 
  • Sparerpauschbetrag: 801€ jährlich pro Person, für Verheiratete 1.602€ an Kapitalerträgen sind steuerfrei. Außerdem werden Verluste mit Gewinnen verrechnet. Du kannst bei deiner Bank oder deinem Broker einen Freistellungsauftrag einrichten, dann wird der Freibetrag automatisch berücksichtigt. 

Corona spezial: Home-Office-Pauschale bringt weiteres Geld ein

Da viele von uns nun von zuhause arbeiten, aber nicht jeder ein Arbeitszimmer absetzen kann, gibt es neue Regeln. Die Home-Office-Pauschale gilt auch, wenn ihr in der Küche oder auf dem Sofa arbeitet. Sie gilt erst mal für 2020 und 2021. Danach wird sie planmäßig wieder abgeschafft. Sie ist Teil der Werbungskosten, ihr profitiert also nur, wenn ihr insgesamt mehr als die 1.000€ Pauschale abrechnen könnt.

Neben der Home-Office-Pauschale könnt ihr weiterhin Büroausstattung, Arbeitsmittel, Fachliteratur, berufliche Telefonkosten usw. absetzen.

Die Höhe der Pauschale: 5€ pro Tag im Home Office, maximal 600€ pro Jahr, also 120 Tage. Ein Nachweis ist auf Anfrage des Finanzamts nötig. 

Steuer-Apps und Software: eine kleine Auswahl

Gut zu wissen: Die Kosten für Apps und auch Steuerberater kannst du in der Steuererklärung absetzen! Es kommen immer mehr Angebote auf den Markt. Wir stellen eine kleine Auswahl von ihnen vor. 

Praktisch ist, dass alle Anbieter deine Unterlagen für dich ans Finanzamt übermitteln, so sparst du dir einen Arbeitsschritt.

Wiso Steuer

Online, als Software oder CD: Übersichtlich und der Klassiker für alle, die gerne ihre Steuererklärung am Computer/Laptop erledigen wollen. Kostet zwischen 16 und 30€ pro Jahr, orientiert sich stark an den offiziellen Elster-Vorlagen. 

Smartsteuer

Laut eigener Aussage der führende Anbieter von Online-Steuererklärungen. Kostet 34,99€ für bis zu fünf Abgaben pro Jahr. Inklusive Sonderfälle wie Gewerbe, Corona-Regelung, Airbnb-Vermietung. Auch für Selbständige geeignet.

Taxfix

Steuer-App aus Berlin, verspricht die Steuererklärung via App oder online in nur 22 Minuten. Für alle, die 2020 in Kurzarbeit waren, kostenlos. Das Besondere: Hier musst du kein Vorwissen mitbringen, die App stellt dir “wie einem Freund” Fragen, z.B.: “Was hast du das Jahr über gemacht”?, um deine Anstellungsart einzuordnen.

Sieht aus wie ein Quiz, schönes Design, soll Spaß machen.

Wundertax

Noch eine App aus Berlin. 34,95€ pro Steuererklärung oder im Abo: drei für 89,95€.

Steuerbot

Laut eigener Aussage für 95% der Angestellten geeignet, richtet sich auch an Studierende und Azubis. Arbeitet mit vielen Emojis, richtet sich an die junge Zielgruppe.

Shownotes