Lasst uns über Schulden sprechen! Mehr als 580.000 Menschen waren 2018 bei einer Schuldnerberatung in Deutschland. Die Hauptauslöser für Überschuldung sind persönliche Schicksale, zumindest im Bevölkerungsdurchschnitt. Thomas und Ana geben in dieser Folge einen Überblick über Schulden, Kredite und den letzten Ausweg, die Privatinsolvenz.

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Privatschulden in Deutschland

Laut Statistischem Bundesamt lag das volkswirtschaftliche Schuldenvolumen 2019 bei rund 196,6 Milliarden Euro. Pro verschuldeter Person waren das durchschnittlich 28.200 Euro.  

Diese Zahlen ergibt eine Auswertung des Statistischen Bundesamts, die auf Angaben der ca. 1.450 Schuldnerberatungsstellen in Deutschland beruht. Mehr als 130.000 beratene Personen haben anonym Angaben gemacht, die dann hochgerechnet wurden. 

Wie viele Menschen in Deutschland haben also ein Problem mit Schulden? Ganz genau kann man das schwer einschätzen, aber einen Richtwert gibt folgende Zahl: 2019 waren 582.129 Menschen bei der Schuldnerberatung.

Welche Art von Schulden sind das?

  1. Kreditinstitute (11.657€ pro Person)
  2. andere Gläubiger (11.291€ pro Person)
  3. Inkassobüros (1.749€ pro Person)
  4. Telekommunikationsunternehmen (1.144€ pro Person)
  5. Vermieter (878€ pro Person)

Hauptauslöser der Überschuldung (=monatliche Gesamtausgaben > Einnahmen)

  1. Arbeitslosigkeit (19,9%)
  2. Erkrankung, Sucht, Unfall (16,3%)
  3. Sonstige (15,1%)
  4. Unwirtschaftliche Haushaltsführung (14,3%
  5. Trennung, Scheidung, Tod des Partners (12,5%)

Hier gibt es aber starke Unterschiede in den Altersgruppen:

Der Hauptauslöser für eine Überschuldung unter 25 Jahren war eine unwirtschaftliche Haushaltsführung, sprich kein Schicksalsfall oder Ähnliches/einfach zu viel ausgegeben/zu schlecht gewirtschaftet); bei über 65-Jährigen sind es Erkrankung, Sucht oder Unfall. 

Auch die Gläubigerart unterscheidet sich nach Alter:

Fast ⅔ der unter 25-Jährigen, die 2018 eine Schuldnerberatung in Anspruch genommen haben, hatten offene Rechnungen bei Telekommunikationsunternehmen – durchschnittlich 1.573 Euro.

Bei über 65-Jährigen sind Kreditinstitute ganz klar vorne, in der Gesamtbevölkerung sind es öffentliche Gläubiger (inkl. Finanzamt), gefolgt von Kreditinstituten.

Wen trifft es am häufigsten?

Von den mehr als 580.000 Menschen, die 2019 eine Schuldnerberatung aufgesucht haben, waren 272.890 Frauen und 309.240 Männer. Unter den Frauen waren viele Alleinerziehende: 81.020. Der Großteil der beratenen Personen war ledig (282.820).

Was das Alter angeht, waren die meisten beratenen Personen zwischen 25 und 35 Jahre alt (152.576), gefolgt von den 35- bis 45-Jährigen (148.483). 

Insolvenzen

Wie läuft eine Privatinsolvenz ab?

Das Verbraucherinsolvenzverfahren dauert drei Jahre (seit Oktober 2020, früher sechs) Jahre. Dabei wird ein Teil des Einkommens sowie gegebenenfalls Vermögen gepfändet – damit werden Teile der Schulden und der Insolvenzverwalter bezahlt. Der Freibetrag, den man als Alleinstehender behalten darf, beträgt derzeit 1.180 Euro. 

Die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland ist in den vergangenen 20 Jahren stark schwankend und hängt mit der Wirtschaftslage zusammen.

Kredit: Dispo, Hypothek & Co.

Viele Menschen überziehen jeden Monat ihr Konto, dann greift der sogenannte Dispokredit. Trotz der Niedrigzinsphase bezahlst du hier hohe Zinsen: ungefähr 7 bis 17 Prozent. Das ist die schlimmste Kreditfalle, denn der Dispo macht es einem sehr einfach. 

Man kann sich bei der Bank einen Dispo/Überziehungslimit einstellen lassen, um die Versuchung kleiner zu machen.

Auch Ratenkredite von Banken haben in der Regel hohe Zinssätze, denn: Sie sind nicht mit Sicherheiten gedeckt und “nur” durch dein Einkommen gesichert.

Finanzierungsschulden/Hypotheken: Wer ein Haus kauft oder einen Bildungskredit aufnimmt, investiert in die Zukunft – in der Regel steht dem Kredit also ein realer Gegenwert gegenüber. Diese Art von Kredit ist normalerweise wesentlich günstiger, denn es gibt ja eine Sicherheit.

Konsumschulden solltest du wenn möglich vermeiden. Finanzierungsschulden, die sinnvoll sind und unter gemäßigten Zinssätzen laufen, solltest du möglichst schnell zurückzahlen.

Auswege aus der Verschuldung/Schuldenabbau

Zunächst solltest du dir einen Überblick über deine Schulden verschaffen – z.B. in einer Excel-Tabelle inkl. Zinssätzen, Laufzeit und möglichen Sondertilgungsrechten.

Sondertilgungsrechte: Beim BaFög oder bei einem Bildungskredit der KfW kannst du in Sonderraten Teile deiner Schulden tilgen. Auch bei Hauskrediten gibt es manchmal solche Konditionen.

Bei den meisten Konsumschulden geht das leider nicht – die Banken erheben hier gerne Vorschusszinsen, lassen sich also dafür entschädigen, dass du die Schulden früher abbezahlen willst.

Ordnung in deine Finanzen bringen: Haushaltsbuch? Finanzielle Bildung? Laufende Kosten prüfen. → Vorlage auf der Finanzfluss Homepage.

Rückzahlungsplan erstellen: Wie viel bleibt dir jeden Monat übrig, welche Sondertilgungen kannst du vornehmen? 

Schuldenaufbau vorbeugen: Lehren ziehen, möglicher Neuverschuldung vorbeugen, indem du dir einen Puffer aufbaust – mindestens drei Nettogehälter auf dem Tagesgeldkonto/sofort verfügbar.

Wie geht es danach weiter?

Manche Experten empfehlen, erst alle Schulden abzubauen und sich dann um den Vermögensaufbau zu kümmern.

Andere schwören darauf, beides gleichzeitig anzugehen: Schuldenabbau und langsames Investieren/Rücklagen aufbauen. Was in eurem Fall mehr Sinn ergibt und vor allem emotional besser passt, liegt euch ganz selbst überlassen.

Fazit/Learnings

  • Wofür man letztendlich einen Kredit aufnimmt und wofür nicht, muss jeder selbst entscheiden – manche Menschen schrecken selbst beim Immobilienkauf vor Schulden zurück, andere finanzieren schon den Laptop auf Pump.
  • Man sollte früher mit finanzieller Bildung ansetzen
  • Wenn man merkt, dass es ein Problem gibt, ist es wichtig, sich Klarheit zu verschaffen: Welche Schulden habe ich bei wem? → Überblick, Plan machen, ggf. Hilfe holen

ℹ️ Weitere Infos zur Folge:
Hier findet ihr Beratung
Unser Video dazu, wie ihr aus den Schulden rauskommt

Quellen:
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Vermoegen-Schulden/_inhalt.html
https://www.capital.de/wirtschaft-politik/in-diesen-laendern-sind-privathaushalte-am-hoechsten-verschuldet
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Haushaltsverschuldung