Bestimmt hast du schon einmal von Dividenden gehört. Dividenden sind Gewinnbeteiligungen, die Aktiengesellschaften an dich ausschütten. Es kann sehr motivierend wirken, regelmäßig eine solche monetäre Rückmeldung zu erhalten. Doch wie kommt diese zustande und gibt es einen Haken daran?

Da der Fokus auf Dividenden eine beliebte Anlagestrategie ist, beschäftigen wir uns in dieser Exklusiv-Folge etwas intensiver damit. Wir besprechen, welche Dividenden-Arten es gibt, worauf es zu achten gilt, ob man eine Dividendenstrategie auch mit ETFs verfolgen kann und was die Vor- und Nachteile sind. Außerdem haben wir einen Gast zu Besuch, der selbst eine Dividendenstrategie verfolgt.

Dividende erklärt 

Als Aktionär wirst du Miteigentümer des jeweiligen Unternehmens. Durch die Dividende kann das Unternehmen dich am Gewinn beteiligen. Die Dividende wird pro Anteilsschein ausgeschüttet, je mehr Aktien, desto höher die Dividende. Du hast aber keinen Anspruch auf eine Dividende.

Die Höhe der Dividende wird auf der Hauptversammlung bestimmt, sie wird zum Ende des Geschäftsjahres/-quartals ausgeschüttet. Ein Unternehmen kann auch beschließen, keine Dividende auszuzahlen oder trotz ausbleibendem Gewinn eine Dividende ausschütten, was dann von der Unternehmenssubstanz abgeht. 

Der Unterschied zwischen Dividende und Zins:

Die Dividende ist der Teil des Gewinns, den eine Aktiengesellschaft an ihre Aktionäre ausschüttet. Sie ist freiwillig, kann komplett gestrichen werden.

Der Zins ist das Entgelt, das der Schuldner dem Gläubiger als Gegenleistung für vorübergehend überlassenes Kapital zahlt. Wenn du z.B. Geld in Anlagen überlässt, erhält der Geldnehmer zum Investieren und bezahlt dir dafür idR einen vereinbarten Zinssatz, der im Gegensatz zu einer Dividende fest vereinbart ist.

Ausschüttungsrhythmus: 

In Deutschland erfolgt die Ausschüttung jährlich zur Hauptversammlung (Saison: Februar bis Juli), in den USA z.B. auch monatlich oder quartalsweise. Es sind auch Sonderausschüttungen möglich. 

Für Investoren interessant: Das Datum der Hauptversammlung und die erwartete Höhe der Dividende kannst du im Dividendenkalender nachlesen. 

Sinkt der Kurswert nach Ausschüttung?

Jetzt könnte man natürlich sagen: Ich kaufe Aktien kurz vor der Hauptversammlung, kassiere die Dividende und steige wieder aus…funktioniert das?

Nicht wirklich:

Am Tag nach der Hauptversammlung notiert der Kurs der Aktie ”ex-Dividende“. Das heißt, der Wert des Unternehmens reduziert sich um die Ausschüttungssumme. Der Kurs bildet das nicht immer genau ab, denn andere Faktoren wie Angebot und Nachfrage spielen auch eine große Rolle. Oft steigt der Kurs eines Unternehmens aber kurz vor der Hauptversammlung genau deshalb an. 

In der reinen Theorie ist es ein Nullsummenspiel:

Liegt der Kurs am Tag der HV bei 20 Euro und wird eine Dividende von 2 Euro ausgezahlt, sinkt der Kurs am Tag nach der HV (Div-ex) rechnerisch auf 18 Euro. Natürlich schwankt das je nach Marktsituation. Und die Dividende wird versteuert.

Die Dividendenstrategie erklärt

Bei der Dividendenstrategie suchen Anleger in der Regel nach Aktien mit hoher Dividendenrendite. Die Dividendenrendite entspricht der jährlichen Dividende, geteilt durch den aktuellen Aktienkurs.

Es gibt weitere Faktoren wie die Zuverlässigkeit der Dividendenausschüttung und die Höhe/Wachstum der Dividende. Zurückgeführt wird die Strategie auf Börsenlegende Benjamin Graham, der in den 30er-Jahren die zehn dividendenstärksten Aktien aus dem Dow Jones gekauft hat. 

Attraktiv an der Dividendenstrategie ist für viele der Cashflow, den sie bringt, wenn man also regelmäßige Ausschüttungen will. 

Es gibt verschiedene “Unterstrategien” – z. B. die Aristokratenstrategie. Besonders beliebt sind sogenannte Dividendenaristokraten: Unternehmen, die seit mindestens 25 Jahren eine steigende Dividende ausschütten. In der Regel sind es antizyklische Unternehmen, die selbst in Wirtschaftskrisen Gewinne ausgeschüttet haben. 

Hochdividendenstrategie: Hier sucht man Aktien, die mehr als 5% Dividende versprechen. Achtung: Es gibt keine Garantie, dass Unternehmen die Dividende auch auszahlen/beschließen.

Dividenden-ETFs

Um den Aufwand geringer zu halten, könnte man auch in Dividenden-ETFs investieren…die Zahl der Angebote steigt. Diese drei fokussieren sich auf Dividendenaristokraten:

Vorteile der Dividendenstrategie

Die Dividendenstrategie vermittelt ein positives Gefühl, ist greifbar/intuitiv und lässt sich gut erzählen. So kann man z.B. erzählen: Die Dividende bezahlt mein Monatsabo für die Fahrkarte o. ä. – die regelmäßigen Geldausschüttungen motivieren viele Anleger, weil sie konkret sind / sichtbar Geld reinkommt.

Dividendentitel gelten als attraktiv, wenn sie eine konstante Dividendenausschüttung vorweisen → das kann ein Zeichen dafür sein, dass ein Unternehmen solide wirtschaftet.

Nachteile der Dividendenstrategie

  • Dividendenzahlungen sind freiwillig und nicht garantiert, in Krisenzeiten wird die Dividende oft gekürzt. Der Ex-Dividende-Effekt gleicht die Auszahlung dann wieder aus. 
  • Dividend Irrelevance Theory: Modigliani & Miller (Finanzmarktforscher): Wenn man Steuern und Kosten  nicht berücksichtigt, liefert die Dividendenstrategie keinen Wertaufschlag. 
  • Eine reine Dividendenstrategie, die nach Höhe der Dividende ausgerichtet, ist riskant und ergibt im aktuellen Kursumfeld (seit Jahren steigend) wenig Sinn → hier ist eine stärkere Diversifikation nach Ländern und Branchen (=marktneutrales Portfolio), oft renditereicher.
  • Nach der Effizienzmarkttheorie sollten Dividenden bereits im Kurs eingepreist sein, sprich der Kurs von Dividendentiteln höher notiert ist, wodurch die mögliche Aktienrendite geringer ausfällt

Shownotes