Wer zur Miete wohnt, gehört in Deutschland zur Mehrzahl. Über diese und weitere interessante Statistiken und Einblicke zum Thema Wohnen sprechen Thomas und Ana in dieser Folge. Wusstet ihr zum Beispiel, dass wir im europäischen Durchschnitt anteilig gar nicht so viel Geld für unsere Mieten ausgeben?

Außerdem klären wir die wichtigsten Fachbegriffe: Endlich versteht ihr, was der Unterschied zwischen Mietenspiegel, Vergleichsmiete und Mietendeckel ist. Und: Erfahrt, wo man in Deutschland durchschnittlich die höchste und wo die niedrigste Miete bezahlt.

Der Mietmarkt in Deutschland

42,1 Prozent der Deutschen leben in den eigenen vier Wänden, 57,9 Prozent zur Miete (Stand 2018). Das ist die höchste Quote innerhalb der EU.

Die Zahl der Miethaushalte verteilt sich auf 19.151.000 Wohngebäude. Unter den Privathaushalten sind 17,56 Millionen Einpersonenhaushalte – vor allem in Städten geht der Trend zur Singlewohnung.

Durchschnittlich bezahlen die Deutschen etwas mehr als ein Viertel ihres Nettoeinkommens für die Miete. Bei Einpersonenhaushalten sind es knapp über 30 Prozent, da die Mietlast nicht geteilt wird.

Anteilige Mietausgaben im europäischen Vergleich:

Eurostat hat die Konsumausgaben privater Haushalte für Wohnen und Energie je Einwohner und Jahr verglichen (Stand: 2019). Der Schnitt in der Eurozone liegt bei 4.340 Euro pro Jahr. Deutschland schneidet mit 4.950 Euro pro Jahr besser ab als zehn andere Länder – hier muss man jedoch im Hinterkopf behalten, dass die Mieten innerhalb Deutschlands sich regional stark unterscheiden.

Quelle: EuroStat, 2021

Mehr als drei Viertel der Deutschen (77%) leben in Städten. Laut ifo-Institut leben seit Mitte des 19. Jahrhunderts immer weniger Menschen auf dem Land. Los ging dieser Trend mit der Industrialisierung. Dazu kam der Trend der Suburbanisierung, also die Belebung der Vororte, auch “Speckgürtel” genannt.

Warum unterscheiden sich die Mieten innerhalb Deutschlands so stark? Hier spielen die Gehälter eine große Rolle – und, wie beliebt eine Region ist.

Welche Kosten kommen außer der Miete auf dich zu?

Noch vor dem Einzug wird die Kaution fällig. Diese darf laut Gesetz maximal drei Monatsmieten betragen und gibt dem Vermieter Sicherheit, falls die Wohnung schaden nimmt oder du deine Miete nicht begleichst.

Die Kaution muss der Vermieter am Ende des Vertragsverhältnisses inkl. Zinsen zurückzahlen, so kein Schaden vorliegt. Es gibt auch die Mietkautionsbürgschaft, wenn du das Geld nicht vorstrecken kannst – hier haftet eine Bank oder eine Versicherung. Du musst dafür aber eine jährliche Gebühr bezahlen.

Manchmal wünschen sich Vormieter oder Vermieter eine Abschlagszahlung für Möbel/andere Einrichtung. Das ist reine Verhandlungsbasis, du bist nicht verpflichtet, Möbel zu übernehmen, wenn du umziehst. Es könnte aber sein, dass dann die Wohnung an jemanden anderen geht. Wir empfehlen dir, zur Sicherheit einen Vertrag darüber abzuschließen.

In der Warmmiete enthalten sind die Betriebskosten – Kosten, die durch deinen Vermieter/die Hausgesellschaft abgerechnet werden. Du bekommst einmal jährlich eine Aufschlüsselung und ggf. eine Rückzahlung/musst eine Nachzahlung leisten. Die Betriebskosten enthalten z.B.:

  • Heizung (Instandhaltung)
  • Wasser und Abwasser
  • Kabel-TV oder Antenne
  • Fahrstuhl
  • Hausreinigung und Ungezieferbekämpfung
  • Gartenpflege
  • Beleuchtung (z.B. im Treppenhaus)
  • Straßenreinigung und Müllabfuhr
  • Hausmeister
  • Schornsteinfeger
  • gemeinsame Waschküche
  • Sach- und Haftpflichtversicherung
  • Grundsteuer
  • sonstige Betriebskosten, sofern diese im Mietvertrag genau benannt sind

Um Gas- (optional), Strom- und Internetanbieter muss sich der Mieter kümmern. Vergleiche am besten Tarife – hier kann sich ein jährlicher Wechsel lohnen. Mittlerweile gibt es auch Anbieter, die den Wechsel für dich unkompliziert organisieren.

Der Rundfunkbeitrag (ex GEZ) beträgt derzeit 17,50€/Monat und Haushalt; eine Befreiung ist unter Umständen für Studierende und andere Personengruppen möglich.

Wenn es um Versicherungen geht, raten wir zu einer Haftpflichtversicherung – fordern Vermieter manchmal auch ein. Eine Hausratversicherung kann Sinn ergeben, wenn du wertvolle Einrichtung besitzt.

Wohnung bekommen

Jeder kennt jemanden, der oder die auf Wohnungssuche ist. Doch wie findet man heute noch eine bezahlbare Wohnung und was muss man vor der Besichtigung tun, um seine Chancen zu erhöhen?

  • Bereite alle Dokumente vor, die Vermieter/Makler/Hausgesellschaften heutzutage erwarten: Arbeitsvertrag bzw. Gehaltsnachweis/Bürgschaft, Schufa-Auszug,

Mieterselbstauskunft (findest du oft auf der Website oder nach Anfrage), Mietschuldenfreiheitsbescheinigung, gegebenenfalls Lebenslauf

  • Suche auf mehreren Portalen, z.B. auch bei Kleinanzeigen, auf WG-Portalen oder in der Zeitung – hier sind weniger Makler unterwegs und die Chancen können höher sein
  • Tauschportale könnten eine Möglichkeit sein – zwischen Stadtteilen oder zwischen größerer und kleinerer Wohnung kann man hier sein Glück versuchen
  • Nutzt euer Netzwerk: Fragt Freunde, Familie, auf Social Media – manchmal hat man Glück
  • Dreht den Spieß um: Veröffentlicht ein Gesuch

Bei der Wohnungssuche begegnet ihr einer Menge Fachbegriffe, die nicht jeder kennt. Wir erklären euch mal die wichtigsten von ihnen.

Ein Überblick über die wichtigsten Begriffe:

Mietenspiegel: Vergleichsmiete in einer Wohngegend – berücksichtigt die Ausstattung, das Baujahr, den Lärmpegel. Wenn es in eurer Stadt einen Mietspiegel gibt, dürfen Mieter bei Neuvermietung maximal 10% über dem Mietspiegel vermieten. Gibt es keinen, sind es 20% über der ortsüblichen Vergleichsmiete.

Mietpreisbremse: Am 1.6.2015 ist das Gesetz zur Mietpreisbremse bei der Neu- oder Wiedervermietung von Wohnungen in Kraft getreten. Es setzt die Miete bei Neuvermietung auf maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete fest. Ausgenommen sind Neubauten und umfassend sanierte Wohnungen.

Mietendeckel: umgangssprachlich für “Gesetz für Neuregelung gesetzlicher Vorschriften zur Mietenbegrenzung”. Hier sollten Berliner Mieten für fünf Jahre eingefroren werden, Maximalmiete: 9,80€/m2. Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht den Mietendeckel gekippt.

*https://www.wenigermiete.de/*

Kaution: Geldsumme, die man als Sicherheit beim Mieter hinterlegen muss, in der Regel zwei bis drei Monatsmieten. Wenn du z.B. beim Auszug Schäden hinterlässt, darf der Vermieter die Kaution für Ausbesserungen verwenden. Die Kaution muss er sicher verwahren, z.B. auf einem extra Mietkautionskonto.

Es gibt auch die Mietkautionsbürgschaft, bei der z.B. die Eltern für die Kaution bürgen – dann zahlt man nur eine geringe Gebühr an den Vermieter.

Maklerprovision bei Miete: Es gilt das Bestellerprinzip – wenn der Vermieter also einen Immobilienmakler beauftragt, muss er die Provision dafür bezahlen, nicht der Mieter. Die Provision ist gedeckelt auf maximal zwei Nettokaltmieten plus Mehrwertsteuer.

Hier noch ein paar Tipps rund ums Thema Umzug und Mieten, die wir aus unserer Erfahrung teilen möchten:

  • Wer für den Job umzieht, hat gegebenenfalls Anspruch auf Sonderurlaub. Vor allem, wenn der Umzug während der Arbeitszeit stattfindet.

Auch manche Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen sehen so einen Sonderurlaub vor – teilweise sogar für mehr als einen Arbeitstag.

  • Studierst du noch? Dann halte Ausschau nach Rabatten – bei der Transporter-Miete, bei Umzugsunternehmen usw.
  • Jedes Jahr erhältst du als Mieterin eine Betriebskostenabrechnung, in der die Verwendung der Nebenkosten aufgeschlüsselt wird. Die solltest du nicht einfach ignorieren, sondern für die Steuererklärung aufbewahren! Die enthaltenen Lohnkosten für Reinigungsdienst, Handwerker usw. kannst du steuerlich geltend machen.
  • Du willst deine Wohnung untervermieten oder einzelne Zimmer an Mitbewohner vermieten? Informiere dich gut, um Schwierigkeiten zu vermeiden. Du brauchst eine Zustimmung des Vermieters oder der Hausgesellschaft, sonst droht dir der Rauswurf…und: Untervermietungen sind mit Einnahmen verbunden, die du in der Regel bei der Steuererklärung angeben musst.

Shownotes