Finanztipps für Studierende

Das Studium ist eine einzigartige Zeit, in der ihr viel lernt, aber auch viele Kosten anfallen. Im heutigen Podcast sprechen wir darüber, wie ihr ein Studium finanzieren könnt (auch ohne BAföG), warum Stipendien nicht nur was für Einserkandidaten sind und worauf ihr achten solltet, wenn ihr neben dem Studium arbeitet. Außerdem verraten wir euch, welche Steuertipps wir gerne vor dem Studium gekannt hätten – also hebt schön alle Belege auf…

Insgesamt gibt es rund 2,94 Millionen Studierende in Deutschland (Statistisches Bundesamt, Wintersemester 20/21). Viele Studierende in unserer Community → wir wollen mal genauer darüber sprechen, was das Ganze kostet, wie man es finanzieren kann und wo ihr clever sparen könnt!

Ausbildungskosten und Finanzierung

Durchschnittlich kostet ein Studium mit zehn Semestern (Bachelor und Master) laut Deutschem Studentenwerk zwischen 36.000 und 75.000 Euro, also 596 bis 1.250 Euro pro Monat. Mit eigenem Haushalt sind es monatlich durchschnittlich 918 Euro pro Monat, also insgesamt 55.000 Euro bei zehn Semestern. Das sind die Kosten für Leben und Studium. Je nachdem, wie ihr wohnt, kann es nach unten und nach oben weiter ausreißen.

BAföG

Laut Statistischem Bundesamt (Stand 2020) beziehen 465.543 Studierende in Deutschland BAföG, das sind aktuell rund 15,8 Prozent der Studierenden. Der durchschnittliche Förderbetrag liegt bei 574 Euro, die Gesamtausgaben des Staats bei 2,86 Milliarden Euro. 

Die genauen Voraussetzungen findet ihr im Internet unter bafög.de. Ob ihr berechtigt seid oder nicht, hängt v. a. vom Einkommen eurer Eltern ab, aber auch von euren eigenen Einkünften ( Freibetrag: 5.421 Euro jährlich) und eurem Vermögen (Vermögensfreibetrag: 8.200 Euro). 

Die aktuellen BAföG-Höchstsätze findest du online. Daneben gibt es auch elternunabhängiges BAföG, z. B. wenn du berufstätig bist oder im Ausland studierst. Besonders attraktiv ist BAföG wegen der sehr kulanten Rückzahlungsbedingungen: Wenn du dein Darlehen nach dem Studium auf einen Schlag zurückbezahlst, erhältst du einen Nachlass von bis zu 50 Prozent.

Soll ich mein Studium kreditfinazieren?

Einen Kredit so früh im Leben aufzunehmen, fühlt sich vielleicht nicht gut an. Aber: Es ist eine Investition in eure Zukunft und in euer Humankapital, kein sinnfreier Konsumkredit. Außerdem ist das Zinsumfeld gerade so günstig, dass ein Kredit mit super Konditionen kommt. Und: Er ermöglicht dir, dich auf dein Studium zu konzentrieren, statt ständig in fachfremden Bereichen zu jobben und dadurch dein Studium in die Länge zu ziehen = weitere Kosten.

Als Studentin/Student gelten für dich besondere Konditionen. Das Geld wird meist im monatlichen Rhythmus ausgezahlt und muss erst nach einer festgelegten Zahl an Jahren zurückgezahlt werden, wenn dein Studium beendet ist und du Geld verdienst. 

Am bekanntesten ist wohl der KfW-Kredit (Kreditanstalt für Wiederaufbau): 

Aktuell erhältst du bei der KfW-Bank zu 0 Prozent (bis Ende 2021, wegen Covid) bis zu 650 Euro Kredit pro Monat. Der Zinssatz ist variabel und wird immer für je ein halbes Jahr festgelegt. Du kannst auch einen festen Zinssatz vereinbaren, der je nach Zinsbindung entsprechend schlechtere Zinsen bringt. Ab 2022 gilt wieder der Effektivzins von momentan 3,91% pro Jahr.

Der Kredit kann flexibel zu Beginn oder während des Studiums beantragt werden, den Betrag kannst du frei wählen und die Summe ziemlich flexibel zurückzahlen. Du kannst den KfW-Kredit auch als BaföG-Empfängerin zusätzlich in Anspruch nehmen. Als Nachweis schickst du jedes Semester die Studienbescheinigung an die KfW.

Bedingung ist, dass deine Hochschule staatlich anerkannt ist, in Deutschland liegt, du im 1. bis 10. Fachsemester bist, volljährig bist, deutscher Staatsangehöriger bist oder bestimmte andere Bedingungen dafür erfüllst (Aufenthaltsgenehmigung/Familienzugehörigkeit etc.).

Nachteil: Der Betrag ist auf momentan 650 Euro monatlich gedeckelt – oder insgesamt 54.600 Euro für die Maximaldauer von 14 Monaten. Das reicht nicht für jeden aus.

Rückzahlung des KfW-Kredits

Der Kredit wird in gleich hohen monatlichen Raten zurückgezahlt. 5 Monate vor dem Beginn der Rückzahlung schickt euch die KfW-Bank einen Tilgungsplan für 10 Jahre zu, den man annehmen oder anpassen kann. Ihr könnt auch eine Karenzzeit einrichten, also die Rückzahlung nach hinten schieben.

Viele andere Kreditinstitute bieten Bildungs-/Studienkredite an, oft zu sehr guten Konditionen und mit flexibler Rückzahlung. Auch das Studentenwerk bietet Studienkredite an.

Achtet auf die Konditionen: Manche Kreditinstitute finanzieren nur ein Studium an Hochschulen in der jeweiligen Region, z. B. kleinere Banken. Wer sich einen Uniwechsel oder einen Aufenthaltsaufenthalt offenhalten will, sollte einen Kredit ohne diese Einschränkung suchen. Oft gibt es auch eine Altersgrenze, eine Semestergrenze oder einen Maximalbetrag. 

Bonität bei einem Studienkredit

Bei jeder Kreditaufnahme wird deine Bonität geprüft, u. a. mittels der Schufa. Einzig die KfW-Bank verzichtet ausdrücklich auf diese Bonitätsprüfung. In manchen Fällen wird als Sicherheit auch ein Bürge benannt – in der Regel Verwandte mit entsprechender Kreditwürdigkeit. Auch mit Versicherungen kann man einen Kredit absichern. 

Stipendien

Es gibt mehrere Hundert ganz unterschiedliche Stipendien, die dein Studium finanziell unterstützen, aber auch mit anderen Vorteilen wie Seminaren, einem Netzwerk usw. Dafür musst du kein Einser-Kandidat sein, es gibt viele Stipendien, die nach anderen Kriterien als dem Notenschnitt fördern.

Außerdem gibt es Stipendien, die sich rein auf Auslandsaufenthalte, Seminare, Sprachkurse o. ä. konzentrieren und diese fördern.

Eine Übersicht bekommst du auf Stipendienlotse.de, einer Website des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, oder z. B. auf mystipendium.de

Doch wie kommst du an ein Stipendium? Meist kannst du dich online mit deinen Unterlagen und Angaben bewerben und es gibt ein Auswahlverfahren mit unterschiedlichen Schritten.

Ein paar Beispiele:

  • Deutschlandstipendium: rund 28.000 Empfänger/innen in 2020, vergibt die größte Anzahl an Stipendien, gestützt von mehr als 8.000 Förderern, rund 226 Millionen Euro Fördersumme seit Beginn des Programms (29,4 Millionen in 2020)
  • Studienstiftung des Deutschen Volkes: geht vor allem nach Leistung (Begabtenförderung, unterstützt vom Bildungsministerium), je nach Einkommensstatus der Eltern und des Studierenden bis zu 640 Euro monatlich plus 300 Euro Büchergeld. 

Duales Studium 

Eine Kombination aus Studium und Ausbildung bietet das duale Studium – ein besonderer Anreiz: Du erhältst das gesamte Studium über ein Gehalt. Das Modell gibt es schon seit den 70er Jahren. 1972 wurde das “Stuttgarter Modell” der Öffentlichkeit vorgestellt, in dem akademische Bildung und praxisnahe Ausbildung verschmelzen sollen. Im selben Zug wurden Berufsakademien in Stuttgart und Mannheim gegründet. Aus der Modellphase wurde ein beliebtes Modell in unterschiedlichen Berufsfeldern, allen voran den Wirtschaftswissenschaften und der Informatik.

Eine Hochschule kooperiert dafür in der Regel mit einem Unternehmen oder einer Institution, es gibt verschiedene Blöcke: Praxis und Theorie wechseln sich ab.

2019 gab es laut “AusbildungPlus-Datenbank” 1.662 duale Studiengänge, über 51.000 Kooperationsunternehmen und mehr als 108.000 dual Studierende. Die Zahl steigt seit Jahren.

Vergütung im dualen Studium

Laut “Wegweiser Duales Studium”: von 700 Euro bis 1.800 Euro brutto im Monat. Außerdem übernehmen die Unternehmen oft (aber nicht immer) die Studiengebühren, anfallende Reisekosten oder weitere Zusatzleistungen.

Lohnt sich ein Studium aus finanzieller Sicht?

Natürlich solltest du die Entscheidung zum Studium nicht rein aus finanziellen Gründen fällen. Du solltest die Studienkosten jedoch bedenken und abwägen, ob ein Studium dich deiner gewünschten Karriere näher bringt. 

Es gibt einige Berufe, in denen ein Studium quasi verpflichtend ist (Arzt, Anwalt). Die höhere Qualifikation bietet in der Regel bessere Jobchancen und insgesamt verdient man im Laufe des Lebens durchschnittlich mehr, wenn man studiert hat.

Gegen ein Studium sprechen die Studienkosten und Opportunitätskosten: Als Azubi fängst du früher an, Geld zu verdienen – besonders stark fallen diese auf, wenn jemand spät in der Karriere noch mal studieren geht (Gehaltsausfall).

Kindergeld, Unterhalt, Krankenkasse

Kindergeld

Kindergeld gibt es maximal bis zum 25. Geburtstag (Ausnahme: Behinderung des Kindes). 

Wer als Student nebenbei arbeitet, gefährdet nicht die Kindergeldzahlung an die Eltern, solange es das Erststudium ist. 

Du darfst 20 Stunden pro Woche arbeiten – es gibt keine Einkommensgrenze. Du verlierst dann u. U. aber den Anspruch auf BAföG und die studentische Krankenversicherung.

Nur bei Hartz IV zählt Kindergeld zum Einkommen. 

Das Kindergeld soll die Eltern dabei unterstützen, dir einen guten Start ins Leben und Berufsleben zu ermöglichen. In Härtefällen können Kinder sogar vor Gericht ziehen, um Unterhalt einzufordern. Dann richtet man sich nach der Düsseldorfer Tabelle (Unterhalt).

1.160 Euro darf das Elternteil mindestens behalten. Der Unterhaltsanspruch richtet sich nach dem Einkommen des Elternteils.

Krankenversicherung

Die meisten Studierenden sind bis 25 über einen Elternteil kostenlos gesetzlich krankenversichert. Danach besteht weiterhin eine Versicherungspflicht – bis zum Ende des 30. Lebensjahres kann man von der studentischen Pflichtversicherung profitieren und viel Geld sparen: Je nach Versicherer kostet sie aktuell ab ca. 80 Euro monatlich, inklusive Pflegeversicherung ab ca. 100 Euro. 

Auch hier gibt es Ausnahmeregelungen – wenn du z. B. zu viel verdienst oder privat versichert bist / es für dein Studium sein musst (z. B. öffentlicher Dienst).

Tipp: Wenn du eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchtest, ist die Ausbildung der richtige Zeitpunkt! Dein Einstiegstarif wird niedriger sein, je früher du einsteigst. Denn du wirst als Berufsgruppe “Student” eingestuft, ganz egal, in welchem Bereich du später arbeitest.

Steuern sparen während des Studiums und danach

Insgesamt darfst du den Grundfreibetrag von aktuell 9.744 Euro (2021) verdienen, ohne darauf Steuern zu bezahlen. Was das Arbeitsvolumen angeht, gibt es folgende Grenzen für Studierende: 

Maximal darfst du als Werkstudentin 20 Wochenstunden arbeiten, außer in der vorlesungsfreien Zeit (inklusive Wochenende und Nachtarbeit). Diese Ausnahme erlaubt zwei Monate Vollzeitjob pro Jahr, bzw. 50 Arbeitstage. Für deinen Arbeitgeber fallen bis zu dieser Grenze keine Sozialabgaben an, du bist aber lohnsteuerpflichtig. 

Die Belege für Kosten fürs Studium (Miete, Studiengebühren, Fahrtkosten, Reisekosten, Umzugskosten, Arbeitsmaterial usw.) solltest du unbedingt aufheben! Du kannst sie bei deiner ersten Steuererklärung als Berufstätiger angeben und so einiges an Steuern sparen. 

So bleiben deine Kapitalerträge steuerfrei

Wenn deine Gesamteinnahmen unter dem Grundfreibetrag liegen, bezahlst du auch keine Kapitalertragssteuer. Um davon Anspruch zu machen, kannst du die sogenannte NV-Bescheinigung oder Nichtveranlagungsbescheinigung bei deiner Bank hinterlegen. Du kannst sie beim Finanzamt beantragen und sie ist bis zu drei Jahre gültig. 

So sparst du dir den Aufwand, eine Steuererklärung auszufüllen, und hältst dir die Möglichkeit offen, in deiner späteren Steuererklärung Studienkosten geltend zu machen – bis zu sieben Jahre rückwirkend nach aktuellem Stand.

Selbst wer nicht alle Belege aufgehoben hat, kann Pauschalen geltend machen bzw. Ausgaben mittels Kontoauszügen nachweisen. Das Zweitstudium (Master) oder ein duales Studium kannst du als Werbungskosten angeben. Via Verlustvortrag werden die abgesetzten Kosten dann mit deiner zu entrichteten Steuer verrechnet. Der Verlustvortrag greift, wenn du als Student weniger verdienst, als du hättest dürfen, und sozusagen einen Steuerbonus erlangst.

Das Erststudium (Bachelor) zählt zu den Sonderausgaben. Diese dürfen maximal bis 6.000 Euro verrechnet werden – aber nur im Jahr, in dem sie angefallen sind. Du kannst also keinen Verlustvortrag machen. 

Shownotes

Quellen:

​​https://www.sueddeutsche.de/bildung/studium-diese-finanztipps-sollten-studierende-beachten-1.3647716
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/221/umfrage/anzahl-der-studenten-an-deutschen-hochschulen/
https://www.unicum.de/de/studentenleben/geld-finanzen/lebenshaltungskosten-studium
https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Studieren-Qualifizieren/F%C3%B6rderprodukte/Bildungskredit-(173)/
https://www.wegweiser-duales-studium.de/infos/entwicklung-geschichte-statistik/
https://de.statista.com/themen/379/bafoeg/#:~:text=Im%20Jahr%202020%20bezogen%20rund,Empf%C3%A4nger%20um%20rund%20sechs%20Prozent.
https://studentensteuererklaerung.de/ratgeber-steuern/nur-noch-kurze-zeit-steuererklaerung-7-jahre-rueckwirkend/