Finanzfluss Exklusiv Podcast Cover mit Thomas und Ana

#229 Cashback und Kundenkarten: Schnäppchen oder Schein?

21. Oktober 2021

“Haben Sie eine Kundenkarte?” – diese Frage wurde uns allen schon mal an der Kasse von Supermärkten, Modeläden oder Drogeriemärkten gestellt. In unserem heutigen Podcast sprechen wir darüber, was hinter Cashback-Aktionen, Kundenkarten und anderen Rabattportalen steckt. Wir finden heraus, wie viel Geld man sparen kann und was der Haken an der Sache ist – denn: Ganz umsonst sind auch solche Rabatte nicht.

Überblick: das Konzept und der Markt der Cashback-/Kundenprogramme

Laut der repräsentativen Umfrage Bonusprogramm Monitor 2019 nutzt jeder deutsche Verbraucher im Schnitt 4,6 Bonus- oder Vorteilsprogramme. Es gibt unzählige Angebote, teils von den Geschäften selbst verbreitet oder unter dem Dach von großen Marken wie Payback oder Deutschlandcard. Laut EHI (Handelsinstitut) bieten 38,1 Prozent der großen und 23,8 Prozent der mittelständischen Händler eine eigene Bonus-/Rabattkarte an.

Daneben gibt es richtig viele Apps und Websites, auf denen ihr Sparaktionen, Geld-zurück-Artikel, Gratisprodukte usw. findet. Wir gehen in dieser Folge v. a. auf Cashback-Programme und Kundenkarten ein, natürlich gibt es zahlreiche weitere Sparmöglichkeiten, angefangen bei Coupons. 

Eine Auswahl der Angebote: 

  • Payback + Deutschlandcard

Payback ist Umfragen zufolge das erste Programm, das Menschen in Deutschland einfällt. Mehr als 600 Partnerunternehmen, auch Onlineshops. Jeder Punkt entspricht einem Cent, es gibt pro Produkt zwischen 0,5 und 5 Prozent des Kaufwerts an Punkten. Bei Sonderaktionen auch mal 25 Prozent oder mehr. Die Deutschlandcard funktioniert ähnlich.

Ab 200 Payback-Punkten kann man Punkte zu Prämien eintauschen – z. B. Einkaufsgutscheine, Elektrogeräte oder aber man spendet die Punkte. Alternativ kann man sich Bargeld auszahlen lassen oder die Punkte in Lufthansa-Meilen umwandeln lassen. Es gibt spezielle Aktionen mit Sonderpunkten, Rabatten etc.

  • Cashback-Apps wie Shoop, Scondoo + Spar-Apps wie Mydealz

Cashback heißt: bestimmte Produkte einkaufen und Geld zurückerhalten – man tauscht hier in der Regel seine Kundendaten gegen Geld ein. Shoop nutzen mehr als eine Million User, man kann sich ab einem Euro Ersparnis ausbezahlen lassen.

Apps und Websites wie Mydealz sind Community-basiert: Hier kann man Angebote teilen, diskutieren, es gibt ein Ranking. Von Staubsauger über kostenlose Nudeln bis Kreuzfahrtreise wird hier alles gepostet.

Man kann richtig viel sparen, muss aber Zeit aufwenden. Natürlich spielen diese Apps mit Gamification-Aspekten und Community Funktion – was dazu verleitet, sie oft zu nutzen und den Konsum anregen kann. Es gibt auch Apps, die das Gesparte automatisch auf dein Konto überweisen.

  • Kundenkarten wie Tchibo, Decathlon, Biomarkt

Die wohl “passivste” Art, Kundenprogramme zu nutzen, sind Kundenkarten von Läden, bei denen man sowieso einkauft. Hier kann man von speziellen Angeboten, Gratisprodukten, teilweise speziellen Rückgabebedingungen, kostenlosem Versand oder einer besonderen Garantie profitieren.

  • Meilen sammeln / Frequent Traveler Karten

Pro Meile gibt es in der Regel ein Punkt. Die gesammelten Meilen können u.a. für Flugbuchungen eingelöst werden, aber auch für Zusatzoptionen wie Extra-Komfort. Vor allem für Geschäftsreisende kann das attraktiv sein.

  • GfK 

Das größte Marktforschungsunternehmen in Deutschland belohnt Menschen, die ihren Einkauf scannen, mit Punkten. Die gesammelten Punkte kann man zu Prämien eintauschen – z. B. einen Ikea-Gutschein oder einen Fernseher.

Der Nutzen von Bonusprogrammen

In den USA gibt es sogenannte Couponer, die volle Einkaufswagen an Produkten umsonst “einkaufen”, durch Cashback-Aktionen kostenlos konsumieren, reisen usw. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Foren, in denen das Sparen diskutiert und geplant wird. Doch: Wie viel spare ich wirklich? Und: Braucht man diese ganzen Produkte? – Das ist eine andere Frage…

Das Sparpotenzial der verschiedenen Programme lässt sich schwer bemessen, denn jedes Angebot hat seine eigenen Regeln und je nach Produkt schwankt das Sparpotenzial. Das Vergleichmagazin Vergleich.org hat den Versuch einer Übersicht angestellt – und getestet, wie viel man bei einem Einsatz von 100 Euro etwa sparen kann:

https://www.onlinehaendler-news.de/online-handel/haendler/28358-cashback-studie-sparpotenzial-payback

Uebersicht Cashback Payback

Wer zahlt am Ende dafür? 

Payback allein hat im Jahr 2019 mehr als 312 Millionen Euro Umsatz erzielt. Das Unternehmen beschäftigt ca. 1.000 Mitarbeiter. Ein ziemlich großer Apparat, der einiges kostet – wer trägt diese Kosten?

Teilnehmende Händler bezahlen Gebühren an Payback für die Teilnahme am Programm, die technische Anpassung der Kassensysteme an die Kundenkarte usw. Kleinere Geschäfte geben die Preise, um konkurrenzfähig zu bleiben, ggf. sogar an dich als Kundin oder Kunde weiter.

Ein weiteres Finanzierungsmodell, v.a. bei Apps und Websites, sind Provisionen bzw. Affiliate-Marketing: Die Rabattplattform (“Publisher”) macht Werbung für ein bestimmtes Produkt oder einen Shop (“Advertiser”), wird am Kaufpreis beteiligt und gibt einen Teil davon an den Kunden weiter.

Einfluss aufs Kaufverhalten

Wenn uns als Kunden Schnäppchen, Prämien und Geld-zurück-Aktionen glücklich machen, hat der Handel sein Ziel erreicht: Wir fühlen uns gut und kommen als treue Kundinnen immer wieder zurück.

Bonusprogramme sind natürlich ein Marketingwerkzeug für Kundenbindung und Konsumanregung. Doch konsumieren wir wirklich anders bzw. mehr, wenn wir Kundenkarte, Cashback und Co. nutzen? Es gibt jedenfalls Anzeichen dafür.

Bonusprogramm Monitor 2019

Bonusprogramm Monitor 2019

Quelle: Splendid Research GmbH

Laut Bonusprogramm Monitor ist die Teilnahme an Bonusprogrammen für 53 Prozent der Befragten ist es eine der Motivationen, “neue Geschäfte zu entdecken”. 75 Prozent der Nutzer der Deutschlandcard finden sie “sympathisch und vertrauenswürdig”, das Marketing funktioniert also gut.

Eine Studie der GfK mit 30.000 Haushalten hat ergeben, dass Coupon-Nutzer im Schnitt 16% mehr Geld beim Einkauf ausgeben. Aus Händlersicht funktioniert es also. Die Kundenloyalität steigt laut GfK durch Coupons und Apps um ca. 12 Prozent. 

Ein weiterer Aspekt ist der ROTI, der Return on time invested , sprich die Gegenleistung für eure Zeit. Wer stundenlang Apps durchsucht, um ein Schnäppchen zu finden, sollte diese Lebenszeit bedenken. 

Daten gegen Rabatt? – Thema Datenschutz

Wenn du Cashback- und Kundenprogramme nutzt, solltest du dir darüber bewusst sein, dass du jede Menge intime Informationen mit dem Unternehmen teilst. Und zwar über Konsumgewohnheiten, Vorlieben und Abneigungen, Zahlungswilligkeit und Kaufkraft.

Viele der Angebote sind Apps, gelten auch in Onlineshops oder werden online verwaltet. Das macht es noch leichter für die Anbieter, deine Daten zusammenzufügen und ein Profil über dein Kaufverhalten zu führen. Dort liegen potenziell Infos wie Wohnort, Nachbarschaft, Kreditwürdigkeit, Interessen, Beruf, Gesundheitszustand.

Auch Geotracking könnte bei Apps eine Rolle spielen, sodass die Anbieter nicht nur wissen, was du wann und wo kaufst, sondern auch wo du dich gerade befindest und was du als nächstes kaufen willst. Die Dystopie lautet: individuelles Pricing. Je nachdem, wie deine Kaufkraft und dein Kaufverhalten aussehen, kostet ein Produkt weniger oder mehr für dich als für andere Kunden. Es wird herausgefunden, wie viel du zum jeweiligen Moment für das Produkt ausgeben würdest.

Die Bedeutung von Big Data wächst und die Algorithmen werden immer schlauer. Kundenaktionen sind immer ein Geschäft mit Daten – ob dir die Rabatte das wert sind, musst du persönlich entscheiden. „90 Prozent aller heute auf der Welt existierenden Daten wurden in den letzten zwei Jahren generiert. Jeden Tag kreieren wir zweieinhalb Mal so viele Daten, wie wir 2004 im Monat im gesamten, globalen Internet bewegten“, schreibt der Wissenschaftsjournalist Rudi Klausnitzer in seinem Buch „Das Ende des Zufalls: Wie Big Data uns und unser Leben vorhersagbar macht“.

Gesetzlich lautet die Regelung so: Unternehmen dürfen nur diejenigen Kundendaten speichern, die zur Abwicklung des Programms nötig sind. Dies ist jedoch ein dehnbarer Begriff. Neben deinen Personendaten werden in der Regel auch Umsatz, Ort, Datum deines Einkaufs gespeichert. Wenn ein Unternehmen weitere Daten speichern will, muss es deine Zustimmung gesondert anfordern.

Pro und Contra – Fazit

Kundenkarten, Cashback-Programme und andere Vorteilsangebote können eine Möglichkeit sein, Angebote zu entdecken und Geld zu sparen. Ihr solltet euch das jeweilige Angebot vor der Teilnahme genau ansehen, denn ihr teilt dabei eure Daten.

Wer Stammkunde bei einem Geschäft ist, kann auch durch Punkte sammeln bares Geld sparen – nach dem Motto “Kleinvieh macht auch Mist”. Für viele Menschen ist die Schnäppchenjagd ein Hobby, und auf Apps und Websites können sie eine gute Community an Gleichgesinnten finden. Allerdings sollte man sich dessen bewusst sein, dass Kundenprogramme auch dazu verleiten können, mehr zu kaufen bzw. Dinge zu kaufen, die man nicht wirklich benötigt.

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