Finanzfluss Exklusiv Podcast Cover mit Thomas und Ana

#233 ADRs: Investieren in China & Co.

4. November 2021

ADRs (American Depositary Receipts) verschaffen uns Zugang zu Wertpapieren, die nicht direkt in den USA bzw. in Europa gelistet sind. Was es mit dieser Art von Verbriefung auf sich hat, wie – und ob – ihr in ADRs investieren solltet, besprechen Ana und Thomas in dieser Folge Finanzfluss Exklusiv.

Was sind ADRs?

American Depositary Receipts, kurz ADRs,  sind von US-Banken ausgegebene Hinterlegungsscheine, die den Besitz von Aktien von Nicht-US-Unternehmen verbriefen. ADRs werden stellvertretend für die Originalaktie gehandelt, ermöglichen also ein indirektes Investment.

ADRs gelten für eine, mehrere oder Teile von Aktien; der Adidas-ADR zum Beispiel entspricht einer halben Adidas-Aktie. ADRs werden von US-Depotbanken ausgegeben, sie erleichtern Geschäfte mit ausländischen Wertpapieren in den USA von Unternehmen, denen der Zugang sonst erschwert ist.

Rein optisch könnt ihr in den USA gelistete ADRs gut im Fact Sheet erkennen, sie beginnen mit “US”, obwohl es sich um kein amerikanisches Unternehmen handelt. Eine große Zahl an asiatischen Unternehmen sind in den USA als ADRs im Umlauf (z. B. Alibaba, Tencent, Nokia), dies hat vor allem regulatorische Gründe im Heimatland des emittierenden Unternehmens. Doch auch deutsche Aktien wie die Allianz oder Adidas werden als ADR auf dem US-amerikanischen Markt gehandelt.

Warum braucht man ADRs?

In manchen Ländern dürfen Ausländer keine Aktien von Firmen bestimmter Industrien kaufen, in China gibt es beispielsweise Einschränkungen für Wertpapiere von Internetunternehmen. Seit 2021 können Investoren im Ausland nicht mehr in solche chinesische Unternehmen investieren, die Daten von mehr als einer Millionen Nutzern speichern.

ADRs können auch von Unternehmen ausgegeben werden, die kein komplettes Zulassungsverfahren für die (amerikanische) Börse nach den Regeln der United States Securities and Exchange Commission  abgeschlossen haben (dies ist sehr teuer und aufwendig).

Eine weitere Hürde für das Listing ausländischer Unternehmen in den USA: Es sind nur Namensaktien zugelassen, keine Inhaberaktien. ADRs sind außerdem attraktiv für Akteure wie Lebensversicherungen, Pensionsfonds oder Kreditinstitute. Diese haben gesetzliche Bestimmungen, die ihnen nur begrenzt erlauben, in ausländische Wertpapiere zu investieren (ADRs sind möglich).

Sponsored und unsponsored ADRs

Gesponsorte ADRs sind solche, bei denen das ausländische Unternehmen einen Vertrag mit der US-Depotbank abschließt, in dem die beiden Partner sich über Kommunikation, Zahlungsvorgänge u.ä. einigen (z. B. Alibaba und Citibank).

Bei ungesponsorten ADRs besteht keine Beziehung zwischen Unternehmen und Broker oder Bank, die Initiative geht also rein von der Handelsplattform aus. Trotzdem muss der Emittent die Regeln für Handel von Zertifikaten erfüllen. Das führt oft zu eingeschränkten Stimmrechten. Mehrere Depotbanken können dasselbe ausländische Wertpapier als ungesponserten ADR herausgeben.

Verschiedene Level von ADRs

Je nach Zugang zum US-Markt werden ADRs verschiedenen Leveln zugeteilt:

  • ADRs der Level eins und zwei erlauben dem ausländischen Unternehmen nicht, Kapital in den USA einzusammeln – das geht nur nach einer Registrierung und jährlichen Reports.
  • Mit Level-drei-ADRs kann das ausländische Unternehmen nicht nur gehandelt werden, sondern auch Kapital einsammeln. Auch hier sind jährliche Reportings nötig.

Der Markt der ADRs 

Der erste ADR wurde 1927 herausgegeben, um US-Amerikanern Investments in ein britisches Unternehmen zu ermöglichen. Heute gibt es laut der US-Regierung mehr als 2.000 ADRs, die Wertpapiere aus über 70 Ländern repräsentieren. Eine Übersicht der bekannten ADRs findet ihr hier. 

Vorteile von ADRs

Für Unternehmen im Ausland bedeuten ADRs Zugang zu ausländischem Kapital ohne den aufwendigen Prozess des Listings sowie den Zugang zu Handelsbeziehungen.

Für Investoren schaffen sie Zugang zu ausländischen Wertpapieren und damit eine Möglichkeit der Diversifizierung. 

In der Handhabe sind ADRs Einzelaktien ähnlich. Der Handel von ADRs passiert in der Heimatwährung im Heimatmarkt.

Ein weiterer Beweggrund für ADRs: Regulierungen, die es Investoren verbieten bzw. erschweren, in ausländische Unternehmen zu investieren, Beispiel China. 

Der Vorteil aus der Sicht von Ländern wie China: Unternehmen erhalten Zugang auf ausländisches Kapital und der Heimatmarkt behält trotzdem die Kontrolle.

Ein weiterer wichtiger Grund für ADRs in den USA lautet: Pensionsfonds und Lebensversicherungen sind weit verbreitet, haben aber bestimmte Auflagen, was Investments ins Ausland angeht. ADRs sind ein Umweg, um ins Ausland zu investieren, denn sie werden wie amerikanische Aktien behandelt.

Nachteile und Risiken von ADRs

Die Anbieter von ADRs erheben in der Regel Verwahrungsgebühren und Service Fees (Verwaltungsgebühren) für die Zurverfügungstellung der Zertifikate. Manche Anbieter erheben weitere Gebühren wie Währungsgebühren oder Gebühren für die Dividendenverteilung.

ADRs sind an die emittierende Bank oder Börse gebunden und können im Fall einer Insolvenz wertlos werden. Die Unternehmen, auf die man ein Zertifikat erwirbt, können die Regeln für den Besitz von Zertifikaten bestimmen. Neben dem Emittentenrisiko trägst du als Investorin auch ein Währungsrisiko: dann nämlich, wenn die Währung des Unternehmenssitzes im Vergleich zum US-Dollar abstürzt.

Darüber hinaus besteht ein politisches Risiko: Wenn durch politische Entscheidungen die Währung schwankt oder das Unternehmen in strukturelle Schwierigkeiten gerät. Und: Oftmals liegen nur eingeschränkte Informationen über Bilanzen des Unternehmens vor, je nach Level des ADRs.

Was du beim Investieren in ADRs / GDRs beachten solltest

  • Achte besonders auf die Gebühren, die anfallen – oft werden sie bei der Dividendenausschüttung einbehalten.
  • ADRs sind genauso steuerpflichtig wie andere Aktien, sprich Dividenden und Gewinne.
  • Die Auflagen für Reportings können sich im Land des Listings unterscheiden – deshalb prüfe noch genauer, worin du investierst.

Was ist besser: Aktien direkt kaufen oder den ADR?

  • Wenn du die Wahl hast, investiere besser direkt in eine Aktie. In den meisten Fällen ist diese liquider und mit engeren Spreads handelbar, außerdem entfällt das Kontrahentenrisiko.
  • Im seltenen Fall, dass ein ADR aufgelöst wird, informiert dich die Depotbank darüber und du kannst die ADRs verkaufen / ggf. in Aktien umwandeln. Das ist aber aufwendig und funktioniert nicht immer fließend.

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