Finanzfluss Exklusiv Podcast Cover mit Thomas und Ana

#249 Mitarbeiteraktien: guter Deal mit Kleingedrucktem

30. Dezember 2021

Belegschaftsaktionäre machen rund 30% der Aktionäre in Deutschland aus. Viele börsengelistete Unternehmen bieten Mitarbeiteraktien zum Vorzugspreis an. Auch Startups können sogenannte virtuelle Anteile herausgeben.

In dieser Folge Finanzfluss exklusiv erklären wir, wie solche Beteiligungen ablaufen, was Vor- und Nachteile sind und was du als Belegschaftsaktionärin bei der Steuererklärung beachten musst.

Mitarbeiterbeteiligungen

Nicht nur durch das Gehalt können Mitarbeiter vom Gewinn ihres Unternehmens profitieren – die Kapitalbeteiligung ist eine weitere spannende Möglichkeit. Je nach Unternehmensform gibt es verschiedene Möglichkeiten, Mitarbeiterinnen am Kapital zu beteiligen – die wohl beliebteste Form sind Mitarbeiteraktien, also eine Eigenkapitalbeteiligung.

Mit einer Mitarbeiterbeteiligung gewährt eine Aktiengesellschaft ihren Arbeitnehmern ein Bezugsrecht auf unternehmenseigene Aktien. Diese Belegschaftsaktien werden zu vergünstigten Konditionen angeboten – oft in unternehmensinternen Programmen.

Weitere Formen der Kapitalbeteiligung sind:

  • Die Ausgabe von GmbH-Anteilen– hier wird der Mitarbeitende am Stammkapital beteiligt, erhält Informations- und Abstimmungsrechte; diese Form ist in der Praxis selten
  • Kommanditanteile oder Genossenschaftsanteile – auch hier erhält der Mitarbeitende Stimmrechte, weil er oder sie Gesellschafter wird
  • Beteiligung über einen Fonds, Mitarbeiterdarlehen/-Mitarbeiterguthaben

Mitarbeiteraktien

Die wohl bekannteste Art der Kapitalbeteiligung sind Mitarbeiter- oder Belegschaftsaktien. Sie bieten Arbeitnehmern die Möglichkeit, Aktien von börsennotierten Unternehmen zu vergünstigten Konditionen zu beziehen, z.B.: “Kaufe zwei und bekomme eine gratis”.

Bekannte Beispiele: Daimler, SAP, RWE, Lufthansa, Amazon. Seit einer Steuerreform im Juli sind Mitarbeiteraktien seit Juli 2021 noch attraktiver, denn der Freibetrag wurde erhöht (s. “Steuern bei Mitarbeiteraktien”).

Teils werden Mitarbeiteraktien auch Aktien als Teil des Gehalts oder als Bonus für Manager ausgezahlt. Die Ausgabe erfolgt im Rahmen eines Employee Stock Ownership Program (ESOP).

Bedingungen bei Mitarbeiteraktien:

  • Oft eine spezielle Haltedauer, Standard sind 5 Jahre (außer: Tod/Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers)
  • Mindestzeit im Unternehmen (z.B. Mitarbeiter seit 2 Jahren)
  • Davor gilt die “Vesting Periode”: eine Wartefrist, während der der Mitarbeiter lediglich eine Anwartschaft hat, danach entsteht der bedingte Anspruch definitiv und losgelöst vom Fortbestand des Arbeitsverhältnisses

Virtuelle Beteiligungen (Optionen)

Sogenannte Virtuelle Beteiligungen sind vor allem für Startups und andere kleinere Unternehmen, die nicht börsengelistet sind, eine interessante Möglichkeit, ihre Belegschaft am Gewinn zu beteiligen. Die Studie #ESOPasap hat ergeben, dass für 77 Prozent der Mitarbeiter*innen Mitarbeiterbeteiligung die Anerkennung persönlicher Leistung bedeutet und 66 Prozent sehen darin eine starke Identifikation mit dem Startup und seinen Zielen.

Virtuelle Beteiligungen sind rein schuldrechtliche Beteiligungen, also keine direkten Kapitalbeteiligungen (wie z. B. Aktien oder GmbH-Anteile).

Virtuelle Beteiligungen sind aber echten Kapitalbeteiligungen nachgebildet. Mitarbeiter sind damit nicht direkt am Unternehmen beteiligt, haben daher keine Mitbestimmungs- und Stimmrechte in der Gesellschafterversammlung. Sie können aber an der Wertsteigerung des Unternehmens teilhaben.

Für virtuelle Beteiligungen werden gerne Phantom-Stocks eingesetzt: Sie bilden den Wert eines Geschäftsanteils nach (z. B. Aktie/GmbH-Anteil). Es gibt auch virtuelle Dividenden; die Ausgestaltung kann jedes Unternehmen selbst vornehmen..

Unterschied zwischen echten und virtuellen Beteiligungen

Echte Beteiligungen:

  • gesellschaftsrechtliche Kapitalbeteiligungen (z. B. Aktien, GmbH-Anteile, KG-Anteile) oder schuldrechtliche Beteiligungen (z. B. Genussrechte, partiarische Darlehen, stille Gesellschaften)
  • Mitarbeiter zahlen Kapital in die Gesellschaft ein und werden damit zu Gesellschaftern oder erhalten eine ähnliche Stellung.

Virtuelle Beteiligungen:

  • Mitarbeiter werden vertraglich so gestellt, als wären sie Aktionäre oder Gesellschafter und nehmen an der Wertentwicklung teil.
  • Ein möglicher Vorteil aus Sicht der Gründer: Die Mitarbeiter werden nicht zu echten Gesellschaftern.
  • Oft wollen Mitarbeiter auch nicht das Risiko eines Gesellschafters tragen (Kapitalrisiko).

Wie verbreitet sind Mitarbeiteraktien?

Laut Deutschem Aktieninstitut gab es im Jahr 2020 rund 1,6 Millionen Belegschaftsaktionäre, 550.000 mehr als 2019. 30 Prozent der deutschen Aktionäre sind sogenannte Belegschaftsaktionäre. Das heißt, sie halten Aktien ihres eigenen Arbeitgebers.

Motivation für Unternehmen

Warum Unternehmen ihren Mitarbeitern vergünstigt Aktien anbieten:

Unternehmen haben durch die Ausgabe von Mitarbeiteraktien die Möglichkeit, sich an der Vermögensbildung ihrer Arbeitsnehmer zu beteiligen. Sie können den Aktienbesitz streuen und Arbeitnehmer an sich binden – so wird die Loyalität erhöht und die Fluktuation niedrig gehalten.

Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sehen 89,4 Prozent der befragten Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Mitarbeiterbeteiligungsprogramme als relevant oder eher relevant für die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern an.

Steuern bei Mitarbeiteraktien

Vergünstigte Aktienbezüge sind als “geld­werter Vorteil” bei der Steuererklärung anzugeben und zu versteuern. Bisher lag der Sachbezug, sprich der Freibetrag für den “geschenkten Teil” bei 360€. 2021 wurde dieser auf 1.440€ vervierfacht durch das Fondsstandortgesetz (2021).

Startup-Unternehmen (bis 12 Jahre alt) können ihren Mitarbeitern Beteiligungen anbieten, die erst zu einem späteren Zeitpunkt versteuert werden müssen. Erst die tatsächliche Ausübung der Aktienoption, auch Exercise genannt, führt also zum Zufluss des geldwerten Vorteils – erst dann muss dieser versteuert werden.

Oft orientieren sich Unternehmen an den Freibeträgen, um den Mitarbeitern den größten Nutzen zu ermöglichen. Beim Deutschen Aktieninstitut kann man die Rendite und Entwicklung von Mitarbeiteraktien (Rendite-Dreieck) berechnen.

Beispiele

  • Siemens gibt seit 1969 Mitarbeiteraktien aus. Rund 80% der Mitarbeiter sollen heute beteiligt sein – damit liegen mehr als 3% aller Siemens-Aktien bei der Belegschaft
  • Bei BASF gibt es seit 1999 das Aktienprogramm “Plus”, das eine variable Vergütung vorsieht. Nach einem bestimmten Zeitraum hat man Anspruch auf eine Gratisaktie

Vorteile von Mitarbeiteraktien

  • attraktive, exklusive Angebote
  • Motivation, am Aktienmarkt teilzunehmen (für manche der Einstieg ins Investieren)
  • (bei Aktien als Teil des Gehalts): geradezu “passiv” gesteuertes Investieren/Geld anlegen
  • Rendite-Vorsprung durch günstige Konditionen

Nachteile und Risiken von Mitarbeiteraktien

  • Einzelaktienrisiko: betrifft alle Einzelaktien – die Aktie kann durch Verluste deine Vergünstigung “wettmachen”
  • Klumpenrisiko: Übergewicht der Aktie des eigenen Unternehmens. Dazu zählt auch das Humankapital, denn: Dein zukünftiger Verdienst hängt vom Erfolg des Unternehmens ab; dieser Effekt wird durch Belegschaftsaktien verstärkt
  • Falsches Sicherheitsgefühl: “Man kennt das Unternehmen” – Nicht immer hat man als Mitarbeiterin einen ausreichend guten Einblick in die Entwicklung des Aktienkurses.

Fazit

Mitarbeiteraktien sind in vielen Fällen ein guter Deal, den du nutzen solltest, solange die Anteile nicht stark übergewichtet sind. In der Regel ist der Anteil der Mitarbeiteraktien ohnehin begrenzt, z.B. am Bruttojahresgehalt gemessen.

Um ein Verklumpen deines Portfolios zu vermeiden, kannst du nach der Haltefrist Anteile verkaufen und in ein breites Portfolio umschichten.

Kommentare (8)

T

Tom

sagt am 30. Dezember 2021

Hi, wie muss das ganze in AT versteuert werden, wenn man vergünstigt Aktien seines Arbeitgebers kaufen kann? Gibt ja leider keinen Freibetrag. Danke und lg

P

Philipp

sagt am 31. Dezember 2021

Hey, ich besitze seit 2014 MA bei Siemens. Dort ist es so geregelt das man max 360 einmalig Zahlen kann und die Firma 360 Euro dazugibt. Nach 3 Jahren Halten der Aktien aus diesem Programm bekommt man Aktien geschenkt im Verhältnis 3 zu 1. Zusätzlich kann man noch maximal 8% seines Gehalts Monatlich Investieren. Diese gewonnen Aktien zählen dann auch zu dem 3 zu 1 Verhältnis. Versteuerung der geschenkten Aktien kann man über das Gehalt machen oder durch den Verkauf von Anteilen. Habe auch vor in den nächsten Jahren immer wieder Anteile zu Verkaufen und in ETFs umzuschichten, da das Klumpenrisiko sonst zu hoch wird.

Ana Bilandzija

Ana Bilandzija

Autorin

sagt am 03. Januar 2022

Hi Philipp, danke für den Einblick! Interessant finde ich die Versteuerung direkt über das Gehalt.

P

Philipp

sagt am 03. Januar 2022

Wir können über das Gehalt (müsste Februar oder März sein), die Steuern für die für die Geschenkten Aktien abführen. So wie ich das verstanden hab muss man dort ja trotzdem Steuern zahlen. Alternativ kann man auch Anteile Verkaufen lassen, wenn es das Gehalt nicht zulässt bzw. man das volle Gehalt benötigt. Es gibt bei uns ebenfalls bei längerer Firmenangehörigkeit auch Aktien geschenkt.

S

Steeven

sagt am 02. Januar 2022

Wenn ich das so höre haben wir bei SAP echt ein top Mitarbeiteraktienprogramm. Wir können bis zu 10% unseres monatlichen Bruttolohns in Aktien investieren. Der Arbeitgeber gibt dann nochmal 40% on top dazu (+10 oder 20€ "Handelplatzgebühren" da bin ich mir grade nicht sicher). Eine Haltefrist gibt es bei uns nicht. Es dauert immer bis ca. den 8. des Monats bis die Aktien auf dem Depot sind dann könnte man sie auch direkt verkaufen und dann das Geld z.B. in ETFs anlegen. Damit kann man die meisten Nachteile von Mitarbeiteraktien (Klumpenrisiko etc.) umgehen. Natürlich wird das nicht im Sinne des Arbeitgebers sein. Richtig nett werden die Monate Januar - März 2022. Da SAP 50 Jahre wird gibt es sogar einen Zuschuss von 80%. Angeblich nehmen bei uns auch 96% der Mitarbeiter an dem Programm teil. Steuerlich muss man auch nichts beachten weil es direkt bei der Gehaltsabrechnung als Geldwertervorteil verrechnet wird.

M

Maleen

sagt am 02. Januar 2022

Hi, tolles Thema für einen Podcast! Ich nehme auch am Aktienprogramm meines Arbeitgebers teil. Wir können sogar bis zu 15% unseres Bruttogehalts in MA investieren und bekommen die Aktien 15% günstiger. Sollte man die maximalen 15% des Gehalts investieren? Allerdings werden die Aktien auf ein US-Depot eingezahlt und können nicht auf ein deutsches Depot übertragen werden. Was ist hier die günstigste Strategie um seine Aktien nach D. zu holen bzw. Ist das überhaupt notwendig? Freue mich auf eure Rückmeldung! Danke :)

Ana Bilandzija

Ana Bilandzija

Autorin

sagt am 03. Januar 2022

Hi Maleen, danke! Es freut uns zu lesen, dass in unserer Community viele Belegschaftsaktionär(innen) unterwegs sind. Zu deiner Frage können wir dir leider keine Beratung geben. Wir hoffen, dass dir jemand im MA-Programm des Unternehmens weiterhelfen kann.

S

Sascha

sagt am 03. Januar 2022

Wir haben die Wahl zwischen 2 verschiedenen Möglichkeiten: 1. Klassisch MA mit Preisvorteil kaufen & 5 Jahre halten. Dividenden gehören mir. Max 25% vom Jahresgehalt investierbar (franz. Recht). Verlust möglich. Aktien verbleiben nach den 5 Jahren im Depot oder können verkauft werden. 2. Gehebelt Investition wird von Partnerbank verzehnfacht und in einen Fonds eingezahlt, dessen Kurs sich an der Aktie orientiert. Durch die Verzehnfachung sind überdurchschnittlich hohe Gewinne möglich, die zum allergrößten Teil dem Mitarbeiter zufließen. (relativ komplexe Berechnung, die den Rahmen hier sprengen würde) Keine Dividende für den MA, die geht an die Bank. 2,5% vom Jahresgehalt sind investierbar (da inkl. Aufstockung durch Partnerbank die obigen 25% nicht überschritten werden dürfen). Garantie der Investition durch die Bank, d.h. auch wenn es schlecht läuft, bekommt man mindestens sein investiertes Kapital zurück. Nach 5 Jahren wird das Investment aufgelöst, es kommt also in jedem Fall zu einer Auszahlung. Die zweite Variante ist sehr attraktiv, da das investierte Geld relativ risikolos angelegt wird (denn die Garantie erfolgt durch die Bank, nicht durch den Arbeitgeber). Es entgehen uns Mitarbeitern nur die Dividenden und die Opportunitätsrendite, die eine vergleichbar sichere Investition erbracht hätte. Sobald man dieses Angebot 5x in Folge genutzt hat, trägt es sich im Grunde selbst (wie bei einer Festgeldleiter). Lediglich ein erhöhter Investitionsbetrag zb durch Gehaltssteigerungen müsste ausgeglichen werden.


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