Rechtsschutzversicherung – darauf solltest du achten

Eine Rechtsschutzversicherung deckt die Rechtskosten ab, die für die Durchsetzung deines Rechts anfallen. Damit sind z.B. die Kosten rund um einen Gerichtsprozess gemeint, aber auch das Honorar eines Mediators oder eine Strafkaution.

Was du wissen solltest
  • Eine Rechtsschutzversicherung setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen, zum Beispiel Privatrechtsschutz, Berufsrechtsschutz, Wohnrechtsschutz oder Verkehrsrechtsschutz.
  • Einige Fälle sind aus der Rechtsschutzversicherung ausgeschlossen: z.B. familienrechtliche Streitigkeiten, Hausbau/Hauskauf & risikoreiche Kapitalanlagen
  • Meistens gibt es eine Wartezeit von 3 Monaten, bis du deine Rechtsschutzversicherung nutzen kannst.
Wie du vorgehst
  • Überlege, ob du eine Rechtsschutzversicherung benötigst: Sind durch eine Haftpflichtversicherung und eine KFZ-Versicherung vielleicht schon die wichtigsten Punkte abgedeckt? Könnte ich einen Rechtsstreit notfalls selbst finanzieren?
  • Welche “Bausteine” der Rechtsschutzversicherung benötigst du? In welchem Fall ist ein Rechtsstreit am wahrscheinlichsten?
  • Vergleiche verschiedene Tarife und wähle den günstigsten Tarif für genau die Leistungen, die du benötigst.
Inhalte

Die Bausteine einer Rechtsschutzversicherung

Wichtig für dich zu wissen: Rechtsschutzversicherung ist nicht gleich Rechtsschutzversicherung. Es gibt verschiedene Arten, die zu zu einem für dich passenden Versicherungspaket zusammenstellen kannst.
Die verschiedenen Arten von Rechtsschutzversicherungen decken ganz unterschiedliche Bereiche des Lebens ab. Es handelt sich gewissermaßen um ein Baukastenprinzip und nicht um ein Rundumpaket, wie du es vielleicht von einer Haftpflichtversicherung kennst. Das sind die wichtigsten Bausteine, es gibt jedoch noch einige weitere:

  • Privatrechtsschutz

  • Berufsrechtsschutz

  • Wohnrechtsschutz

  • Verkehrsrechtsschutz

  • Bauherren-Rechtsschutz

Privatrechtsschutz

So schließt der Baustein Privatrechtsschutz vieles von dem ein, was das Privatleben betrifft. Beispielsweise steht dir eine Privatrechtsschutzversicherung dann zur Seite, wenn du aufgrund eines Behandlungsfehlers Schmerzensgeld vom Arzt einklagen möchtest.

Auch dann, wenn Handwerker bei ihren Arbeiten pfuschen oder du rund um deine Urlaubsreise abgezockt wirst, hilft dir dein Versicherer bei der Durchsetzung deines Rechts. Lässt sich Ärger mit dem Finanzamt nur gerichtlich klären, ist die Versicherung ebenfalls zur Stelle. Zudem können Streitigkeiten in Unterhaltsfragen, beim Sorgerecht oder im Rahmen einer Erbschaft auftreten. Allerdings kann es sein, dass Versicherer diese Punkte ausschließen.

Berufsrechtsschutz

In der Regel kannst du ihn abschließen, wenn du im öffentlichen Dienst arbeitest, verbeamtet bist oder eine Stelle als normaler Arbeitnehmer hast. Berufsgruppen wie Ärzten oder Beamten stehen besondere Rechtsschutzversicherungen offen. Als Selbstständiger oder Freiberufler bist du normalerweise nicht mit Problemen des Arbeitsrechts konfrontiert.
Möchtest du zum Beispiel das schlechte Arbeitszeugnis anfechten, das dir dein Arbeitgeber in deinen Augen zu Unrecht ausgestellt hat, hilft dir dein Berufsrechtsschutz. Dasselbe gilt bei Streit um eine Kündigung oder um den Mutterschutz und beim Einklagen von Abfindungszahlungen.

Wohnrechtsschutz

Auch Mieter geraten nicht selten in eine unangenehme Situation, wenn sie unrechtmäßiges Verhalten seitens ihres Vermieters feststellen. Probleme treten oft bei Nebenkostenabrechnungen, Mieterhöhungen und Kündigungen wegen Eigenbedarfs auf. Dann hilft die Wohnrechtsschutzversicherung weiter. Als Vermieter benötigst du einen speziellen Vermieterrechtsschutz

Verkehrsrechtsschutz

Eine weitere Versicherungsart ist zudem der Verkehrsrechtsschutz. Mit ihm kannst du Schadensersatzansprüche durchsetzen, die nach einem selbst verschuldeten Unfall auftreten. Dabei spielte es normalerweise keine Rolle, ob du zu Fuß, auf dem Motorrad, im Auto oder mit dem E-Bike unterwegs bist. Verkehrsrechtsschutzversicherungen lassen sich nämlich nicht fahrzeugbezogen abschließen. Verschuldet die Gegenseite einen Unfall, zahlt ja deren Kfz-Haftpflicht.

Die gesetzlich verpflichtende Kfz-Haftpflichtversicherung entschädigt deinen Unfallgegner. Typische Kosten fallen beispielsweise für das Abschleppen, die Reparatur, einen Leihwagen und die Anwaltskosten an. Schäden an Gebäuden und Menschen sind ebenfalls abgedeckt. Sogar Verdienstausfälle und lebenslange Renten schließt die Kfz-Haftpflicht ein. Die freiwillige Teilkaskoversicherung deckt Schäden an deinem Kfz ab, die du nicht selbst verursachst. Neben Diebstahl und Brandschäden sind hier vor allem Kabelschäden durch Mader und Elementarschäden wie Blitz und Hagel zu nennen. Die freiwillige Vollkaskoversicherung nimmt selbst verursachte Schäden deines Autos in den Blick. Vandalismus und fremdverschuldete Schäden bei fehlender Versicherung des Unfallgegners sind ebenfalls abgedeckt.

Bauherren-Rechtsschutz

Mit einer Bauherren-Rechtsschutzversicherung bist du bei Rechtsfragen abgesichert, die sich in puncto Sanierung, Bau oder Kauf einer Immobilie ergeben. Auch ein spezieller Rechtsschutz für Arbeitgeber kann sich lohnen, wenn Streitigkeiten mit Mitarbeitern vor Gericht landen.

Außerdem gibt es mittlerweile noch weitere Bausteine, die für dich interessant sein könnten. So werden Rechtsschutzversicherungen immer wichtiger, die sich auf dein digitales Leben beziehen und dich beispielsweise bei Problemen mit Onlineshopping oder Cybermobbing unterstützen.

Neben anderen gibt es diese speziellen Rechtsschutzversicherungen, die du meist als einzelne Module zu den gängigen Rechtsschutzversicherungen wie einer Privatrechtsschutz hinzubuchen kannst. Dies sind unter anderem:

  • Vermieterrechtsschutzversicherung

  • Rechtsschutzversicherung für Ärzte

  • Rechtsschutzversicherung für Selbstständige

  • Rechtsschutzversicherung für den Hausbau

Brauchst du eine Rechtsschutzversicherung?

Ob du unbedingt eine Rechtsschutzversicherung benötigst, lässt sich nicht pauschal beantworten und hängt in erster Linie von deinem Bedarf sowie dem dir zur Verfügung stehenden Budget ab.

Um dies zu verstehen, musst du die Aufgaben einer Privathaftpflichtversicherung kennen. So übernimmt sie auf der einen Seite die Kosten, die bei berechtigten Schadensersatzforderungen auf dich zukommen. Auf der anderen Seite ist eine private Haftpflichtversicherung deine Abwehr gegen ungerechtfertigte Forderungen. So sicherst du dir passiven Rechtsschutz, denn deine Haftpflicht schreckt auch vor dem Gang vors Gericht und den damit verbundenen Kosten nicht zurück. Bist du also für einen Schaden gar nicht verantwortlich beziehungsweise trifft dich keine Schuld, steht dir deine private Haftpflichtversicherung zur Seite.

Was deckt eine Rechtsschutzversicherung ab?

Wenn du eine Rechtsschutzversicherung abschließt, dann solltest du sehr genau darauf achten, welche Kosten sie Versicherungsfälle überhaupt abdeckt. Im Vordergrund stehen natürlich die Gerichts- und Anwaltskoste. Im Normalfall übernimmt deine Rechtsschutzversicherung folgende Kosten für Rechtsstreitigkeiten:

  • Gerichtskosten

  • Anwaltskosten

  • Anwaltskosten des Gegners im Falle einer Niederlage

  • Anwaltskosten bei außergerichtlicher Aktivität

  • Gutachten

  • Sachverständige

  • Kosten für einen Mediator

  • Strafkaution

Die Strafkaution solltest du nicht unterschätzen. Nimmt dich die Polizei fest und lässt dich nur gegen Zahlung einer Kaution frei, gewährt dir deine Rechtsschutzversicherung ein zinsloses Darlehen – und zwar in der Regel weltweit. Die Mediationskosten ist ein beispiel, dass dir dein Rechtsschutz auch dann gute Dienste leistet, bevor ein Fall überhaupt erst vor Gericht landet.
Welche Kosten genau abgedeckt sind, ist von Tarif zu Tarif unterschiedlich. Deshalb lohnt es sich, verschiedene Versicherer zu vergleichen.

Was deckt eine Rechtsschutzversicherung nicht ab?

Eine Rechtsschutzversicherung deckt wichtige Kosten ab und entlastet Versicherungsnehmer im Fall der Fälle. Jedoch gibt es auch Fälle, die deine Rechtsschutzversicherung ablehnen kann. Die wichtigsten Ausschlüsse von Rechtsschutzversicherungen sind:

  • Anfechten von Parkverstößen

  • Fahren ohne Führerschein oder unter Alkoholeinfluss

  • Abwenden von Schadensersatzansprüchen

  • Alles rund um Hauskauf und Hausbau

  • Urheberrechtsverletzungen

  • Kapitalanlagen

  • Gewerbliche und Selbständige Tätigkeiten

Verkehrsdelikte

In diese recht lange Liste gehören zum Beispiel Parkverstöße, die du anfechten möchtest. Im Hinblick auf Verkehrsdelikte darfst du auch beim Fahren ohne gültigen Führerschein oder unter Alkoholeinfluss nicht auf die Unterstützung deiner Rechtsschutzversicherung hoffen. Dasselbe gilt für Schadensersatzansprüche, die von einer anderen Partei gestellt werden und die du abwehren willst. Darum kümmert sich deine Haftpflichtversicherung, sofern du eine abgeschlossen hast. Jene bietet dir nämlich passiven Rechtsschutz, wenn dich die gegnerische Partei für einen Schaden vor Gericht verantwortlich machen möchte.

Hausbau & Hauskauf

Ebenfalls nicht durch den Rechtsschutz abgedeckt sind alle Rechtsfragen rund um den Hausbau und -kauf, wofür es eine spezielle Bauherren-Rechtsschutzversicherung gibt.

Familienrechtliche Streitigkeiten

Da der Ehepartner und gegebenenfalls die Kinder in der Police eingeschlossen sind, leisten Versicherer bei vor Gericht ausgetragenen familienrechtlichen Streitigkeiten, wie zum Beispiel Scheidungen oder Unterhalt, keine finanzielle Unterstützung. Je nach Tarif ist es möglich, dass die Kosten für anwaltlichen Rat oder eine Auskunft übernommen werden.

Urheberrechtsverletzungen

Bei den meisten Versicherern nicht abgedeckt sind Urheberrechtsverletzungen, wie sie beispielsweise entstehen, wenn du einen Kinofilm illegal im Internet herunterlädst. Dies ist eine vorsätzliche Straftat und vom Versicherungsschutz natürlich ausgenommen Allerdings kannst du bei einigen Versicherungsunternehmen einen Spezial-Strafrecht-Rechtsschutz abschließen. Diese Policen schließen auch vorsätzliche Straftaten ein und zahlen entstehenden gerichtlichen und außergerichtlichen Kosten. Wichtig ist dabei aber, dass du vor Gericht nicht schuldig gesprochen wirst. Aufgrund des Rückforderungsanspruchs kann deine Rechtsschutzversicherung die bereits geleisteten Ausgaben von dir zurückfordern.

Risikoreiche Kapitalanlagen

Außerdem sind risikoreiche Kapitalanlagen meist nicht in deinem Rechtsschutztarif enthalten. Der Kauf, Verkauf sowie die Verwaltung beispielsweise von Aktien bergen so viel Konfliktpotenzial, dass Versicherer häufig auf die Aufnahme in ihren Versicherungsumfang verzichten. Aber: Es gibt Gerichtsurteile beispielsweise aus den Jahren 2013 und 2016, die derartige Ausschlüsse als unwirksam deklarieren. Falls du bereits eine Police mit entsprechender Klausel abgeschlossen hast, kannst du dagegen klagen. Demnach sind Versicherer dazu angehalten, auch Falschberatungen abzudecken. Um welche Wertpapiere es sich da handelt, spielt keine Rolle.

Was kostet eine Rechtsschutzversicherung?

Die Versicherungskosten lassen sich nicht pauschalisieren, da verschiedene Faktoren darauf Einfluss nehmen. Dies sind vor allem:

  • Anzahl der Rechtschutz Bausteine

  • Leistungsumfang

  • Berufsstatus

  • Familienstand

  • Alter

  • Wohnort

  • Selbstbeteiligung

  • Zahlweise

Du kannst frei wählen, welche Bausteine du zu deiner persönlichen und auf deine individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen Rechtsschutzversicherung kombinierst. Je mehr Komponenten du hinzufügst, desto teurer wird deine Prämie. Trotz identischer Zusammenstellung kann sich der Leistungsumfang von Versicherung zu Versicherung unterscheiden. Grundsätzlich bestimmt dann also auch der Leistungsumfang die Rechtsschutzversicherungskosten.

Alter und Wohnort spielen insofern eine Rolle, als dass die Versicherungsunternehmen gewisse Risiken abschätzen können. Dies gilt beispielsweise für die Verkehrsrechtsschutzversicherung. Versicherer verfügen über genaue Zahlen, wie die Unfallstatistik an bestimmten Orten ausschaut.

Bei einer Kfz-Versicherung spiegelt sich dies anhand der Regionalklasse wider, mit der Versicherer die Wahrscheinlichkeit eines Schadens kalkulieren. Wohnst du in einem Gebiet, in dem verhältnismäßig viele Unfälle geschehen, kann sich dies auch auf deinen Verkehrsrechtsschutz auswirken

In puncto Verkehrsrechtsschutz tun sich Parallelen zur Kfz-Haftpflichtversicherung auf, bei der der Wohnort beispielsweise für die Häufigkeit von Unfällen herangezogen wird. Hinsichtlich des Familienstands ist für die Versicherungskosten von Belang, ob ein Ehepartner und Kinder mitversichert sind. Entscheidest du dich für eine höhere Selbstbeteiligung, sinken auch die Versicherungsbeiträge. Deinen Beitragssatz kannst du auch senken, indem du dich für eine jährliche Zahlweise entscheidest.

Dann bucht der Versicherer die Jahresprämie zwar in einer Summe ab, dafür sparst du oft bis zu 7 % Ersparnis im Jahr (https://www.check24.de/rechtsschutzversicherung/fragen/wie-teuer-ist-eine-rechtsschutzversicherung/). Die Anzahl der gewählten Module stellt dabei tatsächlich den größten Kostentreiber dar, da die anderen Faktoren eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Wie hoch sind die typischen Rechtskosten?

Für Otto Normalverbraucher ist der Trend kein guter: Die Kosten für Rechtsstreitigkeiten sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen (Wefox). Je nach Streitfall und Streitwert wurden gerichtliche Auseinandersetzungen oft um mehrere hundert Euro bis teilweise deutlich über tausend Euro teurer. Über Rechtsschutzversicherungen werden mittlerweile pro Jahr Millionen Streitfälle im Wert mehrerer Milliarden Euro abgerechnet (2016: zirka 4,2 Mio. Fälle mit etwa 2,8 Mrd. Euro Aufwendung). Bestehend aus den Gerichtskosten und Anwaltsgebühren findest du hier einige typische Streitwerte und ihre Kosten aus dem Jahr 2018:

RechtsschutzversicherungStreitfallDurchschnittliche Kosten
WohnrechtsschutzMietminderung aufgrund von Schimmel innerhalb der Wohnung4933€
WohnrechtsschutzRäumungsklage aufgrund Eigenbedarfs des Vermieters2947€
BerufsrechtsschutzKündigungsschutzklage + Beanstandung des Arbeitszeugnisses3295€
BerufsrechtsschutzKlage aufgrund ausstehender Monatsgehälter2392€
PrivatrechtsschutzOnline-Ersteigerung gefälschter Armbanduhr1747€
PrivatrechtsschutzUrlaubsmängel1747€
VerkehrsrechtsschutzKaufvertrag-Rückabwicklung eines defekten Neuwagens8310€
VerkehrsrechtsschutzBußgeldbescheid-Verfahren (60€ + 1 Punkt in Flensburg)860€
Quelle: Statista

Darauf musst du bei einer Rechtsschutzversicherung achten

Wenn deine grundsätzliche Entscheidung für den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung gefallen ist, gibt es über die Wahl der Rechtsschutz Bausteine hinaus noch ein einige Dinge zu beachten. Hierzu zählen:

Wartezeit

Möglicherweise überlegst du, vor einem drohenden Rechtsschtreit auf die Schnelle noch eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen, was in der Praxis nicht umsetzbar ist. Denn in der Regel hast du eine Wartezeit von 3 Monaten, mit der die Versicherer dieses taktische Verhalten vermeiden wollen. Gehst du beispielsweise von einem baldigen Streitfall mit deinem Arbeitgeber aus, kannst du die Leistungen deiner Berufsrechtsschutzversicherung nicht direkt nutzen.

Erst nachdem du die Wartezeit eingehalten hast, unterstützt dich dein Rechtsschutz vor Gericht. Ausnahmen gelten zum Beispiel bei einer Verkehrsrechtsschutzversicherung einen Unfall nicht vorhersehen kannst. Letztlich beträgt die Wartezeit zwischen 0 und 36 Monaten – abhängig vom konkreten Versicherungsgebiet. Ein Spezialfall ist der Wechsel von einem anderen Versicherer: Hast du bereits eine Police und strebst einen nahtlosen Anbieterwechsel an, besorgt sich dieser deine Akte von deinem alten Rechtsschutzversicherer. Die Wartezeit entfällt dann häufig.

Verzicht auf Einrede

Rechtsschutzversicherungen leisten keine Hilfe in Fällen, die bereits vor Abschluss deines Versicherungsschutzes eingetreten sind. Dies ist auf der einen Seite aus Sicht des Versicherers sinnvoll und logisch, kann auf der anderen Seite aber auch zu Problemen führen. So könntest du beispielsweise die Versicherer hinter deiner vor längerer Zeit abgeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherung verklagen wollen, weil sie deine beantragte Leistung ablehnen. Da du deine Rechtsschutzversicherung aber erst später abgeschlossen hast, wird auch diese dein Gesuch ablehnen. Dies gilt auch für Rechtsstreitigkeiten rund um einen Mietvertrag, den du bereits vor Abschluss deiner Rechtsversicherung unterzeichnet hast.

Verhindern lässt sich eine solche Situation nur mit einer Klausel mit der recht sperrigen Bezeichnung „Verzicht auf Einrede der Vorvertraglichkeit“. Dann wäre deine Rechtsschutzversicherung eintrittspflichtig und du kannst Fälle versichern, die bereits zeitlich zurückliegen.

Ein- und Widerspruchsverfahren

Nicht minder bedeutsam ist das so genannte Ein- und Widerspruchsverfahren. Dieses ist von Interesse, wenn Streitigkeiten im Sozial-, Steuer- oder Verwaltungsrecht drohen. Viele Rechtsschutzversicherer leisten nämlich erst dann, wenn es tatsächlich vor Gericht geht. Jedoch kannst du mit einem plausibel begründeten Widerspruch etliche Streitfälle lösen, noch bevor das Gericht eingeschaltet werden muss. Ist die Klausel des Ein- und Widerspruchsverfahrens in deiner Police enthalten, zahlen gute Versicherer schon die Anwaltskosten, die für die Hilfe beim Widerspruch anfallen.

Strafrecht

Achtsamkeit ist auch in puncto Strafrecht vonnöten. Dort wird zwischen Verbrechen und Vergehen unterschieden, wobei der Unterschied in der jeweiligen Mindeststrafe eines Straftatbestands liegt. Verbrechen werden schwerer bestraft. Hier sind einige Beispiele für Vergehen und Verbrechen auf einen Blick:

Vergehen:

  • Steuerhinterziehung
  • Diebstahl
  • Unterlassene Hilfeleistung
  • Einfache/Gefährliche Körperverletzung
  • Versuchter Hausfriedensbruch

Verbrechen:

  • Mord
  • Schwere Körperverletzung
  • (Schwerer) Raub
  • Vergewaltigung
  • Meineid

Die meisten Rechtsschutzversicherungen decken lediglich Vergehen ab, manchmal sogar mit dem Zusatz „fahrlässig“. Dadurch wird klar: Ob du wirklich schuldig bist und tatsächlich verurteilt wirst, interessiert deine Rechtsschutzversicherung nicht. Relevant ist ausschließlich, welchen Vorwurf die Staatsanwaltschaft an dich richtet. Der Grat kann sehr schmal sein, lies dir den Leistungsumfang deiner potenziellen Tarife daher gründlich durch.

Selbstbeteiligung

Viele Versicherer bieten die Möglichkeit, dass du dich im Schadensfall an den Kosten beteiligst. Dadurch sinkt der Versicherungsbetrag. Empfehlenswert sind 150 €, da eine höhere Summe bei gewissen Versicherungsfällen nicht sinnvoll ist – gedacht sei hier an eine einmalige anwaltliche Beratung. Wäre die Selbstbeteiligung höher, hätte sie in diesem Beispiel ihren Zweck verfehlt. In der Regel kannst du bis zu 500 € Selbstbeteiligung wählen, was aber jeder Versicherungsnehmer für sich selbst entscheiden muss.

Insbesondere bei einem nur geringen Budget für deinen Rechtsschutz kann eine vergleichsweise hohe Selbstbeteiligung Sinn ergeben. Dann sinkt nämlich der Beitrag, wodurch deine monatlichen beziehungsweise jährlichen Kosten niedriger sind als mit einer geringen Selbstbeteiligung.

Attraktiv ist zudem ein Schadenfreiheitsbonus, den dir faire Tarife gewähren, wenn du eine bestimmte Zeit ohne Versicherungsfall bleibst. Dann kann deine Selbstbeteiligung als Belohnung sogar auf 0 € heruntergesetzt werden. Du kennst dies sicherlich von der Kfz-Versicherung, wo du von einem Schadenfreiheitsbonus profitieren kannst.

Tritt ein Schaden auf, stufen dich die meisten Versicherer aber wieder zurück, wodurch deine Beiträge steigen können. Neben geringeren Beiträgen und dem kompletten Wegfall der Selbstbeteiligung sind 1/3 und 2/3 geringerer Selbstbehalt denkbar. Sicher ist: Steigt deine Schadensfreiheit, sinkt deine Selbstbeteiligung oder Prämie.

Deckungssumme

Eine zu geringe Summe kann dazu führen, dass der finanzielle Ruin trotz bestehenden Versicherungsschutzes droht. Da es Tarife mit unbegrenzter Deckungssumme gibt, kannst du nach diesen Ausschau halten. Auf jeden Fall sollte die Deckungssumme deines Rechtsschutzes mindestens 300.000€ betragen.

Freie Anwaltswahl

Kein Muss, aber empfehlenswert ist die freie Wahl des Anwalts. Ähnlich wie bei der Kfz-Versicherung und der Werkstatt können dir Versicherer einen Anwalt stellen. Dabei kann es aber zu Interessenskonflikten kommen oder du musst auf die Unterstützung deines eigenen Rechtsanwalts verzichten, mit dem du in der Vergangenheit zufrieden warst.

Für wen lohnt sich eine Rechtsschutzversicherung, für wen nicht?

Viele Verbraucher fragen sich, ob sie eine Rechtsschutzversicherung benötigen. Wir ordnen diese Versicherungsart in die Kategorie „optionale Versicherungen“ ein, wodurch der Rechtsschutz kein grundsätzliches Muss ist. Generell gilt ja bei Versicherungen, dass du existenzbedrohende Risiken zuerst absichern solltest. Dazu gehört beispielsweise deine Arbeitskraft, die du mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung absicherst. Auch eine Haftpflichtversicherung ist empfehlenswert.

Ob sich eine Rechtsschutz-Police für dich lohnt, hängt von deiner persönlichen Risikoeinschätzung und deinem Budget ab. Hast du genug Geld auf deinem Notfallkonto, kannst du Rechtskosten auch selbst tragen und musst dich nicht separat absichern. Es kommt also immer auf den individuellen Versicherungsnehmer an, ob sich eine Rechtsschutzversicherung lohnt.

Das A und O sind die Bausteine und wie du sie kombinierst. Besitzt du kein Auto, nützt dir der Verkehrsrechtsschutz eher weniger. Fahrradfahrer allerdings geraten gar nicht so selten in Streitigkeiten, indem beispielsweise ihre Vorfahrt von einem Auto missachtet wird oder sie selbst Passanten übersehen. Lebst du im eigenen Haus oder bist selbstständig, benötigst du keinen Wohn- oder Berufsrechtsschutz.

Wie finde ich die passende Rechtsschutzversicherung?

Von der ARAG, Barmenia und Continentale über die DEVK, ERGO und Getsafe bis hin zur Roland oder WGV: Das Angebot an Rechtsschutzversicherungen ist groß. Entsprechend schwer fällt vielen Versicherungsnehmern die Auswahl. Am wichtigsten sind stets die eigenen Anforderungen, über die du dir grundsätzlich im Klaren sein solltest. Definiere für dich, ob dir möglicherweise ein preiswerter Basic-Tarif reicht oder du vielleicht doch lieber umfangreicher, aber dafür auch kostspieliger versichert sein möchtest.

Auch dein Budget ist idealerweise klar definiert. Erst dann sollte es für dich zur Auswahl eines Versicherers gehen. Du musst dabei aber nicht alle Rechtsschutztarife eigenständig vergleichen, sondern kannst die Anbieter mittels Rechtsschutzversicherung Rechner schnell und einfach gegenüberstellen.

Um konkrete Angebote vergleichen zu können, empfehlen wir dir den Rechtsschutzversicherung Rechner von finanzen.de. Dort erhältst du einen Überblick an Tarifen, die auf deine Anforderungen zugeschnitten sind.

Rechtsschutzversicherung kündigen oder wechseln

Ob im Rahmen eines Anbieterwechsels oder ganz einfach, weil kein Bedarf mehr besteht: Manchmal möchten Versicherungsnehmer ihre Rechtsschutzversicherung kündigen. Wichtig ist, dass du die 3-monatige Kündigungsfrist einhältst und rechtzeitig kündigst. Im Regelfall läuft der Vertrag ein Jahr, um welches er sich stillschweigend um ein weiteres Jahr verlängert, sofern du nicht schriftlich deinen Wunsch nach Beendigung des Kundenverhältnisses äußerst.

Endet dein Rechtsschutz beispielsweise genau am 31. Dezember, muss deine Kündigung allerspätestens am 30. September beim Versicherer eingehen.

Neben diesen Wegen der ordentlichen Kündigung gibt es auch noch die Möglichkeit einer außerordentlichen Kündigung in diesen Fällen:

  • Beitragserhöhung
  • Versicherungsfall
  • Versicherer zahlt nicht
  • Risikowegfall (Beispiel Wohnrechtschutz wenn du zum Eigentümer wirst)
  • Veränderte Gefahrenumstände

Wenn das versicherte Risiko wegfällt – beispielsweise wenn du eine Verkehrsrechtsschutzversicherung hast und dein Kfz abmeldest –, kannst du das Vertragsverhältnis sofort beenden. Ansonsten beträgt die Kündigungsfrist 1 Monat.

Natürlich kann auch der Anbieter die Rechtsschutzversicherung kündigen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn du Beiträge selbstverschuldet nicht bezahlst oder bei der Antragstellung falsche Angaben gemacht hast. Falls dir die Versicherung kündigt, solltest du sie freundlich darum bitten, dass sie dies zurücknimmt. Du würdest dann selbst kündigen, um deine Chancen auf eine neue Police mit guten Konditionen nicht zu verschlechtern.

Wenn du deinen Anbieter wechselst, ist ein nahtloser Übergang wichtig. Sonst drohen eine Versicherungslücke und die Wartezeit beim neuen Versicherer. Daher solltest du einen Versicherungswechsel frühestmöglich planen und die Tarife miteinander vergleichen.

Häufig gestellte Fragen

  • Kann ich mehr als eine Rechtsschutzversicherung haben?

    Bei einer Rechtsschutzversicherung kannst du verschiedene Bausteine kombinieren und dir deine individuelles Versicherungspaket zusammenstellen. Neben einer Privatrechtsschutzversicherung haben viele Versicherungsnehmer beispielsweise eine Berufsrechtsschutzversicherung und eine Verkehrsrechtsschutzversicherung.

  • Wie gehe ich vor, wenn ich Rechtsschutz in Anspruch nehmen muss?

    Zunächst kontaktierst du deine Rechtsschutzversicherung und klärst, ob dein Streitfall in deiner Police enthalten ist. Ist dem so und hast du dir das Okay schriftlich bestätigen lassen, kannst du einen Anwalt kontaktieren. Dieser übermittelt seine Einschätzung deines Anliegens an die Versicherung, die dein Gesuch dann annehmen oder ablehnen wird.

  • Kann ich die Beiträge für die Rechtsschutzversicherung auch aussetzen?

    Möglicherweise. In den Vertragskonditionen deiner Rechtsschutzversicherung kann dieser Passus durchaus enthalten sein. Du setzt dann in der beitragsfreien Zeit mit deiner Zahlung aus, hast währenddessen aber keinen Versicherungsschutz. Der Vorteil: Du musst die Versicherung nicht kündigen, kannst deinen finanziellen Engpass überbrücken und hast danach normalerweise wieder direkt vollen Schutz.

  • Kann ich meine Rechtsschutzversicherung auch im Ausland in Anspruch nehmen?

    Eventuell. Dies hängt vom Tarif deiner Rechtsschutzversicherung ab. Bist du viel in anderen Ländern unterwegs, kann der Leistungsanspruch im Ausland empfehlenswert sein.

  • Wann lohnt es sich, die Rechtsschutzversicherung zu wechseln?

    Ein Anbieterwechsel lohnt sich, wenn du zu viel für deine Rechtsschutzversicherung zahlst und/oder mit deren Leistungsumfang unzufrieden bist. Das Einhalten der Kündigungsfrist und ein nahtloser Übergang sind bei einem Versicherungswechsel wichtig.

  • Welche Personen kann man in einer Rechtsschutzversicherung alles mitversichern?

    Unterschieden wird zwischen Single-Tarifen und Familien-Tarifen. Mit einer Single-Rechtsschutzversicherung bist du allein versichert, bei Familien-Tarifen sind dein Partner und deine Kinder bis zum 25. Lebensjahr eingeschlossen. Letztere dürfen aber noch keine abgeschlossene Berufsausbildung und keine eingetragene Partnerschaft haben.