Bulle und Bär einfach erklärt!

20. Bulle und Bär einfach erklärt!

„Diese Aktie verhält sich bullish“, „Wir befinden uns in einem Bärenmarkt“ – jede Branche hat ihre eigene Sprache und typische Formulierungen. Eine häufig verwendete Phrase an Finanzmärkten spricht von Bullen- und Bärenmärkten. Diese Tiermetapher von Stier und Bär wird nahezu täglich in Börsennachrichten verwendet. In den folgenden Absätzen erfahren Anfänger die Bedeutung dieser Redewendung und erfahrene Investoren ein paar Hintergrundinformationen, die sie wahrscheinlich noch nicht gewusst haben.

Der Bärenmarkt oder Baisse

„Der Bärenmarkt wird wohl noch andauern“ – wenn so ein Satz von Börsenexperten ausgesprochen wird, dann werden weitere Kurseinbrüche erwartet. Der Bär steht an den Finanzmärkten dieser Welt für fallende Kurse. Synonym verwendet wird auch Baisse, das ist französisch für einen Rückgang oder eine Abnahme. Zieht sich ein Kursverfall über einen längeren Zeitraum, so verhält sich die Aktie bearish (engl. für Bär).

In Zeiten von Crashs wird häufiger von Bärenmärkten gesprochen, allerdings steht ein Bärenmarkt für einen längeren Trend als ein Crash, welcher plötzlich auftritt und ungefähr ein paar Tage oder wenige Wochen andauert, dafür aber stärker fallende Kurse bewirkt. Nicht selten folgt einem kurzfristigen Crash ein mittel- bis langfristiger Bärenmarkt.

Eine kleine Orientierungshilfe: Wenn in den letzten beiden Monaten der Markt um mindestens 20 % gefallen ist, dann spricht man von einem Bärenmarkt, allerdings gibt es für all diese Begriffe keine festen Kennzahlen.

Als „Bären“ werden dabei entweder Anleger bezeichnet, die pessimistisch sind, auf fallende Kurse spekulieren, Verkaufsoptionen kaufen oder zumindest an einen solchen Abwärtstrend glauben. Nicht verwechselt werden darf ein Bärenmarkt mit einer Preiskorrektur – eine Korrektur stellt lediglich eine Trendumkehr der letzten Bewegungen dar, während ein Bärenmarkt auch aus einer Phase der Stagnation bzw. des Seitwärtstrends folgen kann und nicht so zeitlich eingegrenzt ist wie die Preiskorrektur.

Der Bullenmarkt oder Hausse

„Die Bullen schlagen heute wieder zu“ – solche Headlines bedeuten positive Nachrichten für Anleger: Die Kurse steigen. Alternativ wird auch Hausse gesprochen, das ist französisch für Anstieg, Steigerung. Verhält sich ein Asset „bullish“, ist auch oft die Rede von einer Rallye, also einem Anstieg der Aktie, dem Gegenteil eines „Crashs“.

Rallyes oder Runups sind stärkere Kursanstiege „innerhalb“ eines Bullenmarktes – wie der Bärenmarkt bedeutet auch hier die Tiermetapher einen mittel- oder langfristigeren Trend als bei Crashs, Rallyes und Runups. Als „Bullen“ werden in Kontrast zu den „Bären“ Anleger bezeichnet, die sich optimistisch zeigen und an steigende Kurse glauben und darauf setzen.

Wieso gerade Bullen und Bären? Namensgebung und andere Hintergründe

Die Auswahl des Bullen und des Bären in dieser Metapher ist keineswegs zufällig geschehen. Es gibt verschiedene Gründe, warum gerade diese beiden Tiere dazu prädestiniert sind, sinkende und steigende Kurse darzustellen. Sehen wir uns zunächst grundsätzlich die Körperhaltung und typische Bewegungen der Tiere an:

Wenn ein Bär auf seinen vier Pfoten steht und seinen Kopf in Richtung Erde senkt, um Spuren zu lesen, dann erinnert uns das an sinkende Charts. Wenn wir uns dagegen einen Stier ansehen, dann zeigen dessen Hörner immer nach oben. Selbst wenn der Stier seinen Kopf senkt, deuten die Hörner nach oben und erinnern uns damit an steigende Kurscharts.

Diese Haltung der Tiere finden wir vielfach abgebildet, zum Beispiel auch in Form von Bronzestatuen vor der Frankfurter Wertpapierbörse. Aber nicht nur diese allgemeine Körperhaltung verweist auf steigende und fallende Kurse.

Oft weht an den Börsen verbal und ökonomisch ein rauerer Wind und daher sind aggressive, martialische oder kampfbetonte Metaphern keine Seltenheit. Das ist der Fall, wenn bei einer Aktie von einem „Schlachtfeld“ die Rede ist, oder wenn nach einem Crash von einem „Blutbad“ gesprochen wird, aber auch bei Stier und Bär. Wenn wir uns kämpfende Stiere und Bären vorstellen, sehen wir Metaphern für den Finanzmarkt:

Während der Bär mit seiner Tatze nach unten schlägt und damit die Kurse nach unten drückt, stößt der Stier mit seinen Hörnern von unten nach oben und hebt damit den Aktienchart in höhere Gebiete.

Ebenfalls interessant: Laut einer Untersuchung von Newfound Research dauern Bärenmärkte durchschnittlich kürzer an als Bullenmärkte – 1,4 Jahre ist die durchschnittliche Dauer vergangener Bärenmärkte, wohingegen die Durchschnittsdauer für Bullenmärkte 8,1 Jahre lang beträgt. Eine richtige Hilfe für einzelne Bären- und Bullenmärkte kann das aber leider nicht sein: Jeder einzelne Bären- und Bullenmarkt verhält sich grundsätzlich unterschiedlich, was Dauer und Intensität betrifft.

Die Betrachtung der Charts kann lediglich ein wenig bei der Orientierung innerhalb eines Börsenzyklus‘ helfen. Unter Anlegern werden sehr unterschiedliche Standpunkte vertreten, was die Vorhersehbarkeit von Wendepunkten von Bären- und Bullenmärkten betrifft. Manche Investoren setzen auf Technical Analysis, technische Chartanalyse und glauben an gewisse Vorhersehbarkeiten. Vertreter der Markteffizienzhyptothese dagegen verneinen die Möglichkeit einer solcher Voraussage.

Grob vereinfacht sagt diese Hypothese, dass im Preis einer Aktie bereits alle verfügbaren Informationen, die dem Markt zugänglich sind, widergespiegelt werden

Zusammenfassung

Bären sind Pessimisten und bearishe Kurse bedeuten einen mittel- oder langfristigen Abwärtstrend, Synonym verwendet wird Baisse. Verwandte, aber abgegrenzte Begriffe sind Preiskorrektur und Crash.

Bullen sind Optimisten und bullishe Kurse bedeuten einen mittel- oder langfristigen Aufwärtstrend, Synonym verwendet wird Hausse. Verwandte, aber abgegrenzte Begriffe sind Rallye und Runup.

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