Anlegen in 2021 – Eure Fragen

Mona Linke
Stand:

Warum werden überhaupt noch Staatsanleihen gekauft? Wie funktioniert das mit dem Shorten und was fängt man am besten mit dem alten Bausparvertrag an? Ihr habt uns eure Fragen gestellt – und wir haben (ein paar davon) für euch beantwortet.

Sind aktiv gemanagte Rentenfonds von z.B. Signal Iduna, Stuttgarter etc. sinnvoll / gut?

Pauschal kann man das nicht mit Ja oder Nein beantworten. Ein Vorteil von privaten Rentenversicherungen in Deutschland ist, dass sie das Langlebigkeitsrisiko absichern, sprich: Bis zum Ableben wird jeden Monat die Rente ausgezahlt. Ein Nachteil von aktiv gemanagten Rentenfonds ist einerseits, dass sie in einer Nullzinsphase, wie wir sie aktuell erleben, keinerlei Rendite einbringen. Natürlich könnte man hier argumentieren: Aber es ist doch besser als nichts und nützlich zum Sparen. Dann sind da aber noch die Kosten: Trotz gewisser Steuervorteile sind die Gebühren für aktiv gemanagte Rentenfonds ziemlich hoch: Neben Verwaltungsgebühren von 0,5% bis 1,3% pro Jahr wird ein Ausgabeaufschlag von rund 3% fällig. Anleger, die privat mithilfe von ETFs / Fonds vorsorgen, fahren da sehr viel günstiger (und auf lange Sicht renditestärker)

Wenn wir noch nicht absehen können, was nach der Corona-Krise an wirtschaftlichen Folgen (z.B. Pleitewellen) auf uns zu kommen, muss ich dann zur Sicherheit verschiedene Broker und letztendlich Banken benutzen, damit das Geld vom Staat im Falle einer Krise geschützt wird?

Auf einer Bank sollten grundsätzlich nicht mehr als 100.000€ liegen, da Beträge darüber nicht mehr von der Einlagensicherung abgedeckt sind. Kapital, das bei einem Online-Broker beziehungsweise im Depot verwahrt wird, gilt als Sondervermögen. Selbst wenn der Broker pleite gehen sollte, ist das Vermögen also geschützt und du musst nicht fürchten, dein Geld nie wieder zu sehen.

Wie viele Sparpläne sollte man minimal/maximal haben?

Das ist vor allem abhängig von den Gebühren, die pro Sparplan und pro Einzahlung anfallen. Ein Sparplan sollte es mindestens sein, bei 4 Sparplänen oder mehr können die Orderkosten jedoch ziemlich auf die Rendite schlagen. Bei einigen klassischen Direktbanken wird bei jedem Investment ein Ausgabeaufschlag berechnet (die Gebühr, die man einmalig zahlen muss, wenn man Fondsanteile erwirbt). Sie wird auch bei der Wiederanlage in einen bestehenden Fonds aufgeschlagen (bis zu 2%). Wieder andere Broker berechnen eine einmalige Pauschale für jeden Kauf bzw. Verkauf. 

Generell gilt also: Leg’ dir so viele Sparpläne an, wie du möchtest und wie es in dein Budget passt. Welche Kosten zum Beispiel bei einem Investment in ETFs oder aktiv gemanagte Fonds auf dich zukommen, haben wir hier schon einmal für dich aufgeschrieben.

Ich bin 28, fertig mit meinem Studium und arbeite seit 4 Monaten. Habe keine Rücklagen außer einen Bausparvertrag, der 2020 ausgelaufen ist. Soll ich den weiter zu 0,1% ungebunden als Notgroschen weiterlaufen lassen oder ihn auflösen und die Hälfte davon in einen ETF-Sparplan investieren? Ist momentan überhaupt ein guter Zeitpunkt, ETF’s zu kaufen?

Bausparverträge lassen sich in der Regel mit einer Frist von drei bis sechs Monaten kündigen. Für den Notgroschen eignen sie sich deswegen nicht – schließlich ist der vor allem dafür da, in Notsituationen schnell auszuhelfen. Das Geld muss jederzeit verfügbar sein und sollte daher  besser auf einem Tagesgeldkonto liegen. 

Bevor du mit einem Investment in ETFs beginnst, solltest du unbedingt Rücklagen bilden, es wäre also zunächst einmal sinnvoll, den Bausparvertrag aufzulösen (sofern du dein Geld anlegen willst). Sind die Rücklagen gebildet (etwa 3-4 Netto-Monatsgehälter), kannst du mit dem Investieren beginnen. ETFs sind für solche Anleger geeignet, die für 15 Jahre oder länger anlegen möchten. Bei einer solchen Zeitspanne gibt es tatsächlich nicht DEN richtigen Einstiegsmoment. Steigt man ein und der Kurs des ETFs sinkt, dann mag das ärgerlich sein. Nach einigen Jahren wird sich der Verlust allerdings von selbst ausgleichen.

Ich kann verschiedene ETFs kaufen, die den MSCI World Index nachbilden. Worauf ist zu achten? Abgesehen davon, dass ich mich für ausschüttend oder thesauriend entscheide und die Kosten im Blick habe? Woran erkenne ich eine gute Performance?

Eine wichtige Kennzahl ist auch das Fondsvolumen: Dass ETFs wieder vom Markt genommen werden, weil sie zu schlecht performen, ist bei großen Fonds unwahrscheinlich. Wir empfehlen deswegen ein Fondsvolumen von mindestens 100 Mio. Euro. 

Wie etabliert und liquide ein ETF ist, wird häufig schon am Alter sichtbar. Bei Fonds, die vor zwei oder mehr Jahren aufgelegt wurden, stehen meist ausreichend Informationen für interessierte Anleger zur Verfügung, um sie mit anderen ETFs zu vergleichen (z.B. Performance der letzten Jahre, enthaltene Werte etc.)

Und dann ist da noch die Replikationsmethode: Je nachdem, wie der ETF den entsprechenden Index abbildet, hat das Auswirkungen auf die Kosten und die Performance des Fonds. Eine synthetische Replikation eignet sich beispielsweise für den Kauf von “Nischenindizes”. Weitere Infos zur Replikationsmethode gibt es hier.

Zur Performance: Wie ein Fonds in den nächsten Jahren laufen wird, kann niemand mit Sicherheit vorhersagen. Auf lange Sicht entwickeln sich globale Indizes mit mehreren Hundert oder Tausend Werten zwar positiv – allerdings nicht ohne Unterbrechung. Auch für weltweite Indizes bzw. ETFs kann es mal nach unten gehen.

Kann man mit einer Investition in Kryptowährungen wie Bitcoin der Inflation entgegenwirken?

Tendenziell ja – sofern man bereit ist, dafür bestimmte Risiken auf sich zu nehmen. Der Bitcoin-Kurs beispielsweise ist sehr volatil. Ob es ewig bergauf gehen wird, kann niemand mit Sicherheit voraussagen. Trotzdem ist die Kryptowährung gewissermaßen krisensicher: Denn die Menge an Bitcoin ist begrenzt – von der Inflation profitiert der Kurs also eher.

Wie lege ich am besten den risikofreien Teil meines Vermögens an? Die Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld sind ja aktuell nicht sehr attraktiv. Gibt es hier noch andere sinnvolle Alternativen?

Der risikofreie Teil dient als Ausgleich von Verlusten, die durch riskante Anlagen wie Aktien oder ETFs eingefahren werden. Dieses Geld sollte in jedem Fall so angelegt werden, dass es nicht gefährdet ist. Tages- und Festgeldkonten mögen zwar nur noch minimale oder gar keine Zinsen abwerfen – letztlich ist das aber egal. Um Renditen zu einzufahren, ist der risikobehaftete Teil des Ersparten zuständig und kann deswegen auch in Aktien oder andere Vermögenswerte investiert werden.

Wie sichere ich kostengünstig mein Depot ab?

Depots lassen sich beispielsweise per hedging (zu deutsch: absichern) vor Verlusten schützen. Bei einem normalen Aktiendepot setzt der Anleger (zum Beispiel mithilfe von Optionsscheinen) grob gesagt zur gleichen Zeit auf steigende und fallende – und zwar indem er dieselben Aktien “shortet”. Sollte der Kurs der gekauften Aktien fallen, wird das dem Depot nichts ausmachen, weil eine Art Gegengeschäft stattgefunden hat und der Verlust so ausgeglichen wird. Die Kosten für eine solche Absicherungs-Strategie sind allerdings ziemlich hoch, denn bei starken Schwankungen am Markt kann die Optionsprämie für den Verkäufer sehr hoch ausfallen.

Vor Verlusten können sich Anleger aber auch absichern, ohne dafür Gebühren zu zahlen; Nämlich, indem das Risiko einfach selbst minimiert wird durch eine breite Streuung oder indem der risikofreie Teil erhöht wird.

Wieso werden heutzutage eigentlich noch Anleihen gekauft (z.B. gingen die Corona Eurobonds weg wie warme Semmeln)?

Der Grund ist recht simpel: Einige institutionelle Anleger wie Versicherungen, Banken (darunter die Europäische Zentralbank) oder Krankenkassen können ganz einfach nicht anders. Sie sind per Gesetz dazu verpflichtet, ihr Kapital so risikoarm wie möglich anzulegen. Einige Pensionskassen hierzulande müssen beispielsweise in deutsche Bundesanleihen investieren – obwohl diese überhaupt keine Rendite oder sogar Negativzinsen einbringen Genügend Nachfrage für (unrentable) deutsche Staatsanleihen ist also immer da.