Nachhaltiges Investieren – das musst du wissen

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Nachhaltiges Investieren: Sinn oder Unsinn? 

Immer mehr Anleger wollen ihr Geld nicht blind in “schmutzige” Unternehmen stecken – und setzen deswegen auf nachhaltige ETFs. Doch wie sinnvoll ist so ein Öko-Investment wirklich? 

Längst hat der grüne Lifestyle auch Einzug in die Finanzwelt gehalten. Ja, auch investieren kann man “grün”, nachhaltig und mit reinem Gewissen. So zumindest versprechen es die Anbieter von ethisch-ökologischen Finanzprodukten. 

Der ein oder andere mag dabei zuerst an Kork-Sandalen und Menschen mit  Blumen in den Haaren denken. Doch weit gefehlt: Nicht nur immer mehr Privatanleger, sondern auch institutionelle Großinvestoren entdecken die ethische Geldanlage für sich, darunter zum Beispiel der norwegische Staatsfonds. 

Stellt sich die Frage: Wie sinnvoll sind solche ethisch-moralische Fonds, in die immer mehr Anleger ihr Geld stecken? Wie sauber sind sie wirklich? Und lässt sich mit einem Öko-Fonds überhaupt noch Rendite machen? 

Unser Video zum Thema „nachhaltiges Investieren“ findest du wie immer auf unserem Youtube-Kanal!

Ethisches Investieren – was ist das eigentlich?

Wer sein Erspartes breit streut und für mehrere Jahre anlegt, wird langfristig Gewinn machen – so eine bekannte Börsenweisheit. Am einfachsten und kostengünstigsten funktioniert das mit einem Investment in ETFs (Exchange Traded Funds), also Indexfonds, die einen ganzen Markt abbilden. In einem ETF auf den MSCI World beispielsweise stecken rund 1600 Unternehmen – und darunter eben auch solche, die alles andere als lupenreine Öko-Firmen sind: Glücksspiel- oder Tabakunternehmen zum Beispiel, Atomkraft-Produzenten,  Waffenhersteller oder gigantische Erdöl-Förderer. 

Vor allem junge Anleger wollen solche Firmen nicht mitfinanzieren – und stecken ihr Geld lieber in nachhaltige Fonds, bei denen “schmutzige” Aktien von vornherein ausgeschlossen werden. 

Viele Anbieter von Indexfonds sind inzwischen auf den Klimazug aufgesprungen – allen voran der Branchenriese BlackRock: Seit einigen Jahren bietet der weltweit größte Vermögensverwalter seinen Kunden auch nachhaltige und klimabewusste Portfolios an. 

Das Fondsvolumen von Öko-ETFs fließt dabei nur in solche Unternehmen, die die sogenannten ESG-Kriterien erfüllen (ESG steht für Environment, Social und Governance, zu deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung). 

Nicht überall ist Öko drin, wo Öko draufsteht 

Das Problem dabei: Was als moralisch verwerflich oder gar schmutzig gilt, liegt meist im Auge des Betrachters.  

Allgemeine, eindeutige Standards, welche Voraussetzungen ein Unternehmen oder ein Finanzprodukt erfüllen muss, um mit dem ESG-Label versehen zu werden, gibt es nicht. Noch nicht, muss man dazu sagen. Denn unlängst hat auch die EU entschieden, dem Greenwashing mancher Firmen und Fondsmanager ein Ende zu bereiten. 

Die EU will neue Maßstäbe setzen

Seit inzwischen zwei Jahren arbeitet die EU an einer Taxonomie, also einem Klassifizierungsystem, das tatsächlich nachhaltige Finanzprodukte von solchen unterscheiden soll, die einfach grün klingen. Ende 2019 haben sich der Ministerrat der EU und das Europaparlament dann tatsächlich auf eine entsprechende EU-Verordnung geeinigt, die europaweit definieren soll, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als nachhaltig gelten – und welche nicht. 

Wie weit die moralischen Vorstellungen doch auseinander gehen können, zeigt sich auch hier und vor allem an einem Beispiel: der Atomkraft. Während Frankreich, das den größten Teil seines Stroms aus Kernenergie bezieht, den Atomstrom als grüne Anlage kennzeichnen wollen (da es keinen CO2 Ausstoß gibt), ist das für Länder wie Deutschland undenkbar. 

Die Vor- und Nachteile beim ethischen Investieren 

Ein Unternehmen zu unterstützen, das sich für Umwelt und Klimaschutz einsetzt, faire Arbeitsbedingungen schafft oder Produkte fördert, die einen sinnvollen Beitrag leisten, ist eine gute Sache. Zumindest wirst du so einen kleinen Beitrag dazu leisten, das Image einer solchen Firma zu stärken, was eine positive Signalwirkung auf andere Unternehmen hat. Was ein Unternehmen wie produzieren lässt, wirst du allein über dein Portfolio allerdings nicht beeinflussen können. Denn entscheidend ist für ein Unternehmen vor allem, was die Kunden wollen. Sprich: Entscheidet sich ein Großteil der Gesellschaft dazu, nicht mehr solche T-Shirts zu kaufen, die von miserabel bezahlten Textilarbeitern in Bangladesch hergestellt werden, wird das Unternehmen früher oder später einlenken und sich der Nachfrage anpassen müssen. 

Druck auf Unternehmen wächst 

Die gute Nachricht ist: Schon jetzt sehen sich viele Unternehmen unter Zugzwang, ihre eigenen moralischen Grenzen noch mal neu zu abzustecken – und auf ihre grünen Lippenbekenntnisse Taten folgen zu lassen. Denn der Druck auf Unternehmen wächst, sich an ihre Klima-Versprechungen auch zu halten. Sowohl von Investoren- als auch von gesellschaftlicher Seite. 

Ein ethisches Investment hat noch einen Vorteil für den Anleger: einen ruhigen Schlaf. Denn wer seinem Bauchgefühl folgt und aus Überzeugung lieber reinen Gewissens investiert, wird langfristig ein gutes Gefühl beim Investieren haben – und dabei bleiben. 

Nachhaltige Fonds sind riskanter 

All das klingt erst einmal super – aber wie profitabel kann so ein ethisches Investment denn noch sein, wenn dabei die Schwergewichte der Wirtschaft, die Ölproduktionsfirmen und Rüstungsunternehmen dieser Welt ausgeschlossen werden? Sind es nicht gerade die “schmutzigen” Unternehmen, die die fetten Renditen in die Kasse spülen? Frei nach dem Motto: Ohne Laster kein Zaster? 

Ganz so einfach ist es – glücklicherweise – nicht. Tatsächlich haben Untersuchungen ergeben, dass sich mit einem ethischen Investment in beispielsweise einen Indexfonds langfristig genau so viel Rendite machen lässt wie mit einem herkömmlichen Portfolio. 

Was ethische Anleger allerdings in Kauf nehmen müssen, ist ein höheres Risiko. Der eigentliche Vorteil beim Investieren in einen breiten, weltweiten  Aktienmarkt ist schließlich, dass damit bei gleichbleibenden Rendite das Risiko erheblich sinkt. Werden nun ganze Branchen aus dem Portfolio aussortiert, geht das zu Lasten der Diversifikation, sprich: das Risiko wird weniger breit gestreut und steigt dadurch.

Höhere Kosten 

Ein weiterer Minuspunkt sind die Kosten: Denn schließlich wird hier nicht nur ein Portfolio zusammengestellt, sondern zusätzlich sogenannte ESG-Analysen durchgeführt, mit denen der Index-Anbieter sicherstellen will, welche Unternehmen es “auszusortieren” gilt.  Das bedeutet zusätzliche Arbeit, die sich die Index und ETF Anbieter ein wenig mehr kosten lassen. 

Mehr Zeitaufwand 

Wer sich sein moralisch vertretbares Portfolio dagegen zusammenstellen will, muss deutlich mehr Zeit in das Ganze investieren. Zwar sind ethische Indexfonds mit einem Marktanteil von gerade mal 3% noch immer ein Nischenprodukt. Dennoch gibt es von den gängigen Indizes schon jetzt unzählige “grüne” Varianten. Alleine der Indexanbieter MSCI hat von seinem Index MSCI World bereits zig “grüne Tochter-Indizes” herausgegeben. Sie heißen MSCI World ESG Leaders Low Carbon, MSCI World ESG Screened oder MSCI World SRI. Sie unterscheiden sich teilweise nur geringfügig. Sich bei dieser Flut an Angeboten für den zur eigenen Definition von Nachhaltigkeit passenden Index zu entscheiden, kostet Zeit. Und die wiederum bekanntlich Geld. 

Fazit

Aus rein wirtschaftlichen Gründen lohnt es sich nicht, plötzlich zum grünen Anleger zu werden – schließlich ist die Rendite eines nachhaltigen Fonds im großen Durchschnitt der wissenschaftlichen Studien weder höher noch geringer als bei einem konventionellen ETF. Wer dagegen gerne mit einem reinen Gewissen investiert und selbst entscheiden möchte, in welche Firmen er sein Geld steckt, könnte mit einem nachhaltigen Investment gut beraten sein. Schließlich geht es beim Investieren darum, sich rundum wohl zu fühlen und möglichst lange dabei zu bleiben. 

Aber wie investiert man denn nun konkret nachhaltig? 

Diese Frage klären wir in Teil 2 unserer Serie zum Thema “Nachhaltiges Investieren”, den du nächste Woche in unserem Newsletter findest. 

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