Mona Linke
Mona Linke
17. September 2020

Zinsflaute am Tagesgeldmarkt

Selbst auf Tages- und Festgeld gibt es inzwischen kaum noch Zinsen – zumindest bei deutschen Banken. Im Ausland sieht die Lage schon besser aus. Hier ist allerdings Vorsicht geboten.

Mit Nichtstun Geld verdienen. Bis vor zwölf Jahren war das für viele Deutsche ganz normal. Schließlich mussten sie ihr Geld nicht einmal an der Börse investieren, um regelmäßig Prozente zu bekommen. Nein, im Jahre 2008 reichte es schon, das eigene Ersparte auf einem stinknormalen Tagesgeldkonto zu parken. Fast 5% Zinsen gab es dafür im Jahr. Wer damals also zum Beispiel 10.000€ angelegt hat, hätte nach fünf Jahren immerhin 2.800€ von seiner Direktbank obendrauf bekommen. 

Die Betonung liegt auf “hätte”. Denn schon ein Jahr später war es mit den großzügigen Zinsgeschenken der Banken vorbei. Mario Draghi als damaliger EZB-Chef schraubte den Leitzins in den Keller, Kredite bekam man plötzlich hinterhergeworfen, die Banken verdienten nichts mehr. Bis heute hat sich an der Situation nichts geändert, im Gegenteil: Die Zinsen haben ihren historischen Tiefstand erreicht. 

Leitzins im Euro Raum
Quelle: Bankenverband

Längst hat der Abwärtsstrudel am Zinsmarkt auch die Anbieter von Tagesgeldkonten erreicht. Auch hier sind die Zinsen inzwischen verschwindend gering, was den ein oder anderen Sparer ärgern mag. Ärgerlich ist das Ganze allerdings auch für jene, die ein ganzes Unternehmen auf dem Geschäft mit dem Tagesgeld aufgebaut haben. Die niederländische Großbank ABN Amro zum Beispiel hat 2011 ihre Marke Moneyou gelauncht. Eine Online-Plattform, über die Kunden beispielsweise mehrere Festgeld- oder Tagesgeldkonto eröffnen konnten. 

Seit Mitte August nun steht fest: Moneyou wird eingestellt. Schon bis Mitte nächsten Jahres solle die Plattform für den deutschen und niederländischen Markt geschlossen werden, teilt das Unternehmen seinen knapp 300.000 deutschen Kunden mit. Der Grund ist simpel: Das Geschäft mit dem Tagesgeld lohnt sich schlichtweg nicht mehr für die niederländische Großbank. Denn weil die Zinsen inzwischen bei Null liegen, kann Moneyou seinen Kunden inzwischen nichts mehr bieten, was sie nicht auch bei anderen Anbietern bekommen würden. Moneyou formuliert es so: “Bei anhaltend niedrigen Marktzinsen ist es Moneyou als Online-Anbieter mit einem Schwerpunkt auf Tages- und Festgeld nicht mehr möglich, einen unverwechselbaren Service anzubieten. Daher hat die ABN AMRO Bank N.V. entschieden, die Online-Marke Moneyou zu schließen”. 

Aus Österreich hat sich die Plattform schon 2019 zurückgezogen, spätestens 2021 nun wird Moneyou auch vom deutschen Markt verschwinden. Für die Tagesgeld-Nutzer bedeutet das, ihr Erspartes fortan woanders anlegen zu müssen. Fragt sich nur: Wo? Bei deutschen Banken gibt es schließlich kaum noch Zinsen.

Zinsflaute am Tagesgeldmarkt 

Im Grunde war es nur eine Frage Zeit, bis die ersten Direktbanken ihr Geschäft mit dem Tagesgeld einstellen würden. Schließlich zwingt die andauernde Nullzins-Ära auch sie langsam aber sicher in die Knie – auch wenn es den schlanken Direktbanken ohne Filialnetz und mit niedrigen Verwaltungskosten noch deutlich besser geht als den behäbigen Geschäftsbanken. 

Trotzdem: Seit die Marktzinsen sogar ins Minus gehen, kommt auch die Anbieter von Tagesgeldbanken jede Prozent Zinsen teuer zu stehen. Mit dem Kreditgeschäft macht eine Bank inzwischen kaum noch Gewinne – schließlich war es nie billiger als heute, sich zu verschulden. Was zum Beispiel den Häuslebauer freut, bringt die Bank in die Bredouille: Um weiterhin ihre fortlaufenden Kosten stemmen zu können, müssen sie an anderer Stelle sparen. Den Tagesgeld-Kunden da noch unnötig viel Rendite hinterher zu werfen, wäre da eher ineffizient. 

Wo gibt es denn überhaupt noch Zinsen? 

0,1%  Zinsen gibt es durchschnittlich im Jahr auf das, was auf dem Tagesgeldkonto liegt. Bei einer Einlage von 10.000€ sind das gerade mal um die 10€ “Gewinn” im Jahr. 

Auch beim Festgeld sind die Aussichten für renditesuchende Sparer eher schlecht: Hier liegt der durchschnittliche Zinssatz bei 0,70€. Weil das Geld nicht jederzeit verfügbar ist, sondern für einen vorher festgelegten Zeitraum angelegt wird, sind die Banken hier etwas großzügiger. 

Zinsen über 0% gibt es tatsächlich noch: Jedoch handelt es sich bei solchen Angeboten meist um Marketing-Aktionen, von denen ausschließlich Neukunden profitieren. Spätestens nach ein paar Monaten werden auch sie sich dem Marktzins angleichen und fallen. 

Zinsplattformen im Aufwind

Okay, Zinsen auf Tages- und Festgeld gibt es hierzulande also kaum noch. Und weil das so ist, treiben sich immer mehr Sparer auf sogenannten Zinsplattformen herum. Die Plattform Weltsparen zum Beispiel zählt inzwischen knapp 270.000 Kunden. Auch der Konkurrent Zinspilot, hinter dem die Hamburger Sutor Bank steht, hat es inzwischen zu ein