Buffett: Was du von der Investmentlegende lernen kannst
Mit Berkshire Hathaway hat er sich einen beachtlichen Wohlstand aufgebaut. Nach welchen Prinzipien hat er sein Geld über die Jahre investiert? Solltest du Buffetts Strategie kopieren? Und können wir als Privatanleger von seiner Erfahrung profitieren?
Die Faszination Buffett
Wenige Investoren haben auch außerhalb der Finanzwelt eine solche Ausstrahlungskraft wie Warren Buffett. Der 1930 geborene Investor gehört nicht nur zu den vermögendsten Menschen der Welt, sondern wird auch als Inspirationsquelle für Investments an der Börse gefeiert: Kein Wunder, dass man den Zitaten der Investmentlegende im Internet und auf Social Media kaum entkommen kann. Auch sein philanthropisches Wirken in Form von Spenden in Milliardenhöhe, insbesondere an die Gates Foundation, zeugt von Buffetts besonderem Charisma.
Bereits 1956 begann Buffett seinen Weg als Investor, als er seine Firma Buffett Partnership Ltd. gründete. Damit erwarb er zunächst Anteile des strauchelnden Textilunternehmens Berkshire Hathaway, dessen Name er später auch für seine Investmentgesellschaft übernahm. Durch geschickte Beteiligungen an und Übernahmen von anderen Firmen, unter anderem Versicherungen und Banken, gelang es Buffett mit der Zeit, aus dem einstigen Textilbusiness ein riesiges Konglomerat aus zahlreichen Unternehmen aufzubauen. Damit sichert er sich einen Platz auf der Rangliste der wohlhabendsten Personen und hinterlässt eine Holding mit Legenden-Status.
Das Buffett-Rezept zum Imitieren?
Buffett ist für viele ein Idol: Wer träumt nicht davon, der nächste Starinvestor zu werden – oder zumindest so vermögend? Also einfach das nächstbeste Textilgeschäft übernehmen, später ein paar Banken und Versicherungen dazukaufen und die Hälfte seines Aktienportfolios in Apple investieren? Diese Methode dürfte wohl für die wenigsten Privatanleger praktikabel, geschweige denn sinnvoll sein. Aber lässt sich zumindest sein Investment-Stil übernehmen oder seine Börsen-Investments kopieren?
Value-Investor werden
Eine der wohl Buffett-treuesten Arten, ihm nachzueifern, ist es, sich seinen Investmentansatz zu eigen zu machen und selbst nach den Grundsätzen des Value Investings zu investieren. Value Investing ist ein Anlageprinzip, das den „inneren Wert“ von Unternehmen mit dem Marktwert kontrastiert: Nur, wenn dieser innere Wert höher als der Preis am Markt ist, werden Unternehmensanteile gekauft. Dabei werden Geschäftsmodelle analysiert, Cashflows prognostiziert und Aktien mit niedrigem Kurs-Buchwert- und -Gewinn-Verhältnis selektiert.
An dieser Stelle ließen sich viele Sprüche von Buffett (und Graham, dem eigentlichen Erfinder des Value Investings) erwähnen, ausgeschmückt mit Metaphern von Zigarettenstummeln, Burggräben und Safety-Margins. Aber letztlich kann das Ziel des Value Investings auch ohne ausufernde Zitate prägnant zusammengefasst werden: Es sollen Anteile von unterbewerteten Unternehmen mit einem Alleinstellungsmerkmal zu einem guten Zeitpunkt gekauft und dann möglichst lange gehalten werden.
Klingt simpel, aber für gewöhnliche Privatanleger, die nicht zufällig hauptberuflich Fondsmanager sind, gibt es doch große Hürden zu überwinden: Zeit, Expertise – und das nötige Cash. Es muss konstant viel Zeit aufgebracht werden, um die laufenden Investments zu prüfen und neue zu finden. Auch die Analyse und Bewertung der Unternehmen bedarf einiges an finanziellem Fachwissen. Und schließlich muss das notwendige Kapital vorhanden sein, um die Investments auch umzusetzen. Damit ist eine solche Art des Investierens für Privatanleger, die einfach nur entspannt und peu à peu für ihr Alter vorsorgen möchten, nicht unbedingt praktikabel.
Buffetts Aktienkäufe kopieren
Wer selbst keine Lust und Zeit hat, sich die besten Value-Stocks herauszusuchen, könnte auch einfach auf Buffetts Auswahl vertrauen und das Berkshire-Aktien-Depot nachbilden. Was Buffetts Holding im Portfolio hat, lässt sich dank Offenlegungspflichten und des Internets leicht herausfinden. Allerdings wäre eine solche Art des Copy-Tradings gar nicht im Sinne des Value-Investors: Sobald eine Marktgröße wie Buffett in nennenswerter Höhe in Unternehmen einsteigt, hat das auch einen positiven Effekt auf die Kurse. Damit ist die mögliche Differenz zwischen innerem Wert und Marktwert schnell dahin.
Was konkret Buffett ge- und verkauft hat, wird auch erst einige Wochen nach dem eigentlichen Trade publik, ein echtes „Live-Copy-Trading“ wäre also ohnehin nicht möglich. Zudem verstehen sich Value-Investoren wie Buffett tendenziell als „Contrarians“: Anleger, die gegen den Strom schwimmen und das kaufen, was derzeit wenig nachgefragt wird. Einfach stur das zu kaufen, was Buffett kauft, ist das Gegenteil dieses Prinzips.
Berkshire-Hathaway-Aktien kaufen
Eine einfache Möglichkeit, um an Buffetts Erfolg teilzuhaben, ist der direkte Kauf der Aktie von Berkshire Hathaway. Allerdings ist das wohl weniger „Investieren wie Warren Buffett“ als eher „Investieren in Warren Buffett“ (bzw. seine Holding). Neben den A-Shares, die einen stolzen sechsstelligen Betrag pro Stück kosten, gibt es die Privatanleger-freundlichere B-Aktie, die auch mit weniger Kapital über die gängigen Broker erworben werden kann.
Aber: Auch wenn die Berkshire-Holding als solche in zahlreiche Firmen investiert und somit per se diversifiziert ist, solltest du trotzdem nicht alles auf nur diese eine Aktie setzen. Gerät die Firma ins Taumeln, ist dein Portfolio einem hohen Verlustrisiko ausgesetzt.
Buffetts Rat: passiv investieren
Es zeigt sich erneut: Die Strategien professioneller Investoren taugen nicht unbedingt als Blaupause für private Investitionsentscheidungen. Das ist natürlich auch Buffett selbst bewusst: Ein Brief, den er 2013 an die Eigner seiner Holding adressierte, erregte großes Aufsehen. Darin riet er Privatanlegern, zum Zweck ihrer Altersvorsorge ihr Geld zu 90% in einen Indexfonds auf den S&P 500 (oder ähnlich) zu investieren und zu 10% in kurzlaufende Staatsanleihen.
Damit rät Buffett Retail-Anlegern explizit dazu, zwischen risikobehaftetem Teil (Aktien) und risikoarmem (Staatsanleihen) Teil zu differenzieren und in Indexfonds anzulegen. Das sollte aber nicht als Absage an seine eigene Anlagestrategie verstanden werden, sondern vielmehr als eine pragmatische Anpassung der Strategie für gewöhnliche Privatanleger, die eben keine milliardenschwere Holding mit Versicherungssparte managen.
Wer den (aus amerikanischer Sicht) „Home Bias“ des S&P 500 umgehen möchte, kann per ETF auf einen weltweit diversifizierten Index wie den FTSE All-World oder den MSCI ACWI setzen. Statt Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit eignen sich auch kurzfristige Festgeldangebote oder flexible Tagesgeldkonten, die ebenfalls Zinsen mit geringem Risiko bieten.
Die Tugenden eines Investors
Eine direkte Kopie von Buffetts professionellem Investment-Stil erscheint für private Investoren wenig praktikabel. Dennoch können auch Privatanleger einiges an Investment-Inspiration von ihm mitnehmen. Denn auf einer etwas abstrakteren Ebene geht es nicht darum, Buffetts Handeln zu kopieren und seinen Investments nachzueifern, sondern vielmehr darum, seine Denkweise und Tugenden – man könnte auch „Mindset“ sagen – nachzuvollziehen und auf seine eigenen Börsenaktivitäten anzuwenden.
Geduld und Gelassenheit
Langfristiges Denken ist ein wichtiges Kriterium des Value Investings: Value-Investoren gehen davon aus, dass innerer Wert und Marktwert sich irgendwann angleichen. Allerdings passiert das nicht sofort, sondern erst nach einer gewissen Zeit. Deshalb haben Value-Investoren vergleichsweise lange Anlagehorizonte. Geduld ist also essenziell, ebenso wie das Vertrauen auf den langfristigen Aufwärtstrend der Börse.
Auf Berkshires Hauptversammlung im Mai 2025 – wegen der magischen Anziehungskraft des Star-Acts Buffett auch gerne als Woodstock der Kapitalisten bezeichnet – zeigt sich Buffett in Anbetracht der Börsenschwankungen wegen des Zollchaos gelassen. Diese Volatilität sei kein Bärenmarkt oder Ähnliches, sondern einfach Teil des Investierens. Marktschwankungen gelassen und ohne große Emotionen hinnehmen und besonnen seiner langfristigen Strategie treu bleiben – eine wertvolle Lektion des Value-Investors.
Bescheidenheit und Sparsamkeit
Auf besagter Hauptversammlung stellte Buffett ebenfalls seine Bescheidenheit mit einer Prise Humor unter Beweis: Er merkte an, dass es ihm nahezu peinlich sei, dass Apple-Chef Tim Cook mehr Geld für Berkshire verdient hätte als Buffett selbst. Er prahlt nicht und maßt sich keine Erfolge anderer an.
Auch Buffetts Lebensstil ist von Bescheidenheit geprägt: Er präferiert eine schlichte, sparsame Lebensweise. So wohnt er immer noch in demselben Haus, das er in den 1950ern gekauft hat, und verzichtet auf extravagante Hobbys, kostspielige Luxusartikel oder teure Reisen. Hier gibt es genügend andere Promi-Beispiele, die ihren Wohlstand weitaus stärker ausleben und ihren Reichtum zur Schau stellen. Buffetts Zurückhaltung setzt hier einen angenehmen Kontrapunkt. Vielleicht ist es auch genau dieser Kontrast und Buffetts Verzicht auf Materialismus, der ihn für viele so nahbar macht.
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Auf die inneren Werte kommt es an
Um im Jargon des Value Investings zu bleiben: Die inneren Werte sind eben entscheidend, sowohl für Investoren als auch für ihre Investments. Besonnenheit, Gelassenheit, Bescheidenheit, Sparsamkeit und Geduld sind Tugenden, die auch dich beim Umgang mit deinen persönlichen Finanzen langfristig begleiten sollten.
Allerdings sollten sich private Investoren nicht in Imitationsversuchen des Investment-Idols verirren. Echtes Value Investing erfordert Zeit und Expertise, Copy-Trading funktioniert nicht und Einzelaktien sind riskant. Deshalb rät selbst Buffett als Flaggschiff der Value-Investoren Privatanlegern explizit zu passiven Indexfonds. Buffetts Investmentstil, sein Charisma und seine Erfolge mit Berkshire Hathaway bleiben weiterhin so beeindruckend wie einzigartig.
Zum Schluss noch ein kleiner Trost für alle Buffett-Fans: Auch mit einem klassischen ETF-Sparplan auf den MSCI World bist du an Buffetts Business beteiligt, denn Berkshire hat ein Gewicht von etwa 1% im Index. Auch bei ETFs kommt es also auf die inneren Werte in Gestalt der enthaltenen Aktien an.