Investieren in Blue Chips

Finanzfluss Team
Finanzfluss Team
Stand: 17. Juni 2022
Der Begriff Blue Chips hat eine starke Anziehungskraft für Privatinvestoren entwickelt, die von der Erfahrung und Sicherheit großer Unternehmen profitieren wollen. Aber woher kommt der Begriff eigentlich? Und welche Unternehmen lassen sich darunter gruppieren? Wie kannst du in Blue Chip Aktien investieren? All das und mehr findest du im Ratgeber.

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Was du wissen solltest
  • Der Begriff Blue Chip stammt aus der Welt des Glücksspiels und bezeichnet in manchen Casinos die Spieljetons mit dem höchsten Wert.
  • In der Welt der Börse nennt man große, bekannte und sichere Unternehmen als Blue Chips, sie werden auch “Standardwerte” genannt. Dieser Begriff ist nicht klar definiert, weswegen unterschiedliche Marktbeobachter verschiedene Unternehmen meinen können, wenn sie von Blue Chips sprechen.
  • Wichtige Merkmale von Blue Chips sind ihre Etabliertheit am Markt (oft Branchenführerschaft), hohe Marktkapitalisierung und Umsatz, niedrige Schulden und hohes Eigenkapital und häufig hohe und verlässliche Dividendenzahlungen.

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So gehst du vor
  • Du kannst mithilfe eines Depots bei einem Broker ganz einfach in Aktien und ETFs investieren. Unser Depotvergleich hilft dir bei der Auswahl.
  • Du kannst einzelne Blue Chips selbst auswählen und durchleuchten und in sie investieren. Wichtige zu treffende Entscheidungen sind hier die Auswahlkriterien und die Gewichtung der einzelnen Positionen.
  • Alternativ kannst du mit ETFs ganz einfach in ganze Leitindizes investieren (etwa den Dow Jones Industrial Average) und damit in alle darin vertretenen Unternehmen. Hier stellt sich die Frage, ob du dich wirklich nur auf Blue Chips beschränken möchtest und welche Regionen du abbilden möchtest.

Geschichte des Begriffs Blue Chip

Der Begriff Blue Chip lässt sich auf die Geschichte des Glücksspiels zurückführen. Historisch wurden in einigen Casinos die blauen Spielmarken (“Blue Chips”) als die wertvollsten geführt. Seit den 1920ern wurden dann zunehmend im englischsprachigen Raum Unternehmen, die als groß und sicher bewertet wurden, als Blue Chips bezeichnet. Aber wie lassen diese sich kategorisieren und von anderen unterscheiden?

Was sind Blue Chip Aktien?

Der Begriff Blue Chip Unternehmen designiert große, wichtige Unternehmen. Anhand der folgenden Indikatoren kann man Blue Chips, die man auch Standardwerte nennt, erkennen:

  1. Hohe Marktkapitalisierung und Umsatz
  2. Niedrige Schulden und hohes Eigenkapital
  3. Etablierte Marke und langjährige Erfahrung, meist auch Führungsrolle in der jeweiligen Branche
  4. Häufig hohe und verlässliche Dividendenzahlungen

Diese Merkmale sind recht vage und zeigen auf, dass der Begriff Blue Chip an keine festen Parameter gebunden ist und damit einer gewissen Willkür unterliegt. Blue Chip-Unternehmen ist kein feststehender Begriff. Die Relativität dieser Merkmale weist außerdem darauf hin, dass ein Unternehmen auch das Ansehen als Blue Chip verlieren kann oder es erhält, nachdem es sich eine längere Zeit am Markt etabliert hat. 

Letztendlich geht es bei der Benennung als Blue Chip um das Vertrauen der Investoren am Markt in die Sicherheit und Etabliertheit der betreffenden Unternehmen. Blue Chips gelten als vergleichsweise risikoarme Investments, von denen Wachstumssprünge oder “disruptive” Interventionen in den Markt eher selten zu erwarten sind, sondern sicheres, stetiges Wachstum, das auf der Qualität der Unternehmensstruktur und ihrer Produkte basiert. Auch in Krisenzeiten sollen diese Unternehmen nicht Gefahr laufen, insolvent zu gehen, und sich nach einer Krise schnell wieder erholen.

Häufig finden sich Blue Chips in den großen Indizes der jeweiligen Regionen, etwa im DAX für Deutschland, dem CAC 40 für Frankreich oder dem Dow Jones Industrial Average für die USA. Dies bedeutet jedoch nicht, dass DAX-Unternehmen automatisch als Blue Chips zu klassifizieren sind (wenn sie auch aufgrund ihrer hohen Marktkapitalisierung ein Merkmal davon erfüllen). Man kann Blue Chips aber auch relativ zur jeweiligen Region definieren, aus der das Unternehmen kommt, womit die Mitglieder des jeweiligen Leitindex als solche bezeichnet werden könnte.

Beispiele für Blue Chips

Schauen wir uns nun ein paar konkrete Beispiele für als Blue Chips bezeichnete Unternehmen an. 

  • Coca Cola. Jeder kennt den Limonadengiganten aus den Vereinigten Staaten. Mit einer jahrzehntelangen Branchenführerschaft und einer Marktkapitalisierung von über 260 Milliarden US-Dollar (Stand Juni 2022) ist das Unternehmen definitiv ein Blue Chip.
  • Apple. Die kalifornische Techfirma mit dem Apfel kommt derzeit auf eine gigantische Marktkapitalisierung von über 2 Billionen US-Dollar und hat sich damit zu einem Blue Chip im Tech-Bereich entwickelt. 
  • Siemens. Auf dem deutschen Markt ist der Mischkonzern ein klassischer Blue Chip. Siemens kommt auf eine Marktkapitalisierung von über 100 Milliarden Euro und zahlt regelmäßig Dividenden an seine Aktionäre (für 2021 4€ pro Aktie) aus.  

Investieren in Blue Chips: Vor- und Nachteile

Die Geldanlage in Standardwerte bringt einige Vor- und Nachteile mit sich. Im Folgenden haben wir die wichtigsten für euch aufgelistet:

Vorteile von Blue Chips

  • Stabilität: Die Bekanntheit und Etabliertheit von Standardwerten in Verbindung mit ihrer Branchenführerschaft, den soliden Finanzen und langjähriger Managementerfahrung soll für Stabilität sorgen, eine hohe Volatilität ist eher unwahrscheinlich. Selbst in Krisenzeiten schlagen Blue Chips meist weniger nach oben oder unten aus.

  • Liquidität: Blue Chips sind auch in angespannten Börsenzeiten liquide und an allen größeren Börsen handelbar. Auch wenn das Anlegen in Standardwerte meist eher langfristig ausgerichtet ist, ist es prinzipiell meist möglich, sie zu kaufen oder verkaufen.

  • Stetes Wachstum: Blue Chip-Anleger erhoffen sich von Blue Chips langsames, aber stetiges Wachstum.

  • Hohe Dividenden: Viele Standardwerte zeichnen sich dadurch aus, einen Teil ihrer Unternehmensgewinne als Dividenden an die Aktionäre auszuschütten. Auch wenn Dividenden per se nicht besser oder schlechter sind als “normale” Kursgewinne, gibt es Dividenden-fokussierte Anlagestrategien, für die Blue Chips unerlässlich sind.

Blue Chips: Nachteile

  • Wachstumssprünge unwahrscheinlich: Im Gegensatz zu Firmen, die noch nicht etabliert sind, sind starke Wachstums- oder Kurssprünge eher unwahrscheinlich. Manche Anleger interessieren sich aber vor allem für “Growth”-Aktien, bei denen schnelles Wachstum und hohe Renditen wahrscheinlich erscheinen.

  • Aktieninvestments immer risikobehaftet: Ob Blue Chip-Riese oder Startup-Newcomer: Wer in Aktien investiert, sollte sich immer des Risikos von Kursabfällen bewusst sein, die auch Blue Chips betreffen können. Für dieses Risiko wird die Rendite als Prämie an die Anleger ausgeschüttet. Aktien-Anleger sollten sich im Vorhinein mit dem Risiko auseinandersetzen und ihr Vermögen so anlegen, dass das Risiko für sie passend gestreut ist.

  • Blue Chips müssen nicht Blue Chips bleiben: Wie bereits ausgeführt, ist “Blue Chip” oder “Standardwert” kein feststehender, klar definierter Begriff. Zudem können sich auch große, führende Unternehmen wirtschaftlich schlecht entwickeln und ihre Vormachtstellung verlieren.

  • Fehlende Diversifizierung: Wer nur in Blue Chips investiert, streut sein Anlagekapital weniger breit als es möglich ist. Warum nicht in den ganzen Markt investieren und damit sowohl die kleineren, wachstumsorientierten, als auch die großen, etablierten Unternehmen im Portfolio haben?

So kannst du in Blue Chips investieren

Zu Zeiten von Neo-Brokern und Direktbanken ist es für Kleinanleger ganz einfach, in Blue Chips zu investieren. Zwei hauptsächliche Wege bieten sich hierfür an:

Einzelne Aktien kaufen

Die offensichtlichste Art, in Standardwerte zu investieren, ist, sich diese einzeln ins Portfolio zu legen. Dazu würde es sich anbieten, nach klaren Parametern zu sortieren und die Zahlen der Unternehmen zu durchleuchten, um ihren Status als Blue Chip zu konfirmieren. Es stellt sich außerdem für dich die Frage, in welchem Verhältnis du die einzelnen Blue Chip-Positionen gegeneinander gewichtest. All das kann ein relativ zeitaufwändiges Unternehmen sein. 

ETFs auf Indizes

Deutlich einfacher ist es, in ganze Leitindizes mit der Hilfe von Exchange Traded Funds (ETFs) zu investieren. ETFs bilden diese Indizes nämlich automatisch ab, was sie sehr transparent und kostengünstig macht. Allerdings stellt sich hier die Frage, ob wirklich alle in den Leitindizes vertretenen Unternehmen als Blue Chips klassifiziert werden können und in welche Regionen du investieren willst. Beispiele für Leitindizes wären der Dow Jones Industrial Average Index oder der DAX in Deutschland. 

Häufig gestellte Fragen

Welche Aktien sind Blue Chips?

Was ist Blue Chip?

Was sind Blue Chip Fonds?