Finanzfluss Exklusiv Podcast Cover mit Thomas und Ana

#329 Startups in Deutschland: von Unicorn bis Crowdinvestment

6. Oktober 2022

Der Begriff Startup kommt aus dem Englischen “to start up” und heißt so viel wie gründen / in Gang setzen; in der Regel bezeichnet man damit ein Unternehmen, das 10 Jahre alt oder jünger ist.

Ein Startup ist eine Unternehmensgründung mit einer innovativen Geschäftsidee und hohem Wachstumspotenzial (auch Skalierbarkeit genannt). Startups wollen einen direkten Impact haben, viele wollen eine Branche “disrupten”, also umwälzen.

Eric Ries, Autor und Begründer der Lean-Startup-Methode, bezeichnet Startups so: „Ein Startup ist eine menschliche Institution, die ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung in einem Umfeld extremer Ungewissheit entwickelt“.

Nicht jede Unternehmensgründung ist ein Startup. Startups “disrupten” oft eine Branche und setzen stark auf Technologie. Eine neue Bäckerei ist nicht gleich ein Startup.

Zu guter Letzt: Ein Startup ist noch nicht an der Börse gelistet bzw. wurde noch nicht übernommen. Meistens stehen Startups am Anfang noch keine großen finanziellen Mittel zur Verfügung, sie müssen also Kapital beschaffen.

Von einem Unicorn oder Einhorn spricht man bei Startups ab 1 Mrd. Dollar Bewertung durch Investoren. Zebras sind Startups, die mehr auf nachhaltiges als auf schnelles Wachstum setzen. Und auf Kooperation statt Disruption. 

Ganz klar begrenzen kann man die Definition Startup nicht. Genauso gestaltet es sich bei der Frage, wann ein Startup keines mehr ist. Grundsätzlich etablieren sich in diesem Stadium klare Unternehmensziele. Das Wachstum ist nicht mehr so rapide wie zu Beginn, es entwickelt sich eine Unternehmenskultur und klare Strukturen. Am Ende eines Startups steht der Exit, bzw. der Börsengang.

Statistiken zu Startups

Startups in Deutschland

  • 2021 wurden laut dem Jahresreport der Analysefirma  Startupdetector 3.348 neue Startups registriert. Natürlich gehen immer auch Startups vom Markt.
  • Den Bestand der Startups in Deutschland beziffert die KfW auf 47.000 im Jahr 2020.
  • Drei von zehn (29 %) Startups werden in Berlin und München gegründet, obwohl hier nur 6 % der deutschen Bevölkerung leben.
  • Über 80% der Startups in Deutschland scheitern innerhalb der ersten drei Jahre.
  • Das Investitionsvolumen in Startups erreichte laut EY Startup-Barometer 2021 einen Rekord mit 17,4 Mrd. Euro. 2022 waren es 6 Mrd. Euro.
  • 2021 Jahr kamen 41 % der Investments für deutsche Startups aus den USA, bei Finanzierungsrunden ab 100 Millionen Euro waren es sogar 54 %.

Startups weltweit

  • Betrachtet man die Verteilung der Unicorns, sind die USA mit 487 Unicorns klar vorne. Gefolgt von China (301), Indien (54), UK (39), Deutschland (26) und Frankreich (19).
  • In absoluten Zahlen gibt es die meisten Startups in den USA (73.805) – mögliche Gründe dafür: Risikokapital ist in den USA und in Asien leichter zu beschaffen, natürlich ist aber auch die Bevölkerung wesentlich größer.
  • Wirft man einen Blick auf die Branchenverteilung, zeigt sich: KI und Big Data machen den größten Anteil an VC-finanzierten Startups weltweit aus (ca. 25%), Fintech, Biowissenschaften, Robotics je etwa 10%.

Fintechs in Deutschland

FinTech steht für Finanztechnologie und bezeichnet den Wandel und die Digitalisierung der  Finanzdienstleistungsbranche. Bekannte deutsche FinTech-Unicorns sind z.B.N26, TradeRepublic, Scalable Capital oder die Solaris Bank.

FinTechs zielen auf Bereiche wie das Kreditgeschäft, Anlagestrategie und digitale Zahlungen. Nicht alle FinTech-Startups haben eine Bankenlizenz.

Innerhalb des Fintech-Bereichs machen digitale Zahlungen das größte Segment aus – mit einem erwarteten Volumen von 207,90 Mrd. € im Jahr 2022.

So finanzieren sich Startups

Um zu verstehen, wie sich Startups finanzieren, muss man die verschiedenen Phasen eines Startups ansehen. Grundsätzlich sind Startups entweder selbst finanziert (Bootstrapping) oder setzen (auch) auf Fremdkapital. 

Die Zyklen von Startups

1. Pre-Seed-Phase / Orientierungsphase

Die Pre-Seed-Phase ist eine Orientierungsphase und dauert einige Wochen bis Monate. In diesem Zeitraum wird eine Idee oft im persönlichen Umfeld angetestet.

2. Seed – Frühphase / Planungsphase

Die Seed-Phase oder Frühphase beginnt nach der Ideenfindung. In dieser Phase treffen Gründer Vorbereitungen zur Unternehmensgründung – z.B. durch die Erstellung eines Businessplans, das Entwickeln von Prototypen, einem Proof of Concept oder einer Marktanalyse.

In der Seedphase kommt auch die Frage nach der Finanzierung auf – hier reichen die persönlichen Rücklagen nicht immer aus. Business Angels, Crowdfunding und Venture Capital Funds sind Möglichkeiten, an Fremdkapital zu gelangen.

Als Business Angel bezeichnet man eine Privatperson, die oft selbst unternehmerisch tätig ist oder war. Ein Business Angel unterstützt nicht nur mit Kapital, sondern meist auch als Mentor oder Mentorin mit Know-How.

3. Early Stage / Startup – Gründungsphase / Aufbauphase

Nach etwa einem Jahr wird das Unternehmen gegründet und die Gründer bereiten sich auf den Markteintritt vor. Jetzt stehen viele bürokratische Aufgaben an (Finanzamt, Gewerbeanmeldung, Stammbuch etc.). Neues Fremdkapital durch Investoren und Kunden wird akquiriert, wenn die Finanzierung noch nicht gedeckt ist. 

4. Aufbauphase (1st Stage)

Nach Markteintritt beginnt in der Aufbauphase die operative Geschäftstätigkeit. In dieser Phase werden oft neue Mitarbeitende beschäftigt, das Produkt oder die Dienstleistungen werden vertrieben und weiterentwickelt.

5. Wachstumsphase (2nd Stage)

Die Wachstumsphase steht nach ca. vier bis sechs Jahren an. Je nach Unternehmenszielen findet hier ein starkes Wachstum statt, auch in der Belegschaft. Für einige Startups beginnt hier die Gewinnzone.

6. Reifephase / Later Stage (3rd Stage)

Finanzierung: Vorbereitung auf M&A / Mergers & Acquisitions (Übernahme) oder Börsengang, Verkauf von Beteiligungen (Buy-out funds) 

Hat sich das Startup entsprechend etabliert, gelingt in der Later Stage nach einigen Jahren der Übergang von schnellem zu nachhaltigem Wachstum. Je nach Unternehmensziel kann ein Exit anvisiert werden, z.B. durch einen IPO oder eine Übernahme. 

Als Anleger/in in Startups investieren

In unserem Ratgeber zum Thema Crowdinvesting findest du heraus, wie du als Startup-interessierte/r Kleinanleger/in einsteigen kannst. Wenn du nicht gerade selbst unternehmerische Erfahrung und ausreichend Kapital zur Verfügung hast (ca. 10 bis 100.000 Euro), um als Business Angel einzusteigen, bleiben die Möglichkeiten Crowdfunding- und -Lending bzw. VC-Fonds.

Shownotes

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