Spekulieren oder Investieren?

Spekulieren und Investieren sind gängige Wörter, wenn es um das Thema Geldanlage geht. Gerade Privatanleger haben am Anfang Schwierigkeiten, beide Begriffe auseinander zu halten. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen Spekulation und Investition und gibt dir Empfehlungen, was sich für dich als Privatanleger besser eignet.

Der Unterschied zwischen Spekulation und Investition

Auf den ersten Blick ist eine Spekulation von einer Investition nicht sofort zu unterscheiden. Aus diesem Grund ist ein detaillierter Blick auf die jeweilige Transaktion notwendig.

Die Haltedauer eines Wertpapiers

In Deutschland gab es bis 2008 die Spekulationssteuer. Sie wurde bei Finanztransaktionen fällig, wenn zwischen An- und Verkauf eines Wertpapiers weniger als 12 Monate lagen.

2009 wurde diese durch die heute geltende Abgeltungssteuer ersetzt, die jeden Gewinn aus Finanzgeschäften mit einheitlich 25 Prozent besteuert. Dabei ist nicht relevant, ob es sich um eine Spekulation oder Investition handelt.

Die Haltedauer des Wertpapiers ist das erste Unterscheidungsmerkmal zwischen einer Investition und einer Spekulation.

Von einer Spekulation ist die Rede, wenn der Zeitraum zwischen An- und Verkauf relativ kurz ist. Investitionen sind dagegen eher langfristig orientiert. Handelst du wie ein Spekulant, dann interessierst du dich für die kurzfristige Prognose des Börsenkurses, an der du deine Entscheidung orientierst.

Aus der Sicht eines langfristigen Investors würdest du dagegen das Wertpapier einer sogenannten Fundamentalanalyse unterziehen, wobei das Augenmerk auf der Qualität der Managements, der Gewinnprognosen oder dem Marktumfeld liegt.

Auch das Investieren hat einen gewissen spekulativen Charakter: Der Anleger setzt auch in diesem Fall darauf, dass der Aktienkurs später höher notieren wird als zum Zeitpunkt des Kaufs.

Als Erfinder der Fundamentalanalyse und des langfristigen Investierens gilt Warren Buffetts früherer Professor Benjamin Graham. In seinem Buch „Intelligent Investieren“ unterscheidet er Spekulation und Investition folgendermaßen:

Eine Investition ist eine Transaktion, bei der eine gründliche Analyse Sicherheit des eingesetzten Kapitals und eine angemessene Vergütung verspricht. Transaktionen, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, sind Spekulationen.

Beispiel: Spekulation und Investition

Um dir diesen Zusammenhang mit einem einfachen Beispiel zu veranschaulichen, stell dir folgendes vor:

  • Du erwirbst eine Immobilie zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt schon heiß gelaufen und das Preisniveau sehr hoch ist.
    Hoffst du darauf, diese Immobilie nach nur zwei Jahren mit deutlichem Gewinn wieder verkaufen zu können, handelt es sich um eine Spekulation.
  • Hast du dagegen den Immobilienmarkt einer fundierten Analyse unterzogen und möchtest dir ein regelmäßiges Einkommen durch die Mieteinnahmen verschaffen, handelt es sich um eine Investition.

Diesen Grundsatz solltest du auch bei Aktien anwenden. Wenn zum Beispiel Facebook seine Quartalszahlen veröffentlicht und du ein paar Tage davor Facebook-Aktien kaufst, weil das Finanzergebnis deiner Meinung nach besser ausfallen wird als erwartet, dann handelst du wie ein klassischer Spekulant.

In diesem Fall setzt du ausschließlich auf kurzfristige Kursgewinne in den Tagen ab der Quartalsveröffentlichung.

Dagegen begibst du dich in die Rolle eines langfristigen Investors, wenn du von den zukünftigen Erfolgsaussichten des Unternehmens überzeugt bist.

Bei Facebook können eine anhaltend hohe Innovationskraft oder auch steigende Nutzerzahlen und Werbeeinnahmen Gründe dafür sein. Kurzfristige Quartalsergebnisse sind für dich dann nicht mehr von Bedeutung, sondern nur ein langfristiger Zeithorizont über mehrere Jahre.

Informationsquellen der Anlageentscheidung

Ein weiteres Unterscheidungskriterium zwischen Spekulation und Investition sind die herangezogenen Informationsquellen.

Ein Daytrader gilt als typischer Spekulant und orientiert sich hauptsächlich an Kursen und daraus abgeleiteten Indikatoren (Charttechnik). Zum Beispiel schaut er sich den Kursverlauf eines Rohstoffs an und ob dieser ober- oder unterhalb der 200-Tage-Durchschnittslinie notiert.

Ein Investor unterzieht vor einer Transaktion jedes Wertpapier einer Fundamentalanalyse. Er untersucht das Geschäftsmodell und die vorhandenen Wettbewerbsvorteile, das Management, die Auftragslage, das Marktumfeld oder wichtige Finanzkennzahlen.

Eine relevante Kennzahl ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Diese ergibt sich aus der gesamten Marktkapitalisierung einer Aktie geteilt durch den Gewinn oder auch

Kurs-Gewinn-Verhältnis = Kurs einer Aktie / Gewinn je Aktie

Das KGV sagt aus, wie viele Jahresgewinne nötig sind, um den derzeitigen Kurs einer Aktie zu bezahlen. Des Weiteren kannst du daraus ablesen, wie viel andere Investoren bereit sind, für das Unternehmen zu bezahlen.

Auch die Marktstellung im Vergleich zu den Wettbewerbern ist von großer Bedeutung. Hier solltest du untersuchen, welche Marktanteile das Unternehmen besitzt, ob es Kostenvorteile hat oder besonders innovative Produkte verkauft.

Viele Menschen sind der Ansicht, dass ausschließlich Investoren nützlich für eine Volkswirtschaft sind. Auf der einen Seite ist das richtig, da Investoren den Unternehmen Kapital zur Verfügung stellen, damit diese ihre Investitionen und Wachstum finanzieren können.

 

Auf der anderen Seite haben auch Spekulanten ihre Daseinsberechtigung, da sie für eine hohe Liquidität am Kapitalmarkt sorgen und Investoren dadurch viel einfacher kaufen und verkaufen können.

Was ist besser für Privatanleger?

Für Privatanleger ist langfristiges Investieren besser geeignet. Das Spekulieren solltest du den Daytradern überlassen, die daraus ihren Beruf gemacht haben.

Willst du selbst dein Geld mit Daytrading verdienen, solltest du wissen, dass es für die meisten kein Weg zum schnellen Reichtum ist. Es ist sehr viel Disziplin nötig und anfangs mit sehr viel Lehrgeld verbunden. Des Weiteren agieren Daytrader auf denselben Märkten wie die großen Investmentbanken, die ganze Abteilungen erfahrenen Trader mit der besten technologischen Ausstattung beschäftigen.

Da auch das aktive Investieren in verschiedene Wertpapiere sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, solltest du dich am Anfang auf das passive Investieren konzentrieren. Dein Vermögensmanagement überlässt du dabei einem Fonds- oder ETF-Manager. Dadurch bist du zeitlich nicht so stark ausgelastet und kannst dich mehr und mehr mit dem Thema Geldanlage vertraut machen.

Das Thema Zeit findet in dem Konzept „Return on time“ Anwendung. Hier wird der Ertrag gemessen, den du mit einem bestimmten Zeiteinsatz erreichst.

Hast du Erfolg bei deinen Anlagen mit relativ wenig Zeit erreicht, dann ist dein „Return on time“ sehr hoch. Hast du dagegen im Jahr 500 Euro mit deinen Geldanlagen verdient, musstest dafür aber jeden Tag zwei Stunden Zeit investieren, dann liegt dein Stundenlohn unter zwei Euro und der Return on time ist sehr gering.

Viel mehr Geld hättest du im Vergleich dazu mit einem 450-Euro-Job in einer Bar verdient.

Hast du dir Kapital angespart und bist mit dem Thema Geldanlage besser vertraut, kannst du neben dem passiven auch das aktive Investieren versuchen. Wenn dann noch etwas Geld übrig ist, spricht auch nichts gegen Trading mit einem geringen Teil deines Kapitals.

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