Was sind Dividenden?

In unserem Video und dazu gehörigen Blog Artikel „Was ist eine Aktie?“ haben wir euch am Beispiel der „X AG“ erklärt, wie ein Unternehmen mittels Aktien-Beteiligungen Geldgeber finden und am Unternehmen beteiligen kann. Diese Aktionäre sind damit auch am Gewinn- und Verlust des Unternehmens beteiligt und die Ausschüttung der Gewinnbeteiligung wird im Fachjargon der Finanzmärkte als Dividende bezeichnet.

Auf dieser abstrakten Stufe ist also klar: Dividenden sind Auszahlungen des Unternehmens an seine Aktionäre. Und diese Auszahlungen stehen in der Regel mit dem Unternehmensgewinn in Zusammenhang.

Jetzt wollen wir uns das Thema Dividenden aber einmal genauer anschauen und folgenden drei Fragen genauer nachgehen: Warum zahlen Unternehmen überhaupt Dividenden? Wie wird die Höhe einer Dividende festgelegt? Wenn eine hohe Dividende gezahlt wird, ist das Unternehmen dann eine interessante Kapitalanlage?

Warum zahlen Unternehmen überhaupt Dividenden an ihre Aktionäre aus?

Zunächst einmal sollten wir festhalten, dass gar nicht jedes Unternehmen Dividenden an seine Anteilseigner ausschüttet. So hat zum Beispiel der Google-Konzern in seiner Unternehmensgeschichte noch nie eine Dividende gezahlt. Und auch die neue Konzernmutter Alphabet wird wohl bis auf weiteres keine Gewinne an seine Aktionäre ausschütten.

Aus Sicht des Unternehmens ist es nämlich nur dann sinnvoll, Geld an seine Anleger auszuzahlen, wenn es selbst mit diesem Kapital nichts sinnvolleres anstellen kann. Vielleicht denkt ihr jetzt: „Moment mal, ist es nicht Sinn und Zweck des Unternehmens, Gewinne für seine Aktionäre zu erwirtschaften?“. Gewinne zu erwirtschaften, ja – aber nicht zwingend diese auch in bar an seine Aktionäre auszuzahlen.

Denn wenn sich das Unternehmen beispielsweise in einer Wachstumsbranche befindet, dann ist es aus Sicht des Unternehmens sinnvoll, die erwirtschafteten Gewinne zu re-investieren. Dann bezahlt das Unternehmen mit diesen Gewinnen die notwendigen Investitionen, Forschungs- und Entwicklungskosten, usw., um weiter von dem Wachstum des Marktes zu profitieren und zukünftig noch größere Gewinne zu erwirtschaften.

Oder das Unternehmen kann, wenn es zu Beginn und zur Vorfinanzierung erhebliche Schulden aufnehmen musste, die einbehaltenen Gewinne für Zins- und Tilgungszahlungen verwenden. Allerdings ist es aufgrund des Leverage-Effekts durchaus sinnvoll für hochrentable Unternehmen, weiterhin Schulden zu haben.

Auch wenn in dem eigentlichen Kerngeschäft des Unternehmens kein Wachstum stattfindet, werden manche Unternehmen dennoch ihre Gewinne nicht ausschütten wollen. Das Einbehalten der Gewinne kann auch in diesem Fall sinnvoll sein, um sich bestimmte unternehmensstrategische Optionen aufrechtzuerhalten. Dazu gehören zum Beispiel Versuche, in zusätzliche Märkte vorzudringen oder in neue Geschäftsmodelle zu investieren, einen Konkurrenten zu übernehmen oder sich an Zuliefer- oder Kundenunternehmen zu beteiligen. Und manchmal wollen die Unternehmen bzw. deren Management das Kapital einfach als Reserve für die Zukunftsvorsorge einbehalten wollen.

Halten wir also noch einmal fest: Nicht alle Unternehmen zahlen Dividenden und abhängig vom Zustand und der Strategie des Unternehmens kann das auch sinnvoll sein. Und damit kommen wir zurück zur eigentlichen Frage, wann und warum Unternehmen doch Dividenden auszahlen?

Denn im Umkehrschluss zum bisher Gesagten zahlen Unternehmen dann Dividenden, wenn sie selbst keine lukrativen Projekte mehr haben, in die sie ihre Gewinne investieren können. Dies ist natürlich ein bisschen überspitzt formuliert, denn in manchen Branchen gehört es beinahe zum guten Ton, jährlich eine möglichst üppige Dividende auszuschütten. So zahlen beispielsweise die Stromriesen E.ON und RWE trotz Verlusten im Geschäftsjahr 2015 weiterhin Dividenden an ihre Aktionäre aus. Diese Dividenden werden dann aus den Reserven der Vorjahre bezahlt.

Im Börsenjargon wird häufig von „Blue Chips“ gesprochen. Das sind die Aktien von sehr großen und bekannten Unternehmen, denen es gelingt, jahraus, jahrein solide Gewinne zu erwirtschaften und einen Teil dieser Gewinne an ihre Aktionäre auszubezahlen. Während also der wachstumsorientierte Anleger gerne auf seine Dividende verzichtet und auf üppige Kurssteigerungen setzt, möchte ein Blue-Chip- oder substanzwert-orientierter Investor, dass der Aktienkurs möglichst wenig schwankt und ihm das Unternehmen jährlich gleichmäßige Gewinn und Dividenden beschert.

Wie und von wem wird die Höhe einer Dividende festgelegt?

Zunächst einmal hängt die Höhe der Dividende von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens ab. Denn die Auszahlung der Dividende stellt eine Verminderung der liquiden Mittel des Unternehmens dar. Oder noch klarer ausgedrückt: Will das Unternehmen eine Dividende an seine Aktionäre zahlen, muss es die entsprechende Menge Bargeld erst einmal auf der hohen Kante haben.

Daher macht der Vorstand auf der Aktionärshauptversammlung einen Vorschlag, in welcher Höhe eine Dividende ausgezahlt werden kann. Über diesen Vorschlag entscheidet dann die Hauptversammlung, also die Aktionäre und eigentlichen Eigentümer des Unternehmen.

Grundsätzlich ist es also möglich, dass die Aktionäre selbst festlegen, wie hoch oder wie niedrig die Dividende ausfallen sollen, sofern die Aktionäre bei der Hauptversammlung eine einfache Mehrheit der Stimmen organisieren können. Das dürft ihr gerne mal auf der nächsten Hauptversammlung versuchen 😉

Wenn eine hohe Dividende gezahlt wird, ist das Unternehmen dann eine gute und sinnvolle Kapitalanlage?

Diese Frage lässt sich nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Wenn ich sie euch allerdings mit einem Wort beantworten müsste, lautet die Antwort: Nein. Denn die Höhe der Dividende sagt allein nichts aus. Auf der einen Seite muss man ihre Höhe im Bezug zu dem Gewinn des abgelaufenen Geschäftsjahres setzten. Andererseits ist auch zu bedenken, wie teuer die Aktie im Vergleich zur Dividende ist. Diese beiden sich daraus ergebenden Kennzahlen sind auf jeden Fall aufschlussreichere Kennzeichen, ob ein Unternehmen ein interessantes Aktieninvestment ist.

In welchem Verhältnis stehen also Gewinn und Dividende zu einander? Wie ich euch bereits am Beispiel E.ON und RWE erläutert hatte, kann eine Dividende auch nach einem Verlustjahr aus den Reserven der Vorjahre bezahlt werden. Grundsätzlich deutet die Fähigkeit, eine Dividende auch nach einem Verlustjahr zahlen zu können, zwar auf einer gewissen Finanzkraft des Unternehmens hin, allerdings sind nur nachhaltig gewinnträchtige Unternehmen letztlich auch gute Investments. Die Dividende sollte also nach Möglichkeit aus dem aktuellen Gewinn stammen. Im Durchschnitt werden von deutschen Unternehmen etwa 40% des jährlichen Gewinns als Dividende ausgeschüttet.

Und was bedeutet jetzt das Verhältnis von Aktienkurs und Dividendenhöhe?

Dieses Verhältnis bezeichnen wir auch als Dividendenrendite, die sich in einem Prozentwert ausdrücken lässt. Sagen wir der aktuelle Aktienkurs der X AG sei 12 Euro und es wird eine Dividende von 45 Cent je Aktie ausgeschüttet. Dann ergibt sich eine Dividendenrendite von 0,45€ / 12€ = 0,0375 = 3,75%. Das heißt, für jeden Euro, den ihr in die X AG investiert, erhaltet ihr eine Rendite oder „Verzinsung“ von 3,75% in Form der Dividendenzahlung. Außerdem habt ihr als Aktionäre der X AG natürlich Chancen auf die Wertsteigerung der Aktie. An dem Tag, an dem Dividende an euch ausgezahlt wird, fällt die Aktie aber meist um einen ähnlich hohen Betrag, den sogenannten „Dividendenabschlag“.

Wenn beide Faktoren zusammen kommen, also eine ordentliche Dividendenrendite von sagen wir 2,5%-3% pro Jahr und diese Dividende aus nachhaltigen Unternehmensgewinnen stammt, dann handelt es sich um eine wertorientierte Investition, ein echtes Value-Investment. Und nicht zuletzt ist das Value-Investing die Strategie, die u.a. Warren Buffet zum reichsten Mann der Welt gemacht hat.