Was du über Finanzen wissen solltest

Hier erfährst du, wie du deine Finanzen strukturierst, dein Erspartes vermehrst und deine finanziellen Ziele erreichst.

Ziele setzen

„Was hast du vor?“

Um deine finanziellen Ziele erreichen zu können, musst du dir zunächst überhaupt Ziele setzen. Schreibe deine Ziele auf, strukturiere sie in 3 Kategorien und definiere den Zielbetrag klar.

Beispiele für Ziele

ZielWannWasWie viel
Kurzfristige ZieleInnerhalb der nächsten 3 – 12 MonateUrlaub, Ausgaben für ein Hobby, Laptopz.B. 1.000€
Mittelfristige ZieleInnerhalb der nächsten 3 – 15 JahreEin neues Auto, Weltreise, Studium der Kinderz.B. 10.000 – 50.000€
Langfristige ZieleIn 30+ JahrenMit 60 finanziell frei seinz.B. 500.000€

Überblick verschaffen

Überblick verschaffen

Um deine Finanzen richtig zu strukturieren, gehst du in 5 Schritten vor:

1. Bestandsaufnahme

2. Schulden tilgen

3. Notgroschen aufbauen (3x Monatsgehalt)

4. Sparrate bestimmen

5. Umgang mit dem Altbestand

Welche Versicherungen benötigt man?

Eine Versicherung benötigst du nur, wenn sie dich vor einem finanziellen Ruin bewahren soll. Das bedeutet, wenn du deinen Lebensstandard wegen eines Schadensereignisses einschränken musst.

  • Beispiel 1: Dein Handy geht kaputt. Kosten: 600€. Tut weh, ist ärgerlich, verändert dein Leben aber nicht → Keine Versicherung notwendig.
  • Beispiel 2: Mit dem Fahrrad fährst du eine fremde Person an, die dadurch verletzt wird. Schmerzensgeld: 50.000€. Den Schaden kannst du nicht ohne Einschränkungen begleichen → Haftpflichtversicherung sinnvoll.

Nach dieser Logik gibt es 3 Versicherungen, die du auf jeden Fall benötigst:

Krankenversicherung

Haftpflichtversicherung

Berufsunfähigkeitsversicherung

Eventuell notwendige Versicherungen

Unnötige Versicherungen

Kontenmodelle

Kontenmodelle

Geld für unterschiedliche Zwecke gehört auf unterschiedliche Konten. Für langfristig angelegtes Geld steht im Vordergrund, dass du dafür eine Rendite bekommst. Dein Notgroschen hingegen muss immer verfügbar sein und die Rendite ist hier unwichtig.

Rendite und Verfügbarkeit gibt es niemals gleichzeitig. Daher solltest du dich für deine verschiedenen Ziele für diese Aufbewahrungsarten entscheiden:

KontoVerfügbarkeitZeithorizontRenditeGeeignet für
GirokontoImmer verfügbarKurzfristigKeine RenditeTägliche Ausgaben
TagesgeldkontoTäglich verfügbarKurzfristigKeine RenditeNotgroschen
Kurzfristige Ziele
FestgeldkontoNur in bestimmten Zeiträumen verfügbar1+ JahreWenig RenditeMittelfristige Ziele
WertpapierdepotWert schwankt kurz- und mittelfristig15+ Jahreca. 5-7% Rendite pro JahrLangfristige Ziele

⚠️

Nie mehr als 100.000€ auf dem Konto
Auf einem Girokonto, Tagesgeldkonto und Festgeldkonto gilt die gesetzliche Einlagensicherung: Das bedeutet, wenn deine Bank pleitegeht, sind Beträge bis 100.000€ geschützt. Deswegen solltest du niemals mehr als 100.000€ auf einem Konto haben. Was darüber hinausgeht, sollte entweder investiert oder auf mehrere Konten bei unterschiedlichen Banken verteilt werden.

Diese Kontenmodelle gibt es

So wie du Dokumente in Ordnern ablegst, solltest du auch deine Finanzen mithilfe von verschiedenen Konten sortieren. 

Du solltest deine Finanzen mindestens auf diese 3 Konten aufteilen: 

Kontomodell
* Dauerauftrag, nachdem der Notgroschen aufgebaut wurde

Wenn du für kurz- und mittelfristige Ziele ebenfalls ein eigenes Konto hast, kannst du deine Konten so strukturieren:

Finanzen strukturieren 2

Wenn du in einer WG oder einer Partnerschaft lebst, gibt es zahlreiche weitere Kontenmodelle, die sich eignen. Gute Giro-, Festgeld- und Tagesgeldkonten findest du in unseren Empfehlungen.

Richtig sparen

Richtig sparen

Mit einigen Tricks kannst du das Sparen automatisieren und musst dich künftig nicht mehr aktiv drum kümmern.

  • Überweise jeden Monat per Dauerauftrag einen von dir festgelegten Prozentsatz von deinem Nettogehalt zu deinem langfristigen Ziel.

  • Immer wenn du eine Gehaltserhöhung bekommst, erhöhst du den Sparbetrag um die Hälfte deiner Gehaltserhöhung.

  • Mit der anderen Hälfte erhöhst du deinen Lebensstandard oder die Sparrate für die anderen Ziele.

💡

Sparrate nach Gehaltserhöhung

Du verdienst 2.000€ netto und zahlst jeden Monat 400€ in dein langfristiges Ziel ein (20%). Jetzt bekommst du eine Gehaltserhöhung von 200€. Dann erhöhst du deinen Sparbetrag für das langfristige Ziel auf 500€ (400€ + 100€) und verwendest die restlichen 100€ für deine anderen Ausgaben und Sparziele.

So wird die eine Hälfte deiner Gehaltserhöhung in deine Zukunft und die andere Hälfte in einen höheren Lebensstandard fließen.

Die richtige Sparquote

Ist 20% Sparquote und mehr vernünftig?

✔️ Deine Sparquote sollte mindestens 10% deines Nettoeinkommens betragen.

👏 Mehr als 20% bis 30% wären besser.

🚀 Mit einer Sparquote von über 30% bist du auf einem ausgezeichneten Weg zum Vermögen.

Du solltest aber die richtige Balance zwischen einer hohen Sparquote und einer hohen Lebensqualität finden.

Mit unserem Sparrechner kannst du übrigens ausrechnen, wie viel du jeden Monat sparen musst, um einen bestimmten Betrag zu erreichen. 

Sparquote festlegen

Um deine Sparquote festzulegen, ist wieder eine Bestandsaufnahme fällig: diesmal nicht über deine Vermögenssituation, sondern über die Ein- und Ausgaben. 

Dazu gehst du wie folgt vor:

1. Ein Haushaltsbuch erstellen

2. Ausgaben optimieren

3. Sparquote bestimmen

4. Sparen automatisieren

Warum du investieren musst

Wenn du dein Geld auf dem Girokonto liegen lässt oder unters Kopfkissen legst, verliert es an Wert. Das liegt an der Inflation: In manchen Jahren ist die Inflation sehr hoch, in anderen eher niedrig. Im Schnitt sind es seit 1990 knapp 2% pro Jahr. Das entspricht der Ziel-Inflation der Europäischen Zentralbank.

So entwickelt sich von 10.000€ die Kaufkraft (also was du dir davon leisten kannst), mit und ohne Rendite, wenn man die Inflation einrechnet:

StartNach 1 JahrNach 10 JahrenNach 30 Jahren
Ohne Rendite10.000€9.800€8.171€5.455€
Mit Rendite10.000€10.500€16.289€43.219€
2% Inflationsrate pro Jahr, 7% Rendite pro Jahr (5% nach Inflation)

Ohne Rendite kannst du dir von dem Geld nach 30 Jahren nur noch fast halb so wenig leisten. Mit einer Rendite von 5% (7% Rendite minus Inflationsrate) hat es sich mehr als vervierfacht.

Wenn du jedes Jahr eine Rendite erhältst, wächst dein Vermögen exponentiell. Das heißt: Je länger es investiert ist, desto größer sind die Sprünge, die es Jahr für Jahr macht. Deswegen ist es wichtig, dass du für deine langfristigen Ersparnisse Rendite bekommst.

Was aus 10.000€ wird

Worin investieren?

Nun kommt die Frage: Worin investieren? Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie du dein Geld investieren kannst. Hier stellen wir die Wichtigsten vor: 

📈 Aktien

Was ist das?Beteiligungen an Unternehmen
Wie wird damit Geld verdient?Durch Dividenden (Beteiligung am Unternehmensgewinn) und möglichen Kurssteigerungen
Wofür eignen sie sich?Als Hauptbestandteil eines Wertpapierdepots

📝 Anleihen

Was ist das?Du gibst Kredite an Staaten oder Unternehmen
Wie wird damit Geld verdient?Durch die Zinsen, die für den Kredit bezahlt werden
Wofür eignen sie sich?Sichere Staatsanleihen eignen sich als risikoarmer Teil im Wertpapierdepot

🏘️ Immobilien

Was ist das?Entweder echte (bewohnbare) Immobilien oder Immobilienaktien
Wie wird damit Geld verdient?Durch Mieteinnahmen und mögliche Wertsteigerungen der Immobilien
Wofür eignen sie sich?Entweder zum Wohnen oder als optionaler, kleiner Nebenbestandteil im Wertpapierdepot

🛢️ Rohstoffe

Was ist das?Rohstoffe wie Edelmetalle, Rohöl oder Landwirtschaftserzeugnisse
Wie wird damit Geld verdient?Durch eine steigende Nachfrage und einer damit einhergehenden Wertsteigerung des Rohstoffes
Wofür eignen sie sich?Optional als kleiner Nebenbestandteil im Wertpapierdepot

⚠️

Exotische Investments

Und was ist mit alternativen Investments wie Kryptowährungen, Bitcoin, Crowdinvesting, Sneakers, Luxusuhren und vielem mehr? Hierbei handelt es sich um schwer handelbare oder hochspekulative Investments. Solchen Produkten solltest du nicht dein zukünftiges Vermögen anvertrauen. Wenn dich diese Investments trotzdem interessieren, solltest du diese zumindest auf einen sehr kleinen Teil deines Gesamtvermögens beschränken (max. 10%).

Die dominante Anlageklasse: Aktien

All diese Anlageklassen können an der Börse gehandelt werden. Die Börse fungiert als Marktplatz und vermittelt zwischen Käufern und Verkäufern. Aktien und Anleihen kannst du als Wertpapiere an der Börse kaufen. Immobilien hingegen können über die Börse nur als Aktien von Immobilienfirmen gekauft werden. Und Rohstoffe werden an der Börse als Futures gehandelt.

Aktien und Anleihen kannst du als Wertpapiere an der Börse kaufen. Immobilien hingegen können über die Börse nur als Aktien von Immobilienfirmen gekauft werden. Und Rohstoffe werden an der Börse als Futures gehandelt.

Wie du in dieser Grafik erkennen kannst, sind Aktien die dominante Anlageklasse. Sie ermöglichen die beste Rendite. Weiter unten erklären wir dir, wie man das Risiko perfekt optimieren kann.

Aktien weltweit: MSCI World Index, Staatsanleihen: Deutscher Rentenindex, Rohstoffe: Bloomberg Commodity Index, Immobilien: STOXX Europe 600 Real Estate

In welche Aktien investieren?

Damit du dir die mühsame Suche nach Aktien sparen kannst, gibt es Fonds. Ein Fonds ist so etwas wie ein Sammelkorb für viele Aktien. 

Vorteile von Fonds

  • Der Fonds kauft die Aktien für dich und du musst nur noch in den Fonds investieren.

  • Du kannst über einen Fonds in Hunderte oder Tausende Aktien gleichzeitig investieren.

👉 Aber Achtung! Es gibt 2 Arten von Fonds:

FondstypPassive Fonds (ETFs/Indexfonds) Aktive Fonds
Wer kauft die Aktien?ComputersystemFondsmanager 
AnlagestrategieBildet neutral die Entwicklung eines Aktienmarktes ab.Versucht besser zu performen als ein Aktienmarkt. 
InhaltAlle Aktien eines Aktienmarktes.Es werden einzelne Aktien, die laut dem Fondsmanagement ein hohes Potenzial haben, ausgewählt.
KostenEher niedrig: Gesamtkostenquote (TER) 0,04% – 0,95%. Eher hoch: Gesamtkostenquote (TER) 1,5% – 2,5% plus evtl. Ausgabeaufschlag von 4% – 6%
RenditeMarktrenditeLangfristig schlechter als die Marktrendite (siehe diese Studie)

Aber wie bildet ein passiver Fonds, also ein ETF oder Indexfonds, einen Aktienmarkt ab? Mit einem sogenannten…

Aktienindex

Ein Aktienindex bildet die Entwicklung von vielen, teilweise mehreren Tausend Aktien ab. Zum Beispiel der DAX in Deutschland: dieser bildet die 40 größten in Deutschland börsennotierten Unternehmen ab, sozusagen die erste Börsen-Bundesliga, in der Unternehmen regelmäßig auf- und absteigen.

Der Kurs des DAX verhält sich so, als hättest du alle 40 DAX-Unternehmen in deinem Depot. Es geht noch breiter: Der MSCI World bildet zum Beispiel die größten börsennotierten Aktien weltweit ab (über 1.500 Werte).

Investieren mit einem ETF

Ein Aktienindex dient für einen passiven Fonds als Vorlage: Der Fonds muss dann nur noch die Kursentwicklung von dem Index „kopieren“. Man spricht dann von einem Indexfonds, meistens von einem ETF (Exchange Traded Fund).

Vorteile von einem ETF

  • Investiert günstig und regelbasiert in einen bestimmten Markt.

  • Bildet transparent die Wertentwicklung seines Index ab. Er zockt oder spekuliert nicht auf Entwicklungen, wie das aktive Fonds tun.

  • ETFs sind häufig gut diversifiziert. Das bedeutet, die investieren in besonders viele Aktien, Regionen und Branchen auf einmal.

  • Im Gegensatz zu einigen Fonds sind ETFs an der Börse gut handelbar. Man sagt auch, sie sind besonders „liquide“.

Was ist mit dem Risiko?

„Nicht alle Eier in einen Korb legen“ ist ein Sprichwort, das beim Investieren wichtig ist. Du solltest niemals dein Vermögen in nur eine einzige oder wenige Aktien investieren. Es gibt immer das Risiko, dass ein Unternehmen plötzlich pleitegeht oder auf einmal in eine Krise gerät. 

Rendite gibt es nicht ohne Risiko. Das ist am Kapitalmarkt ein Naturgesetz. Das liegt daran, dass Investoren ein Risiko nicht eingehen würden, wenn sie dafür nicht mit der Chance auf eine höhere Rendite belohnt werden würden. Die Rendite ist also eine Kompensation für ein bestimmtes Risiko.

Dabei gibt es verschiedene Arten von Risiken und diese kannst du eliminieren, um dein Rendite-Risiko-Verhältnis zu verbessern.

Diese Risiken gibt es:

RisikoBeispielWie reduzieren / eliminieren?
EinzelwertrisikoDas Unternehmen gerät in eine schwere Krise oder einen SkandalDurch das Investieren in möglichst viele Einzelwerte
Branchen-spezifisches RisikoTourismus während der CoronakriseDurch das Investieren in möglichst viele Branchen
Regionen-spezifisches RisikoGriechenland während der EurokriseDurch das Investieren in möglichst viele Regionen
Timing-RisikoKurz vor einem Crash in Aktien investierenMöglichst lange investieren (15+ Jahre)
AktienmarktrisikoEine WeltwirtschaftskriseKann nicht eliminiert werden

Alle Risiken bis auf das Marktrisiko kannst du reduzieren, indem du …

  • 📈 in möglichst viele Aktien
  • 🏭 in möglichst viele Branchen
  • 🌍 in möglichst viele Regionen
  • ⏱️ und über möglichst lange Zeit

… investierst. 

Das nennt man auch Diversifikation.

Und das erreichst du, indem du in einen Indexfonds investierst, der möglichst viele Aktien in möglichst vielen Regionen und möglichst vielen Branchen repräsentiert. Ein Beispiel ist ein ETF, der den MSCI World Index nachbildet. Dieser Index bildet die Wertentwicklung der weltweit größten börsennotierten Aktien aus Industrieländern weltweit ab (über 1.500 Aktienunternehmen sind enthalten).

Und das Marktrisiko? Das ist okay. Schwankungen muss man stellenweise aushalten. Du realisierst deine Gewinne und Verluste an der Börse nur, wenn du verkaufst. Schließlich gibt es ohne Risiko auch keine Rendite. 

~ 7% pro Jahr

… ist die Rendite, die du in den letzten Jahrzehnten im Schnitt durch das Marktrisiko bekommen konntest. Das ist ziemlich in Ordnung. 

Je nach Betrachtungszeitraum kann es sogar etwas mehr oder etwas weniger sein, wie diese Grafik zeigt:

MSCI World Durchschnittsrendite
MSCI World Durchschnittsrendite 1970-2022

Risiko unter Kontrolle halten

Du kannst das Risiko noch weiter senken, wenn du nicht zu 100% in Aktien-ETFs investierst. Staatsanleihen von Staaten mit höchster Bonität haben nur eine sehr geringe Schwankung, wenn sie in deiner eigenen Währung sind (also Euro). Du könntest zum Teil in einen Aktien-ETF und zum Teil in einen Staatsanleihen-ETF investieren. Dann bekommst du aber auch weniger Rendite.

RisikoprofilAsset AllocationRendite p.a.Risiko (Volatilität)
Renditeorientiert100% Aktien7,95%14,91%
Moderat80% Aktien
20% Staatsanleihen
6,74%11,80%
Ausgewogen50% Aktien
50% Staatsanleihen
4,75%7,32%
Defensiv20% Aktien
80% Staatsanleihen
2,57%3,59%
Sicherheitsorientiert100% Staatsanleihen1,02%3,20%
MSCI World Index und Deutscher Rentenindex, 1991–2022, Quelle: Berechnung finanzfluss.de

Die Aufteilung, wie viel Vermögen in welche Anlageklasse investiert wird, nennt man übrigens Asset Allocation. Die oben gezeigten Risikoprofile siehst du hier auch noch einmal im zeitlichen Verlauf:

Risikoprofile
MSCI World Index und Deutscher Rentenindex, 1991–2022, Quelle: Berechnung finanzfluss.de

Du musst als risikofreien Teil nicht zwingend Anleihen nehmen: Alternativ kannst du diesen Teil auch auf einem Festgeldkonto verwahren. Je jünger du bist, desto mehr Risiko kannst du dir leisten, da du mehr Zeit hast du, um Krisen durchzustehen. Wirst du älter, kannst du den risikofreien Teil Schritt für Schritt hochfahren und dein Risiko senken.

Die Zeit ist dein Freund

Bergauf geht es an der Börse vor allem langfristig. Zwischenzeitlich gibt es Krisen und dein Depot wird gelegentlich tief in die roten Zahlen rutschen.

Wie schützt man sich davor? Indem man die Krise einfach aussitzt und abwartet. Wie du in dieser Grafik siehst, ging der MSCI World in der Vergangenheit durch tiefe Krisen, es war aber nur eine Frage der Zeit, bis er sich wieder erholt hat.

Entwicklung des MSCI World, inkl. Dividenden, von 1970 bis 2022. Logarithmische Skalierung, damit man alle Schwankungen sieht.
Entwicklung des MSCI World, inkl. Dividenden, von 1970 bis 2022. Logarithmische Skalierung, damit man alle Schwankungen sieht.

Deswegen solltest du auch niemals Geld investieren, das du in Kürze wieder benötigen wirst. Du musst immer damit rechnen, dass es erst mal 10 Jahre oder länger nicht verfügbar sein könnte. Langfristig wird deine Geduld belohnt.

Wenn du in der Krise weiterhin investierst, kannst du von der Krise sogar profitieren: Denn sind die Kurse niedrig, investierst du zu besonders niedrigen Kursen.

Depot eröffnen

Bevor du investieren kannst, benötigst du ein Depot. Mach dir keine großen Sorgen über die Depotauswahl. Das Depot ist sozusagen das Konto für deine Wertpapiere, also zum Beispiel Aktien oder ETFs. Viel wichtiger als das richtige Depot sind aber die richtigen Wertpapiere.

2 wichtige Kriterien für die Depotauswahl:

  • Kosten: Die meisten Depots sind kostenlos – man zahlt keine Depotführungsgebühr. Einige Depotanbieter verlangen aber Kosten für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren.
  • Auswahl an Wertpapieren: Die Wertpapiere, in die du investieren möchtest, sollten über deinen Depotanbieter handelbar sein. Das solltest du vor der Depoteröffnung überprüfen. 

Das passende Depot finden: Dazu kannst du dir unsere Empfehlungen anschauen.

So eröffnest du ein Depot:

  1. Auf der Website registrieren, Daten angeben, Referenzkonto angeben.
  2. Per Videoident deine Identität bestätigen
  3. Fertig.

Über dein Depot kannst du mit wenig Aufwand an der Börse Wertpapiere handeln oder Sparpläne anlegen.

Das Weltportfolio

Um die erwähnten Risiken zu eliminieren, kannst du dir ein Weltportfolio aus einem oder mehreren ETFs zusammenstellen. Wichtig ist, dass man sowohl in Industrieländer als auch in Schwellenländer investiert, um alle Teile der Weltwirtschaft abzubilden. Es gibt eine Fülle an Indizes und ETFs, die sich stark ähneln. Wir haben hier mal ein paar Beispiel-Indizes und ETFs herausgesucht, damit du dir ein gutes Bild machen kannst.

1. Möglichkeit: Alles in einem ETF

Der FTSE All-World Index beinhaltet Aktien aus Industrie- und Schwellenländern. Er besteht also aus über 4.000 Aktien. Damit bildet er 90-95% der weltweit größten an der Börse gelisteten Aktienunternehmen ab. 

Hier sind Industrieländer und Schwellenländer ungefähr im Verhältnis 90% zu 10% vertreten. Wenn du von diesem Verhältnis abweichen möchtest, empfiehlt sich einer der beiden folgenden Portfolios. Ansonsten kannst du einfach in einen ETF auf den FTSE All-World Index investieren.

FTSE All World

Mit diesem ETF bekommst du eine einfache Variante des Weltportfolios. Hier 2 mögliche ETFs, die sich darin unterscheiden, dass der eine Dividenden ausschüttend und der andere diese reinvestiert:

AnteilBeispiel-ETFKosten (TER)Ausschüttung
100%Vanguard FTSE All-World UCITS (Dist) 0,22% p.a.Ausschüttend*
100%Vanguard FTSE All-World UCITS (Acc)0,22% p.a.Thesaurierend*
*Thesaurierend bedeutet, Dividenden werden sofort in den ETF reinvestiert. Ausschüttende ETFs hingegen, zahlen dir die Dividende auf dein Verrechnungskonto aus.

2. Möglichkeit: Industrie- und Schwellenländer

Um die ganze Welt in deinem Portfolio abzubilden, kannst du in ETFs investieren, die diese beiden Indizes abbilden:

Beide Indizes bilden jeweils 85% des Börsenwertes aus der jeweiligen Region ab.

Kombinieren kannst du diese beiden Regionen zum Beispiel im Verhältnis 70:30. Das heißt 70% deiner Sparrate wird in den MSCI World und 30% in den MSCI Emerging Markets investiert.

70% 30% MSCI World MSCI EM

Mit diesen ETFs kannst du dir z.B. ein solches Weltportfolio aufbauen:

AnteilBeispiel-ETFsKosten (TER)Ausschüttung
70%HSBC MSCI World UCITS0,15%Ausschüttend
30%Xtrackers MSCI Emerging Markets UCITS (Acc)0,18%Thesaurierend

3. Möglichkeit: Nachhaltiges Weltportfolio

Das gleiche Weltportfolio kannst du dir auch mit nachhaltigen ETFs aufbauen. Diese haben Vor- und Nachteile:

  • Mit diesen Indizes investierst du nachhaltig nach bestimmten Kriterien

  • Hier wurden Aktien, die den Nachhaltigkeitskriterien nicht entsprechen, herausgefiltert. Das führt zu weniger Diversifizierung.

Dein nachhaltiges Portfolio bildest du mit diesen Indizes ab:

  • MSCI World ESG Screened Index: Enthält > 1.400 Aktien aus 23 Industrieländern
  • MSCI Emerging Markets ESG Screened Index: Enthält > 1.300 Aktien aus 24 Schwellenländern
70/30 ESG

Mit diesen ETFs kannst du dir ein solches nachhaltiges Weltportfolio aufbauen:

AnteilBeispiel-ETFsKosten (TER)Ausschüttung
70%iShares MSCI World ESG Screened UCITS (Acc)0,2%Thesaurierend
30%iShares MSCI EM IMI ESG Screened UCITS (Acc)0,18%Thesaurierend

4. Zusatz: Staatsanleihen als risikoarmer Teil

Um dein Risiko zu senken, kannst du neben Aktien-ETFs auch Staatsanleihen in dein Portfolio aufnehmen. 

Staatsanleihen als risikoarmer Teil

Der Bloomberg Euro Government Inflation Linked Bond Index bildet inflationsindexierte Staatsanleihen aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien mit verschiedenen Laufzeiten ab.

Beispiel-ETFKosten (TER)Ausschüttung
Lyxor Euro Government Inflation Linked Bond (DR) UCITS0,09%Thesaurierend

Wenn du gerne das Risiko reduzieren möchtest, empfehlen wir, zu 20% in Staatsanleihen und zu 80% in ein Weltportfolio aus Aktien-ETFs zu investieren. Aber das solltest du ganz individuell je gestalten, je nachdem, wie viel Risiko du tragen möchtest.

Den richtigen ETF finden

Diese Kriterien sind bei der ETF-Auswahl relevant:

  • Index: Im Idealfall hast du dich nun bereits für den Index entschieden, den der ETF abbilden soll.

  • TER: „Total Expense Ratio“ oder Gesamtkostenquote. Diese Kosten werden von deiner Rendite abgezogen und finanzieren den Fondsanbieter. Eine TER zwischen 0,1% und 0,4% ist ein fairer Preis für einen weltweiten ETF.

  • Fondsvolumen: Je mehr Vermögen schon in den Fonds investiert wurde, desto profitabler ist er für den Fondsanbieter. Zu kleine ETFs können aufgelöst werden. Alle ETFs mit einem mehr als 100 Mio. € Fondsvolumen sind in Ordnung. Im Zweifel kannst du dich einfach für den Größten entscheiden.

  • Fondsalter: Je jünger der Fonds, desto kürzer hat er sich bisher auf dem Markt bewährt.

Ausschüttend oder thesaurierend? 

Viele Aktien schütten Dividenden aus. Ein ETF schüttet diese entweder an dich aus (dann ist er ausschüttend) oder reinvestiert die Ausschüttung wieder für dich (dann ist er thesaurierend). 

AusschüttendThesaurierend
Regelmäßige Ausschüttungen sind motivierendAusschüttungen können zum Rebalancing genutzt werden.Du musst nicht daran denken, die Ausschüttungen wieder über einen Sparplan zu investieren.Steuerlich günstiger.

Mehr Informationen zu ausschüttenden oder thesaurierenden ETFs findest du in unserem ETF Handbuch.

Investieren auf Autopilot

Um erfolgreich ein Vermögen aufzubauen, sind 2 Dinge besonders wichtig:

  • Du musst konsequent jeden Monat Geld zur Seite legen.
  • Es sollte möglichst wenig Mühe machen.

Ein ETF-Sparplan erfüllt das und kauft jeden Monat (oder auch in einem anderen Intervall) ganz automatisch für einen bestimmten Betrag ETFs. 

So gehst du vor:

  1. Dauerauftrag mit deinem Sparbetrag auf das Verrechnungskonto* einrichten.
  2. Einen Sparplan für deine ETFs aufsetzen.
  3. Um mehr musst du dich erst mal nicht kümmern.

*Das Verrechnungskonto ist das Konto, von dem der Depotanbieter den Preis für deine Aktien oder ETFs abbucht.

Du kannst einen Sparplan meistens monatlich, quartalsweise oder halbjährlich ausführen.

🚀

Kostenlose Sparpläne
Ein großer Vorteil an Sparplänen ist, dass der Wertpapierkauf bei den meisten Depotanbietern kostenlos ist. Kaufst du Wertpapiere hingegen einmalig oder manuell, musst du dafür meistens eine Kaufgebühr bezahlen. In unserem Sparplan Vergleich findest du Anbieter, die kostenlose Sparpläne anbieten.

Portfolio Updates

Wenn deine Sparpläne eingerichtet sind, musst du einmal im Jahr 2 Dinge für dein Portfolio tun:

  • Portfolio Rebalancing

    Wenn du mehrere Positionen hast, wird sich deine Asset Allocation im Laufe des Jahres verschieben, weil mal der eine Teil und mal der andere Teil deines Portfolios besser läuft. Das Gleichgewicht musst du regelmäßig wiederherstellen, indem du z.B. deinen Sparplan (temporär) anpasst. Diesen Ausgleich kannst du aber auch per Einmalanlage steuern. Du solltest möglichst vermeiden, Teile deines Portfolios dafür zu verkaufen. Unser Rebalancing Rechner hilft dir dabei.

  • Sparrate anpassen

    Dein Einkommen wird sich immer wieder ändern. Deswegen solltest du deine Sparpläne regelmäßig daran anpassen und am besten regelmäßig erhöhen.

Im Alter vom Portfolio leben

Wenn du in der Ansparphase bist, solltest du kein Geld aus deinem Portfolio entnehmen. Für spontane Notwendigkeiten gibt es schließlich den Notgroschen. Wenn du dein langfristiges Ziel erreicht hast, weil du beispielsweise das Rentenalter oder die finanzielle Freiheit erreicht hast und dein Kapital verzehren möchtest, kannst du wie folgt vorgehen:

  • Entnehmen oder von Dividenden leben?

    Es gibt 2 Möglichkeiten, wie du von deinem Vermögen leben kannst: Entweder du lebst einfach nur von den Dividenden oder verkaufst Stück für Stück Teile deines Portfolios.

  • Evtl. Risiko reduzieren

    Wenn du noch jung bist, sind Kursschwankungen für deinen Vermögensaufbau sogar von Vorteil. Anders ist es, wenn du dich in der Entnahmephase befindest und von deinem Vermögen lebst. Eine Krise kann direkten Einfluss auf deinen Lebensstandard haben. Es könnte daher unter Umständen sinnvoll sein, das Risiko zu reduzieren.

  • Entnahmerate festlegen

    Eine Faustregel besagt, dass du ungefähr 3,5 bis 4% deines Anfangsvermögens jedes Jahr aus deinem Portfolio entnehmen kannst und dein Vermögen dann 30 Jahre nicht aufgebraucht wird – dank Rendite und trotz Kursschwankungen.

  • Vermögen aufbrauchen

    Nun kannst du deine Entnahmerate entweder direkt aus dem Portfolio entnehmen oder von den Dividenden leben.

Wie du die richtige Entnahmestrategie findest, haben wir in einem Ratgeber erklärt.

Steuern sind einfacher als gedacht

Die meisten Steuern zahlst du wahrscheinlich für dein Einkommen: die Einkommensteuer. Aber auch Gewinne aus deiner Geldanlage müssen versteuert werden. So funktioniert das:

Wie zahlt man Steuern?

Worauf zahlt man Steuern?

Wie kann man Steuern sparen?

5 Dinge, die man von der Steuer absetzen kann

Was ist eine Steuererklärung?

Wer muss eine Steuererklärung abgeben?

Wie macht man eine Steuererklärung?

Bis wann muss die Steuererklärung abgegeben werden?

💡

Wichtigster Spartipp: Steuererklärung machen

Auch wenn du nicht verpflichtet bist, eine Steuererklärung abzugeben, lohnt es sich trotzdem fast immer. Jedes Jahr gibt es zahlreiche Kosten, die du von der Steuer absetzen kannst. Im Durchschnitt bekommt man für jede abgegebene Steuererklärung ca. 1.000€ vom Finanzamt zurück. Damit die Steuererklärung nicht zu trocken ist, gibt es Steuersoftware, die das Ganze stark vereinfacht.

Steuern bei der Geldanlage

Für Gewinne und Dividenden aus Aktien und ETFs musst du Steuern zahlen. Wenn du einen Broker in Deutschland hast, führt dieser deine Steuern automatisch für dich ab und du musst dich um nichts weiter kümmern.

Wie wird die Steuer berechnet?

Steuerrabatt auf Aktienfonds

Worauf zahlt man Steuern?

Weniger Steuer durch den Sparerpauschbetrag

3 Tipps zum Steuern sparen

⚠️

Wichtig: Freistellungsauftrag einrichten

Damit dein Depotanbieter oder deine Bank weiß, dass du deinen Freibetrag von 801€ nutzen möchtest, musst du einen Freistellungsauftrag einrichten. Dazu gehst du in deinem Depot in deinen persönlichen Einstellungen und trägst da unter der Rubrik „Steuern“ die 801€ ein. Hast du mehrere Depots, kannst du diesen Betrag auf diese aufteilen (z.B. 300€ / 300€ / 201€). Wenn du verheiratet bist und ihr eine gemeinsame Steuererklärung abgebt, kannst du das Doppelte angeben.

Wenn du diesen Artikel vollständig gelesen hast, weißt du über Finanzen besser Bescheid als der Durchschnitt. Hier kannst du dich in Zukunft noch weiter informieren:

😎

Viel Erfolg mit deinen Finanzen
Jetzt bist du dran. Egal, wie hoch oder niedrig dein Einkommen ist oder wie verschuldet du bist: Du kannst deine Finanzen in den Griff bekommen und ein Vermögen ansparen. Teile die Seite auch gerne mit Freunden und Verwandten, wenn auch sie einen schnellen Überblick über das Finanz-Thema benötigen.