Geborene Aktionäre: Geld anlegen für Kinder

Finanzfluss Team
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Wie Eltern für ihre Kinder Geld anlegen können

Noch vor wenigen Jahrzehnten dominierte das Sparbuch als liebstes Finanzinstrument vieler Eltern. Heute gibt es darauf bekanntlich kaum noch Zinsen, weswegen das Geld genauso gut unter der Matratze aufbewahrt werden könnte. Viele Eltern suchen deswegen nach Alternativen und stoßen im Internet auf allerlei attraktiv klingende Angebote: Auf Rentenversicherungen speziell für Kinder, die dem Nachwuchs einen Vorsprung in der Altersvorsorge verschaffen sollen. Auf “Ausbildungsversicherungen”, deren hohe Abschluss- und Verwaltungskosten die Rendite fast vollständig verschlingen. Oder auf sogenannte “Kinderkonten”, deren Guthabenzinsen ähnlich ernüchternd sind wie der der elterlichen Girokonten.

Die gute Nachricht ist: Neben all dem gibt es nach wie vor Geldanlagen für Kinder, die tatsächlich Rendite einbringen, ohne dass astronomische Risiken in Kauf genommen werden müssen. Welche Möglichkeiten Eltern hier haben, erfährst du in diesem Blogartikel.

Der sicherste (und unrentabelste) Weg: Fest- und Tagesgeldkonten

Wer vollkommene Sicherheit für das Kapital seines Kindes möchte, könnte ein Tages- oder Festgeldkonto für den Nachwuchs einrichten. Hier gibt es spezielle Angebote, mit denen die  Kinder oder Jugendlichen direkt selbst zu Kontoinhabern gemacht werden können. Natürlich können Eltern aber auch einfach ein zweites Tages- oder Festgeld einrichten und dem Nachwuchs später die Ersparnisse übertragen. Einige Direktbanken bieten auf sogenannte Kinderkonten etwas höhere Zinsen an als auf herkömmliche “Erwachsenen-Konten”. Allerdings gelten viele Angebote lediglich für die ersten paar Monate, bevor die Direktbank ihre Zinsen anpasst und die Rendite auf das normale Niveau sinkt – und das ist inzwischen frustrierend niedrig. 0,1% Zinsen gibt es durchschnittlich noch auf Tagesgeld, beim Festgeld sind es rund 0,7%. Wer also anstrebt, das Geld seiner Sprösslinge in den nächsten Jahren arbeiten zu lassen, ist hier eher an der falschen Adresse.

Allerdings können Tages- und Festgeld eine Option sein, wenn das angesparte Geld in fünf Jahren oder sogar früher wieder zur Verfügung stehen soll. Wird direkt in Aktien investiert, ist das schwieriger, schließlich will man das Geld nicht aus dem Depot nehmen, wenn die Kurse gerade gefallen sind. Auch können die Eltern (zumindest mit einem Tagesgeld-Konto) jederzeit auf das Geld zugreifen.

Alle Macht dem Kind: Das Junior-Depot

Wer zehn Jahre und länger Zeit hat und die Ersparnisse nicht als eigene Rücklage benutzen will, kann auch über ein eigenes Aktiendepot für das Kind nachdenken. Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten für Eltern, eine davon ist das sogenannte Junior-Depot. Es wird angelegt, wenn das Kind gerade auf die Welt gekommen oder zumindest noch minderjährig ist. Trotzdem gehört es von Anfang an allein dem Kind und die Eltern können zu keinem Zeitpunkt auf das Depot zugreifen.

Das kann insofern vorteilhaft sein, als dass Kinder so früh selbst in die Welt der Finanzen eintauchen (wenn auch noch nicht im Kindergartenalter) und dabei lernen, Verantwortung zu übernehmen und später selbst Geld anzusparen. Für viele Eltern wird jedoch genau das eine Wunschvorstellung bleiben. Demnn wie attraktiv klingen für einen 18-Jährigen schon Worte wie “Altervorsorge”, “Rücklagen” oder “solide Ausbildung”, wenn man mit der ganzen Kohle auch ein Auto kaufen oder auf Weltreise gehen könnte? Weil die Erwachsenen bei einem Junior-Depot nichts weiter als eine Verwaltungsvollmacht bis zum 18. Lebensjahr haben, kann es gut und gerne sein, dass der Nachwuchs das Ersparte in kürzester Zeit auf den Kopf haut, sobald er volljährig ist.

Wenn das Konto wie beim Junior Depot komplett über das Kind läuft, müssen zumindest gesetzlich versicherte Eltern noch etwas einkalkulieren: Der Nachwuchs fällt aus der kostenlosen Familienversicherung. Denn sobald die Einkünfte des Kindes mehr als 425€ pro Monat überschreiten, gibt es keinen Anspruch mehr darauf. 

Das Junior-Depot ist ein Steuer-Booster

In einem anderen Fall bietet das Junior-Depot dafür einen ziemlich großen finanziellen Vorteil: Es werden (zumindest meistens) keine Steuern auf die Erträge fällig. Denn auch Kinder müssen Steuern zahlen, können sie genauso aber auch sparen. Zunächst einmal durch den allgemeinen Freibetrag von 9.744€ ab 2021, den jeder Mensch steuerfrei im Jahr verdienen kann. Erst Einkünfte darüber werden besteuert. Was Kapitalerträge angeht, gibt es auch hier einen Freibetrag, nämlich den Sparer-Pauschbetrag. Dieser beträgt 801€ pro Jahr, sprich: Erst wenn die Gewinne aus Kapitalmarktgeschäften diese Grenze überschreiten, muss die Kapitalertragssteuer darauf gezahlt werden. Zusammen ergibt das pro Kind einen Freibetrag von rund 10.200€ im Jahr. Und weil im Alter zwischen 0 und 18 Jahren nur selten (und wenn dann eher wenig) Geld verdient wird, können Kinder ihre Erträge aus dem Junior Depot häufig vollkommen steuerfrei beziehen.

Konkret: Wie eröffne ich ein Junior-Depot?

Ein Portfolio für den Nachwuchs anzulegen, ist kein Hexenwerk. In der Regel benötigen die Eltern lediglich die Geburtsurkunde des Kindes und ab einem Alter von 16 Jahren zusätzlich den Personalausweis.

Junior-Depots lassen sich bei vielen klassischen Direktbanken wie ING, DKB oder comdirect, aber auch bei einigen Online-Brokern wie beispielsweise flatex eröffnen.

Der einfache Weg: Ein Zweit-Depot

Wer sich noch gut an die eigene jugendliche Leichtsinnigkeit erinnern kann, will vielleicht lieber auf Nummer sichergehen und von vornherein vermeiden, dass das sauer verdiente Geld nach dem 18. Geburtstag direkt verprasst wird. Das funktioniert, indem ganz einfach ein zweites Depot beziehungsweise Unterkonto eröffnet wird. Per monatlichem Sparplan kann hier wie bei einem herkömmlichen Depot über die Jahre Geld angespart und beispielsweise in einen ETF investiert werden. Mit dem Unterschied, dass die Sparsumme plus Zinsen später dem Nachwuchs geschenkt wird.

Der Vorteil für die Eltern liegt hier auf der Hand: Sollte man selbst einmal in einen finanziellen Engpass geraten, kann das Kinderkonto notfalls “geplündert” werden. Sehr ehrenhaft mag das nicht sein, aber manchmal geht es eben nicht anders. Auch können die Eltern flexibel entscheiden, wann sie dem Nachwuchs das Geld übergeben.

Keine Steuer-Ersparnisse, dafür Bafög

Steuervorteile gibt es bei dem Zweit-Depot nicht, schließlich handelt es sich dabei um ein ganz normales Portfolio und die Erträge müssen versteuert werden, sobald sie mehr als 800€ im Jahr betragen. Der allgemeine Freibetrag ist schließlich schon durch die eigenen Einkünfte aus dem Job ausgeschöpft.

Je nachdem, wie viel Geld plus Zinsen in all den Jahren für das Kind angespart werden, kann bei einem solchen Depot letztlich sogar die Schenkungssteuer anfallen. Die wird allerdings nur auf sehr hohe Summen fällig, nämlich auf alle “Geschenke” ab 400.000€. Um mit einem ETF-Depot auf einen solchen Betrag zu kommen, müssten schon mal über 20 Jahre rund 1.000€ jeden Monat investiert werden, damit bei einer durchschnittlichen Rendite von 5% pro Jahr am Ende 400.000€ im Depot liegen. Die Schenkungssteuer dürfte also eher wenige Eltern bzw. Kinder betreffen.

Das “Kinder-Depot” über die Eltern laufen zu lassen, hat dafür einen anderen finanziellen Vorteil – zumindest für einige künftige Studenten: Es darf später Bafög bezogen werden. Auf die staatliche Förderung haben junge Erwachsene nämlich keinen Anspruch, wenn sie bereits mehr als 7.500€ Kapital auf der hohen Kante haben. Gehört das Depot einzig dem Kind, entfällt dieser Anspruch also. Ohnehin müssen jedoch zahlreiche Bedingungen erfüllt sein, um überhaupt Anspruch auf die Förderung vom Staat zu haben. Für viele Eltern bzw. Kinder ist dieser Vorteil also hinfällig.

ETFs für Kinder: Den Ausstieg gut planen

Wer sein Erspartes in Aktien bzw. Fonds investiert und dort für 10 Jahre oder länger verwahren will, kommt irgendwann an den Punkt, an dem die Erträge ausgeschüttet werden sollen. Dieser Ausstieg will geplant sein – auch beim “Kinder-Depot”. In diesem Fall lässt sich das meistens ganz gut kalkulieren, weil viele Depots für eine Dauer von 18 oder 20 Jahren angedacht sind oder für einen konkreten Zweck: Den Führerschein, die erste eigene Wohnung oder das Studium.

Selbst wenn das Geld diversifiziert und langfristig investiert wird, können die Kurse teilweise stark schwanken. Und so kann es durchaus passieren, dass mit dem Eintritt in die Volljährigkeit die Märkte gerade im Sinkflug sind und sich erst Monate oder Jahre später erholen werden. Deswegen ist es hilfreich, schon Jahre vorher die Aktienquote schrittweise zu reduzieren und sich nach und nach Kapital ausschütten zu lassen, das dann beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto verwahrt wird.

Wie baue ich das ETF Portfolio für mein Kind?

Wer sich als Elternteil bereits mit Geldanlage und Aktien beschäftigt hat oder selbst ein Depot besitzt, wird keine großen Probleme haben, für das Kind ein Depot zu eröffnen und ein Portfolio zusammenzustellen. Doch auch für “Aktien-Neulinge” gibt es inzwischen bequeme und sehr einfache Möglichkeiten, zum Beispiel sogenannte Robo Advisor. Dahinter steckt grob gesagt ein Computersystem, das nicht nur Tipps zur Vermögensanlage gibt, sondern das Portfolio auch direkt entsprechend bestückt.

Weniger Kosten verursacht ein selbst zusammengebautes Portfolio, das nach Lust und Laune mit Werten bestückt werden kann. Wer möchte, legt zum Beispiel einen Fokus auf nachhaltige Werte, um gleichzeitig in den Jahren des Sparens “grüne” Unternehmen zu unterstützen. Wie das Portfolio am Ende aussieht, ist jedem selbst überlassen, nur so viel: Soll das Geld langfristig und möglichst risikoarm investiert werden, ist eine breite Streuung über mehrere Länder, Sektoren und Branden das A und O. Riskante Einzelaktien-Käufe können (wie immer) die Rendite natürlich um ein Vielfaches erhöhen. Genauso gut können sie aber auch Jahrzehnte des Sparens auf einen Schlag zunichte machen.

Wie auch bei einem “normalen” Depot ist es ratsam, sich in Geduld zu üben und auf den natürlichen Zinseszinseffekt zu vertrauen. Selbst wenn jeden Monat “nur” 50 Euro auf die Seite gelegt und in einen ETF investiert werden, wird sich daraus bei einer durchschnittlichen Rendite von 5% nach einer Laufzeit von 18 Jahren eine stattliche Summe von fast 18.000€ angesammelt haben – von denen allein 6.600€ erhaltene Zinszahlungen sind. 

Wenn du auch wissen willst, wie viel Rendite du nach einem bestimmten Zeitraum in etwa mit deinem Depot erreichen wirst, kannst du dafür ganz einfach unseren Zinseszinsrechner benutzen.