Was ist der MSCI World Index?

Der MSCI World Index ist einer der bekanntesten Aktienindices der Welt. Viele Fondsmanager nutzen ihn als Vergleichsindex, um ihre Performance zu messen. In Form von ETFs steht der MSCI World Index auch Privatanlegern für eine passive Geldanlage zur Verfügung.

Dieser Artikel hilft dir, den MSCI World Index besser zu verstehen. Hier erfährst du, wie sich der Index zusammensetzt und welche Vor- und Nachteile ein Investment mit sich bringt.

Wie ist der MSCI World Index zusammengesetzt?

Der MSCI World Index wird seit dem 31. Dezember 1969 vom amerikanischen Finanzdienstleister Morgan Stanley Capital International (MSCI) herausgegeben und berechnet. Er bildet die Entwicklung von über 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern ab. Der Name lässt vermuten, dass es sich um einen globalen Aktienindex handelt. Diese Annahme ist allerdings nicht ganz richtig, weil der MSCI World keine Aktien aus den Schwellenländern oder Dritte Welt-Ländern beinhaltet.

 

In den Index aufgenommen werden ausschließlich Unternehmen aus dem Large Cap und Midcap Segment. Small Cap und Micro Cap-Unternehmen werden dagegen nicht berücksichtigt. Die Klassifizierung dieser Segmente erfolgt anhand der Marktkapitalisierung an der Börse („Cap“ steht hier für Capitalization). Large Cap-Unternehmen mit dem größten Börsenwert sind zum Beispiel Apple, General Electric, Siemens oder Allianz. Trotz der Begrenzung auf die Segmente Large und Midcap in 23 Industrieländern bildet der MSCI World Index ca. 88 % der globalen Marktkapitalisierung ab.

Welche Länder werden im MSCI World Index abgebildet?

Welche Gewichtung einzelne Länder im MSCI World Index bekommen, hängt von der Marktkapitalisierung dieser Länder ab. Die Marktkapitalisierung eines gesamten Landes ist dabei die Summe aller Börsenwerte der einzelnen Unternehmen, die ihren Hauptsitz in diesem Land haben. Die Marktkapitalisierung von Deutschland setzt sich z. B. aus den Unternehmen aus DAX, MDAX, SDAX, TechDAX sowie allen anderen börsengehandelten Unternehmen ohne Indexzugehörigkeit zusammen.

 

Je höher die Marktkapitalisierung eines Landes, desto höher ist auch die prozentuale Gewichtung im MSCI World Index. Durch die große Anzahl börsennotierter Unternehmen ist die USA mit 59,28 % am stärksten vertreten. Danach folgen mit großem Abstand Japan mit 9,18 %, Großbritannien mit 6,63 %, Frankreich mit 3,67 % und Kanada mit 3,62 %. Die restlichen Industriestaaten haben einen Anteil von insgesamt 17,62 % (Stand: 31. Oktober 2016). Als Anleger solltest du dir an diesem Punkt bewusst sein, dass durch ein Investment in den MSCI World Index mehr als die Hälfte des Geldes in die USA fließt. Allerdings sind viele US-Unternehmen global tätig, wodurch eine gewisse Diversifizierung erreicht wird.

 

Die Gewichtung eines einzelnen Landes ist nicht fix, sondern wird von MSCI regelmäßig überprüft und angepasst. Haben sich die Aktienmärkte eines Landes besser entwickelt als die der anderen Länder, steigt die Marktkapitalisierung und damit auch die prozentuale Gewichtung im MSCI World.

 

Nach welchen Kriterien werden die Aktien ausgewählt?

Auch bei der Auswahl der einzelnen Aktien eines Landes orientiert sich MSCI an der Marktkapitalisierung. Ziel ist die Abbildung von ca. 85 % der Marktkapitalisierung eines Landes. Ausgehend von dem Unternehmen mit dem größten Börsenwert werden solange Unternehmen hinzugefügt, bis die 85 % Marktkapitalisierung erreicht sind.

 

Da nur Large und Midcap-Unternehmen in den MSCI World aufgenommen werden, zieht der Index auch in diesem Fall die Grenzen anhand der Marktkapitalisierung. Die ersten 70 % Unternehmen mit dem größten Börsenwert werden als Large Cap behandelt, die 15 % nachfolgenden Unternehmen als Mid Cap. Die kleinsten 15 % Unternehmen werden als Small Cap kategorisiert und fließen nicht in den Index ein. Somit werden 85 % der Marktkapitalisierung eines Landes erreicht.

 

Für die Auswahl eines Unternehmens ist auch die Liquidität ein entscheidendes Kriterium. Hier überprüft MSCI, wie hoch das tägliche Handelsvolumen und das sich im freien Handel befindliche  Volumen der Aktie ist und ob sie ohne Probleme zum jeweiligen Börsenpreis gekauft oder verkauft werden kann. Liquidität steht in diesem Zusammenhang für die Verfügbarkeit einer Aktie.

 

Das größte Unternehmen im MSCI World ist Apple. Es hat eine Marktkapitalisierung von USD 692 Mrd. und macht alleine 1,91 % des Index aus. Danach folgen Microsoft mit USD 447 Mrd. und Exxon Mobile mit USD 346 Mrd. Börsenwert (Stand: 31. Oktober 2016).

 

Wie wird die Indexperformance gemessen?

Die aktuelle Wertermittlung des MSCI World Index erfolgt ein Mal pro Minute. Dabei werden die aktuellen Kurse der einzelnen Unternehmen zu einem Punktestand verdichtet. Sind die Börsen in einem Land noch geschlossen, dann fließen die Schlusskurse des Vortages ein.

 

Es existieren drei unterschiedliche Varianten, um die Performance des MSCI World zu messen:

  • Performance-Methode: Kursentwicklung der einzelnen Aktien
  • Brutto-Methode: Kursentwicklung + Dividenden
  • Netto-Methode: Kursentwicklung + Dividenden – Quellsteuern

Quellsteuern sind Steuern, die in vielen Ländern auf die Ausschüttung von Dividenden anfallen. In Deutschland sind das z. B. 25 % Abgeltungssteuer, die auf alle Kapitalerträge erhoben werden.

Für Investoren ist die Netto-Methode am repräsentativsten, da sie die Performance nach Steuern widerspiegelt.

 

Welche Vor- und Nachteile bringt ein Investment in den MSCI World Index mit sich?

Um in den MSCI World zu investieren, kannst du Exchange Traded Funds (ETFs) nutzen. ETFs sind Fonds, die automatisiert Indizes nachbilden. Sie haben kein aktives Fondsmanagement und werden daher als passives Investment bezeichnet. Die Kosten in Form von Verwaltungsgebühren sind beim einem ETF deutlich geringer als bei einem aktiven Fondsmanagement. Sparpläne mit einer regelmäßigen Anlage pro Monat gibt es bereits ab EUR 25.

 

Ein klarer Vorteil eines Investments in den MSCI World ist die Vermeidung des „Homebias“. Darunter wird das wissenschaftlich bewiesene Phänomen verstanden, dass Anleger v.a. in Unternehmen ihres Heimatlandes investieren. In diesem Fall gehen Investoren ein sogenanntes „Klumpenrisiko“ ein. Dies bezeichnet das Risiko einer zu geringen Diversifizierung, wenn Anleger ihre Gelder zu stark auf eine Branche, eine Währung oder ein Land konzentrieren. Durch den Kauf eines MSCI World Index ETF erreichst du dagegen automatisch eine Risikostreuung, da dein Geld auf mehrere Industrieländer verteilt wird.

 

Die breite Diversifikation in über 1.600 Unternehmen schützt den MSCI World andererseits nicht vor Schwankungen. Gerade in den Krisenjahren 2001-2003 sowie 2008/2009 waren die Kursrückgänge besonders stark.

Du nicht vergessen, dass der MSCI World nur 23 Industrieländer abbildet und nicht die gesamte Weltwirtschaft. Willst du eine weltweite Streuung des Kapitals erreichen, solltest du weitere Indices von Schwellen- oder Dritte Welt-Ländern hinzunehmen oder einen globalen Index wie z.B. den MSCi ACWI Index wählen. Nichts desto trotz bleibt der MSCI World ein guter Einstieg in die Welt des passiven Investierens.