Finanzfluss Exklusiv Podcast Cover mit Thomas und Mona

#197 Insider Trading – Dunkle Machenschaften an der Börse

1. Juli 2021

Seien wir ehrlich: Insgeheim hat sich doch schon jeder einmal vorgestellt, wie toll es wäre, in die Zukunft sehen und beispielsweise die Lottozahlen vorhersagen zu können. Wie leicht sich auf diese Weise Geld machen ließe! Bekanntlich gibt es allerdings keine Hellseher, die tatsächlich in die Zukunft blicken können. Auch nicht am Kapitalmarkt. 

Es gibt aber solche Leute, die früher als der Rest der Welt wissen, was in einer Firma passiert und demnächst passieren wird. Finanzberaterinnen und -berater Managerinnen und Manager beispielsweise, die über mögliche Insolvenzen, anstehende Fusionen oder weltbewegende Forschungsergebnisse unterrichtet sind. Man bezeichnet sie auch als “Insider”. Mit ihrem Wissen könnten sie leicht über Nacht zu Millionären werden – denn viele Börsenspekulantinnen sind bereit, für derartige Informationen ein Vermögen zu bezahlen. Womit die Straftat perfekt wäre – denn das ist eine Variante von Insider-Trading.

Gewinnwarnungen zählen ebenfalls als Insider Trading

Nicht nur gute Nachrichten, Berichte über anstehende Fusionen oder weltbewegende Forschungsergebnisse eignen sich, um Insider Trading zu betreiben. Auch schlechte Nachrichten beziehungsweise Gewinnwarnungen sind bekanntlich kursrelevante Informationen. Gewarnte Investorinnen haben durch solche Informationen die Möglichkeit, ihre Papiere zu verkaufen oder Aktien leer zu verkaufen und damit aktiv auf fallende Preise zu setzen.

“Zufälliger” Insiderhandel

Die Dunkelziffer beim Thema Insiderhandel ist aller Wahrscheinlichkeit nach hoch – was auch daran liegt, dass er immer wieder “zufällig” betrieben wird und damit so gut wie unmöglich aufzuklären ist. Das klassische Beispiel ist hier der Taxifahrer, dessen Kunde im Auto telefoniert und ganz nebenbei Firmeninterna an die Öffentlichkeit bringt. Oder das Gespräch unter Bekannten, von denen einer mit dem anderen ungefragt sein Wissen teilt. Auch in solchen Situationen würden sich beide Parteien strafbar machen – sofern das Wissen denn später genutzt wird, um sich mit Gewinner-Papieren einzudecken.

Per se ist Insider Handel erlaubt

Nun ist es nicht so, dass Firmenchefs, Mitarbeiterinnen und Aufsichtsratsvorsitzende keinerlei Aktien ihrer eigenen Firmen kaufen dürfen. Nur müssen sie solche Aktivitäten den Aufsichtsbehörden melden, die daraus sogenannte Directors Dealings erstellen: Listen, in denen jegliche Transaktionen vermerkt werden, die von Investorinnen mit Insiderwissen vorgenommen werden. 

Die Aufsichtsbehörden, allen voran die US-amerikanische SEC, sind es auch, die für die Aufdeckung von Insider Tradings verantwortlich sind. Die Behörden nutzen dafür bestimmte EDV-Programme, mit denen sie die Kursbewegungen untersuchen und auf Auffälligkeiten prüfen.

Chinese Walls zur Vermeidung von Insidertrading

Die Behörden konzentrieren sich nicht nur auf die Verfolgung, sondern auch auf die Prävention von Insider Trading. Eine Methode ist hier die Errichtung sogenannter Chinese Walls, also Informationsbarrieren innerhalb einer Organisation. Mit solchen “Mauern” soll verhindert werden, dass zwischen bestimmten Abteilungen sensible Dokumente oder Informationen ausgetauscht werden und damit Interessenkonflikte entstehen. Unternehmen wie Wirtschaftsprüfer oder auch Investmentbanken sind sogar dazu verpflichtet, solche Chinese Walls zu errichten und beispielsweise Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Investmentberatung von solchen Angestellten zu trennen, die Übernahmen begleiten.

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