Finanzfluss Exklusiv Podcast Cover mit Thomas und Ana

#257 Bitcoin-Futures und “ETFs”…oder doch lieber selbst kaufen?

27. Januar 2022

Lange konnte man Bitcoins nur über Kryptobörsen kaufen und verkaufen. Heute kann man auch über sogenannte Futures und andere Finanzprodukte in Bitcoin investieren. In den USA gibt es sogar “Bitcoin-ETFs”. Wir erklären, was dahinter steckt, was an den Produkten interessant…und was riskant ist. Außerdem klären wir die Frage, ob man bei Neobrokern wirklich in Bitcoin & Co. investiert. Denn auch hier lohnt es sich, das Kleingedruckte zu verstehen.

Bitcoin Futures erklärt

Futures waren das erste institutionell handelbare Bitcoin-Finanzprodukt. Vorher musste man via Kryptowallet direkt Bitcoin handeln – Futures ermöglichen es, institutionellen Händlern und Kleinanlegern “indirekt” mit Bitcoin zu handeln.

Futures gehören zur Kategorie der Derivate. Derivate sind Finanzprodukte, deren Preise sich von einem Basiswert (“Underlying”) ableiten, z.B. Aktien, Anleihen, Kursentwicklungen, Rohstoffpreise, Indizes. Derivate bilden folglich den Preis einer Entwicklung ab, und zwar überproportional zum Basiswert, mit Hebelwirkung also – sie werden sowohl für Spekulationen als auch zur Risikoabsicherung eingesetzt.

Futures sind in ihrer Form Terminkontrakte, mit denen man sozusagen auf die Zukunft einer Anlage wetten kann, wie der Name “Future” schon andeutet. Eine Partei setzt darauf, dass der Preis in Zukunft fällt, und gewinnt die Differenz.

Ähnlich wie Optionen dienen Futures dazu, das Risiko zwischen zwei Marktteilnehmern  und sich so gegen Marktschwankungen abzusichern bzw. von ihnen zu profitieren.

Wo werden Futures gehandelt?

Futures werden ausschließlich an Terminbörsen und auf Terminmärkten gehandelt, zu denen man zugelassen werden muss. Die CME Group (Chicago Mercantile Exchange) ist die größte Terminbörse und zugleich die größte Rohstoffbörse der Welt. Die Abwicklung über die Börse gewährleistet dabei einen transparenten Handel und eine faire Kursstellung.

In Deutschland werden keine BTC Futures börsengehandelt, hier sind es ETN (Exchange Traded Nodes) oder ETCs (Exchange Traded Commodities). 

Ablauf eines Terminkontrakts

Bei einem Termingeschäft wird zwischen den Parteien festgelegt, dass eine bestimmte Menge zu einem im Vertrag festgelegten Zeitpunkt abgenommen bzw. geliefert wird.

Z.B.: Am 1. Januar wird ausgemacht, dass am 1. Juli 10 BTC zum Preis von je 50.000€ gekauft werden.

Die Akteure bei einem Future-Geschäft:

Bei einem Future sind stark vereinfacht zwei Akteure involviert: 

  1. Commercials bzw. Hedger:

Hedger sind die Besitzer des gehandelten Produkts. Sie versuchen mittels Termingeschäft Preisrisiken zu verringern oder auszuschließen. Das heißt sie wollen den Kassa-Preis (aktuellen Preis) mittels Terminkontrakt zu einem Zeitpunkt in der Zukunft absichern. 

Sie wollen also das aktuelle Preisniveau im Voraus für etwas festzuschreiben, das sie später kaufen oder verkaufen wollen.

Sie tun dies, indem sie am Futures-Markt eine identische, aber entgegengesetzte Position einnehmen als am Kassamarkt. Wenn der Preis der Ware schwankt, ist der Hedger geschützt, da Verluste in einem Markt durch Gewinne auf dem anderen Markt ausgeglichen werden, unabhängig davon, in welche Richtung sich der Preis bewegt. 

  1. Non-Commercials bzw. Spekulanten (auch: Consumers)

Spekulanten wetten auf Preissteigerungen. Sie nutzen Futures als Teil ihrer Anlagestrategie und setzen oft Hebel ein – deshalb liegt das Verlustrisiko besonders hoch. Spekulanten garantieren die Liquidität im Futures-Markt. 

So wird bei Futures der Preis ermittelt:

Für den Verkäufer eines Futures entsteht dann ein Gewinn, sobald der Kurs des Produkts fällt. Er kann es dann nämlich zu einem günstigeren Preis erwerben und liefern.

Anders herum verliert der Verkäufer eines Futures, wenn der Preis steigt – er muss dann zum höheren Preis das Produkt kaufen und liefern.

Ein Terminkontrakt ist bindend und muss erfüllt werden. Der Verkäufer (z.B. Bank) sichert sich mit so einem Future gegen fallende Kurse ab; der/die Käuferin wettet auf steigende Kurse. 

Futures kann man bis zum vereinbarten Termin halten, oft kaufen und verkaufen Spekulanten sie aber vor dem Verfall auf dem freien Markt. Einen Sonderfall bildet das Cash Settlement: Der Käufer/Investor bezahlt nur die Differenz zwischen Betrag im Terminkontrakt und Marktpreis am vereinbarten Tag.

Sicherheitsleistung beim Future-Handel

Als Sicherheitsleistung musst du beim Future-Handel eine “Initial Margin” einzahlen – das ist ein festgelegter Prozentsatz des Vertragsvolumens, z.B. 30%. Diese Margin kann während des Kontrakts erhöht werden, wenn die Kurse steigen – damit erhöht sich für den Käufer das Verlustrisiko.

Das Besondere an Futures: Weder Käufer noch Verkäufer müssen Bitcoin direkt handeln – der Handel wird in USD berechnet und abgewickelt, es entfallen also die hohen Transaktionsgebühren beim Kryptohandel und die Rechenprozesse (Zeitfaktor).

Futures sind standardisierte Terminkontrakte, werden also als “fertiges Paket” an der Börse gehandelt – sie sind deshalb sehr transparent, im Vertrag ist klar geregelt, welches Produkt in welchem Umfang wann geliefert werden muss

Das Potenzial von Bitcoin Futures

  • In Bitcoin investieren, ohne sie direkt kaufen und verwahren zu müssen
  • Futures sind standardisiert und transparent, die Bedingungen werden eingehalten
  • Damit fällt auch das Sicherheitsrisiko von Wallets (Hacking etc.) aus – aber andere Risiken kommen hinzu (Hebel, Sicherheitszahlung)
  • Futures dienen institutionellen Anlegern u.a. zur Absicherung gegen Marktschwankungen

Nachteile von Bitcoin Futures

  • Futures werden oft für Spekulationen eingesetzt
  • Mit Futures kann man auch auf fallende Kurse wetten/shorten. Hier drohen hohe Verluste bis zu Totalverlust 
  • Futures sind komplexe Finanzprodukte, für Einsteiger nicht geeignet, werden viel für Spekulationen eingesetzt

Bitcoin “ETFs”

Seit Oktober 2021 gibt es den ersten sogenannten Bitcoin-ETF in den USA von Proshares; es gibt wenige weitere Produkte in Asien und in Kanada. Die Veröffentlichung hat direkt einen Hype ausgelöst, der Bitcoin-Kurs wurde davon offenbar sogar positiv beeinflusst.

Der Bitcoin “ETF” ist noch ein Nischenprodukt, deshalb auch mit höheren Gebühren verbunden (möglicherweise höher als bei direktem Bitcoin-Handel).

Wir setzen ETF hier in Anführungszeichen, denn: Es handelt sich nicht um einen reinen ETF, weil physische Replikation nicht möglich ist. Tatsächlich investiert der Proshares Bitcoin ETF in Bitcoin Futures!

In Deutschland kannst du (noch) keine Bitcoin-”ETFs” handeln, denn die Regeln für ETFs können nicht erfüllt werden. Denn: ETFs gelten in Deutschland als Sondervermögen und müssen mindestens fünf Werte in einem Fonds abbilden. Das ist ähnlich bei Gold und anderen Rohstoffen: Deshalb gibt es keine Gold-ETFs in Deutschland, sondern nur Gold-ETCs (Exchange Traded Commodities).

Der Zugang zu Kryptowährungen abseits von Kryptobörsen ist derzeit deshalb nur via ETC oder ETN möglich. Über ausländische Börsen kann man Zugang zu BTC-ETFs und -Futures erhalten, hier solltest du auf jeden Fall die Konditionen beachte.  

Bitcoin Derivate in Deutschland

Wenn du Bitcoin über einen Neobroker handelst, solltest du das Kleingedruckte lesen. Manche Anbieter ermöglichen nämlich nicht den direkten Kauf von Kryptowährungen, sondern bieten sogenannte ETNs (Zertifikate) an.

ETNs und ETCs

ETNs und ETCs gehören zur Familie der Zertifikate, sie sind also börsengehandelten Schuldverschreibungen. Damit gehören sie nicht zum Sondervermögen, sind also im Insolvenzfall nicht geschützt (Emittentenrisiko).

ETCs kommen in großer Zahl beim Rohstoffhandel zum Einsatz; ETNs werden immer beliebter für den Handel mit Kryptowährungen. Auf Xetra sind im Januar 2022 40 Krypto-ETNs zugelassen.

Der große Unterschied von Zertifikaten im Vergleich zu Futures ist folgender: Zertifikate lassen sich flexibel ausgestalten, deshalb gibt es sehr viel mehr Möglichkeiten als bei Futures, die standardisiert sind. Die Spreads liegen bei Zertifikaten deutlich höher als bei ETFs.

Fazit

Futures, Bitcoin “ETFs” und Zertifikate wie ETNs ermöglichen den Zugang zu Bitcoin, ohne direkt Bitcoin handeln zu müssen. Damit ermöglichen sie vor allem institutionellen Anlegern mit Auflagen eine Möglichkeit, am Kryptomarkt teilzunehmen.

Ein Vorteil von Investments in Kryptowährungen über Zertifikate und Derivate ist das Wegfallen des Sicherheitsrisikos – Wallet-Komplikationen entfallen. Allerdings sind es Finanzprodukte, mit denen viel spekuliert wird und die hochriskant sein können.

Bei Zertifikaten gibt es keine Einlagensicherung – hier besteht das Emittentenrisiko.

Bitcoin-ETFs werden bisher nur im Ausland angeboten, denn sie erfüllen nicht die Kriterien für ETFs mit Sondervermögen-Schutz in Deutschland. 

Shownotes

Kommentare (0)


Kommentar schreiben