Finanzfluss Exklusiv Podcast Cover mit Thomas und Ana

#321 Reich werden mit Daytrading? Zwischen Nervenkitzel und Totalverlust

8. September 2022

Spekulieren, statt langfristig anlegen. Nervenkitzel, großes Risiko, aber noch größere Gewinne? Das versprechen sich viele von Daytrading. Nicht nur auf YouTube werben meist junge Männer, dass man ihre Trading-Akademie durchlaufen soll, um schnell reich zu werden. In dieser Podcast-Folge widmen wir uns dem Thema Daytrading. Im Interview erzählt uns ein aktiver Trader von den Auf und Abs, die er erlebt. Außerdem spreche ich mit einer Person, die das Traden aufgegeben hat und jetzt in ETFs investiert.

Was ist Daytrading?

Wer eine Aktie am selben Tag kauft und wieder verkauft, macht einen Daytrade. Gerade in den vergangenen Jahren, seit der Wirtschaftskrise 2008, war Daytrading beliebt – im Bullenmarkt sahen viele Menschen die Chance, mit volatilen Aktienkursen viel Geld zu verdienen. Ziel ist es, eine Rendite durch die Kursschwankungen innerhalb eines Tages zu erzielen – nach Gebühren, natürlich.

Wer an der Börse handelt, kann es sich schon denken: Mit kleinem Einsatz kann man auch bei stark volatilen Werten nicht viel reißen. Deshalb setzen viele Daytrader auf Hebelprodukte wie CFDs (Differenzkontrakte) – so kann man theoretisch mit vergleichsweise geringem Einsatz hohe Gewinne einfahren. Aber eben auch Verluste.

Statistiken zum Daytrading

Wie viele Daytrader gibt es eigentlich?

Ganz so einfach ist das nicht zu beantworten. Einer Untersuchung zufolge machten Daytrader im Jahr 2000 etwa 15% der Aktiengeschäfte aus. Also eine ganze Menge.

Auch interessant ist die durchschnittliche Haltedauer von Aktien: 1980 hielten Aktionäre weltweit ihre Anteile im Schnitt rund zehn Jahre lang. 2020 waren es im Schnitt 7,2 Monate. Natürlich liegt das auch an den neuen technischen Möglichkeiten und niedrigen Gebühren.

Wer sind die Daytrader?

Finanzökonom Brad Barber hat die Aktivitäten von Hunderttausenden Daytradern in Taiwan analysiert. Seine Ergebnisse: 

  • 97% der aktiven Daytrader waren Einzelpersonen.
  • Daytrading hat einen Anteil von 22% innerhalb der Handelsaktivität von Einzelpersonen.
  • Bei Institutionen macht Daytrading nur 5% der Handelsaktivität aus.

Und wie erfolgreich sind sie?

  • In einem typischen Jahr erzielten rund 20% der Daytrader in der Studie Nettogewinne. In den meisten Fällen ist das jedoch pures Glück. Denn: 
  • Langfristig betrachtet schaffen es nur 4.000 von 450.000 Daytradern, zuverlässig eine positive Rendite nach Gebühren einzufahren. Also weniger als 1%.

Diese 1% konzentrieren sich, so interpretiert es der Forscher, auf wenige Aktientitel und sind Experten auf diesem Gebiet – investieren also richtig viel Zeit.

Daytrading in der Praxis

Als Daytrader gibt es vereinfacht zwei Marktbewegungen, mit denen man Geld verdienen kann: 1) auf steigende Kurse spekulieren (“long gehen”), 2) auf fallende Kurse spekulieren (“short gehen”).

Anders als bei langfristigen Investments beobachten Daytrader permanent die Kursbewegungen ihrer Werte, um auf Veränderungen schnell reagieren zu können. Ihr seht schon: Um es richtig zu machen, muss man einiges an Zeit investieren. Anders als bei einem passiven, langfristigen Investment kann man sich nicht mal zurücklehnen und das Portfolio ignorieren.

Anders als bei Buy and Hold geht es hier nicht darum, welches Potenzial eine Aktie auf lange Sicht hat. Es geht um Liquidität, Handelsvolumen und Volatilität – denn Volatilität ist willkommen. Aktien, die langsam und stetig wachsen, sind für Daytrader nicht besonders interessant. 

Neben Aktien und Indizes sind gerade unter Daytradern Rohstoffe, Kryptowährungen und Devisen beliebt, sprich der Währungshandel. Devisen werden oft via CFD (Contracts for Difference) gehandelt – das sind Derivate, deren Wert sich von einem Basiswert ableitet.  Deine Anteile bilden also lediglich eine Forderung ab und du besitzt nicht Währungsantaile als solches. 

Mit CFDs kann man wesentlich mehr einsetzen, als man eigentlich hat – der Hebeleffekt. Außerdem kannst du damit shorten, also auf fallende Kurse setzen. Das ist – ihr könnt es euch denken – mit Risiken verbunden. Bis zum Totalverlust.

Wir raten eindeutig vom Daytrading ab. Beim Daytrading ist es wichtig, sich eine Strategie zu überlegen und natürlich auch ein Risikoprofil und eine Asset Allocation zu setzen.

Solche riskanten Geschäfte eignen sich nur, wenn man die Produkte extrem gut versteht und permanent ein Auge darauf hat. Folgerichtig ist Daytrading für Privatanleger eher ungeeignet – erfolgreiches Daytrading ist ein Job.

Shownotes

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