Nachteile von ETFs

Die Nachteile von ETFs

ETFs sind zurecht ein beliebtes Anlageprodukt: Sie sind günstiger, transparenter und besser zugänglich als viele Konkurrenzprodukte. Dennoch wollen auch kritische Stimmen zu ETFs nicht vorenthalten. In diesem Text stellen wir Kritikpunkte an ETFs vor – und erklären, warum manche der Sorgen unbegründet sind.

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Was du wissen solltest
  • Als ETF-Investor überlässt man seine Teilnahme an Hauptversammlungen der Fondsgesellschaft und hat damit de facto keine Mitsprache an den Unternehmen, die im Index enthalten sind.
  • Bei Swap-ETFs besteht das Kontrahentenrisiko, also der Bankrott eines der Tauschpartner. Dafür gibt es jedoch Schutzmechanismen.
  • Weil ETFs so liquide sind, könnten sie manche Anleger zum Zocken verführen, die eigentlich langfristig anlegen wollten, heißt es in Kritiken.
  • Ein Nachteil, der nur für Finanzberater gilt: ETFs sind für alle zugänglich und kostengünstig – sie machen Beratern einen Teil ihres Geschäfts strittig.

Aktionärsdemokratie: Als ETF-Investor kannst du nicht auf Hauptversammlungen mitentscheiden

Wenn du aktiv zum Beispiel in Einzelaktien investierst, hast du ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung des Unternehmens, dessen Anteile du kaufst. Außerdem kannst du durch Stockpicking (die Auswahl und Gewichtung von Aktien) Unternehmen, die gut wirtschaften, “belohnen”, indem du mehr Anteile kaufst und im Gegenzug Unternehmen “abstrafen”, die schlecht performen, indem du Anteile verkaufst. Das ist eine wichtige Kontrollfunktion, die einen Kern der Marktwirtschaft bildet. 

Auch bei ETFs gibt es Abstimmungsrechte für Hauptversammlungen. Diese gehen jedoch an die Fondsgesellschaft und nicht an dich als Anleger. Bei Swap-ETFs entfallen sie komplett. Denn: Durch den Tausch/die Entleihe von Wertpapieren gehen ach die Stimmrechte mit.

In den anderen Fällen üben die ETF-Anbieter es in der Regel für ihre Anleger aus. Manche wenige verzichten jedoch auch darauf. Als Anleger hast du also keinen Einfluss auf das Unternehmen. Übrigens: Worüber zum Beispiel abgestimmt wird, sind die Höhe von Dividenden, aber auch strategische Entscheidungen zu Themen wie Nachhaltigkeit.

Manche ETF-Kritiker sagen: Je mehr passive Investoren es gibt, desto ineffizienter werden die Märkte. Wer aktiv in Einzelaktien investiert, kann Unternehmen für ihre Performance “belohnen”, indem er Anteile nachkauft oder “bestrafen”, indem er Anteile verkauft. Das soll die Kurse von Unternehmen im realistischen Rahmen halten. Dieses Korrektiv geht Kritikern zufolge verloren, wenn es zu viele passive ETF-Investoren gibt.

Was viele nicht wissen: Der allergrößte Teil der ETF-Anteilhaber sind keine passiven Investoren, sondern große Fondsgesellschaften, die mit ETFs traden. Schätzungen zufolge sind weniger als 5% private Buy-and-hold-Anleger. Außerdem geht die Theorie der effizienten Märkte, die übrigens den Wirtschaftsnobelpreis gewonnen hat, davon aus, dass alle verfügbaren Informationen über ein Unternehmen bereits im Aktienpreis inbegriffen sind. Durch unser Konsumverhalten steuern wir die Aktienkurse mindestens im selben Maß wie durch den aktiven Handel mit Wertpapieren. Sprich wenn viele Deutsche anfangen, einen Tesla zu fahren, wird die Aktie steigen. 

Bei Nischen-ETFs kann es zu Liquiditätsengpässen kommen

Aktiv gemanagte Fonds halten in der Regel mehr Cashreserven bereit als ETFs, um im Fall eines Crashs schnell reagieren zu können, Anteile nachzukaufen oder umzuschichten. Bei ETFs wird dieser zusätzliche Puffer nicht benötigt.

Ein Szenario, das theoretisch möglich ist, in der Praxis aber sehr selten vorkommt, ist folgendes: In Krisenzeiten könnte es bei einem stark spezialisierten ETF zu Liquiditätsengpässen kommen, wenn die darin enthaltenen Wertpapiere nicht liquide genug sind, also nicht genug mit ihnen gehandelt wird. Das heißt, im Worst Case könnte es passieren, dass du dein Geld nicht sofort erhältst, wenn du deinen ETF-Anteil verkaufen möchtest. Dieses Risiko ist nicht ETF-spezifisch, sondern liegt an den darin enthaltenen, illiquiden Wertpapieren. 

ETFs können Krisen beschleunigen – andere Anlageprodukte aber genauso

Angenommen, der Anteil an ETFs am Kapitalmarkt wird größer, es steckt also immer mehr Geld in ETFs. Ein Kritikpunkt hierbei ist, dass ETFs globale Krisen/Finanzkrisen verstärken können und wie eine Art Brandbeschleuniger die Kurse fallen lassen. Dazu kann es kommen, wenn viele ETF-Anleger ihre ETF-Anteile verkaufen – die Fondsgesellschaft ist verpflichtet, die zugrundeliegenden Aktien ebenfalls zu verkaufen. So fallen die Kurse und ein Abwärtsspirale könnte beginnen: Weil die Kurse fallen, verkaufen noch mehr ETF-Anleger ihre Anteile und die Kurse fallen immer weiter. So zumindest die Theorie, besser bekannt als massenweise Panikverkäufe. 

Dieser Teufelskreis kann aber auch bei Einzelaktien, aktiv gemanagten Fonds, Immobilienfonds etc. passieren. Es ist kein typisches ETF-Problem, sondern hat mit der Anlegerpsychologie zu tun (Panikverkäufe bei Verlusten). Solche Panikverkäufe können jede Assetklasse treffen.

ETFs verführen manche Anleger zum Zocken

Im Gegensatz dazu sagen manche Kritiker: ETFs können zum aktiven Handel verführen, weil sie so kostengünstig und immer verfügbar, also liquide, sind. Diese Sorge äußerte unter anderem der verstorbene Vanguard-Gründer John Bogle, der als Erfinder des ETFs gilt. In Interviews hat er Anlegern davon abgeraten, mit ETFs zu spekulieren. Auch Nischen-ETFs fand er unsinnig. Stattdessen empfahl er Indexfonds. 

Den Unterschied zwischen Indexfonds und ETFs erklären wir in diesem Artikel. Hier eine Zusammenfassung: 

ETFs sind Indexfonds – mit der Besonderheit, dass sie börsengehandelt sind. Das heißt: ETF kannst du zu den Börsen-Handlungszeiten laufend kaufen und verkaufen. Klassische Indexfonds werden nicht an der Börse gehandelt, sondern über den Fondsanbieter abgewickelt. 

Mit Indexfonds kann man also weniger “zocken”. Und genau dieses Zocken oder Spekulieren geht gegen Bogles Grundgedanke, als passiver Investor auf den Markt zu setzen.

Trotz Absicherung nie ganz ausgeschlossen: das Kontrahentenrisiko bei Swap-ETFs

Bei der Vielzahl an ETFs auf dem Markt gibt es verschiedene Methoden, einen Index abzubilden. Bei einer SWAP-basierten Replikation bildet der ETF den Index über ein Finanzderivat ab. Dabei besteht das Kontrahentenrisiko; denn: Der ETF-Anbieter geht ein Tauschgeschäft, einen Swap, mit einem Tauschpartner ein (anderes Kreditinstitut). Bei diesem Tauschgeschäft kann es theoretisch zu dem Fall kommen, dass einer der Tauschpartner pleite geht, was die Rendite gefährdet. 

Ein EU-Gesetz reduziert dieses Risiko mit folgender Regel: Der Unterschied zwischen Trägerportfolio und Tauschportfolio darf maximal 10% betragen. Wenn z. B. der MSCI Emerging Markets bei 100€ und das Trägerportfolio bei 110€ steht, dann muss spätestens zu diesem Zeitpunkt “geswappt” werden und der Überschuss fließt von einem Swap-Partner zum anderen. Das gilt auch umgekehrt, wenn der MSCI Emerging Markets bei 100€ steht und das Trägerportfolio bei 90€. Die meisten ETF-Anbieter swappen aber deutlich früher als erst bei dieser 10% Hürde. 

Zusätzlich ist es üblich, dass Swap-Partner das hinterlegte Vermögen absichern, indem sie Geld in Sicherheitsleistungen anlegen. Zum Beispiel in deutsche Staatsanleihen, die sehr risikoarm sind. 

Bei etablierten, deutschen ETFs mit großem Fondsvolumen ist das Risiko also gering. Die meisten Swaps sind sogar “überbesichert”, d.h. das Kreditinstitut hat sogar Sicherheiten hinterlegt, die das Fondsvolumen übersteigen. Bei in Deutschland geführten Swap-ETFs ist das Risiko deshalb überschaubar. Meist wird bei spätestens 10% Kursdifferenz geswappt. 

ETFs sind günstig – ein Vorteil für viele und Nachteil für manche

ETFs sind einfach zugänglich, transparent und kosteneffizient – und damit ein attraktives Anlageprodukt für große und kleine Anleger. Sie demokratisieren sozusagen den Zugang zum Aktienmarkt. Allerdings bringt das folgenden Nebeneffekt: Viele Anleger nehmen ihre ETF-Anlage selbst in die Hand, informieren sich auf YouTube oder Blogs. 

Das ist manchen Anlageberatern ein Dorn im Auge, denn: Ihnen fällt damit ein Teil ihres Geschäfts weg – und damit bares Geld, dass sie als Provision kassieren, wenn du über Sie ein Produkt abschließt. Dieser “Nachteil” betrifft also nur eine bestimmte Gruppe, nämlich Bank- und Anlageberater. Für dich als ETF-Investor ist es eher ein Vorteil.

Das gilt für einige der oben genannte Kritikpunkte: Sie werden von Interessengruppen oder Beratern aufgeführt, die selbst gerne ein Stück vom Kuchen (=Provision) hätten. Das soll nicht heißen, dass ETFs perfekt sind oder jede Kritik falsch ist. Wir wollen dich sogar ermutigen, dich mit den verbundenen Risiken ausführlich auseinanderzusetzen.

Wir haben auch ein Video zum Thema gemacht:

Häufig gestellte Fragen

Was sind die Nachteile von ETFs?

Hat man als ETF-Anleger Stimmrechte auf der Hauptversammlung?

Was ist das Kontrahentenrisiko bei ETFs?